Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Eröffnung der Strandsaison

Es war noch nicht einmal richtig grün: die Espen sind noch ganz kahl, die Birken noch hellgrün, die erst ein paar Tage alten Eschenblätter glänzen noch. Das Schilf in den Buchten ist noch wintergelb.

Die Luft aber, die hatte 26 Grad im Schatten. Und das Wasser in der Bucht am Lieblingsstrand war immerhin schon zwölfeinhalb Grad warm. (Wozu gehen wir schliesslich den ganzen Winter eisbaden?!)

Auf den Wiesen leuchteten die Löwenzahnsonnen, die Apfelbäume hatten sich ganz in weisse Spitze gehüllt, über die Felder staksten Kraniche und Kiebitze, über die Strasse sprangen Rehe, ungerührt trippelte neben unserer Decke eine Bachstelze knicksend durch den Sand, und die Gruppe Schwäne wendete nicht einmal die Köpfe nach uns.

Wir waren auch heute wieder ganz allein am Strand.


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Spass mit Pappschnee

Gestern war, dank Südwind und Nieselregen, bestes Schneemannbauwetter.
(Haben wir ja auch nicht so oft.)

Leider auch eben derartiges Schmuddelwetter, dass als einzige vernünftige Winteraktivät Eisbaden übrigblieb.

Zwischen zwei Saunagängen aber, da konnte man sich prima eine Schneeballschlacht liefern, oder eine Schneekugel wälzen, die mit jedem Saunagang grösser wurde.

(Der Plan war, sie am Ende mit vereinten Kräften ins Meer zu wälzen. Aber der Schnee war stärker als wir.)


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Meer, gefrorenes

Was mich ja am meisten erstaunt hat, war, dass das Meer schon richtig gefroren ist.

Es ist ja noch gar nicht so lange Winter! Und so richtig extrem kalt ist es ja auch noch nicht gewesen!

Dennoch schnurpste sich die Suomenlinna-Fähre gleich am Freitagabend durch ziemlich dicke Eisschollen, die erst blitzschnell von schwarzen Rissen durchzogen wurden und sich dann polternd rechts und links der Fahrrinne aufeinanderschoben.

Reingehen kann man da natürlich auch.

(Aber dann gingen wir schnell zurück in die Sauna.)


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Kurzurlaub, blauweiss

Es gibt der letztjährigen Zusammenfassung des Kurzurlaubs mit der liebsten Freundin nichts hinzuzufügen. Ausser, dass das Wetter noch besser war diesmal.

Schnee, Sonne, -16 Grad.
Mein Lieblingswetter.

Das ist der Öltanker, der die Tallinn-Fähren im Südhafen betankt und neben ihnen total winzig aussieht. Ich möchte wirklich gern mal dort sein, wenn so eine vier- oder fünfmal so grosse Fähre dort durchfährt!

Zum Glück war’s nicht so dringend.

Gilt nicht für Hasen.

Nur als das Licht kurz vor zwei doch schon wieder deutlich abendlich wurde, war klar, dass noch eine ganze Weile lang nicht März sein wird.


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Januarsonne

Der Ähämann und das Fräulein Maus sind heute an die Arbeit und in die Turnhalle zurückgekehrt. Den Ähämann fuhr ich kurz nach sechs zum Bahnhof. Es war bitterkalt, die Strassen vereist, der Schnee knirschte unter den Füssen, und die Venus war so gross, dass ich sie zuerst für ein landendes Flugzeug hielt. Als ich wieder nach Hause kam, leuchtete der Weihnachtsbaum so anheimelnd, dass ich mir eine Kerze anzündete und eine Stunde lang in der sonst dunklen und stillen Wohnung Kaffee trank, ein Brötchen ass und dabei las. Als es schon ganz sachte zu dämmern anfing, legte ich mich wieder hin und wachte erst nach zwei Stunden wieder auf. Da war es kurz vor halb elf, und alle drei Kinder schliefen immer noch. Ferien…! <3

Nachmittags fuhren wir das Fräulein Maus zur Turnhalle, und die Herren Maus und ich fuhren – denn es gibt nichts Besseres, was man bei diesem Wetter machen kann – zur Eisbadesauna. Da war es dann schon halb drei, und die Sonne stand schon wieder sehr, sehr niedrig. Eine Stunde später war sie untergegangen, noch eine Stunde später leuchtete der Himmel in allen Farben von dunkelblau bis tieforange. Als wir zum zweiten Mal ins Wasser gingen, hatte sich auf dem Meer eine Eishaut gebildet, und von Saunagang zu Saunagang konnten wir zugucken, wie sie dicker und grösser wurde.

