Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Leuchtturmtourismus

An einem Urlaubstag fuhren wir auf die Nachbarinsel.

Zu Ostern hatte ich mich ein bisschen in die Leuchttürme Hiiumaas verliebt, und wir hatten beschlossen, beim nächsten Mal hinzufahren und sie alle zu besichtigen.

Die Fähre, die uns von Saaremaa nach Hiiumaa hinüberschaukelte, hatten wir ebenfalls zu Ostern schon auf der kleinen Werft gesehen, wo sie sich im April gerade zur Wartung befand und wo sie vor fünf Jahren auch gebaut worden war. Das estnische Schiffbauunternehmen Baltic Workboats besitzt übrigens zwei Werften – eine im Dörfchen Nasva auf Saaremaa und eine in Tampa, der drittgrössten Stadt Floridas. Lustig.

Weil die Fähre nur 30 Autos mitnehmen kann und nur viermal am Tag fährt, empfiehlt es sich, rechtzeitig ein e-pilet zu buchen. Leider stellte sich der Tag mit dem schönsten vorhergesagten Wetter als der Tag mit dem schlechtesten Wetter heraus. (Immerhin regnete es nicht ununterbrochen, und immerhin kam, wie immer im Norden, abends noch die Sonne raus.) Und leider stellten sich auch fünf Stunden Aufenthalt auf der Insel als viel zu kurz heraus.

Nämlich. Obwohl Hiiumaa ein bisschen kleiner als Saaremaa ist, sind die Entfernungen für eine Insel immer noch unerwartet gross; allein die eine Halbinsel, auf der einer der Leuchttürme steht, ist 20 km lang. Und dann darf man – das wussten wir vorher nicht – auf die drei grössten Leuchttürme sogar drauf!

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Ristna tuletorn

Ich war schon beim ersten der drei hin und weg. Eine schmale Wendeltreppe führt durch den gusseisernen Turm, der bei jedem Schritt hallt, nach oben, und noch nie zuvor war ich der Linse eines Leuchtturms so nahe! Die Verzierungen an der Plattform und am Geländer kamen mir gleich spanisch so mitteleuropäisch vor, und siehe da: der Leuchtturm wurde seinerzeit in Einzelteilen in Frankreich hergestellt!

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Kõpu tuletorn

Den zweiten, imposantesten der drei Leuchttürme sieht man schon von Weitem. Er steht auf einem Berg Hügel und ist deshalb mit seinem über 100 m über dem Meer befindlichen Leuchtfeuer einer der höchsten Leuchttürme an der Ostsee. Ausserdem ist er nach dem Herkulesturm und dem Leuchtturm von Genua der drittälteste noch funktionierende Leuchtturm der Welt!

Und dann hat er ja diese seltsamen Stützmauern! Tatsächlich war er am Anfang nur ein aus Steinen geschichteter Turm – mit eben diesen Stützmauern, damit er nicht umfiel – den man mit einer Aussenleiter erklettern konnte und auf dem ein Feuer in einem offenen Metallkorb entzündet wurde. Den leuchtturmtypischen Aufbau erhielt er erst später; dabei wurde dann auch nachträglich eine Treppe, über die man noch heute den Leuchtturm besteigt, in die Stützpfeiler gegraben. Die Treppe geht sehr lange sehr steil schräg hinauf, und man muss sich beim Treppensteigen bücken, bis man die sehr enge Wendeltreppe oberhalb der Stützmauer erreicht hat. Teilen der Familie war es nicht ganz geheuer, aber keine*r hat gekniffen, und als wir oben angekommen waren, zog gerade der Himmel auf.

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Tahkuna tuletorn

Der dritte Leuchtturm ist der höchste Estlands, obwohl man es ihm gar nicht ansieht. Er ist – ebenfalls ein Import aus Frankreich – aus gusseisernen Platten zusammengeschraubt, mit beeindruckend grossen Schrauben. Innen hat er was von einem Schneckenhaus – und eine tolle Akustik, wie die beiden Musizierenden der Familie singend herausfanden. Und von seiner Plattform hat man, finde ich, den schönsten Ausblick. (Man sollte allerdings schwindelfrei sein. Man steht 43 Meter über dem Erdboden auf einem schmiedeeisernen Gitter.)

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Wir schafften dann noch einen Abstecher zu zwei weiteren, kleineren Leuchttürmen, bevor wir schleunigst zur Fähre zurückmussten und den Entschluss fassten: auf Hiiumaa müssen wir auch mal Urlaub machen!


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Ostern 2022

Wir haben gemacht, was wir immer machen, wenn hierzulande alle von „Ferien“ sprechen, es sich in Wirklichkeit aber gerade mal um ein verlängertes Wochenende handelt: wir fuhren nach Südosten.

Wir fuhren Donnerstagabend direkt von Arbeit, Klavier- und Harfenstunde los und kamen immerhin noch bis Tallinn, wo sowieso für den nächsten Vormittag ein grösserer Schuheinkauf geplant war. Freitagmittag fuhren wir weiter auf die Insel Saaremaa, eines unserer liebsten Reiseziele in Estland.

