Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Was vom Winter übrig blieb

Wir haben den Winter genutzt, jede Minute.

Wir haben jede Menge Eislichter gebaut. Wir waren skifahren, auf nahezu allen Loipen in und um Turku, bei Tages- und bei Laternenlicht, im Lieblingsskigebiet, im Moor. Wir waren Tretschlitten fahren auf dem Tretschlittensee. Wir sind gerodelt. Wir waren auf unserem Stadtteilsportplatz eislaufen und auf dem zugefrorenen See.

Nur nach Naantali auf das zugefrorene Meer haben wir es nicht mehr geschafft.

Unsere Skiferien verbringen wir statt mit Skifahren oder anderen Winteraktivitäten mit Kochen (die Kinder), Backen (die Kinder), Brettspielen (wir alle), Hausarbeit (wir Eltern), Filme gucken (die Kinder), Fotobuchgestalten für eine bald Fünfzehnjährige (ich) und Arbeit (der Ähämann).

Gestern bin ich mit dem Ähämann, dem nach fast einem Jahr Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, wenn er nicht täglich einmal rauskommt, durch das triefende Citymoor gestapft. Heute beschlossen wir spontan, einen Spaziergang durch Naantalis Altstadt zu machen, weil das vielleicht wenigstens ohne Gummistiefel mit Spikes dran zu machen wäre.

Aber dann sahen wir das Meer: auf dem Eis stand zehn Zentimeter hoch das Wasser wie ein auf dem Meer ausgelegter Spiegel, zwischen den Inseln hingen Nebelfetzen, und es waren noch jede Menge Eisangler unterwegs. (Jedes Jahr wird gewarnt, sie sollen wenigstens Schwimmwesten anziehen. Aber was lässt sich so ein Eisangler schon sagen.) Das war so faszinierend, dass wir unsere Schritte nicht nach links Richtung Altstadt, sondern nach rechts auf die Mumininsel lenkten.


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50 km östlich von Turku

Jedem sein eigenes Tellerchen.

Seit unser Camping- und Picknickgeschirr komplett plastikfrei ist, ist es nicht nur hübscher, sondern lässt sich auch der Abwasch unterwegs viel leichter erledigen. Unsere Emaille-Mumintassen begleiten uns schon lange, fünf Emailleschüsseln von IKEA auch schon ein paar Jahre. Allerdings haben die eine ein bisschen ungünstige Form und sehen vor allem alle fünf genau gleich aus – was unterwegs, wo man nicht alles sofort abwäscht, sondern vielleicht später nochmal für eine andere Mahlzeit verwendet, wo dann jeder gern seinen eigenen schon mal benutzten Teller wiederhätte, nicht sooo günstig ist. Wir hatten uns deshalb neulich vorgenommen, die auch durch Produkte der hiesigen Emaillefabrik des finnischen Emaillegeschirrdesigners (der immerhin wenigstens in Osteuropa produzieren lässt) zu ersetzen.

Deshalb fuhren wir heute in den nahegelegenen für finnische Verhältnisse nicht weit entfernten Werksverkauf und erstanden fünf Teller. Eine ObstTomatenschüssel – nicht zum Zelten, sondern für unsere Küche – für den tomatensüchtigen Ähämann wollte auch noch mit.

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Botanik und Geologie.

Natürlich fahren wir trotzdem keine 60 km mit dem Auto, nur um ein paar Teller zu kaufen. Auf dem Rückweg hielten wir noch zweimal an, um einen kleinen Naturlehrpfad auf einer Insel abzulaufen sowie einen beeindruckenden eiszeitlichen Gletschertopf zu besuchen.

Zu dem Gletschertopf wollte ich schon lange, weil er doch ein bisschen grösser – zweieinhalb Meter im Durchmesser und fünfeinhalb Meter tief! – als das kleine Töpfchen, das wir im Wald mal fast übersehen hätten. Weil zu ihm aber nur ein 200 m langer Weg von einer Strasse aus führt und man dort keine grössere Wanderung machen kann, war es eben auch immer ein Ausflugsziel, zu dem sich der weite Weg eigentlich nicht lohnt.

Im Wald stellte ich fest, dass ich den finnischen Wald ganz schön vermisst hatte über den Sommer. Und dass im Wald schon richtig Herbst ist. Das Fräulein Maus fotografierte die letzten Moose und Flechten für ihr Digiherbarium.

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Sentimentalitis wegen Dingen.

Heute haben wir den Herrn Picasso wiedergesehen.

Das kann man hier ganz genau wissen, weil in Finnland ein Auto sein Kennzeichen sein Leben lang behält. Und sogar den Zebrastreifen-Aufkleber – wir haben vergeblich versucht, für den Löwen Balthasar nochmal so einen zu bekommen – hat er noch in der Rückscheibe.

Er wohnt jetzt offensichtlich wieder da, wo er herkommt.


