Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Als Ende März der Brief aus der Lieblingszahnklinik kam mit der Mitteilung, der Termin fürs nächste Zahnspangenrichten des grossen Herrn Maus sei von Mitte April auf den 2. Juni verlegt, hatte ich ja noch die – zugegebenermassen schon damals recht unrealistische – Hoffnung, dass ich da nochmal anrufen und mit der Begründung „Da sind wir in Deutschland“ um eine Terminverlegung bitten müsste.

Tja. Der grosse Herr Maus und ich standen heute zeitig auf und radelten hin.

Als wir ankamen, mussten wir erstmal probieren, wie diese neuen Handdesinfektionsspender funktionieren: man pumpt mit dem Fuss. Allüberall allerdings gibt’s jetzt nur noch vergällten Alkohol als Desinfektionsmittel, und dessen Geruch verursacht mir schon seit jeher Übelkeit. Ich fühle mich auch jedes Mal direkt zurückversetzt auf meine Inseln, wo wir die Mausefallen immer in Alkohol spülten, bevor wir sie umsetzten, um eventuelle Krankheiten oder Parasiten nicht von einer Insel auf die andere zu verschleppen. Was muss, das muss, ekliger Geruch hin oder her.

Als wir Richtung Wartezimmergang liefen, kam uns die Dentalhygienistin mit den Haaren auf den Zähnen entgegen und vertrat uns den Weg, sagte aber nichts. Irgendwann fiel dann mein Blick auf die Tür.

„Ach so“, sagte ich, und daraufhin begann sie dann auch endlich zu erklären. Wir warteten also direkt im Eingangsbereich. Das heisst, wir hatten uns eigentlich noch gar nicht gesetzt, als der grosse Herr Maus schon geholt wurde. (Man muss hierzulande ja nicht warten, und ausserdem waren wir unterwegs noch fünf Minuten bei der Rettung einer Entenfamilie behilflich gewesen.)

Ich hätte wahrscheinlich mit reingedurft – Kinder müssen hier nirgends allein hin, sogar als dem grossen Herrn Maus die Mandeln rausgenommen wurden, durfte ich mit bis in den Operationssaal und bei ihm bleiben, bis er eingeschlafen war – aber da der grosse Herr Maus ja schon gross und ihm alles vertraut ist, einigten wir uns ohne grosse Erklärungen auf alleine reingehen, ich gab der abholenden Zahnarzthelferin noch Terminwünsche für den nächsten Behandlungstermin mit und begab mich dann umgehend wieder ins Freie. Zehn Minuten später war der grosse Herr Maus wieder da und berichtete, die Zahnärztin hätte ihn mit Visier empfangen, und als erstes hätte er mit einer Desinfektionslösung gurgeln und gleichzeitig sagen müssen, wonach sie schmeckt. Ich vermute, wenn er gesagt hätte, nach nichts, wäre alles umgehend abgebrochen und er vermutlich zum Coronatest zwei Strassen weiter eskortiert worden.

Am Krankenhaus trennten sich der grosse Herr Maus und ich. Er fuhr zurück nach Hause und guckte nochmal, wie es um die Entenküken stand – „Ein Polizeiauto fuhr gerade weg. Und die Küken waren auch nicht mehr da.“ – und ich fuhr weiter auf Arbeit. Das war so auch nicht gedacht, dass ich diese Woche noch arbeite, aber wenn ich nun schon mal da bin, kann ich mich auch erst eine Woche später beurlauben lassen und noch beim Rückumzug in die alten Horträume mithelfen.

Besonders auf dem Rückweg freue ich mich jetzt immer, dass mein Arbeitsweg jetzt wieder nur noch halb so lang ist. Bis dahin, wo ich jetzt von Arbeit losfahre, bin ich bisher schon eine Viertelstunde unterwegs gewesen. Und heute stand da auch gleich noch so ein alter, eckiger Volvo am Anfang des Radwegs. Es war die 369. Wird doch langsam wieder.

