Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Als ich nach der Impfung dann gestern mit dem Fahrrad auf Arbeit fuhr – Pfingstmontag ist kein Feiertag in Finnland – kam mir genau an der Stelle, an der ich Anfang März das Plakat mit der Aufforderung, sich impfen zu lassen, fotografiert habe, eine 398 entgegen. Zum Glück hat es ja dann doch keine zehn Monate, sondern nur noch zehn Wochen gedauert.

Und auf dem Heimweg kam mir dann auch gleich noch die 399 entgegen.

Heute Impfkater. Der Impfstoff und mein Immunsystem tun offensichtlich, was sie sollen.

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2x Moderna im Arm

Der Ähämann und ich haben heute einen Ausflug ins Messezentrum gemacht. Die Austellung war, um es mit den Worten des Ähämanns zu sagen, eher öde, dafür war der Eintritt frei.

Es ging dann doch überraschend schnell.

In Finnland wird – abgesehen von ein paar wirklich drastischen Risikogruppen wie Organtransplantations- oder Krebspatienten sowie Menschen mit Down-Syndrom, Diabetes oder chronischen Herzkrankheiten – strikt in absteigender Altersreihenfolge gegen Covid-19 geimpft.

(Das scheint dem norwegischen Impfsystem sehr zu ähneln, und dazu hat Frau Rabe schon alles gesagt, was ich dazu gern sagen möchte.)

Von Hundertnochwas bis 56 bekamen in Turku alle automatisch eine Einladung per SMS. Weil aber offensichtlich dann doch recht viele Leute ihren Impftermin gar nicht wahrgenommen haben, wurde Anfang Mai ein Link freigeschaltet, unter dem sich 18- bis 55-Jährige, die die Impfung wirklich wollen, registrieren konnten. Den Registrierten wird dann nach und nach – nicht in Anmeldereihenfolge, sondern ebenfalls in absteigender Altersreihenfolge – automatisch per SMS ein Termin zugewiesen. Der Ähämann, der zwei Jahre älter ist als ich, bekam seine Einladung letzten Dienstag für heute, ich am Freitag für Donnerstag.

Geimpft wird in Turku am Arsch der Welt im Messezentrum anderen Ende der Stadt. Es gibt dort 25 Impfstationen – es können also jeweils 25 Leute gleichzeitig geimpft werden – und sehr wenig Bürokratie (Name aufrufen, KELA-Karte kontrollieren, Spritze in den Arm, Zettel mit Folgetermin in die Hand drücken, bitte da entlang und dort noch 15 min warten, auf Wiedersehen!) und sicher geht es auch deswegen so schnell voran mit den Impfungen hier.

Apropos schnell. Finnland hat von Anfang an die Impfintervalle auf 12 Wochen hochgesetzt, damit möglichst schnell möglichst viele Leute überhaupt erstmal eine Impfung bekommen. Finde ich gut – macht sich nur blöd für den EU-Impfpass, weil mit dem ja nur vollgeimpfte Leute reisen dürfen, unsere Zweitimpfung aber erst eine Woche nach Ende der Sommerferien stattfinden wird. (Nein, Herbstferien sind kein Trost. Okay, eine Woche im Advent im Erzgebirge schon. Ein bisschen.)

Weil der Ähämann auch schon mal umkippt nach einer Impfung, fuhren wir gemeinsam hin, damit ich ihn wieder nach Hause fahren konnte. Eingedenk meiner Erfahrungen bei der Schweinegrippenimpfung hatte ich vorsorglich meinen Impfpass heute schon mal dabei und durfte mir tatsächlich die Impfung heute schon verpassen lassen und meinen Donnerstagstermin canceln einem anderen dringend auf die Impfung Wartenden überlassen.

Naja, Impfpass. Dieses Konzept ist hier ja eher unbekannt – Impfungen stehen wie alles andere in der digitalen Patientenakte – und ich habe schon mehrere Neuvolatanten und Schulschwestern in Erstaunen versetzt, als ich ihnen gesagt habe, dass man den Aufkleber von der Ampulle mit dem Impfstoff abmachen und in den gelben Pass kleben kann. („Das ist ja praktisch!“ Ja.) Heute gab es keine Aufkleber, weil schlicht keine dran sind an den Einzeldosen, und noch nicht mal einen Stempel, weil, nun ja, Stempel hierzulande nicht so einen Stellenwert besitzen wie in Deutschland. (Vor Jahren besuchte das Fräulein Maus mit mir die ehemaligen Kolleg*innen auf dem Jenaer Umweltamt, entdeckte den Stempelhalter auf dem Schreibtisch des einen – „Mama, was ist das denn?!“ – bekam dann ein Blatt Papier gereicht und war für die nächste Stunde beschäftigt.)

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Freude und Erleichterung weitergeben.

Weil die Impfung für uns kostenlos war, haben wir beide den Preis für unsere Impfdosen dafür gespendet, dass auch Menschen in ärmeren Ländern gegen Covid-19 geimpft werden können.


