Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Heiligabend 2020

Die Weihnachtsfriedensverkündung fand dieses Jahr ohne Publikum und deshalb auch für uns im Fernsehen statt. Es war erst das dritte Mal, seit wir in Turku wohnen, dass wir nicht live dabeiwaren: einmal waren wir alle krank, und als der kleine Herr Maus erst sieben Wochen alt war, war es viel zu kalt, um mit ihm hinzugehen.

Auch der Weihnachts-Kindergottesdienst, zu dem unsere Kinder immer noch Jahr für Jahr gehen wollen, fand in diesem Jahr online statt: mit lauter kleinen Engeln, die sich sehr menschenkinderhaft benahmen, und mit einem echten Baby auf Marias Arm! ♥

Zum, ich glaube, ersten Mal in diesem Monat schien die Sonne. Obwohl sie schon kurz nach drei unterging, war es gegen vier immer noch ziemlich hell; das war fast anderthalb Stunden länger als am Tag zuvor. (So ist das hier nämlich.) Dabei hatten es die Kinder eilig, endlich die letzten der 24 erleuchteten Fenster im Museumsdorf angucken zu gehen, weil hinterher Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen würden.

Der Rest war wie immer: Milchreis essen, Geschenke bejubeln, Weihnachtssauna, Märchenfilm gucken, und alle gingen erst gegen Mitternacht ins Bett.


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Jeden Tag ein Fensterchen (4)

Wir hatten uns zu früh gefreut: natürlich fällt der letzte Schultag nicht einfach aus, nur weil die Kinder Fernunterricht haben.

Die Herren Maus hatten ihre Zeugnisausgabe letzte Schulstunde heute um neun, das Fräulein Maus halb zehn. Der Wecker klingelte trotzdem erst halb neun, denn der Schulweg war denkbar kurz. Die Achtklässlerin huschte im Schlafanzug vor ihren Schullaptop, um der Weihnachtsansprache ihres Rektors zu lauschen. Der kleine Herr Maus kam zehn nach neun schon wieder aus seinem Zimmer und verkündete: „So. Fertig. Ferien.“ Dann überlegte er kurz und verschwand nochmal zurück in den Videochat, weil ihm der Abschied von seiner Lehrerin – die die Klasse nach den Skiferien kurzfristig als Vertretung übernommen und noch nicht richtig kennengelernt hatte, als drei Wochen später die Schulen wegen Corona geschlossen wurden, aber den engagiertesten und tollsten Fernunterricht, den sich die Klasse nur hätte wünschen können, gemacht hat – so schwer fiel und er noch ein bisschen mit ihr reden wollte. „Wir haben Nelli gefragt, was sie jetzt macht, ob sie eine andere Klasse übernimmt, und sie hat gesagt, sie möchte gerne weiterhin Vertretungen machen, aber lieber nur tageweise, dann hat sie Zeit, einen Hühnerstall zu bauen. Sie will sich nämlich Hühner anschaffen.“ Hach.

Dann waren offiziell Ferien.

Eigentlich wollten wir heute unseren Weihnachtsbaum aus dem Wald holen. Aber es nieselte nicht nur wie vorhergesagt, sondern regnete in Strömen, und so verschoben wir das Vorhaben auf morgen.

So, wie wir auch unseren eigentlich für gestern geplanten Abendspaziergang zu den nächsten erleuchteten Fenstern im Museumsdorf auf heute Abend – da hatte es dann endlich aufgehört zu regnen; nur der Weg durch den Wald war eine einzige Rutscherei auf Matsch und nassem Gras – verschoben haben.

Wohin wir dieses Jahr an Heiligabend statt zur Weihnachtsfriedensverkündung und zum Kindergottesdienst gehen werden, wissen wir auch schon.


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Jeden Tag ein Fensterchen (3)

Wir läuteten das Wochenende mit Sauna ein. Hinterher sassen wir dampfend auf der Gartenbank unterm Weihnachtsbaum und freuten uns, dass der Garten weiss bepudert war. Samstagfrüh regnete es in Strömen. Wir schrieben und malten den ganzen Tag Weihnachtspost.

Am Sonntag warteten wir nur darauf, dass es endlich dunkel wurde – mal davon abgesehn, dass es sowieso den ganzen Tag nicht richtig hell geworden war – um zum Museumsdorf zu stapfen und die nächsten drei beleuchteten Fenster zu suchen.


