Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Kinder glücklich machen (2)

Gestern Nachmittag, während wir darauf warteten, dass der grosse Herr Maus aus der Schule kommt, gingen der kleine Herr Maus und ich mal gucken, was das eigentlich für eine Baustelle ist, von der wir immer die Baufahrzeuge poltern hören.

Der kleine Herr Maus guckte sehr lange.

Er guckte zehn Minuten lang zu, wie der Bagger wie mit einem Pizzaschneider den Asphalt aufschnitt. Er guckte weitere zehn Minuten lang zu, wie der Bagger und der LKW sich in Position rückten und der Bagger den Pizzaschneider gegen die mittlere der drei herumliegenden Baggerschaufel wechselte. Er guckte zehn Minuten lang zu, wie der Bagger die Asphaltstücke in seine Baggerschaufel schob und krachend auf die Ladefläche des LKWs fallen liess.

Er guckte so lange zu, bis er gefragt wurde, ob er denn mal ins Führerhaus des Baggers möchte.

Eine Zigarettenpause lang bestaunte er mit grossen Augen all die Hebel und Knöpfe.

Dann guckte er weitere zwanzig Minuten lang zu, wie der Bagger einen Graben aushob.
(Und dann mussten wir leider heim.)


Kinder glücklich machen (1)


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Zeitumstellungsverwirrung

Na? Heute jemand irgendwohin eine Stunde zu spät gekommen?!

Ich nicht. Ich war heute wegen der Zeitumstellung – und das muss man ja überhaupt erstmal fertigbringen! – eine Stunde zu früh mit dem kleinen Herrn Maus vor der Fussballhalle.

(Fragt nicht…)

Gestern Abend hatte ich ein bisschen gestöhnt, weil der kleine Herr Maus schon wieder sonntagfrüh ein Fussballspiel hat. Dann aber rechneten wir aus, dass wir immerhin bis um acht schlafen könnten – das ist anderthalb Stunden länger als in der Woche und besser als gar nichts.

Bis mir die Zeitumstellung einfiel und mir aufging, dass um acht ja dann quasi um sieben wäre und wir doch sehr zeitig aufstehen müssten. Und irgendwie blieb in meinem Kopf nur das „um sieben“ hängen, und ich stellte den Wecker folgerichtig auf… um sieben.

Erst als wir vor der stockfinsteren Fussballhalle standen, wurde mir mein Fehler bewusst.

Aber noch während der kleine Herr Maus und ich berieten, was wir denn nun machen sollten – nochmal nach Hause fahren lohnte eigentlich nicht, allerdings kann man sonntagsfrüh um acht hierzulande ja noch nichtmal in irgendein Café gehen – ging die Tür auf, der Hallenwart kam raus und fragte, ob wir zum Turnier kämen. „Eigentlich ja…“, begann ich ihm meinen Irrtum zu erklären. „Kommt ruhig rein!“, winkte uns der Hallenwart hinter sich her, schloss uns einen Umkleideraum auf und schaltete – „Damit du schon mal ein bisschen kicken kannst!“, sagte er zum kleinen Herrn Maus – die Flutlichter in der finsteren, riesigen Halle, in der sonst immer mindestens 100 Menschen gleichzeitig durcheinanderwuseln, an.

Das war dann schon sehr cool. Und alles gar nicht mehr so schlimm.


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Löschmeister Wasserhose live

„Und dann“, erzählt der kleine Herr Maus vom Feuerfehlalarm im Kindergarten, „haben wir alle unsere Stiefel angezogen und im Windfang gewartet, und dann ist die Feuerwehr gekommen, und die haben sich alles angeguckt, aber es hat nirgends gebrannt, und dann ist der eine Feuerwehrmann noch zu uns gekommen und hat uns alles gezeigt, seinen Helm und seine Atemmaske und seinen Luftrucksack, und dann hatte der noch so ein Thermometer, das durften wir auch angucken, und, weisst du was, der hatte ganz nasse Haare!“ „Der hat wohl geschwitzt unter dem Helm?“, frage ich. „Nee, der war vorher wo, wo er ins Wasser musste!“

Der Arme! Kaffee hatte er vermutlich auch noch nicht getrunken.