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kolmesataakolmekymmentäkahdeksan

Eigentlich hätte ich heute früh den Herrn Picasso in die Werkstatt fahren müssen – wir gewöhnen uns langsam daran, dass er jeden Mai ein, zwei Wochen, bevor wir auf grosse Reise gehen, irgendein kleineres oder grösseres Gebrechen hat – aber ich konnte nicht, denn ich musste mit dem grossen Herrn Maus zum Zahnarzt, und da ich den Herrn Picasso nicht mit ins Sprechzimmer nehmen darf, fahren der grosse Herr Maus und ich wahlweise mit dem Bus oder dem Fahrrad in die Lieblingszahnklinik. Heute Fahrrad. Was gut war, denn wenn wir mit dem Bus fahren, benutzen wir den Vordereingang der Lieblingszahnklinik, wenn wir mit dem Rad fahren, aber den Hintereingang; vom Parkplatz aus, der nicht etwa für die Patienten gedacht ist, sondern den Uni- oder Krankenhausmitarbeiter mieten – also nicht etwa einen bestimmten Parkplatz, sondern nur das Recht, sein Auto überhaupt da abstellen zu dürfen, falls noch ein Platz frei ist – können. Jedenfalls stand auf dem, als wir die Lieblingszahnklinik verliessen und der grosse Herr Maus zur Schule und ich zur Arbeit davonradelten, eine 338.

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kolmesataayksi

Oder: Was sonst noch so los war in den letzten zwei Wochen:

Vorletzten Donnerstag fuhr ich mit dem Auto auf Arbeit. Ich versuche das normalerweise zu vermeiden, schon deswegen, weil es nahezu unmöglich ist, im Umkreis von einem Kilometer einen Parkplatz zu ergattern. Ich fand dann einen. Dass der nicht die beste Wahl war, stellte ich fest, als ich das Auto noch ein bisschen gerader ausrichten wollte und die Räder auf dem fünf Zentimeter dicken, spiegelblanken Eis auf der ziemlich steilen Strasse einfach nur durchdrehten. (Ich sah innerhalb der letzten beiden Wochen übrigens sehr viele Autofahrer, denen es genauso erging.) Ich liess den Herrn Picasso also schief eingeparkt zurück und hoffte, dass die Sonne während des Tages ihren Dienst tun würde: wenn schon nicht das Eis wegzutauen, es zumindest so weich zu schmelzen, dass ich abends wieder wegkommen würde. Auf den restlichen 800 Metern zur Arbeit zog es dann auch noch mir selbst die Füsse unter den Beinen weg. Der Splitt,der unter meinen Füssen gefehlt hatte, lag da, wo meine – ob der Aufregung und der doch schon recht kräftigen Sonne unbehandschuhte – Hand aufkam. Mit schmerzendem Rücken und einer bluttropfenden Hand kam ich auf Arbeit an und liess mir von der Kollegin erstmal einen Verband anlegen. Die hatte sich ihrerseits meine Ankunft auch anders vorgestellt, denn sie hatte Kerzen angezündet, Kaffee gekocht, Pulla mitgebracht und mir Blumen gekauft – zu Ehren meines ersten offiziellen Arbeitstages mit ordentlichem Arbeitsvertrag. Wenn an der Uni jemand im Lotto gewonnen irgendwelche Fördergelder ergattert hatte, dann war es üblich, dass derjenige für die Kollegen Torte ausgab. Ich habe das nie in Frage gestellt, aber ich sag‘ mal so: es gibt vielerlei Gründe, warum ich mich mit Freuden in die Reihe meiner ehemaligen Mitdoktorandinnen, die inzwischen Kindergärtnerin, Köchin, Krankenschwester… geworden sind und einhellig beteuern, ihre alte Arbeit noch keine Minute vermisst zu haben, einreihe.

***

Ich schaffte es am Abend tatsächlich, den Herrn Picasso wieder mit heimzunehmen, ohne warten zu müssen, bis sich in ein paar Wochen das Problem von selbst gelöst hätte. Einmal mehr habe ich dankbar geseufzt über mein Winterfahrtraining.

