Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Allein am Strand

Noch nie waren wir so spät im Jahr noch am Strand.
Noch nie war es am Lieblingsstrand so schön wie heute.

Über dem blassblauen Wasser hing Dunst. Kleine Wellen schwappten ans Ufer. Hinter uns riefen die Kraniche, die wir gerade erst als kleines Grüppchen, sich Reiseproviant anfressend, auf einem Feld hatten zusammenstehen sehen. Die Kiefern und Erlen reckten ihre Äste dunkelgrün wie an jedem Sommertag in den Himmel, aber die grosse Birke neben dem Strand hatte sich schon breite, gelbe Strähnchen gefärbt, und der Vogelbeerstrauch leuchtete rot in der blassen Herbstsonne. Der Sand fühlte sich warm an unter den Füssen. Das Wasser liess uns kurz nach Luft schnappen, als wir uns hineinfallen liessen. (Dabei ist es immer noch – der Ähämann hat gemessen – 19 Grad warm.) Ein Haubentaucher schwamm ungerührt neben uns her, und ein grosses Frachtschiff zog in der Ferne vorbei.

Ausser uns war kein Mensch am Strand.


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Ohne uns

Finnland ist heute kollektiv zurück an die Arbeit gegangen.

Wie toll dieses „Endlich wieder Alltag!“ sein soll und dass ich das unbedingt mit neuer Kleidung, neuen Rezepten, vielleicht sogar einem neuen Auto feiern soll, versucht mir die Werbung schon seit zwei, drei Wochen weiszumachen.

Ich sag mal so: der Ähämann freut sich auf seine neue Arbeit. Ich freue mich auf meine nicht mehr ganz so neue Arbeit. Ein Kind kann die Schule kaum noch erwarten, zwei Kinder werden zumindest nicht widerwillig wieder hingehen in zwei Wochen.

Aber den vielgepriesenen Alltag, der nun endlich wieder einzieht, den hat heute keiner von uns auch nur das kleinste bisschen vermisst.


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Halber Ring

30 Autos hatte der Ähämann gezählt. Wohnmobile doppelt, selbstverständlich. Könnte klappen, aber könnte knapp werden. Ganz schön klein nämlich, die „Antonia“, nur drei Autospuren, und nicht sehr lang. Bisher waren wir nie in der Hochsaison mit ihr gefahren, aber jetzt war die Warteschlange schon lange vor der ersten Abfahrt des Tages ziemlich lang. Abwarten.

12:15 Uhr sollte Abfahrt sein. 12:10 Uhr hatte sich die Warteschlange langsam in Bewegung gesetzt. 12:25 Uhr wurde das kürzeste Auto, das sich noch in der Warteschlange befand, vorgewinkt. 12:26 Uhr wurde, zwei Autos vor uns, der Schlagbaum heruntergelassen. Mist. Passen also 27 Autos auf die „Antonia“, keine 30. Nächste Abfahrt in drei Stunden. Hätten wir mal gleich nach dem Aufstehen den Herrn Picasso in die Warteschlange gestellt und das Zelt dann hinterhergetragen!

Eine Dreiviertelstunde später war die „Antonia“ immer noch nicht abgefahren. 13:05 Uhr wurden die ersten Autos rückwärts wieder runterrangiert. Motorschaden. Heute keine Abfahrten mehr. Morgen vielleicht. Nein, keine Ersatzfähre – ist die „Antonia“ ja sowieso die Fähre, die nur für die Touristen fährt und in den zwei Sommermonaten die Lücke in der Schärenringstrasse schliesst. Alle Ortschaften kann man auch ohne sie – jeweils von Norden oder Süden – erreichen.

Keine Rundfahrt diesmal also. Schade.

Sowieso hatten wir uns erst Samstagmittag entschieden, mal wieder die gesamte Schärenringstrasse mit allen acht Autofähren abzufahren. Innerhalb von anderthalb Stunden hatten wir Zelt und Klamotten ins Auto gepackt und waren losgefahren. Waren zwei Minuten lang Autofähre gefahren oder eine halbe Stunde, hatten unterwegs gebadet und gegessen und uns einen Sturm, so warm wie direkt aus der Wüste, um die Köpfe wehen lassen und uns über die von ihm aufgetürmten Wellen gefreut, und als wir am sechsten Fährhafen ankamen, schlief die „Antonia“ schon, und wir bauten auch unser Zelt auf und die Kinder bandelten mit anderen Kindern an und der Ähämann und ich tranken ein Bier und hörten der Kapelle zu, die für ein paar Tangotänzer aufspielte und erst als es ziemlich finster und wir ziemlich von Mücken zerstochen waren, krochen wir ins Zelt, und morgen würden wir die Reise fortsetzen und die nördliche Hälfte der Schärenringstrasse fahren.