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Bilder gucken

Ist ja schon eine Weile her, dass wir im Turkuer Kunstmuseum waren.

Die beiden Grossen, die sich noch daran erinnern konnten, hatten immer mal gefragt, wann wir mal wieder hingehen würden.

Zur Zeit gibt es eine Sonderausstellung mit Werken von Helene Schjerfbeck, und anlässlich der Herbstferien sogar eine schatzsuchenartige Kinderführung.

Das war die Gelegenheit.

Die Führung dauerte eine halbe Stunde. Wir kamen trotzdem erst nach anderthalb Stunden wieder raus.


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In der Zahnklinik

Die Zahnklinik ist ein bisschen kurios.

Das Gebäude ist rund – ganz innen befindet sich die Treppe, darum herum in einem kreisförmigen Raum das Wartezimmer. Dauernd geht eine der zwei Türen des Wartezimmers auf, und eine Zahnmedizinstudentin oder ein Zahnmedizinstudent ruft einen Namen. Heute so:

„Lehtonen!“ Mann erhebt sich.
„Suominen!“ Frau erhebt sich.
„Ist eine kleine Sofia hier?“ Mädchen mit Mama erhebt sich.
„Honkanen!“ Frau erhebt sich. „Honkanen, Esa!“, präzisiert die Zahnmedizinstudentin. Frau setzt sich wieder hin.
„Virtanen, Tommi!“, ruft ein Zahnmedizinstudent. (Damit sich nicht gleich vier Leute gleichzeitig erheben.)
„Kallio!“ Mann im Rollstuhl rollt zur Tür.
„Leskinen!“ „Lehtinen?“, fragt ein alter Mann.
„Lindström!“ Frau erhebt sich.
Fräulein Maus!“

Schade. Wir sitzen doch erst seit zwei Minuten im Wartezimmer und hätten uns das gern noch ein bisschen angeguckt!

Zwei Minuten?! Und so viele Leute? Wie geht denn das?

Das geht, weil sich um das Wartezimmer herum, als äusserster Kreis, ein Behandlungsraum befindet, in dem – ungelogen! – fünfzig Behandlungsstühle, nur von Schränken, Waschbecken und Computertischen getrennt, stehen.

Das Gebiss des Fräulein Maus wird eine halbe Stunde lang penibelst begutachtet – erst durch eine Zahnmedizinstudentin, dann durch deren Ausbilderin – zwischendurch darf sie den Zahnarztstuhl hoch und runter fahren, kleine Lampen und Spiegelchen inspizieren, bekommt erklärt, wie sie die neuen Backenzähne putzen soll, bekommt viel Lob für ihr gesundes Gebiss (obwohl wir verraten, dass es einen Karkkipäivä bei uns nicht gibt, und wir auch Saft zum Essen trinken), und darf sich am Ende eine Zahnbürste und ein kleines Spielzeug aussuchen. Sie strahlt wie ein Honigkuchenpferd.

Ich auch. Weil hier alle so gut mit Kindern können. Weil das Fräulein Maus schon jetzt einen Termin für in einem Jahr reserviert bekommt, obwohl die nächste reguläre Vorsorgeuntersuchung erst in der fünften (!) Klasse vorgesehen ist, aber sie vermutlich eine Zahnspange brauchen wird. Weil man nicht monatelang auf einen kurzfristigen Termin warten muss. Weil man nicht Stunden im Wartezimmer zubringt.

Weil ich so gerne hier bin.

Ein fröhlicher kleiner Herr Maus bei seiner ersten Kontrolluntersuchung bei einem richtigen Zahnarzt – in der Zahnklinik!


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Prima war’s!

Die finnische Bahn hat nämlich nicht nur tolle Waggons für Kinder, sondern es mangelt auch nicht an kleinen Passagieren. Bis auf das erste Viertel der Reise, während dem die Mäusekinder tatsächlich allein im Spielabteil waren, musste ich mich deshalb nicht weiter um die Kinder kümmern ausser Kekse zuzureichen („Mäusekleinkind will noch ein‘ Keks!“) und das Mäusebaby auf der Rückfahrt mal in der Trage in den Schlaf zu schaukeln.

Zugfahr’n ist so schön!