Dann aber mussten wir uns sputen, um den Ähämann vom Bahnhof abzuholen, der mit dem kleinen Herrn Maus nach Hause fuhr und das Fräulein Maus aus der Turnhalle abholte, während der grosse Herr Maus und ich ins Kino gingen. Und noch als wir mit dem Bus nach Hause gefahren und die letzten 500 m gelaufen waren, fühlten wir uns ganz saunawarm. Von aussen und innen.


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9. Dezember

Heute wurde es zwar gar nicht erst hell, dafür aber waren wir Weihnachtslieder singen.

Da wir letztes Jahr endlich drauf gekommen sind, dass man nicht nur im Dom schöne Weihnachtslieder singen kann, haben wir beschlossen, dieses Jahr jede Gelegenheit zu nutzen: zu singen – und neue Kirchen kennenzulernen.

Heute waren wir auf Kakskerta, der überübernächsten Insel – es gibt hier in drei Himmelsrichtungen nächste, übernächste und überübernächste Inseln; heute also die überübernächste Insel, die noch zum Stadtgebiet von Turku gehört – auf der wir schon seit bestimmt zehn Jahren nicht mehr waren.

Im Jahr 1686 zogen die dortigen Fischer eines Tages einen Rekordfang an Land. Dankbar beschlossen sie, an der Stelle eine Kirche zu errichten. Der Erlös der einhundert Fässer Fisch, die sie auf dem Turkuer Markt verkauften, bildete den Grundstock zur Finanzierung des Kirchenbaus. Kriege und Missernten verzögerten den Baubeginn, schliesslich wurde eine preiswerte Holzkirche errichtet. Aber die Inselbewohner hielten an ihrer Idee einer richtigen Steinkirche fest. Der Gutsherr von Kakskerta gab Geld und stellte das Baugrundstück zur Verfügung, die Inselbewohner arbeiteten auf der Baustelle. 1769 war ihre Steinkirche endlich fertig. Direkt am Meer und so auch von noch weiter entfernten Inseln gut mit Kirchbooten zu erreichen.

So schön. Nächstes Wochenende möchte ich bitte wieder Weihnachtslieder singen gehen.


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Halbfertige Schiffe gucken

Im November ist keine Zeit für lange Ausflüge und ausgedehnte Wanderungen: zu schnell verschwindet die Sonne, wenn sie denn überhaupt mal zu sehen ist, wieder.

Und so begaben wir uns heute auf einen klitzekleinen Rundweg, der landschaftlich nicht viel zu bieten hat – aber immerhin beste Ausblicke auf die Turkuer Werft.

Die Werft hält Turku am Leben: sind ihre Auftragsbücher voll, geht es den Turkuern gut. Die Werft schafft Arbeitsplätze – sogar meiner ist ein Stückchen durch die Werft gesichert, hihi! – und da ist es dann auch schon egal, dass sich die derzeit im Bau befindlichen Schiffe der „Mein Schiff“-Serie nach dem grössten und zweitgrössten Kreuzfahrtschiff der Welt sowie der wunderbaren „Grace“ ein bisschen langweilig und altmodisch ausnehmen.

Von Zeit zu Zeit werden auf der Werft Besichtigungstouren angeboten – der Ähämann war schon mal da, ich leider immer noch nicht – aber Kinder unter 15 sind nicht zugelassen. Da ist es schön, wenn sie wenigstens von ziemlich aus der Nähe mal gucken können. 

Wie sich herausstellte, waren wir übrigens gerade noch rechtzeitig da: heute Abend bricht die „Mein Schiff 2“ – die eigentlich „Mein Schiff 8“ heissen müsste, aber TUI ist in seiner Namenskreativität tatsächlich noch steigerungsfähig und für mich heissen die sowieso seit Jahren alle „Mein Schiff 28“ – nämlich zu einer ersten einwöchigen Probefahrt auf. Da wäre dann nicht mehr viel zu sehen gewesen, obwohl an den nächsten zwei Schiffen auch schon gebaut wird.