Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Immer muss ich alles sollen

Im Morgengrauen rufen die verstopfte Nase und der Kratzehals um die Wette: „Mach uns ein Dampfbad, wenn du noch ein Stündchen schlafen willst!“ und setzen höhnisch hinzu: „Du warst ja den ganzen Winter nicht krank!“

Dann ruft – und er versteckt es hinterhältig unter einem lieblichen Hornkonzert – der Wecker: „Mach mich schnell aus, bevor das Kind, das eine Stunde später Schule hat, aufwacht!“

Der Toaster und die Mikrowelle rufen: „Bing! Brötchen und Honigmilch auf den Tisch stellen, aber flott!“ (Die Kaffeemaschine ruft netterweise nicht, sondern überreicht mir meinen Kaffee mit einem „Bitteschön!“ in rotleuchtenden Buchstaben. Mehr höfliche Haushaltsgeräte, bitte!)

Drei Kinder rufen um die Wette: „Ich brauche / muss / will…! Der kleine Herr Maus ärgert mich! Ihr seid alle doof!“

Das Telefon ruft: „Drei neue Wilma-Nachrichten aus der Schule! Hol den Kalender, hopphopp!“

Hannelore ruft im Dreiklang: „Ich-bin-fer-tig! Ich-bin-fer-tig! Ich-bin-fer-tig! Ich-bin-fer-tig!“

Zahnbürste und Sonnencremetube rufen: „Karies! Hautkrebs!“

Dann ruft die Arbeit. (Sie ruft zu langen Nachmittagen im Park, und diesem Ruf folge ich ausnehmend gerne.)

Der grosse Herr Maus ruft: „Wann kommst du denn endlich nach Hause?!“

Die Radieschen, die Tomaten, die Blumen und das neugesäte Gras rufen: „Was bildest du dir eigentlich ein, uns bei 30 Grad den ganzen Tag dursten zu lassen?! Wasser her, aber schnell!“

Das Fräulein Maus ruft: „Wir müssen los! Kommst du endlich?!“

Der Herr Picasso ruft aus vollem Hals: „MACH DIE TÜR ZU!“ (Dabei sind alle Türen schon längst zu und der Herr Picasso hat nur ein ausgeprägtes Gespür für gutes Timing für spinnende Sensoren – nämlich immer genau dann, wenn der Ähämann auf Dienstreise ist und wir anderen alle krank sind und uns der Mai mit seinen zweihundert Feierlichkeiten sowieso keine Zeit für Werkstattbesuche lässt; andererseits aber auch zwei Wochen bevor wir den Fehler komfortabel in der 1600 km entfernten Werkstatt unseres Vertrauens beheben lassen können.)

Der Ähämann ruft: „Ich hab‘ Sehnsucht nach euch! Lass uns telefonieren!“

Der kleine Herr Maus ruft: „Die Zahnpasta ist alle!“

Das Fräulein Maus ruft: „Dürfen wir noch Logo angucken?!“ (Da ist es schon halb zehn.)

Der grosse Herr Maus ruft: „Aber leg‘ dich wenigstens noch kurz zu uns ins Bett!“

Dann rufen unausgepackte Einkaufsbeutel, unbeantwortete Mails, ungelegte Wäsche und ein unausgeräumter Geschirrspüler: „Du kannst uns nicht einfach so ignorieren! Tu was!“

Und dann… dann ruft ganz laut mein Bett.

***

(Noch drei Tage bis Ähämann-Rückkehr. Noch drei Wochen bis Sommerferien zwei Wochen bis Urlaubsbeginn.)


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kaksisataakolmekymmentäyksi

„War das eigentlich heute, als wir in der Autowerkstatt waren?“, fragte der kleine Herr Maus vorhin beim Abendbrot, und die Frage war durchaus berechtigt, denn der heutige Tag – mitten in den Maifeierlichkeiten, und der Ähämann auf Dienstreise – war ein bisschen… voll:

Ich musste nämlich das humpelnde Fräulein Maus in die Schule fahren und den grossen Herrn Maus zum Zahnarzt begleiten und auf dem Weg dahin schnell noch in zwei verschiedenen Läden einkaufen gehen und dann mittagessen mit dem grossen Herrn Maus, der den Mund jetzt voller Metall hat und sich an das neue Gefühl beim Essen erst gewöhnen muss, und ihn dann in die Schule zurückfahren und kurz nach Hause und die Einkäufe ausräumen und dann das Fräulein Maus aus der Schule abholen und dann aber wirklich zu Hause endlich ein bisschen arbeiten wollen, aber dann auf dem Heimweg vom Herrn Picasso, der gestern schon gezickt hat, angepiept werden, ich solle jetzt sofort anhalten, ihm wäre zu heiss im Motor, und dann statt zu arbeiten in der Werkstatt anrufen, die uns drannimmt, wenn wir in der nächsten halben Stunde da sein können, also wieder losstürzen und die Herren Maus in Windeseile aus Hort und Kindergarten in den Herrn Picasso verfrachten, der sich glücklicherweise kooperativ zeigt, so dass der Zettel mit der Telefonnummer vom Abschleppdienst in der Tasche bleiben kann, und mit den Herren Maus, die alle zwei Minuten fragen, ob wir es denn auch wirklich zu ihren jeweiligen Frühlingsfesten schaffen werden, eine Stunde in der Sonne vor der Werkstatt sitzen, um dann zu erfahren, es sei kein Fehler zu finden, und mit den Herren Maus nach Hause rasen und eiligst drei Vesperbrote schmieren und anreichen und alle Kinder wieder ins Auto verfrachten und den grossen Herrn Maus zur Klavierstunde fahren und mit den beiden anderen die halbe Stunde bei den Ersatzgrosseltern im Haus gegenüber verbringen und dann zur Schule rasen und die beiden Grossen für ihr Frühlingsfest aus dem Auto werfen und mit dem kleinen Herrn Maus weiter zum Kindergarten fahren, wo sein Frühlingsfest stattfindet, und danach wieder zur Schule fahren und noch den letzten zehn Minuten dem Schulkonzert lauschen und dann mit allen nach Hause fahren und das gewünschte Spiegelei braten und Abendbrot essen und ein bisschen alle gemeinsam über die lustige Aussprache des grossen Herrn Maus lachen („Sag mal ‚Zahnspange‘!“ „Shahnshange.“) und die Kinder bettfertig machen, wobei eins Hilfe beim Umziehen braucht und eins in die Dusche gehoben werden muss, und ein Kapitel Mumins vorlesen und das gewünschte längste unserer Schlaflieder vorsingen und… umfallen einschlafen.

(Irgendwo bei der ganzen Fahrerei habe ich übrigens auch die 231 gesehen, ein furchtbar trödelndes weisses Pakettiauto. Wo und wann genau, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Um es mit dem kleinen Herrn Maus zu sagen: War es heute? Oder doch schon gestern? Oder letzte Woche?)

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