Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


6 Kommentare

Coronaklausur, Tag 51

Finnland hat 5673 bestätigte Coronafälle.

Die Druckmittel, sein Kind am 14. Mai für gerade mal elf Tage statt erst Mitte August wieder in die Schule zu schicken, nehmen von Tag zu Tag – wahrscheinlich korrelierend mit der Menge an eingehenden Anträgen auf Freistellung oder Homeschooling – groteskere Züge an.

Angeblich wollte man ja die Schulen so dringend wieder öffnen, weil so viele Kinder es zu Hause nicht mehr aushalten und so viele Eltern Entlastung brauchen. Tja nun. Sehr viele Eltern sind offensichtlich anderer Meinung. Und die Kinder könnte man ja auch mal fragen: wir jedenfalls haben ein Kind, das aus Angst, sich selbst oder uns anzustecken, auf gar keinen Fall in die Schule will, eins, das auf jeden Fall in die Schule will, und eins, das schon wollen würde, aber unter diesen Bedingungen lieber nicht. Und diese Entscheidungen werden wir Eltern nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen.

***

Heute war Sonnenbrandwetter mit eisigem Nordwind. Zum Glück hatten wir keine Radtour geplant. Nachdem ich meine Arbeit erledigt hatte – neuerdings gehe ich meinem Broterwerb ja eher vormittags nach als nachmittags – zog ich für den Rest des Tages in unseren windgeschützten Garten um, misstrauisch aus dem Weihnachtsbaum beäugt von einem Ringeltaubenpaar. (Familie Blaumeise in der Untermietwohnung hat schon piepsende Junge!) Die Komposterde, von der wir wundersamerweise immer ziemlich genau so viel produzieren wie wir brauchen, wartet jetzt gesiebt und abgefüllt auf Tomaten und Gurken.

Ausserdem wurden im Garten Deutschhausaufgaben erledigt, Klarinette geübt und der neue Sonnenschirm ausgepackt. Aber den Wind könnte jetzt trotzdem jemand mal wieder abstellen.


5 Kommentare

Coronaklausur, Tag 47

Finnland hat 5254 bestätigte Coronafälle.

In den zwei Wochen, in denen wir nicht draussen waren, ist der Frühling ausgebrochen: es wird grün, es gibt Blümchen, der Himmel ist blauweiss, Schmetterlinge taumeln über die grün-weissen Buschwindröschenteppiche, die Wellen schwappen mit Sommergeräuschen an die Uferfelsen, und die Vögel singen im Chor.

Das Fräulein Maus fing an, seine Sommerhausaufgabe für den Biologieunterricht zu erledigen: ein Herbarium mit mindestens 50 Pflanzen anlegen. (Darunter so Dinge wie drei verschiedene Arten Rentierflechten und fünf verschiedene Moosarten, die auf Deutsch nicht mal einen Namen haben.) Das Schulkind von heute muss allerdings kein Zeitungspapier mehr durch den Wald schleppen, sondern legt ein Digiherbarium an. Sehr cool.

Der grosse Herr Maus konnte eine weitere Aufgabe – „Besuche einen Nationalpark!“ – in seinen Fernpfadfinderpass eintragen.

Und der kleine Herr Maus, der beschloss spontan, dass es Zeit zum Anbaden sei. (Bei 14°C im Schatten. Über die Wassertemperatur reden wir gar nicht erst.)

Was hatten wir alle den Wald vermisst…! Und den Sommer!


Hinterlasse einen Kommentar

Coronaklausur, Tag 37

Finnland hat 4282 bestätigte Coronafälle.

Ich hatte heute den ganzen Tag so ein Watte-im-Kopf- und Ich-möchte-einfach-nur-schlafen-Gefühl. Das war schade, denn draussen war schönstes Wetter. Die eine Birke, die immer als Erste grün wird, hat schon richtige kleine Blättchen! Die Gänseblümchen und der allererste Löwenzahn blühen! Die Vogelbeere rollt schon ihre Blütenknospen aus! (Alles mindestens drei Wochen zu früh, aber trotzdem schön.)

Nachmittags brach unter der Nachbarskinderschar Sommerferienstimmung aus: es wurde Skateboard gefahren, getrampolint, einem Hundewelpen Kunststückchen beigebracht und die erste Wasserschlacht des Jahres ausgetragen. Das Fräulein Maus half mir gleichzeitig bei der Vorbereitung einer der Fernhortaufgaben für die nächsten Tage:

Abends radelten das Fräulein Maus und ich zur befreundeten Deutschlehrerin, um Unterrichtslektüre („Tschick“) für das Fräulein Maus abzuholen. Statt wie geplant „nur kurz vorbeizufahren“ sassen wir zwei Stunden lang unter Einhaltung aller Abstandsregeln bei Saft und Kuchen mit ihr im Garten, und ja, es war schon sehr schön, nach fast sechs Wochen auch mal wieder mit jemandem anders und über andere Dinge zu reden als nur mit der eigenen Familie oder über Arbeitsangelegenheiten, und zwar ohne einen Computer dazwischen.


