Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Coronaklausur, Tag 21

Finnland hat 2308 bestätigte Coronafälle.

Heute war der wärmste 7. April seit Beginn der finnischen Wetteraufzeichnungen. Bei uns waren 15°C, aber irgendwo in Finnland wurden sogar 17,5°C gemessen. Wir haben das genossen, keine Frage. Aber es macht mich so wütend, dass jetzt schon wieder Rufe laut werden, ob Finnland nicht angesichts der durch die Coronabeschränkungen hervorgerufenen wirtschaftlichen Krise seine Klimaziele lieber erstmal hintenanstellen sollte. Dümmer kurzsichtiger geht immer.

Es ist jedenfalls sehr frühlingshaft.

Die liebste Freundin klagt mir seit Jahren ihr Leid, dass die Hasen jedes Frühjahr alle Krokusse in ihrem Garten abfressen. Seit Jahren habe ich mich gewundert und geantwortet: „Also bei uns nicht“, obwohl wir hier auch dauernd Hasen ums Haus hoppeln sehen. Tja. Freund Hase hat in den letzten Nächten nun auch bei uns sehr akribisch alle Krokusse abgeknispelt. Und dann hat er noch ein bisschen mit den Träubchen weitergemacht. „Sei nicht sauer“, sagten die Kinder, „vielleicht war’s der Osterhase!“ Ich bin nicht sauer. In unserem Garten ist Platz für alle Lebewesen. Aber für die Bienen und Hummeln, die jetzt um ihr wichtigstes Futter gebracht sind, tut’s mir leid.

Ansonsten heute – Corona macht’s möglich – eine etwas ausufernde deutsche Dienstbesprechung gehabt, die aber doch ganz nett war. Sonst findet die in Helsinki statt, und wir in unserem Turkuer Aussenposten machen unser eigenes Ding. Das ist eins der Dinge, die gut so sind, wie sie jetzt sind, und die hinterher gern so bleiben dürfen. (Mehr als die Hälfte der jetzt zu Hause arbeitenden Finnen möchte das übrigens hinterher gern beibehalten.)

Dann zwei Einkäufe. Obwohl ich ja derzeit eigentlich so selten wie möglich einkaufen gehe. Aber diese beiden Einkäufe waren coronakonform.

Zuerst fuhr ich bei Ikea vorbei. Dort kann man sich derzeit seinen Einkauf online zusammenstellen, bezahlen und ein paar Stunden später abholen. Wenn man zehn Minuten vor Ankunft eine SMS mit seiner Bestellnummer und seinem Autokennzeichen schickt, bekommt man seinen Einkauf direkt ans Auto geliefert. Mit ausgestrecktem Arm bekam ich noch die Quittung gereicht, die ich mit ausgestrecktem Arm entgegennahm, wobei ich mich sehr überschwänglich für den sehr tollen Service bedankte.

Dann fuhr ich zum Lieblingsgartenmarkt. Dort steht sowieso alles im Freien, es ist nie sehr voll, und heute hatte man dort sogar eine Kasse im Freien aufgebaut. Eigentlich wollte ich sogar vermeiden, einen Einkaufswagen nehmen zu müssen, und hatte ein Klappkörbchen dabei, aber der Pflanzenkauf ist dann ein bisschen eskaliert. Immerhin ist es jetzt im Vorgarten wieder bunt, und für die Bienen ist auch was dabei.

Abends ging noch ein längerer Regenschauer nieder, auch das war gut für den Garten (und die erste Regentonne ist schon fast voll!), und das Fräulein Maus, der kleine Herr Maus und ich hatten es drin sehr gemütlich: der kleine Herr Maus wollte sich nämlich – wie die grosse Schwester es schon getan hat – eine Mundmaske nähen. (Dabei brauchen die Kinder sowas am wenigsten. Sie kommen wirklich überhaupt nicht unter andere Leute. Gestern waren sie im Nachbargarten auf dem Trampolin. Aber nicht die gesamte Nachbarskinderschar gemeinsam, wie in anderen Jahren, sondern nur geschwisterweise. Sie hatten das vorher untereinander beredet und zogen das dann genau so durch. Sagte ich schon, dass ich die alle toll finde?!) Das Fräulein Maus musste dem kleinen Herrn Maus beim Nähen ab und zu helfen – allerdings mehr beim Umsetzen der Anleitung als bei der Bedienung der Nähmaschine, denn das kann er ja – und ich half ihr dazwischen bei den Chemiehausaufgaben.

