Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Sommerferien minus 3

Oder: kolmesataakuusikymmentäkahdeksan

Finnland hat 6692 bestätigte Coronafälle.

Weil für unseren Geschmack unsere Vorstellung von Abstandsregeln der Schulhof der Grundschule heute viel zu voll war, als die ersten Hortkinder aus der Schule kamen, zogen wir um auf den Hof der gegenüberliegenden Oberschule, wo wir bis vor kurzem unseren Hortraum hatten.

Wenn die Schule wegen des Schimmelproblems jetzt endlich abgerissen würde, wäre das kein Verlust. Im Gegenteil. Es ist so ungefähr die hässlichste und heruntergekommenste Schule der Stadt.

Aber sie hat ganz sicher den allerschönsten Schulhof.

Es dauerte keine halbe Minute, bis sich alle auf Felsen verteilt hatten und die ersten Kinder Äste schleppten.

Wir holten auch die Kiste mit dem Vesper dorthin, und dann kam endlich doch so ein bisschen Kurz-vor-den-Sommerferien-Gefühl auf.

(Auf dem Heimweg überholte mich die 368.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367]


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Sommerferien minus 7

Finnland hat 6568 bestätigte Coronafälle.

Manchmal ist es schwer, die Wünsche von fünf Personen – oder wenigstens drei Kindern – unter einen Hut zu bekommen.

Der kleine Herr Maus hatte sich schon einen Ausflug zum Fährenwanderweg gewünscht, da waren die Seen noch gefroren. Und von da an jede Woche. Heute sollte er endlich seinen Wunsch erfüllt bekommen. Heute wollte dann aber die Teenagerin unter keinen Umständen in den langweiligen Scheisswald, aber weil wir vollidiotischen Eltern den Ausflug als zu weit weg und zu lange dauernd ansahen, um sie allein zu Hause zu lassen, musste sie leider doch mit. Sie hielt dann aber doch nicht ganz die vollen neun Kilometer durch mit Gemecker. Sondern nur sechs oder so.

Ich freute mich vor allem darüber, dass der See wieder aufgefüllt ist.


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Sommerferien minus 8

Finnland hat 6537 bestätigte Coronafälle.

Die Männer der Familie hatten heute – vielleicht ganz im Sinne des deutschen „Männertages“ – Brückentag. Die Frauen der Familie nicht.

Trotzdem sagte das Fräulein Maus gleich nach dem Aufstehen – sie war genau wie ich kurz vor neun ohne Wecker aufgewacht: „Ich fühle mich irgendwie schon wie Sommerferien!“, und ich stimmte ihr zu. Ich zog ein Sommerkleid an – noch mit Strickjäckchen drüber und Leggins drunter, aber: ein Sommerkleid! – und radelte am Fluss entlang zur Arbeit.

Dort standen Leute mit Mütze, Handschuhen und dicken Jacken auf dem Schulhof. Den Finnen kann man es aber auch wirklich nicht recht machen!

Als ich zum ersten Mal „Zwei Meter!“ hinter zwei Kindern herrief, riefen sie zurück: „Ein Meter!“ Nein, liebe Kinder. Nur weil die Schulen angsichts der vollen Klassenstärken in kleinen Klassenzimmern nicht in der Lage sind, zwei Meter Sicherheitsabstand zu gewährleisten, heisst das noch lange nicht, dass ein Meter auf einmal völlig ausreichend ist. (Mal davon abgesehen, dass wir, wenn wir zwei Meter fordern, am Ende ungefähr einen Meter Abstand zwischen den Kindern sehen. Man kann das dann selbst runterrechnen.)

Mehrere Lehrer*innen hörte ich heute „Nur noch fünf Tage!“ und „Zum Glück ist erstmal Wochenende!“ seufzen. Ich kann sie bestens verstehen. Wir haben es mit unserer kleinen, braven und einsichtigen Draussenhortgruppe wirklich leicht.

Die urlaubenden Männer der Familie machten derweil einen Ausflug zu einem nahegelegenen Berg Felsen, der am Anfang von 75% unserer Radtouren liegt und uns auch schon mehrfach empfohlen wurde, aber, obwohl ein offizieller Weg hinführt, nicht ausgeschildert ist. Sie fanden ihn heute jedenfalls, und ich war nur deshalb ein bisschen weniger neidisch, weil mich mindestens der kleine Herr Maus bestimmt demnächst nochmal hinführt.

Ich finde es übrigens immer noch sehr spärlich grün. Die Birkenblätter werden einfach nicht grösser, viele Bäume haben noch überhaupt keine Blätter, und zwischen den neuen Grasspitzen guckt noch sehr viel graues, vertrocknetes Gras hervor. Es könnte dann wirklich langsam bitte mal dauerhaft warm werden!


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Coronaklausur, Tag 56

Finnland hat 6003 bestätigte Coronafälle.

