Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kolmesataakaksikymmentäyksi, kolmesataakaksikymmentäkaksi

Oder: Schnipsel aus der Dunkelheit

Von einem Tag auf den anderen war es – wie jedes Jahr – finster. Am Freitag ging ich nach der Arbeit noch im Hellen nach Hause, am Montag im Stockfinstern.

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Alle Finnen durften übrigens neulich an einer Onlineumfrage teilnehmen, was sie bevorzugen würden, sollte tatsächlich die Uhrenumstellung in der EU abgeschafft werden: Winterzeit, Sommerzeit oder ganz was anderes. Ich bin ja seit Jahren für ganzjährige Sommerzeit, vielleicht hört dann jetzt ja endlich jemand mal auf mich.

(Mal abgesehen davon, dass es hierzulande eigentlich sowieso völlig wurscht ist: es ist sowieso entweder andauernd hell oder andauernd dunkel.)

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Die gesamte Kinder-zu-ihren-Hobbys-Fahrerei – mit Ausnahme des sonntagnachmittäglichen Schwimmtrainings des kleinen Herrn Maus (obwohl, an manchen Sonntagen…) – findet dann jetzt also auch wieder komplett im Finstern statt. Wie immer frage ich mich, wie ich überhaupt irgendein Kennzeichen wahrnehmen kann, während ich beim Fahren ja hauptsächlich damit beschäftigt bin, schwarzgekleidete Radfahrer ohne Beleuchtung und schwarzgekleidete Fussgänger ohne Reflektoren rechtzeitig zu erspähen. Trotzdem habe ich die 321 gesehen, die uns entgegenkam, als ich das Fräulein Maus ans andere Ende der Stadt zu einer Halloweenparty mit ihrer Mannschaft fuhr – die hatten übrigens allesamt die schönsten Halloweenverkleidungen, die ich je gesehen habe! – und die 322, die auf dem Supermarktparkplatz stand, als ich neulich, während der grosse Herr Maus bei den Pfadfindern war und weitere 80 Adventskalender abholte, Briefumschlagnachschub kaufte. Die 324 habe ich auch schon gesehen, ein sehr schönes blaugrünes Müllauto, aber tja.

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Zur Zeit komme ich nicht nur im Finstern von Arbeit nach Hause, sondern fahre auch schon im Finstern zur Arbeit. Mein Arbeitstag beginnt derzeit um acht statt um elf, und zwar in der Schule. Da meine Ausbildung zur Horterzieherin auch die Ausbildung zur Assistenzlehrerin beinhaltet, muss ich jetzt eine Zeitlang in der Schule arbeiten. Mir macht das grosse Freude, ganz aus der Nähe zu erleben, wie Schule hier so funktioniert, und gerade dieses Assistenzlehrersein ist wirklich eine dankbare Aufgabe. Nur die drei Stunden am Vormittag fehlen mir. Sehr.

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Zur Zeit bräuchte ich nämlich jede freie Minute, weil ich bis zum Ende des Schulhalbjahres kurz vor Weihnachten eigentlich drei von meinen vier Lehrproben abgelegt haben möchte. Ab Januar werde ich nämlich unseren Hort hauptverantwortlich schmeissen, weil die beste Chefin von allen in Mutterschutz geht und mir ihre Vertretung anvertraut – was mich abwechselnd mit Freude und Panik erfüllt; aber nachdem ich nun einige Monate Zeit hatte, mich an den Gedanken zu gewöhnen und neue Routinen mit den neuen Kindern in den neuen Räumlichkeiten zu finden, ist die Panik immerhin nur noch ganz klein. Die Lehrproben an sich sind kein Problem – ich werde halt einfach meine Arbeit tun wie sonst auch – aber diese detaillierten Pläne, die man aus irgendwelchen Phrasen erstellen muss, die sind nicht nur furchtbar, sondern brauchen unheimlich viel Zeit – erst recht, wenn man sie nicht in seiner Muttersprache schreibt. (HENSU wird mein Unwort des Jahres, ganz klar.)

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Ich bin deshalb auch ein bisschen hinterher mit der Adventskalenderverschickerei. Gestern Abend aber habe ich so lange eingetütet, bis die Kalender – und die Briefmarken auch – alle waren. Am Montag gibt’s Nachschub.

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Seit einer Woche nieselt es ununterbrochen. Sonne habe ich schon seit zwei Wochen keine mehr gesehen. (Letzten Sonnabend gab es einen sonnigen Nachmittag, aber den verbrachten wir ja in der Turnhalle.) In diesem wunderbaren Sommer allerdings habe ich so viel Sonne und Wärme getankt, dass mir das überhaupt nichts ausmacht.

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Manchmal ist das mit der Finsternis ja auch gar nicht so schlecht. Gestern zum Beispiel fingen wir unseren Schultag mit den Deutschklassen mit einem Martinslauf an. Ist ja zu Schulbeginn genauso dunkel wie abends.

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Heisses Glas sieht genauso aus wie kaltes

Das war eines der ersten Dinge – es wird in einem der unzähligen Chemiepraktika gewesen sein – die man uns im Studium beibrachte.