7 Kommentare

Coronaklausur, Tag 35

Finnland hat 4014 bestätigte Coronafälle.

Der Ähämann war gestern Abend zum ersten Mal seit neun Tagen wieder Lebensmittel einkaufen. Er kam erst nach zehn wieder heim, danach verstaute er noch eine halbe Stunde die Einkäufe nach einem ausgeklügelten, mittlerweile ganz gut etablierten System. Wie ich mich freue auf die Zeit, wenn wir uns die ersten Tage nach einem Einkauf in unserer Küche endlich nicht mehr verhalten müssen wie damals im Labor beim Mikrobiologiegrundpraktikum…!

Wir gingen zu spät ins Bett. Zum Glück hatte das Fräulein Maus heute eine Stunde später Schule und auch wir Eltern konnten bis um acht schlafen!

Kurz nach neun fühlte ich mich wie im Grossraumbüro: vier Personen murmelten gleichzeitig in ihre digitalen Endgeräte.

Die beste Chefin rief mich erst mittags altmodisch auf dem Handy an. Bis dahin gab ich mein Bestes, den dieses Jahr ausfallenden Tag der offenen Tür in unserem Hort, den wir normalerweise Anfang Mai für die zukünftigen Erstklässler und ihre Eltern veranstalten, durch einen ansprechenden Flyer zu ersetzen. Und mir natürlich ein Wissenschaftsdienstagsexperiment aus den Fingern zu saugen. (Das Heureka hat da ein paar nette Sachen auf seiner Seite.)

Ansonsten brach heute der Sommer aus, und zumindest ein Teil der schulbildungspflichtigen Kinder zog zumindest für den analogen Teil des Schultags in den Garten um.

Auch Mittagessen gab es auf der Terrasse. Nach und nach entledigten wir uns eines Kleidungsstücks nach dem anderen. Früh waren die Autos auf dem Parkplatz vorm Haus noch bereift gewesen, nachmittags liefen wir barfuss durch den Garten.

Wir holten zum ersten Mal dieses Jahr die Sonnencreme raus, und wo ich vor ein paar Monaten noch gedacht hatte: vielleicht haben wir es ein bisschen übertrieben mit der Vorratshaltung, wo wir doch im Juni guten und preiswerten Nachschub kaufen können, bin ich jetzt froh, dass wir gleich mehrere Tuben im Schrank stehen haben. An Sonnencreme wird es uns nicht mangeln diesen Sommer. (An festem Shampoo, an Bierbrause, an Spee, Fit und vor allem an einem neuen Fahrrad für den grossen Herrn Maus dagegen schon.)

Um drei schnappte sich der grosse Herr Maus seine „1,2 oder 3“-Tasche und sprang zur Buswendeschleife. Seine Lehrerin brachte Schulmaterialien: Arbeitsblätter, grosses, dickes Papier für die nächsten Kunstarbeiten, bei Bedarf auch Bücher aus der Schulbibliothek und Hefte, Bleistifte oder Radiergummis. Dem kleinen Herrn Maus brachte sie auf unsere Bitte hin ein paar Hefte mit einer Speziallineatur mit, die es im Supermarkt nicht gibt. Und für jeden hatte sie eine persönliche Karte gebastelt.

Ich habe das dann jetzt jedenfalls endlich mal zum Anlass genommen, mich bei allen drei Klassenlehrerinnen ausführlich dafür zu bedanken, dass unsere Kinder in diesen Zeiten in Finnland zur Schule gehen Unterricht haben dürfen.


9 Kommentare

Coronaklausur, Tag 33

Finnland hat 3783 bestätigte Coronafälle.

Heute gab es grosse Unstimmigkeiten: ein Kind zeterte, weil es partout das Haus nicht verlassen wollte, und ein anderes Kind zeterte, weil es partout nicht erst sein Ferntraining absolvieren und mittagessen, sondern sofort und gleich wandern gehen wollte. Es fand sich zum Glück ein Kompromiss.

