Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Zeitumstellungsverwirrung

Na? Heute jemand irgendwohin eine Stunde zu spät gekommen?!

Ich nicht. Ich war heute wegen der Zeitumstellung – und das muss man ja überhaupt erstmal fertigbringen! – eine Stunde zu früh mit dem kleinen Herrn Maus vor der Fussballhalle.

(Fragt nicht…)

Gestern Abend hatte ich ein bisschen gestöhnt, weil der kleine Herr Maus schon wieder sonntagfrüh ein Fussballspiel hat. Dann aber rechneten wir aus, dass wir immerhin bis um acht schlafen könnten – das ist anderthalb Stunden länger als in der Woche und besser als gar nichts.

Bis mir die Zeitumstellung einfiel und mir aufging, dass um acht ja dann quasi um sieben wäre und wir doch sehr zeitig aufstehen müssten. Und irgendwie blieb in meinem Kopf nur das „um sieben“ hängen, und ich stellte den Wecker folgerichtig auf… um sieben.

Erst als wir vor der stockfinsteren Fussballhalle standen, wurde mir mein Fehler bewusst.

Aber noch während der kleine Herr Maus und ich berieten, was wir denn nun machen sollten – nochmal nach Hause fahren lohnte eigentlich nicht, allerdings kann man sonntagsfrüh um acht hierzulande ja noch nichtmal in irgendein Café gehen – ging die Tür auf, der Hallenwart kam raus und fragte, ob wir zum Turnier kämen. „Eigentlich ja…“, begann ich ihm meinen Irrtum zu erklären. „Kommt ruhig rein!“, winkte uns der Hallenwart hinter sich her, schloss uns einen Umkleideraum auf und schaltete – „Damit du schon mal ein bisschen kicken kannst!“, sagte er zum kleinen Herrn Maus – die Flutlichter in der finsteren, riesigen Halle, in der sonst immer mindestens 100 Menschen gleichzeitig durcheinanderwuseln, an.

Das war dann schon sehr cool. Und alles gar nicht mehr so schlimm.


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kaksisataaviisikymmentäviisi

So einen Sonntagvormittag, an dem ein Kind in aller Herrgottsfrühe ein Fussballturnier hat, ein Kind an einer Pfadfinderrallye teilnimmt und ein Kind ganz planmässig Turntraining hat, kriegt man mit kooperativen Kindern, von denen eins bereitwillig alleine beim Fussballturnier bleibt, eins sich ohne zu knurren eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn schon in der Turnhalle abliefern lässt und eins zuverlässig anruft, wenn es im Ziel eingetroffen ist, schon irgendwie hin.

Man muss eben nur fünfzehnmal hin und her fahren, wenn man dazu nur ein Auto zur Verfügung hat. Beim elften Mal fuhr schlich* ich einen Kilomter lang einer 255 hinterher.


*Die neueste Marotte auf finnischen Strassen: da, wo man 50 km/h fahren darf, nicht schneller als 45 km/h zu fahren. Allerhöchstens. Besser vielleicht doch nur 40 km/h.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254]


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Alle Jahre wieder

“Mama, ich hab’ dir einen Zettel hingelegt!”

Da hier üblicherweise zwischen Lehrern und Eltern oder Trainern und Eltern elektronisch kommuniziert wird, muss es sich um etwas aussergewöhnlich Wichtiges handeln, und da das Jahresende naht, ahne ich schon, worum es gehen wird.

Kerzen. Die Klasse des Fräulein Maus verkauft also Kerzen.

Es ist nämlich so, dass die Kinder hier in der fünften Klasse ein paar Tage auf Klassenfahrt gehen werden. Nichts Teures, in irgendein Landschulheim nicht allzuweit weg. Das Besondere in Finnland ist aber, dass von den Eltern dafür kein Geld verlangt werden darf. Die Klasse muss also irgendwie selbst das Geld dafür aufbringen. Kuchenbasare. Disco mit Eintritt für die ganze Schule. Oder eben Dinge verkaufen. So sehr ich das Prinzip eigentlich mag – keiner muss zu Hause bleiben, weil sich die Eltern das Geld für die Klassenfahrt nicht leisten können – so sehr hasse ich dieses Verkaufsdings.

Die zukünftige Fünftklässlerin ist ja auch nicht das einzige Kind, das Geld für seine Gruppe sammeln muss. Da ist ja auch noch die Turnerin, die jeden November gleich mal dafür verpflichtet wird, mindestens sieben Rubbellosadventskalender zu verkaufen. Oder der Fussballer, der bei Heimspielen ein Buffett zu organisieren hat und auch dazu angehalten ist, durch den Verkauf von Keksen, Socken, Kerzen, Klopapier, Theaterkarten (oder was eben in diesem Jahr beschlossen wurde) in der Vorweihnachtszeit zur Auffüllung der Mannschaftskasse beizutragen. Oder das Kindergartenkind, dessen Basteleien ich dann auf dem Weihnachtsbasar gegen eine freiwillige Spende erwerben kann.