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Jeden Tag ein Fensterchen (2)

An manchen Abenden ist ein Spaziergang dringender als an anderen.

(Zum Beispiel, weil der Ähämann schon seit März zu Hause arbeitet und zur Zeit sogar das Kinder-zu-ihren-Hobbys-Fahren ausfällt. Oder weil dem Quarantänekind die Decke auf den Kopf fällt. Oder beides.)

Zum Glück haben wir jetzt, wenn es sein muss, jeden Abend ein Ziel.

Es ist kein Ersatz fürs Erzgebirge. Aber es ist um Welten besser, als durch die wie eine Erdölraffinerie beleuchtete Nachbarschaft zu spazieren.


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Jeden Tag ein Fensterchen

In Turku gibt es seit Donnerstag – denn die 14-Tage-Inzidenzrate marschiert hier in der Region gerade stracks auf die 100 zu – neue Coronaregeln: Museen, Theater und Schwimmhallen bleiben geschlossen, Bibliotheken darf man nur noch zur Rückgabe von Büchern oder zum Abholen vorbestellter Bücher betreten, Veranstaltungen dürfen nur noch mit maximal 10 Personen in Innenräumen bzw. 20 Personen im Freien stattfinden – womit sich die einzige Adventsveranstaltung, zu der wir dieses Jahr gehen wollten, auch erledigt haben dürfte – es gibt jetzt auch eine Maskenempfehlung für Schüler*innen ab der 7. Klasse aufwärts, und der Hobbykalender der Kinder hat sich ganz überraschend schon zwei Wochen vor Weihnachten fast komplett geleert.

Im Museumsdorf nebenan, das sonst in der Adventszeit immer ein paar Tage geöffnet hat, fällt der Advent auch dieses Jahr nicht ganz aus.

Jeden Abend wird dort ein Fenster mehr erleuchtet.

Manchmal hängt nur ein Adventsstern im Fenster – gestern natürlich eine Lichterkette mit finnischen Fähnchen! – aber manchmal kann man durch das Fenster in den ganzen Raum gucken: da hat der Stallwichtel einen kleinen Weihnachtsbaum aufgestellt oder in der Sauna ist schon der Ofen angeheizt.

Kann man auch gut mit dem Quarantänekind hingehen. War ausser uns keine Menschenseele da.

Das machen wir in den nächsten zweieinhalb Wochen sicher noch öfter.


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Mutter-Sohn-Ausflug

“Kann ich auch mal allein mit dir eine Runde gehen, Mama?”, fragte der kleine Herr Maus am Sonntagabend. “Oder können wir vielleicht auch Fahrrad fahren? Und ich fahre vorneweg und darf bestimmen, wo wir langfahren?”

Und dann hat er sich den ganzen Montag gevorfreut.

Kinder glücklich machen ist so einfach.

Mich auch.


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Die besten Skiferien aller Zeiten

„Wir haben ja jetzt jeden Ferientag was Tolles gemacht!“ strahlte der grosse Herr Maus vorhin. Das stimmt. Heute waren wir im Museumsdorf nebenan, das jedes Jahr in den Skiferien für ein paar Tage geöffnet hat.

Wir haben antike Schlitten und moderne Schneeschuhe ausprobiert, unsere Würstchen von gestern als Mittagessen am Lagerfeuer gebraten und sogar ein bisschen Kunst gemacht.

Und ich hatte schon befürchtet, wir müssten in den Ferien lauter Drinnen-Museen besuchen…


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Idylle, adventlich

Die Tiere sind alle im Winterquartier.

Aber alle Öfen waren geheizt, es roch nach frisch gebackener Pulla, dampfendem Glögi und Maiglöckchen (!). Vor den Türen lagen Fichtenzweige, in den Bäumen hingen Laternen mit Kerzen. In der Scheune fanden wir eine Schüssel Puuro für den Stallwichtel. Der grosse Herr Maus durfte auf dem Harmonium in der alten Schulstube spielen und der kleine Herr Maus einen alten Traktor beklettern.

Gut, dass wir trotz Regen und Matsch die zehn Minuten durch den Wald nach nebenan ins Museumsdorf gestapft sind!