Es fand sich auch immer noch ein neuer Wanderweg. Da dieser nicht von der Forstbehörde oder dem örtlichen Naturschutzverein angelegt ist, sondern vom Golfresortbetreiber (!), gibt es auf ihm keine Erklärtafeln, stattdessen leicht übertriebene Treppen und Brücken von Felsen zu Felsen. Immerhin kann man, und das ist ja in Finnland selten, zwischendurch noch entscheiden, ob man noch einen zusätzlichen Schlenker gehen will oder auf kürzestem Weg zurück. Und die fünf Kilometer Wanderweg führen durch Fichtenwald, über Felsen, durch ein Birkenwäldchen, durch knorrige Kiefern und durch Moor. Alles, was so ein finnischer Wald auf kleinstem Raum zu bieten hat.

Wir fanden es dort erst ziemlich überlaufen (also nach unseren finnischen Massstäben), aber dann näherte sich die Uhrzeit 17 Uhr, und da hatten wir dann – wie oft bei derlei Gelegenheiten; die Kinder zum Beispiel planten schon vor Jahren ihre Spielplatzbesuche so – den Wald für uns allein. Und da die Sonne schon wieder vier Stunden länger scheint als gerade eben noch, gibt es jedenfalls für uns keinen Grund, schon um vier den Heimweg anzutreten.

Abends ist es jetzt plötzlich wieder bis halb zehn hell.
Neben dem Gefühl für Wochentage verlieren wir jetzt dann auch noch das für Uhrzeiten. Das ist allgemein der Punkt, an dem wir anfangen, auf die Sommerferien zu warten. Noch sechs Wochen!


Hinterlasse einen Kommentar

Coronaklausur, Tag 32

Finnland hat 3681 bestätigte Coronafälle.

Als heute gleich nach dem Aufwachen wieder schönster Sonnenschein war, beschlossen wir, dass wir keinen einzigen Tag mehr warten wollten, um endlich den Buschwindröschenweg zu gehen. Obwohl es dafür immer noch ganz schön zeitig ist.

Aber der Frühling ist sooo weit dieses Jahr!

Als wir wieder zu Hause waren, packte das Filmteam Maus – die Herren Maus arbeiten seit Tagen gemeinsam an einem Film zu einem noch geheimen Thema, bei dem sie Drehbuchautor, Regisseur, Kostümbildner, Schauspieler und Filmeditor (sogar finnische Untertitel sind vorgesehen!) sind – seine Requisiten in Rucksäcke, radelte in den nächstgrösseren Wald, weil es dort den für die Dreharbeiten zur nächsten Szene benötigten grossen Felsen gibt, und kam zwei Stunden später zerkratzt und zerschunden, aber sehr fröhlich und einträchtig zurück und editierte eine weitere Stunde das neu produzierte Filmmaterial. Wir sind sehr gespannt auf die Premiere!


2 Kommentare

Coronaklausur, Tag 30

Finnland hat 3369 bestätigte Coronafälle.

Der Schultag begann mit einem Geschichtstest für den grossen Herrn Maus und einem Mathetest für den kleinen Herrn Maus. Das Fräulein Maus zeigte dem kleinen Herrn Maus, der das noch nie gemacht hatte, wie er seinen fertigen Test im Teams hochladen kann. Den grossen Herrn Maus interviewte ich nochmal dazu, wie denn die Ehrlichkeit der Prüflinge gewährleistet wird, und er berichtete, wenn man nicht weiterkäme, dürfe man auch das Buch zu Hilfe nehmen, aber wenn man gar nichts gelernt hätte, dann wisse man ja auch gar nicht, wo man nach passenden Informationen suchen müsse. Die Kinder werden am Ende dieser Zeit so viel gelernt haben! Weit über den Lehrplan hinaus.

Nachmittags fanden in zwei Kinderzimmern längere Facetime-Sesssions mit den jeweiligen besten Freund*innen statt. Es war sehr lustig, aus dem einen Zimmer Finnisch und aus dem anderen Deutsch zu hören. Die beiden telefonierenden Mädchen räumten gemeinsam ihre Zimmer auf, die beiden telefonierenden Jungs stellten unter Anderem fest, dass sie beide das gleiche Kunstprojekt in der Schule im Fernunterricht gemacht hatten.

Ich räumte derweil die Ostersachen weg.

Irgendwie stelle ich von Jahr zu Jahr mehr fest, dass mir Ostern nicht so… äh… liegt. Das mag hauptsächlich an den finnischen Rahmenbedingungen liegen – die umgekehrt vermutlich auch erklären, warum Weihnachten hier fast genauso schön ist wie da, wo ich herkomme. Dass den Kindern Weihnachten auch wichtiger ist als Ostern, merkten wir übrigens neulich, als eins der Kinder etwas über unser – auch aus dem Erzgebirge stammendes – Hasenpaar sagen wollte und von „Engel und Bergmann“ sprach.