Ein Kommentar

kolmesataayksi

Oder: Was sonst noch so los war in den letzten zwei Wochen:

Vorletzten Donnerstag fuhr ich mit dem Auto auf Arbeit. Ich versuche das normalerweise zu vermeiden, schon deswegen, weil es nahezu unmöglich ist, im Umkreis von einem Kilometer einen Parkplatz zu ergattern. Ich fand dann einen. Dass der nicht die beste Wahl war, stellte ich fest, als ich das Auto noch ein bisschen gerader ausrichten wollte und die Räder auf dem fünf Zentimeter dicken, spiegelblanken Eis auf der ziemlich steilen Strasse einfach nur durchdrehten. (Ich sah innerhalb der letzten beiden Wochen übrigens sehr viele Autofahrer, denen es genauso erging.) Ich liess den Herrn Picasso also schief eingeparkt zurück und hoffte, dass die Sonne während des Tages ihren Dienst tun würde: wenn schon nicht das Eis wegzutauen, es zumindest so weich zu schmelzen, dass ich abends wieder wegkommen würde. Auf den restlichen 800 Metern zur Arbeit zog es dann auch noch mir selbst die Füsse unter den Beinen weg. Der Splitt,der unter meinen Füssen gefehlt hatte, lag da, wo meine – ob der Aufregung und der doch schon recht kräftigen Sonne unbehandschuhte – Hand aufkam. Mit schmerzendem Rücken und einer bluttropfenden Hand kam ich auf Arbeit an und liess mir von der Kollegin erstmal einen Verband anlegen. Die hatte sich ihrerseits meine Ankunft auch anders vorgestellt, denn sie hatte Kerzen angezündet, Kaffee gekocht, Pulla mitgebracht und mir Blumen gekauft – zu Ehren meines ersten offiziellen Arbeitstages mit ordentlichem Arbeitsvertrag. Wenn an der Uni jemand im Lotto gewonnen irgendwelche Fördergelder ergattert hatte, dann war es üblich, dass derjenige für die Kollegen Torte ausgab. Ich habe das nie in Frage gestellt, aber ich sag‘ mal so: es gibt vielerlei Gründe, warum ich mich mit Freuden in die Reihe meiner ehemaligen Mitdoktorandinnen, die inzwischen Kindergärtnerin, Köchin, Krankenschwester… geworden sind und einhellig beteuern, ihre alte Arbeit noch keine Minute vermisst zu haben, einreihe.

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Ich schaffte es am Abend tatsächlich, den Herrn Picasso wieder mit heimzunehmen, ohne warten zu müssen, bis sich in ein paar Wochen das Problem von selbst gelöst hätte. Einmal mehr habe ich dankbar geseufzt über mein Winterfahrtraining.

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Letzten Donnerstag begleitete ich den grossen Herrn Maus – mal wieder, und ein Ende ist auch erst in mehreren Jahren abzusehen – zum Zahnarzt. Während wir an der Ampel neben der Haltestelle warteten, zeigte der grosse Herr Maus hoch zur Uni und sagte bedauernd: „Da gehst du jetzt nie mehr hin!“, woraufhin ich ihm zu seinem Erstaunen entgegnete: „Und das ist auch gut so!“. Ich erklärte ihm ein bisschen meine Beweggründe und war froh, dass er die Sache angesprochen hatte, denn zur Uni schicke ich üblicherweise keine sentimentalen Blicke wie zum Krankenhaus, aber am Fuss der langen Treppe zum Unihügel parkte eine 301, und für die wurde es ja auch wirklich langsam Zeit!

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Am Freitag hatten alle drei Kinder einen Termin bei der Schulschwester zur FSME-Impfung. Ich fuhr mit dem kleinen Herrn Maus gemeinsam zur grossen Schule, Impfstoff im Wert von insgesamt 120 € vorsichtig im Kühltäschchen mit mir führend, und als wir von der Haltestelle zur Schule liefen, hupte es plötzlich hinter uns und die Vorschullehrerin aller unserer Kinder, die wir seit einem Dreivierteljahr nicht gesehen hatten, beugte sich zum Autofenster raus und wollte ein kleines Schwätzchen mit uns halten. „Und grüsst auch den grossen Herrn Maus und das Fräulein Maus von mir, und natürlich auch den Papa!“, sagte sie, als wir weitermussten, und dieser Kindergarten war wirklich unser Dorf und ich werde ihn noch lange vermissen. Sehr lange.

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Meistens lerne ich hier ja bei jeder Gelegenheit noch was Neues – neulich von der Schulschwester zum Beispiel, dass man Warzen auch einfach mit Jeesusteippi behandeln kann – aber am Freitag hat die Schulschwester, die diesen Job bestimmt seit 35 Jahren macht, auch was Neues gelernt – nämlich dass die Etiketten auf den Impfstoffampullen Aufkleber sind, die man abziehen und in den Impfausweis einkleben kann. Bitte, danke, gern geschehen, hat mir meine Jenaer Hausärztin schon vor 20 Jahren gezeigt, den Trick, und unsere Neuvolatante kennt den jetzt auch schon seit ein paar Jahren.

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Hinterher gingen der grosse Herr Maus und das Fräulein Maus in ihre Klassenzimmer zurück, der kleine Herr Maus marschierte zur Haltestelle und fuhr in seine Schule, und ich fuhr weiter ins Stadtzentrum. Dort stellte ich fest, dass nicht nur schon die ersten Kehrmaschinen dagewesen waren, sondern dass auch schon die Theaterbrücke mit Narzissen geschmückt ist. Letzteres finde ich recht gewagt – ich weiss zwar aus eigener Erfahrung, dass diese Narzissensorte gut und gern 10 Grad minus aushält, aber die Nächte werden derzeit durchaus auch manchmal noch kälter. Aber gut, Frühling ist Frühling!

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Die Skier sind trotzdem noch nicht weggeräumt. Wenigstens einen der vorhergesagten sonnigen Ostertage möchte ich nämlich nochmal auf Skiern verbringen, und es sieht durchaus so aus, als ob das – zwar nicht in Turku, aber im nahe- und höhergelegenen Lieblingsskigebiet – was werden könnte. Zu Ostern noch skifahren und zu Vappu dann Picknick im T-shirt, das wäre so meine Idealvorstellung vom finnischen Frühling. (Und gar nicht so selten klappt das auch.)

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