Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Mit dem Boot zum Gottesdienst

Ausser der Sache mit der Koiramäki-Kirche hat sich dabei auch noch ein anderes Mysterium aufgeklärt: was es mit den Kirchbooten auf sich hat, nämlich.

Ich habe hier schon oft welche gesehen – auch in meinem finnischen „Heimatort“ wird im Sommer ein altes Kirchboot rausgeholt und feierlich von zwanzig Männern über den See und durch die Stromschnelle gerudert – aber so richtig klar war mir die Verbindung von „Boot“ und „Kirche“ bisher nicht.

Bis wir eben die Koiramäkikirche und eine andere, nur ein paar Kilometer entfernte und tatsächlich noch ganz alte Kirche besuchten.

Beide liegen weitab vom nächsten Ort, auf Halbinseln im See sich zum See ausgebreiteten Fluss. Damit sie sicher vor Angriffen waren, damals, vor 500 Jahren.

Und deshalb ruderten die Kirchgänger dann sonntags gemeinsam in grossen Booten zum Gottesdienst.

Also zumindest in der Zeit im Jahr, in der sie nicht einfach mit dem Pferdeschlitten übers Eis fahren konnten.


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Wie im Bilderbuch

Als ich letzten Dienstag mit den Kindern wieder 150 km nach Norden fuhr, um den zweiten Teil unserer Skiferien anzutreten, kamen wir kurz vorm Ziel an einer einzeln stehenden, im Abendlicht leuchtenden, kleinen Kirche vorbei. „Guckt mal“, rief ich den Kindern zu, „die sieht ja aus wie die Koiramäki-Kirche!“

Koiramäki („Hundehügel“) ist ein historisches, von Hunden bewohntes Dorf aus den Bilderbüchern von Mauri Kunnas – der auch unser liebstes Weihnachtsmannbuch gemalt und geschrieben hat – die den Kindern auf kurzweilige Art das Leben auf dem Lande vor 200 Jahren nahebringen sollen. Vor Weihnachten erst hat der kleine Herr Maus das Buch über den Weihnachtsgottesdienst in der Kirche von Koiramäki gelesen!

Am nächsten Tag sassen wir mit unserer Gastgeberin in der Sauna und kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen und erfuhren eher zufällig, dass die Kirche, die wir gesehen hatten, nicht nur aussieht wie die Koiramäki-Kirche, sondern tatsächlich das Vorbild für die Koiramäki-Kirche ist! 1997 brannte die 500 Jahre alte Kirche, die in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen werden sollte, vollständig ab, als ein Einbrecher seine Spuren verwischen wollte. Mauri Kunnas zeichnete daraufhin das Weihnachtskirchenbuch und spendete den gesamten Verkaufserlös für den Wiederaufbau, eine grosse finnische Papierfirma spendete das für den Druck des Buches benötigte Papier. Über 1000 Leute halfen ehrenamtlich beim Wiederaufbau.

Nun steht sie wieder. Und es war klar, dass wir auf dem Rückweg da unbedingt nochmal anhalten müssten.

„Mama! Mama! Das ist ja wirklich die Kirche aus dem Buch!“, juchzten drei Kinder von der Rückbank, als ich auf die kleine Zufahrtsstrasse einbog. „Das ist so toll!“

Der kleine Herr Maus wollte sich gern auch noch die Kirche von innen angucken: „Da sind doch die schönen Bilder an der Emporen. Da, wo auf einer Seite nur die Männer sitzen durften und auf der anderen die Frauen!“ Aber dafür müssen wir, wie das in Finnland so üblich ist, im Sommer nochmal wiederkommen.