Oder eben nicht. Uns traf es nicht so hart wie andere Leute – immerhin hatten wir keine Unterkunft auf der anderen Seite gebucht, und wir waren die gesamte Ringstrasse ja auch schon das eine oder andere Mal komplett gefahren. Sowieso finde ich den südlichen Teil der Ringstrasse schöner, und ausserdem fanden wir auf der Rückfahrt noch eine Badestelle mit für diesen Sommer unvorstellbar kaltem und klarem Wassesr – kein Wunder, sie liegt nämlich direkt unterhalb des Zentimeter-hoch-Bergs, und unterm Wasser geht der Berghang genauso steil weiter – für deren Entdeckung allein schon sich die ganze Fahrt gelohnt hat.

Die „Antonia“ fährt übrigens bis heute noch nicht wieder.


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Strandtest

(22) Naantali, Kesäranta

Es gibt tatsächlich immer noch Strände – und gar nicht mal weit weg! – die wir noch nicht kennen!

Der hier ist ähnlich luxuriös wie Turkus bekanntester Badestrand: flacher Sandstrand, Liegewiese, Klettergerüste und Schaukeln, Dixiklos (was ich ja sehr viel unangenehmer finde als so ein Waldklo, wie man es an den meisten Stränden findet), Umkleidekabinen (zwei sind ein bisschen wenig), Grillplatz (selbstverständlich mit Holz), Kaffeekiosk und offensichtlich auch Sauna (die entdeckten wir erst auf dem Rückweg zum Auto). Ganz toll sind aber die beiden Stege zu beiden Seiten des Strands, von denen man springen und zwischen denen man, wenn man will, auch hin und her schwimmen kann.

Ein bisschen surreal fühlte sich das Schwimmen dort gestern allerdings an: die Ostsee, die sonst immer kalt und kälter ist, hatte Spassbadwassertemperatur, und um den Kopf wehte eine heisse Brise wie direkt aus dem Backofen.

Da der Strand direkt hinterm Golfresort liegt, hat man auf der einen Seite leider einen wenig schönen Ausblick auf die Yachten und Häuser der Reichen und Schönen; auf der anderen Seite aber schönste Landschaft, wie sie hier eben so ist.

Ich wünschte, ich hätte von diesem Strand schon gewusst, als die Mäusekinder noch müde gesonnt und gebadet werden mussten klein waren…!

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Sonntagsseefahrt

Weil’s so schön war, sind wir auch diesen Sonntag wieder Schiff gefahren. Kreuzfahrt für Arme, sage ich immer, denn unsere Autofähren und Verbindunsschiffe hier sind – wir zahlen gern Steuern! – komplett kostenlos, und jede einzelne fährt durch allerhübscheste Landschaft. Man kann gar nicht oft genug Autofähre fahren!

Ich weiss gar nicht, wie oft wir schon in Kasnäs sehnsüchtig der Autofähre, die noch weiter nach Süden fährt, hinterhergeguckt und dabei gedacht haben: mit der müssten wir auch mal fahren! (Man muss sich da nämlich leider ein bisschen nach dem Fahrplan richten, weil sie am Wochenende nur viermal am Tag fährt.)

Diesen Sonntag also. Der Wecker klingelte lange vorm Aufstehen um acht, weil vor der Abfahrt auch noch bei der Pflegekatze vorbeigefahren werden musste, um ihr Futter und Streicheleinheiten zukommen zu lassen, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Die Fähre nach Rosala fährt wirklich durch schon fast alleräusserstes Schärengebiet, da, wo die Inseln viel kleiner und runder und felsiger sind als auf unserer üblichen Autofährstrecke, und wo man ab und zu schon einen Blick aufs offene Meer erhaschen kann.