***

Letzten Donnerstag begleitete ich den grossen Herrn Maus – mal wieder, und ein Ende ist auch erst in mehreren Jahren abzusehen – zum Zahnarzt. Während wir an der Ampel neben der Haltestelle warteten, zeigte der grosse Herr Maus hoch zur Uni und sagte bedauernd: „Da gehst du jetzt nie mehr hin!“, woraufhin ich ihm zu seinem Erstaunen entgegnete: „Und das ist auch gut so!“. Ich erklärte ihm ein bisschen meine Beweggründe und war froh, dass er die Sache angesprochen hatte, denn zur Uni schicke ich üblicherweise keine sentimentalen Blicke wie zum Krankenhaus, aber am Fuss der langen Treppe zum Unihügel parkte eine 301, und für die wurde es ja auch wirklich langsam Zeit!

***

Am Freitag hatten alle drei Kinder einen Termin bei der Schulschwester zur FSME-Impfung. Ich fuhr mit dem kleinen Herrn Maus gemeinsam zur grossen Schule, Impfstoff im Wert von insgesamt 120 € vorsichtig im Kühltäschchen mit mir führend, und als wir von der Haltestelle zur Schule liefen, hupte es plötzlich hinter uns und die Vorschullehrerin aller unserer Kinder, die wir seit einem Dreivierteljahr nicht gesehen hatten, beugte sich zum Autofenster raus und wollte ein kleines Schwätzchen mit uns halten. „Und grüsst auch den grossen Herrn Maus und das Fräulein Maus von mir, und natürlich auch den Papa!“, sagte sie, als wir weitermussten, und dieser Kindergarten war wirklich unser Dorf und ich werde ihn noch lange vermissen. Sehr lange.

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Meistens lerne ich hier ja bei jeder Gelegenheit noch was Neues – neulich von der Schulschwester zum Beispiel, dass man Warzen auch einfach mit Jeesusteippi behandeln kann – aber am Freitag hat die Schulschwester, die diesen Job bestimmt seit 35 Jahren macht, auch was Neues gelernt – nämlich dass die Etiketten auf den Impfstoffampullen Aufkleber sind, die man abziehen und in den Impfausweis einkleben kann. Bitte, danke, gern geschehen, hat mir meine Jenaer Hausärztin schon vor 20 Jahren gezeigt, den Trick, und unsere Neuvolatante kennt den jetzt auch schon seit ein paar Jahren.

***

Hinterher gingen der grosse Herr Maus und das Fräulein Maus in ihre Klassenzimmer zurück, der kleine Herr Maus marschierte zur Haltestelle und fuhr in seine Schule, und ich fuhr weiter ins Stadtzentrum. Dort stellte ich fest, dass nicht nur schon die ersten Kehrmaschinen dagewesen waren, sondern dass auch schon die Theaterbrücke mit Narzissen geschmückt ist. Letzteres finde ich recht gewagt – ich weiss zwar aus eigener Erfahrung, dass diese Narzissensorte gut und gern 10 Grad minus aushält, aber die Nächte werden derzeit durchaus auch manchmal noch kälter. Aber gut, Frühling ist Frühling!

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Die Skier sind trotzdem noch nicht weggeräumt. Wenigstens einen der vorhergesagten sonnigen Ostertage möchte ich nämlich nochmal auf Skiern verbringen, und es sieht durchaus so aus, als ob das – zwar nicht in Turku, aber im nahe- und höhergelegenen Lieblingsskigebiet – was werden könnte. Zu Ostern noch skifahren und zu Vappu dann Picknick im T-shirt, das wäre so meine Idealvorstellung vom finnischen Frühling. (Und gar nicht so selten klappt das auch.)

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Sieben!

Wir stellten den Wecker auf kurz nach sechs, damit der arme Erstklässler, der als einziges Kind der Familie an vier von fünf Tagen schon früh um acht in der Schule sein muss, noch seine Geschenke auspacken kann.