Apropos: Wer denken sollte, ach, Mathe liegt mir nicht und Chemie kann ich nicht und Physik habe ich noch nie begriffen, aber Biologie ist nett, das könnte ich doch leicht studieren, der… soll das mal lieber lassen. Der Grossteil unseres Grundstudiums bestand aus Chemie, Physik und Mathe. Chemie und Physik habe ich später nicht mehr sooo viel gebraucht, Mathe bis heute. Was man sich dagegen nicht einreden lassen sollte: Wenn man Biologie studieren will, muss man unbedingt Latein können. Muss man überhaupt nicht – das bisschen Latein, das man braucht, um sich Fachbegriffe auch mal selbst erschliessen zu können, lernt man auch nebenher. Aber ich schweife ab…

Gestern. Gestern früh war ich sehr plötzlich sehr wach. (Trotz November.) Ich fahre ja zur Zeit immer erst recht spät auf Arbeit, die Sonne schien schon seit einer Stunde und das Thermometer zeigte 3 Grad. Nicht mal Raureif war zu sehen. Ich holte also mein Fahrrad aus dem Schuppen und rollte frohgemut und nicht eben langsam unseren Berg hinunter. Dann griff ich vor der Kreuzung kräftig in die Scheibenbremsen und wunderte mich für ein paar Sekundenbruchteile, warum das Rad denn so schlingert. Zum Glück funktionieren nach so vielen Wintern die entsprechenden Reflexe einigermassen, und ich schaffte es irgendwie, mich weder samt Fahrrad hinzulegen noch gegenüber in den Wald weiterzurollen, sondern ohne zu stürzen abzubiegen. Oha, dachte ich, ab jetzt dann vielleicht bisschen vorsichtiger bremsen – aber die Sonne scheint ja nun wirklich auf die Strasse und die sieht ja auch ganz nass aus und wer weiss, was das eben für eine schattige Stelle war! Ich rollte sehr langsam 50 Meter weiter und begann sehr lange vor der Stelle, an der ich auf den Radweg abbiegen muss, sehr zart zu bremsen. Ich sag mal so: wäre da nicht eine Wiese gewesen, auf die ich ohne Bordsteinüberquerung draufrollen und auf der ich bremsen konnte, ich wäre wohl nicht zum Stehen gekommen.

Ich habe dann das geflügelte Sommerross zurück nach Hause geschoben und gegen den Winter-Pe-u-ge-ot mit den Spikereifen getauscht.

Um die Erkenntnis „Überfrorene Strasse sieht genauso aus wie nasse“ reicher.


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kaksisataakahdeksankymmentäseitsemän

Heute war richtiges Novemberwetter.

Weil wir aber trotzdem mal wieder an die frische Luft mussten, parkten wir am Dom – wie die 287 auch – und gingen heute mal ein Stück am Fluss entlang.

Ist ja auch schön da.

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Urlaub auf der Insel

Mit der liebsten Freundin jeden November drei Tage Kurzurlaub in Helsinki zu machen, ist eine ganz wunderbare Tradition.

Vor allem deshalb, weil wir ausser „stundenlang in Cafés herumsitzen und ungestört reden“ und „stundenlang planlos durch die Stadt laufen und ungestört reden“ nie irgendwelche Pläne haben. Soooo schön! Soooo erholsam!

Und weil wir immer total idyllisch und überhaupt nicht wie in der Hauptstadt auf Suomenlinna wohnen, einer ehemaligen Festungsinsel, die heutzutage ein Stadtteil von Helsinki ist – mit Mietwohnungen in historischem Gemäuer, einem Kindergarten, einer Grundschule und einer Kirche mit… äh… Leuchtturm.

Auf die Insel gelangt man nur mit der Fähre, und das ist vielleicht das Allerbeste: mehrmals täglich am Südhafen ankommen zu können, und mehrmals täglich auf den blinkenden Leuchtturm von Suomenlinna zufahren zu können.

Auf der Insel fahren keine Autos, und im November gibt es auch fast keine Touristen. Diesmal waren die Fähre und die ganze Insel allerdings aussergewöhnlich voll: es gibt dort wohl viele und seltene Pokemons zu fangen.

Wir amüsierten uns ein bisschen über die vielen Pokemonjäger, die mit gezücktem Handy von der Fähre marschierten und dann die Köpfe nicht mehr hoben, und liessen uns lieber die Novembersonne auf die Nase scheinen und hüpften vor Freude über den ersten Schnee und über die vielen Plätze und Wege auf der doch recht kleinen Inselgruppe, die wir in den letzten Jahren trotz ausgedehnter Spaziergänge noch nicht entdeckt hatten.

Wir können da noch viele weitere Jahre hinfahren, ohne dass uns langweilig werden wird. Auch ohne Pokemons.


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Novembergeburtstag (2)

Geburtstag im November ist ja auch deswegen toll, weil man da immer im Finstern feiern und coole Sachen mit Knicklichtern, Kerzen und Reflektoren machen kann.

Diesmal gingen wir auf Wunsch des Geburtstagskindes „mit Taschenlampen in den Wald“.

(Dem Idioten, der in der Stunde zwischen Vorbereiten und Loslaufen die kleinen LED-Lämpchen-Anhänger von allen sechs Stationen der Schatzsuche geklaut hat, mögen die Finger abfallen und die Augen auf ewig geblendet sein. Aber ätsch, wir hatten Ersatz! Und den tollsten Kindergeburtstag ever!!!)


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November

Wenn wir auch schon im November, wie hier allgemein üblich, Weihnachtsbäume, SchwibLichterbögen und Adventssterne zur Bekämpfung der allgemeinen Finsternis einsetzen würden, dann würden wir uns nicht nur um die Vorfreude bringen, sondern hätten ja auch gar keine Verwendung für all unsere verschiedenen Laternchen.

(Die Kinder haben sich derweil einen Kalender gebastelt, mit dem sie die Tage bis zum Beginn der Adventszeit zurückzählen.)

November heisst auch: heute sind alle drei Kinder mit Halsweh / Schnupfen / Fieber zu Hause. Und ich bin ausnahmsweise froh darüber – weil ich nicht gegen meine Novembermüdigkeit ankämpfen muss, sondern den halben Tag mit ihnen verschlafen kann.