Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Hinterlasse einen Kommentar

Reiserückblick (5): Die Lieblingsaussicht vom Lieblingsturm

Der Turm – auch genannt „Penis jenensis“ oder „Keksrolle“ – ist vielen ein Dorn im Auge.

Ich liebe ihn sehr.

Ich war jahrelang in seinem Erdgeschoss mittagessen und mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann Tanzkurs machen und zumindest im ersten Studienjahr, bevor sie geschlossen wurde, in der Cafeteria im 26. Stock Kaffee trinken und eine Zeitlang im 8. Stock Tschechisch lernen und ein paar Monate lang habe ich sogar im 10. Stock, da war er schon nicht mehr der Uniturm, gearbeitet. Auch deswegen hänge ich an ihm.

„Können wir auch wieder auf den Turm hoch?“, fragten die Kinder. Natürlich! Wir fuhren diesmal im Abendsonnenschein hoch und blieben so lange oben – man kann sich ja sowieso gar nicht sattsehen! – bis überall unter uns die Lichter angingen.

Ohne den Turm wäre Jena nicht Jena.


Ein Kommentar

Reiserückblick (3): Die Lieblingsheimatstadt

Über Jena habe ich eigentlich alles schon gesagt.

Nach Jena kommen ist immer noch wie nach Hause kommen.

Die Kinder gingen jeden Morgen begeistert zum Bäcker Frühstück kaufen. Wir führten die Kinder in die Lieblingsstudentenkneipe und assen jeden Tag einen Eisbecher. Wir bestiegen bei 33°C den Jenzig und die Kinder stellten in den Kernbergen einen neuen Wanderrekord auf. Wir besuchten den Lieblingsbuchladen, den – zwei Kinder brauchten ein grösseres Fahrrad – Lieblingsfahrradladen, das Planetarium, die Leuchtenburg, den Erfurter Zoo, die Freibäder der Umgebung, den Lieblingsturm und die Freunde, mit denen immer ein Feuer gemacht werden muss.

Aus Jena wieder wegfahren fällt immer noch schwer.


4 Kommentare

Deutschlandreise: Wandern mit Aussicht

Um Jena kann man einmal auf halber Höhe auf den Kalkbergen – entlang der sogenannten Horizontale – herumwandern. Wenn man dabei jedes Seitental mitnimmt, dann kommt man insgesamt auf ungefähr 100 km.

Die wandert natürlich niemand am Stück. Also eigentlich.

Neben allgemeiner Sehnsucht und einem dringend nötigen Fahrradkauf war einer unserer Gründe für den Jena-Urlaub – und zwar eine Woche bevor für unsere beiden Schulkinder die Sommerferien anfingen – dass der Ähämann mal wieder wie zu Studienzeiten bei der jährlich stattfindenden 100-Kilometer-Wanderung rund um Jena mitlaufen wollte.

Aber. Damals liefen, wenn es hoch kam, 100 Leute. Jetzt wälzen sich 1000 Leute – und wenn die Teilnehmerzahl nicht begrenzt wäre, wären es vermutlich 5000 – die schmalen Pfade entlang. Anja hat aus ähnlichem Anlass sehr schön beschrieben, was einem, der die Wanderung von früher kennt, dabei sauer aufstösst. Und warum die Motivation, das Ding durchzuziehen, mit jedem hightechausgerüsteten Marathonläufer, der sich rücksichtslos an einem vorbeiquetscht, ins Bodenlose sinkt.

Als wir dann an den restlichen Urlaubstagen die schönsten Teilstrecken nochmal gemeinsam gingen, war das eine echte Freude.

Uns begegneten in all den Tagen insgesamt zehn Menschen.


6 Kommentare

Deutschlandreise: Die Lieblingsstadt

Jena ist die einzige Stadt, die ich als meine Heimatstadt bezeichne. Dabei bin ich da weder geboren noch aufgewachsen noch habe ich irgendwelche Verwandtschaft da.

Selbstgewählte Heimat.

„Und? Hat sich viel verändert, oder?“, fragen immer alle. Kein bisschen. Fast alles ist auch 13 Jahre, nachdem wir weggezogen sind, noch am alten Platz. Anders als hier, wo die Geschäfte in der Innenstadt alle zwei Jahre Ringelpiez spielen und Cafés nach einem Sommer wieder verschwinden. Sogar die zwanzigseitige Speisekarte in der Jenaer Lieblingskneipe ist noch die gleiche.

Zum Turm hege ich übrigens – aller Kontroversen zum Trotz – eine grosse Zuneigung. Ich habe dort nicht nur – als er noch Uniturm war – im 26. Stock Kaffee getrunken und im 8. Stock Tschechisch gelernt und im Erdgeschoss Mittag gegessen und später jahrelang mit dem Ähämann Tanzkurs gemacht, sondern später – als er nicht mehr Uniturm war und ich auch ausstudiert hatte – sogar mal ein paar Monate lang im im 10. Stock gearbeitet, als sich das Umweltamt dort befand. Und von der damals funkelnagelneuen Aussichtsplattform das schönste – nämlich auf Augenhöhe – Feuerwerk meines Lebens gesehen.

Jena ohne Turm wäre gar nicht Jena.

(Und man könnte ja auch gar nicht so schön runter gucken!)