Wäre gar nicht nötig gewesen. Er hibbelte schon seit kurz vor sechs im Bett rum.

Als die Geburtstagskerzen angezündet waren und er endlich aufstehen durfte, machte er mehrere sehr hohe Luftsprünge, als er den seit langem gewünschten Elefanten, dem er schon genauso lange den Namen „Riesen-Riesig“ zugedacht hatte – er hat nämlich auch einen „Riesig“ und einen „Winzig“ – erblickte.

Nach der ersten Schulstunde holte ich ihn wieder ab und fuhr mit ihm – wir sind ja da sowieso quasi zu Hause – in die Lieblingszahnklinik. Mit Überweisung von der Schulschwester. Am Tag vorher hatte er sich nämlich beim Sportunterricht die Vorderzähne eingeschlagen. Kandi 205 und Ausbilderin gaben beide Entwarnung – es waren zum Glück noch Milchzähne und die Verletzung auch nicht sehr tief. Dann liefen wir gemeinsam zurück zur Bushaltestelle, und dann stieg ein sehr erwachsener Siebenjähriger ganz allein in den Bus, winkte mir lachend noch einmal zu und fuhr zurück zur Schule.

Das dritte Kind wird irgendwie dreimal so schnell gross…
(Schon immer.)


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kaksisataakahdeksankymmentä, kaksisataakahdeksankymmentäyksi

Letzte Woche ist der Herbst ausgebrochen. Die Schatten werden länger, die Nächte kälter, die Morgende feuchter und die Blätter tatsächlich schon bunter. Für die Finnen ist ja sowieso schon seit Schulbeginn offiziell Herbst, aber mich überrascht das jedes Mal wieder, wie schnell der Sommer dann tatsächlich zu Herbst wird. Trotzdem war ich jeden Tag zu warm angezogen. Nachmittags wird es nämlich noch richtig warm.

Letzte Woche waren wir alle zum ersten Mal nach den Sommerferien krank. Es husten auch alle Hortkinder, die Freunde unserer Kinder und die Kassiererin im Supermarkt. Die erste Läusewarnung ist auch eingetroffen. In Finnland halten sich auch Parasiten und Krankheitserreger an ihre Zeitpläne. (Im November haben dann alle Grippe, im März Magen-Darm und kurz vor Vappu nochmal eine langwierige Flunssa.)

Letzte Woche habe ich das Fräulein Maus zum Zahnarzt begleitet, und sie anschliessend mich. Eigentlich wollte ich, wenn ich schon mal da war, denn anrufen ist generell nicht so mein Ding, nur nachfragen, ob ich mir schon mal – die Studenten sind noch nicht aus den Semesterferien zurückgekehrt – einen Termin machen lassen könnte. Nachdem ich mehrmals gefragt wurde, ob ich mir ganz sicher sei, dass ich, denn es dauert ja auch alles viel länger, wirklich von einem Kandi behandelt werden möchte, ging dann alles ganz holterdipolter, denn ach, wir könnten eigentlich gleich mal schnell gucken, was da bei dir so gemacht werden muss, und wenn du noch zehn Minuten Zeit hast, dann können wir auch gleich röntgen. Ja, bitte, danke, gern geschehen, dein Kandi ruft dich dann in den nächsten Tagen an und macht mit dir eine Zeit aus, willkommen! (Ich bin wirklich sehr dankbar für die Ausbildungszahnklinik!)

Letzte Woche sind endlich unsere Briefwahlunterlagen angekommen. (Jena hat vermutlich überdurchschnittlich viele im Ausland lebende ehemalige Bürger.) Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden.