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Coronaklausur, Tag 18

Finnland hat 1882 bestätigte Coronafälle.

Ob COVID-19 von Menschen auf Mumins übertragen werden kann, ist noch unklar. Aber derzeit machen die Mumins ja noch Winterschlaf und sind deshalb ungefährdet.

Winter ist ohnehin die einzige Jahreszeit, zu der ich bereit bin, diese Insel zu betreten. Wir fahren sowieso schon nur zwischen September und Mai nach Naantali, und in der Muminwelt waren wir noch nie, auch nicht, als die Kinder noch klein waren. Obwohl – oder gerade weil – ich die Mumins so liebe. Aber mit der Poesie der Muminbücher hat dieser überteuerte Vergnügungspark leider überhaupt nichts zu tun.

Warum die Mumininsel in manchen Wintern verriegelt und verrammelt ist und in anderen die Tore sperrangelweit aufstehen, hat sich uns leider in den 16 Jahren, in denen wir heute erst zum dritten Mal dort waren, noch nicht erschlossen. Ich hörte letzte Woche über drei Ecken von einer Bekannten, dass man zurzeit hinkann, und überraschenderweise waren trotz Wochenende so wenige Leute – wir begegneten vielleicht noch fünf anderen Familien – dort, dass wir dort genauso bedenkenlos herumspazieren konnten wie im Wald.

Man muss nicht zwingend etwas Gelbes anhaben, um die Insel betreten zu dürfen. ;-)

Erst hamstern und dann gedankenlos in die Gegend schmeissen. Menschen, ey!!!


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Ein Regentag in Tampere

Eigentlich wollten wir in diesen Ferien wieder ein paar Tage gemeinsam mit dem arbeitenden Ähämann in Tampere verbringen. Allerdings sind die Preise für jegliche Unterkünfte im Sommer so gepfeffert, dass es günstiger ist, gegebenenfalls mehrmals mit dem Zug hin und her zu fahren, als dort zu übernachten.

Pauline und das Fräulein Maus hatten auch Pläne. Sie wollten dieses Jahr gemeinsam in den Vergnügungspark gehen. Also legten wir einfach irgendeinen Tag fest, und ich buchte eine grössere Anzahl Zugfahrkarten aus und in verschiedene Richtungen.

Es war natürlich völlig vorhersehbar, dass genau gestern der einzige Tag in vielen Wochen sein würde, an dem es von früh bis abends regnete. Zum Glück waren beide Mädchen dieses Jahr sowieso schon im Vergnügungspark gewesen; das Fräulein übrigens mit ihrer Klasse auf Abschlussfahrt, und das bei den von den Sechstklässlern organisierten Schuldiscos eingenommene Geld reichte nicht nur für den Vergnügungsparkbesuch, sondern auch noch für einen Abend mit gemeinsamem Restaurant- und Kinobesuch sowie einen Ausflug in die Nachbarstadt, um eine weggezogene Klassenkameradin zu besuchen.

Und so fielen sich am Bahnhof in Tampere zwei glückliche Mädchen um den Hals, denen es sowieso am wichtigsten war, zusammenzusein, und waren mit jeglichem Programm einverstanden. Es wurden dann mehrere Saunagänge in der Sauna, in der wir schon im Februar gewesen waren, sowie ein Besuch im Muminmuseum.

Ich kannte das Museum noch aus der Zeit, als es sich noch in der Bibliothek befunden hatte und recht klein war. Jetzt ist es seit ein paar Jahren viel grösser und moderner, aber auch irgendwie… touristischer. Toll ist, dass man jetzt noch viel mehr von Tove Janssons Lebensgefährtin Tuulikki Pietilä gebaute Modelle und Szenen aus den Mumingeschichten angucken kann. Im alten Muminmuseum war die Hauptattraktion das Muminhaus – das übrigens gar nicht einfach rund ist wie in den Zeichentrickfilmen und das man sich auch in „Der Schurke im Muminhaus“ angucken kann – und jetzt gibt es eben noch viel mehr solche detailgetreuen Szenen zu sehen. Und die vielen, vielen Originalzeichnungen sind wirklich toll. Andererseits hätte ich mir viel mehr Informationen über Tove Jansson selbst, die ja eigentlich gar nicht so glücklich damit war, ihre Arbeit auf die von ihr erfundenen Mumins reduziert zu sehen, gewünscht. Dann wäre das Museum wirklich so gewesen wie die Mumingeschichten selbst: für Kinder und Erwachsene gleichermassen.

Als dann abends schon langsam wieder die Sonne durch die Wolken zu gucken begann, gingen wir wieder zum Bahnhof, und dann fuhren zwei glückliche Mädchen gemeinsam in die eine Richtung davon, und die Herren Maus, der Ähämann und ich in die andere.

Es gibt ganz sicher weniger schöne Regentage.