Obwohl der grosse Herr Maus dasjenige unserer Kinder ist, das unbedingt wieder in die Schule will, hat er sich doch gefreut, als die erstmal für vier Wochen gedachten Schulschliessungen schon recht bald bis zum 13. Mai verlängert wurden. „Dann muss ich an meinem Geburtstag noch nicht in die Schule!“, jubelte er.

Schon der zweite Geburtstag, an dem wir alle gemeinsam aufstehen, dem Geburtstagskind ein Lied singen, beim Geschenkeauspacken zugucken und gemeinsam frühstücken konnten, ohne dass einer schon mal los musste in die Schule. Sehr schön.

Der grosse Herr Maus jubelte über alle seine Geschenke – die kleinen, die grossen, die, die gar nichts gekostet hatten, und die teureren – gleichermassen. Das Fräulein Maus hatte ihm ein Rätselbuch gebastelt und der kleine Herr Maus ganz allein einen Dinosaurier aus Holz ausgesägt und bemalt. Die Patentante schickte ein Geschenk, das nicht besser sowohl zu ihr als auch zum Beschenkten passen könnte. ♥

(Ich selbst musste auch gleich noch vorm Frühstück ein paar Seiten darin lesen.)

Fast ein Geburtstagsgeschenk war auch die Wilma-Nachricht seiner Klassenlehrerin an den grossen Herrn Maus und uns Eltern, in der sie ihn jetzt am Ende der acht Wochen Fernunterricht ausführlich dafür gelobt hat, dass er sich immer aktiv an den Unterrichtsstunden per Videochat beteiligt hat, dass er keine Stunde verpasst hat, dass er immer pünktlich seine Aufgaben eingereicht hat, wie selbstständig er in der Zeit geworden ist. „Du, ich und wir alle haben viel gelernt in dieser Zeit – falls wir nochmal so eine Situation haben werden, dann sind wir gut darauf vorbereitet. Danke für deine Flexibiliät und deinen Fleiss, ich bin stolz auf dich!“ Jedem einzelnen ihrer 18 Schüler*innen hat sie so eine ganz persönliche Nachricht geschickt! Ich war sehr gerührt, und der grosse Herr Maus leuchtete von innen.

Dann auf Arbeit geradelt – dank Pankratius mit Sonnenbrille, Sonnencreme, Mütze, Handschuhen und Anorak – und gemeinsam mit der besten Chefin weitere Feinplanungen vorgenommen. Viele Emails von Eltern beantwortet und mich gefreut über ein Lob für unser „professionelles Engagement“. Da wir alle ja nichts weiter an die Hand bekommen haben als diese grandiosen offiziellen Hygieneregeln, ist in den letzten beiden Wochen recht deutlich geworden, dass es Rektoren, Lehrer, Kindergarten- und Hortbetreuer*innen gibt, die sehr durchdachte und detaillierte Pläne haben, und andere, die… eher keine Pläne haben. Es wird… spannend ab Donnerstag.

Hinterher fuhr ich auf dem Markt vorbei, um ein Bund dringend benötigte Zwiebeln zu besorgen, ohne dafür in den Supermarkt zu müssen – leider vergebens, und das liegt eher nicht an Corona. Grmpf.

Als ich heimkam, waren die Herren Maus mit einem der Geburtstagsgeschenke des grossen Herrn Maus draussen unterwegs. Das Fräulein Maus hatte sich mit ihrer besten Freundin zum gemeinsamen Joggen verabredet. Sie rannte durch unseren Wald, die beste Freundin an einem mittelfinnischen See entlang.

Abends letzte Klavier- und Klarinettenstunde für den kleinen Herrn Maus. Das Schuljahr ist wirklich fast um.


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Coronaklausur, Tag 53

Finnland hat 5880 bestätigte Coronafälle.

Es war Zeit, mal wieder auf unsere Lieblingshalbinsel ganz draussen zu fahren.

Es gibt dort einen kleinen Ort, der schon vor 400 Jahren um eine Eisenhütte herum entstand, und in dem immer noch Überreste von Hochöfen und seltsame aus flaschengrünen Schlackesteinen gebaute Lagerhäuser zwischen hübschen Holzhäuschen und hässlichen Plattenbauten stehen. Vor allem aber liegt Taalintehdas inmitten einer mystischen Landschaft voller dunkelblauer Moorseen, die wie das Meer auf seiner anderen Seite fast bis in den Ort hineinreichen. Bisher konnte man dort nicht viel machen, aber neuerdings gibt es dort verschiedene ganz neu angelegte Wanderwege. Und einen Aussichtsturm, von dem aus man in alle Richtungen, so weit das Auge reicht, nichts als Wald und Wasser sieht. Und blauen Himmel ganz ohne Kondensstreifen. Das ist so schön zur Zeit!

Hinterher machten wir noch Halt an unserem Zweitlieblingsstrand, und der Ähämann, der kleine Herr Maus und ich hüpften kurz ins Wasser. Es waren 11 Grad – sowohl an der Luft als auch im Wasser – aber man weiss ja nie, wie der Sommer wird.

Fängt man lieber rechzeitig an, sich abzuhärten.


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Coronaklausur, Tag 52

Finnland hat 5738 bestätigte Coronafälle.