Wir liessen uns die Sonne auf die Nasen scheinen. Wir waren endlich mal wieder im Wald. Zwei Familienmitglieder gingen bei 8 Grad Luft- und unter 5 Grad Wassertemperatur – wozu schliesslich gehen wir den ganzen Winter eisbaden?! – anbaden. Wir besichtigten Leuchttürme und liessen uns Ostseesand durch die Finger rieseln. Wir bestiegen einen… äh… interessanten Aussichtsturm. Wir sahen die ersten Störche, Kraniche zogen trompetend über uns hinweg, die Wälder schallten von Buchfinkgesang, und wenn wir abends nach der Sauna auf der Terrasse sassen, flötete die Amsel vom höchsten Baum herunter.

Erst kurz vor Mitternacht am Ostermontag waren wir wieder zu Hause.
Es war der beste und längste Osterurlaub, den wir je hatten.


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Ein einsamer Strand

Es war uns schon in den Herbstferien vor zwei Jahren klar, dass dieser Strand im Sommer ganz wunderbar sein muss. (Damals wanderten wir eigentlich nur hin, weil wir den schiefen Leuchtturm sehen wollten.)

Der Strand ist nur mit 4,5 km – eine Strecke; und wenn man nicht den gleichen Weg zurückgehen will, sind es insgesamt 11 km – Fussmarsch über eine sandige Halbinsel zu erreichen, weswegen wir, obwohl es heiss und sonnig war, ganz allein dort waren.

Das Wasser war glasklar und fast karibikblau. Der kleine Herr Maus hielt beim Baden tapfer den verbundenen Arm in die Höhe, bis er die im Rucksack geschmolzene und zum Wiederfestwerden ins Meer gelegte Tafel Schokolade mit dem falschen Arm herausholte. Zum Glück hatten wir damit gerechnet und Wechselverbandszeug dabei.

Ganz an der Spitze der Halbinsel steht nicht nur der alte, langsam verfallende Leuchtturm, sondern es gibt da auch eine – wir haben gemessen – einen ganzen Kilometer ins Meer hineinragende schmale Landzunge, an deren Ende sich die Wellen gegenseitig in die Arme laufen.

Was für ein wunderbarer Ort! ♥


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Ein Leuchtturm in Schwarzweiss

Eigentlich wollten wir nur irgendwo essen gehen. Und vielleicht an einen Strand.

Dann fiel mir ein, dass es ja da diesen Leuchtturm auf dieser Halbinsel ganz weit draussen gibt, bei dem wir damals im Herbst nicht waren, weil man ihn nur im Sommer besichtigen kann. Also fuhren wir hin. (Zu essen gab’s da auch.)

Der Leuchtturm liegt so weit draussen, am allersüdlichsten Zipfel Estlands, dass wir, als wir dort ankamen, erstmal überhaupt keinen Handyempfang mehr hatten und dann die obligatorische Auslands-SMS – „Willkommen in Lettland!“ – bekamen. Tatsächlich ist es von da nach Lettland kürzer als bis zur nächstgelegenen estnischen Stadt.

Den Leuchtturm darf man, das freute uns besonders, besteigen, 248 dröhnende Stufen durch seinen hallenden Betonhals bis hinauf auf die schmale Plattform unterm Leuchtfeuer.

Gern wären wir noch bis zum Ende der Landzunge gelaufen, aber dann fiel uns leicht panisch ein – das vergisst man ja im Urlaub leicht – dass Samstag war und wir noch in die Apotheke mussten um neues Verbandszeug für den kleinen Herrn Maus zu kaufen. (Zum Glück aber sind die Läden in Estland ähnlich komfortabel geöffnet wie in Finnland.) Und eine noch viel schönere und vor allem weniger überlaufene* Landzunge setzten wir einfach auf den Plan für den nächsten Tag.


Also, „überlaufen“ im finnischen oder estnischen Sinn, ehe hier noch Missverständnisse aufkommen… ;-)


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Und dann…

… waren wir noch in Kasnäs am Sonnabend. Eine gute Stunde Fahrt von Paimio über kleine, gewundene Strassen, bei strahlend blauem Himmel und sattgrünen Wiesen und Feldern. Ich fahr’ da so gerne, und ganz besonders um diese Jahreszeit. Die Augen im Grün baden lassen und auftanken für den Winter, der allzuschnell wiederkommt…

Am Sonntag sind wir dann wieder nach Rauma gefahren, diesmal rechtzeitig, um die Fähre auf die Leuchtturminsel Kylmäpihlaja zu erreichen. Lecker gegessen haben wir dort, das Mäusekleinkind hat ein bisschen geturnt, und für eine kurze Leuchtturmbesteigung hat der 1½-stündige Inselaufenthalt auch noch gereicht.

Schön ist das im Sommer! Und ein nicht mehr ganz so kleines Baby zu haben hat durchaus auch seine Vorteile. Dass wir neuerdings an jedem Spielplatz, in jedem Park und an jedem Springbrunnen Pause machen müssen, ist ja auch gar nicht mal so schlecht.