Was fürs Buffett einkaufen finde ich ok. Kuchen backen auch. Ein, zwei Euro für einen selbstgebastelten Weihnachtsschmuck in die Sparbüchse der Kindergartenkinder zu stecken, auch. Was ich hasse – ich sagte es schon – ist dieses Verkaufsding.

Es sei denn, die ganze Gruppe geht gemeinsam mit irgendeinem Erwachsenen in einem Einkaufszentrum oder Supermarkt verkaufen. Da bin ich raus, das können sie gern machen.

Aber ich gehe nicht mit meinem Kind und seinen zu verkaufenden Sachen in der Nachbarschaft hausieren. Weil ich dafür nicht der Typ bin, und zumindest das Fräulein Maus auch nicht. Aus dem gleichen Grund verkaufe ich auch nichts an Arbeitskollegen. Dabei wäre das hier vermutlich gar nicht mal so schwer. Der Ähämann kriegt die sieben Rubbelloskalender vom Sportverein immer ganz gut los – einfach, weil das hier üblich ist und alle um das Dilemma wissen. Und weil ich das Gefühl habe, dass die Finnen durchaus freigebig sind, gerade wenn es um Kinder geht. Als das Fräulein Maus und ihre Freundin aus dem Nachbarhaus im Sommer ein selbstorganisiertes Kinderfest auf dem Hof veranstalteten – mit Turnvorführungen, Spielen, Kuchen und Saft – und dafür auch einen kleinen Stand mit selbstgemachten Armbändern aufbauten, die sie für einen wirklich kleinen Preis verkaufen wollten, da nahmen sie richtig viel Geld ein, weil die eine Familie nicht nur für ihre beiden Jungs, sondern natürlich auch für Mama und Papa jeweils ein Armband kauften und sehr, sehr grosszügig aufrundeten. Und das habe ich nicht zum ersten Mal so erlebt.

Ich mag’s aber trotzdem nicht. Ich kann auch niemandem guten Gewissens eine Kerze für sechs Euro anpreisen, die im Supermarkt die Hälfte kostet. (Auch wenn es für einen guten Zweck ist.) Oder jemandem Rubbellose verkaufen, bei denen es entweder Mist zu gewinnen gibt oder die Gewinnchance unendlich klein ist. (Auch wenn es für einen guten Zweck ist.)

Nur mit dem Pfadfinder, da sind wir halbwegs fein raus. Die Pfadfinder verkaufen jedes Jahr Adventskalender. So einen haben wir uns gleich in unserem allerersten Jahr in Finnland gekauft, und die sind so schön, dass wir seither jedes Jahr einen für uns haben wollten, sogar, als wir noch gar keine Kinder hatten. Den bewerbe ich gern. Letztes Jahr habe ich ja ein paar an Blogleserinnen verkauft (Danke!), und falls daran auch dieses Jahr wieder Interesse bestehen sollte, würde ich da nächstens genauere Infos dazu geben und gern wieder einen kleinen Versandhandel für einen guten Zweck aufmachen.

Gestern nämlich kam der grosse Herr Maus vom Pfadfindertreffen: “Mama, ich habe einen Zettel für dich!”


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Spielen (ernsthaft) und Spielen (zum Vergnügen)

Fussballspielen in der Knirpsliga* ist mit wenig Glamour behaftet.

Man spielt nämlich vorwiegend auf Sandplätzen.

Und es ist jedes Mal das Gleiche: sie spielen mit vollem Einsatz, die Sechs- und Gerade-noch-Fünfjährigen, rasen dem Ball hinterher, werden ausgewechselt, lassen sich erschöpft am Spielfeldrand fallen… und fangen sofort an, im Sand Dreck zu wühlen. Ihn sich durch die Finger rieseln zu lassen, kleine Häufchen zu machen, Muster hineinzumalen.

Zwischen den Anweisungen an die gerade Spielenden ruft der Trainer dann immer mal: „Keine Kuchen backen!“

Hilft nur mässig. Nämlich für ungefähr zwanzig Sekunden.


*Die finnische Bezeichnung Nappulaliiga für Spieler unter 11 Jahren ist ein ganz wunderbares Wort, denn nappula heisst sowohl Stollen (also die am Fussballschuh) als auch Knirps / Knopf / Stöpsel (oder wie auch immer man kleine Menschlein nennen will).


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Idyllisch

Gestern hatte der kleine Herr Maus ein Auswärtsspiel auf dem Lande.

Mit einem Ball, der zwischendurch erstmal im Roggenfeld gesucht werden musste, mit zwei Mannschaften, die in unterschiedlichen Sprachen angefeuert wurden, mit „Mama, während ich spiele, kannst du Kamille sammeln!“ und mit wunderbarem Abendlicht.

Und mit zwei Finnischkursbabys, die gegeneinander antraten.