Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Reiserückblick (4): Noch höhere Berge

Das Roháče, der Hauptkamm der Westtatra, war mein erstes echtes Hochgebirge. (So mit sechs oder sieben.) In die Alpen kamen wir ja nicht, einen Ferienplatz in der Hohen Tatra ergatterten wir ein einziges Mal, und aus dem Plan, dass mein Vater mit mir irgendwann nochmal in den Kaukasus fahren würde, wurde dann auch nichts mehr. Ins Roháče kann man praktischerweise als Tagesausflug vom Lieblingsgebirge aus fahren. Das letzte Mal allerdings waren der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor ungefähr zwanzig Jahren da.

Weder damals mit dem anderthalbjährigen Fräulein Maus in der Kiepe noch letztes Jahr, als wir nach vielen Jahren zum ersten Mal mit allen drei Mäusekindern wieder dort waren, fuhren wir hin, obwohl bei gutem Wetter seine granitschwarzen, gezackten, mächtigen Gipfel jedes einzelne Mal aus der Ferne laut rufen.

Nämlich. In den 1980er Jahren wurden der Zufahrtsweg zur Berghütte, an der alle Wanderwege anfangen, asphaltiert und zwei gigantische Parkplätze angelegt. Sie wurden nie in Benutzung genommen, die Strasse weit vorher für Autos gesperrt. Das Roháče ist ein Gebirge, in dem man eigentlich keine Touristen haben möchte. Auch keine zahlenden. Es wurde nicht, wie so viele andere slowakische Berge und ganze Gebirge, aus Naturschutzgründen gleich ganz gesperrt – aber es gibt da bis heute keine Seilbahn, keinen Sessellift, keinen Shuttlebus. Es ist ein Gebirge für Enthusiasten, die auch die 4 km Anmarsch auf asphaltierter, stetig steiler ansteigender Strasse nicht abschrecken kann.

Die Natur dankt. Das Roháče ist das wildeste Gebirge, das ich kenne.

Die Kinder machten die Asphaltlatsche klaglos mit, hoch wie runter. (Dabei hatten wir eingeplant, dass sie vielleicht veständlicherweise streiken würden.)

Vielleicht ahnten sie, dass es sich lohnen würde.

Ein bisschen sehnsüchtig schaute ich zu den ameisenkleinen Menschen hinauf, die den Hauptkamm entlangkraxelten. Aber wie es aussieht, ist das beim nächsten Mal durchaus drin mit den Kindern. ♥


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Kleine Alpinisten

Vor drei Jahren war der Plan: auf der Terrasse sitzen, die Berge anstaunen, ein bisschen spazierengehen. Was eben so geht mit einem Baby, einem Dreijährigen und einer Fünfjährigen. Letztendlich gingen wir jeden Tag wandern: wir fuhren mit irgendeiner Seil- oder Zahnradbahn bergauf und liefen ein Stückchen bergab.

Diesmal war der Plan: Wir fahren jeden Tag mit einer anderen Seil- oder Zahnradbahn – und daran ist ja in der Schweiz kein Mangel – bergauf und laufen ein Stückchen bergab. Was eben so geht mit einem Dreijährigen, einem Sechsjährigen und einer Achtjährigen. Letztendlich gingen wir jeden Tag richtige kleine Wandertouren.

Sie liefen, so weit sie ihre kleinen Beinchen trugen. (Und das war viel weiter, als wir vorher erwartet hatten. Selbst der kleine Herr Maus brauchte die für den Notfall mitgenommene Kiepe nur, wenn er zu müde war oder wenn wir uns ein wenig eilen mussten, um die letzte Bahn ins Tal noch zu erwischen.) Sie kraxelten über Felsen, stapften auf schmalen Pfaden, balancierten über schmale Brücken, stampften in Schneefelder, trippelten an glotzenden Kühen vorbei, schlurften durch Wasserläufe und kletterten über Geröllfelder.

Bergwandern ist für Kinder offensichtlich nicht vorgesehen. (Man sieht das ja schon daran, dass es fast unmöglich ist, wirklich gute Wanderschuhe für Kinder zu finden. Selbst im Outdoorladen unseres Vertrauens, der Wanderschuhe für 300 Euro mit entsprechenden Hinweisen auf deren besondere Eignung an den erwachsenen Mann oder die erwachsene Frau zu bringen versucht, zeigte uns der Verkäufer in Kindergrössen einen besseren Turnschuh. ”Kinder sollen ja keine Schuhe mit harten Sohlen tragen!” Nee, is’ klar. Macht ja nichts, wenn so ein Füsschen mal zwischen Geröllbrocken ein bisschen gequetscht wird. Oder ein paar Meter in die Tiefe schlittert, weil weiche Sohlen nur minimalstes Profil hergeben. Hauptsache, die Fusssohle kann sich immer schön frei entwickeln!) Bergwandern ist zu langweilig. Zu gefährlich. Ohne Abenteuerspielplatz, Sommerrodelbahn und Klettergarten – glaubt man der einschlägigen Elternpresse – ist Kindern ein Urlaub im Gebirge ja nicht zuzumuten. ”Ich würde mir das nochmal überlegen, da mit den Kindern weiterzugehen!”, rief uns die geschminkte, in weisse Hose und weisse Outdoorjacke gekleidete Tussi Feiertagsalpinistin, die fusswippend wartete, bis unsere Kinder sich vorsichtig über eine Engstelle gehangelt hatten, missbilligend hinterher. „Na, muss jeder selber wissen, was er mit seinen Kindern macht!“, sagte sie schliesslich kopfschüttelnd zu ihrem halbwüchsigen Sohn.

Ich finde ja, man soll Kindern ruhig was zutrauen. Die sind für alles zu begeistern, wenn man ihnen nur die Möglichkeit dazu gibt.

Ich will meine Kinder nicht langweilen, und ich will sie keinen unnötigen Gefahren aussetzen. Und vielleicht gerade deshalb gehen wir mit ihnen ins Gebirge: damit sie lernen, wo man seine Füsse sicher hinsetzt und wohin besser nicht. Wie man einen Anstieg bewältigt ohne anschliessend zusammenzubrechen. Wie ein Gletscher von Nahem aussieht (und warum man nicht darauf herumläuft). Wann man besser umkehrt. Dass gute Ausrüstung wichtig ist, aber Umsichtigkeit und Erfahrung nicht ersetzen kann. Dass ein schmaler Bergpfad mehr Spass macht als jeder Abenteuerspielplatz. Dass Berge glücklich machen.

„Sie sehen Eiger, Mönch, Jungfrau… nichts.“


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Berge

… gibt’s ja nicht in Finnland.

Als wir unseren Urlaub planten, aus Sehnsucht nach richtigen Bergen, da wusste ich noch gar nicht, WIE sehr mir die Berge gefehlt hatten.

Als der Ähämann unsere Unterkunft buchte, 1500 m hoch gelegen und mit Blick auf Berge und See, da dachte ich noch, das würde mir schon reichen. Auf der Terrasse sitzen und den Blick zwischen den Bergspitzen aufhängen. Ab und zu vielleicht ein kleiner Spaziergang. Was man eben so machen kann mit zwei kleinen Kindern und einem Baby.

Als der Ähämann beschloss, wenn schon, dann führen wir da hin, wo die ganz hohen Berge sind, da wusste ich noch nicht, wie perfekt das für uns sein würde. Denn wo auf (fast) jeden Berg irgendeine Art Bahn fährt, da kann man sich prima bergauf fahren lassen und bergab zu einer Zwischenstation laufen. Mit zwei kleinen Kindern und einem Baby.

Einen wunderbaren Urlaub hatten wir!

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