Aber jetzt: sommerwärts!

Hinten: zukünftige Möhren, Radieschen und Salat.
Vorne: Stachelbeeren in Startlöchern.

Ansonsten bin ich inzwischen ein bisschen müde, Leuten immer wieder… äh… grundlegende Dinge über das Wesen der Coronapandemie zu erklären. (Nein, man braucht kein Biologiestudium, um die zu verstehen. Dachte ich zumindest bisher.) Vor allem werden wir ganz sicher nicht, was immer die finnische Boulevardpresse dazu zu sagen hat, in absehbarer Zeit einfach da weitermachen, wo wir Mitte März aufgehört haben. Ich bin da ganz bei meinem Lieblingsministerpräsidenten.


Hinterlasse einen Kommentar

Coronaklausur, Tag 21

Finnland hat 2308 bestätigte Coronafälle.

Heute war der wärmste 7. April seit Beginn der finnischen Wetteraufzeichnungen. Bei uns waren 15°C, aber irgendwo in Finnland wurden sogar 17,5°C gemessen. Wir haben das genossen, keine Frage. Aber es macht mich so wütend, dass jetzt schon wieder Rufe laut werden, ob Finnland nicht angesichts der durch die Coronabeschränkungen hervorgerufenen wirtschaftlichen Krise seine Klimaziele lieber erstmal hintenanstellen sollte. Dümmer kurzsichtiger geht immer.

Es ist jedenfalls sehr frühlingshaft.

Die liebste Freundin klagt mir seit Jahren ihr Leid, dass die Hasen jedes Frühjahr alle Krokusse in ihrem Garten abfressen. Seit Jahren habe ich mich gewundert und geantwortet: „Also bei uns nicht“, obwohl wir hier auch dauernd Hasen ums Haus hoppeln sehen. Tja. Freund Hase hat in den letzten Nächten nun auch bei uns sehr akribisch alle Krokusse abgeknispelt. Und dann hat er noch ein bisschen mit den Träubchen weitergemacht. „Sei nicht sauer“, sagten die Kinder, „vielleicht war’s der Osterhase!“ Ich bin nicht sauer. In unserem Garten ist Platz für alle Lebewesen. Aber für die Bienen und Hummeln, die jetzt um ihr wichtigstes Futter gebracht sind, tut’s mir leid.

Ansonsten heute – Corona macht’s möglich – eine etwas ausufernde deutsche Dienstbesprechung gehabt, die aber doch ganz nett war. Sonst findet die in Helsinki statt, und wir in unserem Turkuer Aussenposten machen unser eigenes Ding. Das ist eins der Dinge, die gut so sind, wie sie jetzt sind, und die hinterher gern so bleiben dürfen. (Mehr als die Hälfte der jetzt zu Hause arbeitenden Finnen möchte das übrigens hinterher gern beibehalten.)

Dann zwei Einkäufe. Obwohl ich ja derzeit eigentlich so selten wie möglich einkaufen gehe. Aber diese beiden Einkäufe waren coronakonform.

Zuerst fuhr ich bei Ikea vorbei. Dort kann man sich derzeit seinen Einkauf online zusammenstellen, bezahlen und ein paar Stunden später abholen. Wenn man zehn Minuten vor Ankunft eine SMS mit seiner Bestellnummer und seinem Autokennzeichen schickt, bekommt man seinen Einkauf direkt ans Auto geliefert. Mit ausgestrecktem Arm bekam ich noch die Quittung gereicht, die ich mit ausgestrecktem Arm entgegennahm, wobei ich mich sehr überschwänglich für den sehr tollen Service bedankte.

Dann fuhr ich zum Lieblingsgartenmarkt. Dort steht sowieso alles im Freien, es ist nie sehr voll, und heute hatte man dort sogar eine Kasse im Freien aufgebaut. Eigentlich wollte ich sogar vermeiden, einen Einkaufswagen nehmen zu müssen, und hatte ein Klappkörbchen dabei, aber der Pflanzenkauf ist dann ein bisschen eskaliert. Immerhin ist es jetzt im Vorgarten wieder bunt, und für die Bienen ist auch was dabei.