Morgen muss ich mich dann aber wirklich ernsthaft an das Fotobuch für den grossen Herrn Maus setzen!


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Januarwochenende

Das Wochenende begann damit, dass das Fräulein Maus eine Stunde eher – sie hat ausgerechnet freitags bis 15 Uhr! – aus der Schule gehen durfte. Der Ähämann brachte ihr ihren Reiserucksack zur Schule, nahm im Austausch ihren Schulrucksack entgegen und begleitete sie zum Bahnhof. Dann fuhr das Fräulein Maus davon,  zu Pauline nach Mittelfinnland.

Am Sonnabend hatte der kleine Herr Maus Schwimmwettkampf.

Ich weiss gar nicht, ob ich es schon oft genug gesagt habe, wie froh ich bin, dass er nicht mehr Fussball spielt. Nie mehr auf eisigen Fussballplätzen und in zugigen Fussballhallen herumstehen und vor Kälte zittern!

Der kleine Herr Maus, der sich bisher auf Wettkämpfen zwar tapfer geschlagen hat, aber eher erfolglos war, hat in den letzten Monaten eine wundersame Entwicklung genommen: seine Schwimmtechnik sieht plötzlich kein bisschen mehr angestrengt aus, er hat sich in allen Schwimmarten um ca. zehn (!) Sekunden verbessert und ging mit zwei Goldmedaillen heim!

(Dass er diesmal eingewilligt hat, für den langen Wettkampftag warmes Essen mitzunehmen, während der Wartezeiten Badelatschen anzuziehen und vorher mal aufs Klo zu gehen, hat vielleicht auch dazu beigetragen.)

Ein bisschen seltsam fanden wir, dass seine Trainer dass kein bisschen gewürdigt haben. Sie hätten ihn fast vor der Siegerehrung heimgeschickt  – „Ihr könnt euch die Medaille geben lassen, wenn ihr nicht bis zur Siegerehrung warten wollt.“ Hö?! Eine halbe Stunde?! – und gratuliert hat ihm auch keiner. Das haben wir dann sehr ausgiebig getan, der kleine Herr Maus stieg zweimal sehr stolz aufs Siegertreppchen, und zu Hause verkündete er dann, er wolle jetzt „ein Fest feiern“. Statt Abendbrot rührten wir also schnell einen Bananenmilchshake an, tauten einen estnischen Honigkuchen auf, kratzten die letzten Eisreste zusammen und dekorierten mit Wunderkerzen.

Am Sonntag hatte sich der kleine Herr Maus mit einem Schulfreund zur Schlangenausstellung verabredet. Sie besprachen am Telefon noch schnell, wann sie sich treffen wollten, dann sauste der kleine Herr Maus zur Bushaltestelle davon.

Weil endlich mal ein bisschen die Sonne schien, der kränkelnde grosse Herr Maus aber auf dem Sofa bleiben musste, machten der Ähämann und ich eine kleine Radtour in der näheren Umgebung. Eine Radtour! Im Januar!!!

Der See, auf dem wir sonst um diese Zeit schlittschuhlaufen oder Tretschlitten fahren, ist komplett eisfrei, und die ersten Weidenkätzchen leuchteten weiss in der fahlen Sonne. Ich möchte bitte Schnee und Frost!!!

Dann kam der kleine Herr Maus zurück, berichtete begeistert von der Schlangenausstellung und machte es sich mit dem grossen Herrn Maus mit drei Folgen „Spuk im Hochhaus“ bequem, während der Ähämann und ich das Fräulein Maus vom Bahnhof abholten. Sie ging übrigens kurz vor acht freiwillig ins Bett.


Presseschau:

In Kajaani wurde ein neues Krankenhaus gebaut, an dessen Planung Ärzte, Krankenhauspersonal und Patienten beteiligt waren. Herausgekommen ist trotz begrenzten Budgets ein sehr helles, einladendes Bauwerk mit viel Kunst an den Wänden. Und auf der Geburtsstation gibt es eine Sauna!

Was es nicht alles gibt: Haareis! Es bildet sich, wenn Wasserdampf aus verrottendem Laubbaumholz entlang des darin wachsenden Pilzmyzels austritt und gefriert.