Letzte Woche spazierte eine Herde ausgebüchster Schafe über unseren Hof. In den Hundsrosen sahen wir eine Gelbhalsmaus turnen. Die Nachbarin warnte uns vor der Kreuzotter, die sie direkt neben dem Spielplatz gesehen hatte. Wir standen mit angehaltenem Atem hinterm Schlafzimmerfenster, als Freund Fuchs kurz seine Beute – eine gewaltige Schermaus! – unterm Vogelbeerbaum ablegte, um kräftig zu gähnen und ein wenig zu verschnaufen, bevor er gemächlich die Strasse entlang davonschnürte. Auf unserem Zaun sammelt eine Ringeltaube Kräfte für den langen Flug über die Ostsee. (So ist das, wenn man zehn Meter vom Wald wohnt.)

Letzte Woche habe ich mir auf Arbeit eine Blase in den Mittelfinger gespitzt. Die fünf kleinen Mädchen, die sich spontan zu mir gesetzt, geholfen und am Ende noch die zweihundertdreizehn Stifte farblich sortiert hatten, präsentierten mir am nächsten Tag ebenfalls Blasen an ihren Fingern. (Weia. Aber wir hatten grossen Spass.)

Letzte Woche habe ich am gleichen Tag die 280 gesehen – mittags vor der Schule, aus der ich die Erstklässler in den Hort abholte – und die 281 – abends vor der Musikschule, als ich die Herren Maus zu ihrer Klavierstunde brachte.

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kaksisataaviisikymmentäyhdeksän

Weil gestern mein letzter Arbeitstag im Eichhörnchenprojekt war, ist der kleine Herr Maus seit dieser Woche Mittagskind. Ganz prima hatte ich mir das vorgestellt, die freien Nachmittage: endlich müssten wir nicht mehr so hetzen zwischen Arbeit, Schule, Kindergarten, Hort und den diversen Hobbys der Kinder!

Ha! Die vergangene Woche war eine der stressigsten, die ich je erlebt habe!

Vormittags bin ich weiterhin arbeiten gegangen (und werde das mindestens auch die nächste Woche und ganz sicher auch danach ab und an tun, weil man eben als Wissenschaftler nicht einfach so die Pipette fallen lässt mitten im Projekt aufhört, nur weil einen keiner mehr für die Arbeit bezahlt) – drei Stunden, haha, als ob man in denen irgendwas Nennenswertes schaffen würde! – und die Nachmittage waren ausgerechnet diese Woche, in der auch noch der Ähämann nach Helsinki pendelte und jeweils frühmorgens das Haus verliess und spätabends wiederkam, voll mit ausserplanmässigen Veranstaltungen, zu denen ich ja nun den kleinen Herrn Maus ab sofort immer mitschleppen muss. Der war am Ende der Woche so müde, dass er am Donnerstag freiwillig ins Bett kroch, um Mittagsschlaf zu machen!

Ich habe diese Woche sehr oft an die deutsche Freundin gedacht, die genau dieses Modell seit Jahren lebt und mir einst gestand, wie anstrengend das ist, früh sehr zeitig das Haus zu verlassen, dann in vier Stunden hochkonzentriert möglichst die Arbeit eines ganzen Tages zu erledigen, dann die Kinder aus Kindergarten und Schule einzusammeln, für sie zu kochen (das immerhin bleibt mir erspart!) und den Nachmittag mit Kinderbetreuung und Hausarbeit zu verbringen, weil man ja nun mal diejenige ist, die nur halbtags arbeitet.

(Ich habe ausserdem sehr viel daran gedacht, was die in Schweden lebende Mitbloggerin einmal so treffend schrieb: Das skandinavische Arbeitsleben – und ich möchte da noch hinzufügen: die Kinderbetreuung – verdirbt einen völlig für den deutschen Arbeitsmarkt. So wahr!)

Es hat vier Tage gedauert, bis ich von diesem Mama-arbeitet-halbtags-Modell völlig erschöpft war.