Abends ging noch ein längerer Regenschauer nieder, auch das war gut für den Garten (und die erste Regentonne ist schon fast voll!), und das Fräulein Maus, der kleine Herr Maus und ich hatten es drin sehr gemütlich: der kleine Herr Maus wollte sich nämlich – wie die grosse Schwester es schon getan hat – eine Mundmaske nähen. (Dabei brauchen die Kinder sowas am wenigsten. Sie kommen wirklich überhaupt nicht unter andere Leute. Gestern waren sie im Nachbargarten auf dem Trampolin. Aber nicht die gesamte Nachbarskinderschar gemeinsam, wie in anderen Jahren, sondern nur geschwisterweise. Sie hatten das vorher untereinander beredet und zogen das dann genau so durch. Sagte ich schon, dass ich die alle toll finde?!) Das Fräulein Maus musste dem kleinen Herrn Maus beim Nähen ab und zu helfen – allerdings mehr beim Umsetzen der Anleitung als bei der Bedienung der Nähmaschine, denn das kann er ja – und ich half ihr dazwischen bei den Chemiehausaufgaben.

Morgen muss ich mich dann aber wirklich ernsthaft an das Fotobuch für den grossen Herrn Maus setzen!


7 Kommentare

Coronaklausur, Tag 19

Finnland hat 1927 bestätigte Coronafälle.

Palmsonntag.

„Virvon, varvon…“ fiel dieses Jahr aus Gründen aus. Das war besonders schade, denn die Kinder wollten dieses Jahr eine sehr kleine, noch nicht ganz zweijährige Hexe, die wir schon viel zu lange nicht mehr gesehen haben, in diesen finnischen Osterbrauch einführen.

Ich hatte kurz überlegt, eine Vase für Zweige und eine Schüssel mit Schokoladeneiern vor die Tür zu stellen, falls trotz allem Hexen kämen, aber wenn in Finnland Regierung und Kirchen sagen: „Dieses Jahr bitte nicht von Haustür zu Haustür ziehen!“, dann zieht auch wirklich niemand von Haustür zu Haustür.

Wir suchten also auch wieder ein einsames Fleckchen Natur auf. Apropos einsam: ich habe das Gefühl, der In-den-Wald-renn-Boom hat schon wieder nachgelassen.

Allerdings war das heute zugegebenermassen nicht der malerischste Wanderweg.

Ich war dort bisher überhaupt erst ein Mal, und zwar mit dem Tretschlitten auf dem See, um den der Wanderweg führt, denn dort gibt es jeden Winter immer wenn es kalt genug ist, eine 2 km lange Eisbahn, und die ist auf jeden Fall immer schon eher befahrbar als die Eisbahn auf dem Meer.

An der einen Seite des Sees führt eine stark befahrene Strasse vorbei, und auf der anderen Seite steht ein Kraftwerk. Dazwischen aber ist es schön. Und neuerdings darf man wegen des Kraftwerks nicht mehr ganz um den See herumlaufen, stattdessen gibt es jetzt eine 120 m lange Pontonbrücke quer über den See, die ist sehr toll.

Die Landschaft ist noch aprilgrau. Aber die Sonne…!!! Und die Knospen stehen schon hufescharrend in den Startlöchern.

Was für ein Glück, der Frühling! Dieses Jahr ganz besonders.


Hinterlasse einen Kommentar

Coronaklausur, Tag 18

Finnland hat 1882 bestätigte Coronafälle.

Ob COVID-19 von Menschen auf Mumins übertragen werden kann, ist noch unklar. Aber derzeit machen die Mumins ja noch Winterschlaf und sind deshalb ungefährdet.

Winter ist ohnehin die einzige Jahreszeit, zu der ich bereit bin, diese Insel zu betreten. Wir fahren sowieso schon nur zwischen September und Mai nach Naantali, und in der Muminwelt waren wir noch nie, auch nicht, als die Kinder noch klein waren. Obwohl – oder gerade weil – ich die Mumins so liebe. Aber mit der Poesie der Muminbücher hat dieser überteuerte Vergnügungspark leider überhaupt nichts zu tun.

Warum die Mumininsel in manchen Wintern verriegelt und verrammelt ist und in anderen die Tore sperrangelweit aufstehen, hat sich uns leider in den 16 Jahren, in denen wir heute erst zum dritten Mal dort waren, noch nicht erschlossen. Ich hörte letzte Woche über drei Ecken von einer Bekannten, dass man zurzeit hinkann, und überraschenderweise waren trotz Wochenende so wenige Leute – wir begegneten vielleicht noch fünf anderen Familien – dort, dass wir dort genauso bedenkenlos herumspazieren konnten wie im Wald.

Man muss nicht zwingend etwas Gelbes anhaben, um die Insel betreten zu dürfen. ;-)

Erst hamstern und dann gedankenlos in die Gegend schmeissen. Menschen, ey!!!