Damit die Schifffahrt auch ein Ziel hatte, besuchten wir das Wikingerdorf in Rosala, das mich bisher eher nicht gelockt hatte, weil ein Besuch dort in den völlig überteuerten Schifffahrten zu Finnlands höchstem Leuchtturm enthalten ist. Dabei ist es dort wirklich nett: man darf sehr viel ausprobieren und anfassen, es gibt sogar Hasen und Hühner, und weil wir in der Hochsommerhitze fast die einzigen Besucher dort waren, zumindest die einzigen, die sich länger als eine halbe Stunde dort aufhielten, fühlte ich mich ein bisschen wie in der Idylle in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.

Danach an den Strand gleich daneben, wo hinter den Schären, die man von da aus sieht, tatsächlich das offene Meer anfängt, und dann mit der Fähre zurück, und auf der Rückfahrt das obligatorische Sommereis aus dem Supermarkt. (Gelobt seien die finnischen Ladenöffnungszeiten!)

Hach, Sommerferien…!


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Strandtest

(21) Parainen, Bläsnäs

Dieses Jahr ist der finnische Sommer endlich mal wieder so, wie er sein soll. Seit zwei Wochen wird es jeden Tag heisser, und wir haben kurzerhand unsere Wander- und Städtereisepläne auf später verschoben und verbringen unsere Ferien derzeit am Wasser. Und es gibt tatsächlich immer noch Badestrände in der näheren Umgebung, an denen wir in 15 Jahren noch nicht waren!

Heute auf Wunsch dreier Kinder: endlich an den „Blaualgenstrand“, an dem es derzeit amtlich bestätigt noch überhaupt keine Blaualgen gibt. (Aber an dem das Wasser so warm ist, dass es wohl nicht mehr lange dauern wird.)

Hübscher Strand mit Umkleidekabine, Klo, Rettungsring, Spielkarussell, flacher Sandstrand, Steg, und – der Hammer! – Sprungturm mit 1-, 3- und 5-Meter-Brett.

Bisschen voll, weil sich die gesamte Jugend der Umgebung dort zu treffen scheint, aber dafür wiederum ausgesprochen ruhig und friedlich. Der Sprungturm drohte manchmal halb zu sinken, weil er auf sämtlichen Ebenen brechend voll von palavernden jungen Männern bestanden war – die aber höflichst den kleinen Herrn Maus durchliessen und bisweilen auch noch anfeuerten.

Tja, und wie jemand – mit Absicht! – mit Vollkaracho mit dem Fahrrad vom Steg ins Wasser fährt und dann von fünf anderen samt Fahrrad lachend wieder rausgezogen wird, das gibt’s auch nicht an jedem Strand zu sehen.

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Pfadfinder müsste man sein…!

Der grosse Herr Maus war letzte Woche vier Tage im Pfadfinderlager. Auf einer kleinen Insel, ganz weit draussen, die seinem Pfadfinderstamm gehört. Sie schliefen im Zelt, sie kochten und assen draussen, sie gingen schwimmen, angeln und rudern, sie lernten Seemannsknoten und wie man jemanden aus dem Wasser rettet.

Am Sonntag waren Eltern und Geschwister auf die Insel eingeladen, und deswegen schaukelten wir den grössten Teil des Tages bei traumhaftem Sommerwetter übers Meer: erst eine halbe Stunde mit einer gelben Autofähre, dann anderthalb Stunden mit einer blau-weissen Schärenfähre, die von bewohnter Insel zu bewohnter Insel fährt, und dann noch fünf Minuten mit dem Motorboot. (Und ein paar Stunden später das Gleiche zurück.)

Ich hatte schon halb vergessen, wie wunderschön es so weit draussen auf den ganz kleinen Inseln ist. Und dass man eigentlich viel öfter mit einer der Schärenfähren fahren sollte.


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Reiserückblick (1): Nach Süden segeln

Jede unserer Reisen beginnt auf dem Meer.

(So ist das, wenn man auf der anderen Seite der Ostsee wohnt.)

Sommerurlaub ist besonders schön, denn dann schiebt sich die „Grace“ nicht in finsterer Nacht, sondern im Abendsonnenschein am Badehäuschen vorbei durch den Wald aufs Meer hinaus.

Diesmal gab’s aber was Neues: schon am Hafen wunderten wir uns, was für eine sich drehende Säule die „Grace“ da neuerdings neben dem Schornstein hat.

Ein Segel! Voll cool! Und umweltfreundlich!

Man lernt nie aus…!