Als die Zahnärztin, die dem Fräulein Maus am Mittwochvormittag die feste Zahnspange entfernte, mich fragte, ob wir am nächsten Nachmittag für die Abholung einer nur noch über Nacht zu tragenden Zahnspange kurz vorbeikommen könnten, da habe ich nur noch matt genickt. (Und dabei ist das so toll da – die neue Zahnspange 28 Stunden nach Abdrucknehmen im Mund! Wir haben dann auch gleich mal mit dem kleinen Herrn Maus durchs Fenster im Erdgeschoss in das Zahntechniklabor gelunst – das übrigens sehr viel sauberer und moderner aussieht als die… äh… Werkstatt, die neulich bei der Maus gezeigt wurde.) Und als mir die Postfrau am Donnerstag auf der Post am anderen Ende der Stadt statt des erwarteten Pakets mit bestellten Geburtstagsgeschenken für das Fräulein Maus einen Maxibrief mit einem Werbekalender in die Hand drückte, da wäre ich gern einfach zusammengebrochen. (Immerhin stand in der Tiefgarage dort eine 259. Und dass an allen drei Parkplätzen mit Ladestation Autos eingestöpselt waren, hat meine Laune auch gehoben.)

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In der Zahnklinik

Die Zahnklinik ist ein bisschen kurios.

Das Gebäude ist rund – ganz innen befindet sich die Treppe, darum herum in einem kreisförmigen Raum das Wartezimmer. Dauernd geht eine der zwei Türen des Wartezimmers auf, und eine Zahnmedizinstudentin oder ein Zahnmedizinstudent ruft einen Namen. Heute so:

„Lehtonen!“ Mann erhebt sich.
„Suominen!“ Frau erhebt sich.
„Ist eine kleine Sofia hier?“ Mädchen mit Mama erhebt sich.
„Honkanen!“ Frau erhebt sich. „Honkanen, Esa!“, präzisiert die Zahnmedizinstudentin. Frau setzt sich wieder hin.
„Virtanen, Tommi!“, ruft ein Zahnmedizinstudent. (Damit sich nicht gleich vier Leute gleichzeitig erheben.)
„Kallio!“ Mann im Rollstuhl rollt zur Tür.
„Leskinen!“ „Lehtinen?“, fragt ein alter Mann.
„Lindström!“ Frau erhebt sich.
Fräulein Maus!“

Schade. Wir sitzen doch erst seit zwei Minuten im Wartezimmer und hätten uns das gern noch ein bisschen angeguckt!

Zwei Minuten?! Und so viele Leute? Wie geht denn das?

Das geht, weil sich um das Wartezimmer herum, als äusserster Kreis, ein Behandlungsraum befindet, in dem – ungelogen! – fünfzig Behandlungsstühle, nur von Schränken, Waschbecken und Computertischen getrennt, stehen.

Das Gebiss des Fräulein Maus wird eine halbe Stunde lang penibelst begutachtet – erst durch eine Zahnmedizinstudentin, dann durch deren Ausbilderin – zwischendurch darf sie den Zahnarztstuhl hoch und runter fahren, kleine Lampen und Spiegelchen inspizieren, bekommt erklärt, wie sie die neuen Backenzähne putzen soll, bekommt viel Lob für ihr gesundes Gebiss (obwohl wir verraten, dass es einen Karkkipäivä bei uns nicht gibt, und wir auch Saft zum Essen trinken), und darf sich am Ende eine Zahnbürste und ein kleines Spielzeug aussuchen. Sie strahlt wie ein Honigkuchenpferd.

Ich auch. Weil hier alle so gut mit Kindern können. Weil das Fräulein Maus schon jetzt einen Termin für in einem Jahr reserviert bekommt, obwohl die nächste reguläre Vorsorgeuntersuchung erst in der fünften (!) Klasse vorgesehen ist, aber sie vermutlich eine Zahnspange brauchen wird. Weil man nicht monatelang auf einen kurzfristigen Termin warten muss. Weil man nicht Stunden im Wartezimmer zubringt.

Weil ich so gerne hier bin.

Ein fröhlicher kleiner Herr Maus bei seiner ersten Kontrolluntersuchung bei einem richtigen Zahnarzt – in der Zahnklinik!