Wie es aussieht, bleibt es jetzt an den Rektoren hängen, bis nächsten Donnerstag ein coronataugliches Konzept für ihre Schule aus dem Boden zu stampfen, das sie Schülern und Eltern gegenüber verantworten können. Die Lehrerin des grossen Herrn Maus stellte es heute früh als erstes ihrer Klasse vor, ausserdem kamen zwei Nachrichten vom Rektor der Herren Maus mit jeweils einer Kurz- und einer Langfassung der geplanten Hygienemassnahmen, die sich durchaus recht durchdacht anhören. Also nach immerhin ein bisschen Schadenslimitierung, wenn 700 Schüler gleichzeitig in voller Klassenstärke zurück in die Schule stürmen.

Der grosse Herr Maus bekam diese Woche übrigens zum ersten Mal in seiner Schullaufbahn einen Wilma-Eintrag wegen Zuspätkommens. Das war sehr lustig, ausgerechnet jetzt – aber was will man machen, wenn man seinen Englisch-Videochat um eine halbe Stunde verbaselt hat.

Wetterstatus:

Es geht jetzt ohne Wollsocken. Aber noch nicht barfuss.


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Coronaklausur, Tag 51

Finnland hat 5673 bestätigte Coronafälle.

Die Druckmittel, sein Kind am 14. Mai für gerade mal elf Tage statt erst Mitte August wieder in die Schule zu schicken, nehmen von Tag zu Tag – wahrscheinlich korrelierend mit der Menge an eingehenden Anträgen auf Freistellung oder Homeschooling – groteskere Züge an.

Angeblich wollte man ja die Schulen so dringend wieder öffnen, weil so viele Kinder es zu Hause nicht mehr aushalten und so viele Eltern Entlastung brauchen. Tja nun. Sehr viele Eltern sind offensichtlich anderer Meinung. Und die Kinder könnte man ja auch mal fragen: wir jedenfalls haben ein Kind, das aus Angst, sich selbst oder uns anzustecken, auf gar keinen Fall in die Schule will, eins, das auf jeden Fall in die Schule will, und eins, das schon wollen würde, aber unter diesen Bedingungen lieber nicht. Und diese Entscheidungen werden wir Eltern nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen.

***

Heute war Sonnenbrandwetter mit eisigem Nordwind. Zum Glück hatten wir keine Radtour geplant. Nachdem ich meine Arbeit erledigt hatte – neuerdings gehe ich meinem Broterwerb ja eher vormittags nach als nachmittags – zog ich für den Rest des Tages in unseren windgeschützten Garten um, misstrauisch aus dem Weihnachtsbaum beäugt von einem Ringeltaubenpaar. (Familie Blaumeise in der Untermietwohnung hat schon piepsende Junge!) Die Komposterde, von der wir wundersamerweise immer ziemlich genau so viel produzieren wie wir brauchen, wartet jetzt gesiebt und abgefüllt auf Tomaten und Gurken.

Ausserdem wurden im Garten Deutschhausaufgaben erledigt, Klarinette geübt und der neue Sonnenschirm ausgepackt. Aber den Wind könnte jetzt trotzdem jemand mal wieder abstellen.


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Coronaklausur, Tag 47

Finnland hat 5254 bestätigte Coronafälle.

In den zwei Wochen, in denen wir nicht draussen waren, ist der Frühling ausgebrochen: es wird grün, es gibt Blümchen, der Himmel ist blauweiss, Schmetterlinge taumeln über die grün-weissen Buschwindröschenteppiche, die Wellen schwappen mit Sommergeräuschen an die Uferfelsen, und die Vögel singen im Chor.

Das Fräulein Maus fing an, seine Sommerhausaufgabe für den Biologieunterricht zu erledigen: ein Herbarium mit mindestens 50 Pflanzen anlegen. (Darunter so Dinge wie drei verschiedene Arten Rentierflechten und fünf verschiedene Moosarten, die auf Deutsch nicht mal einen Namen haben.) Das Schulkind von heute muss allerdings kein Zeitungspapier mehr durch den Wald schleppen, sondern legt ein Digiherbarium an. Sehr cool.

Der grosse Herr Maus konnte eine weitere Aufgabe – „Besuche einen Nationalpark!“ – in seinen Fernpfadfinderpass eintragen.

Und der kleine Herr Maus, der beschloss spontan, dass es Zeit zum Anbaden sei. (Bei 14°C im Schatten. Über die Wassertemperatur reden wir gar nicht erst.)

Was hatten wir alle den Wald vermisst…! Und den Sommer!


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Coronaklausur, Tag 37

Finnland hat 4282 bestätigte Coronafälle.

Ich hatte heute den ganzen Tag so ein Watte-im-Kopf- und Ich-möchte-einfach-nur-schlafen-Gefühl. Das war schade, denn draussen war schönstes Wetter. Die eine Birke, die immer als Erste grün wird, hat schon richtige kleine Blättchen! Die Gänseblümchen und der allererste Löwenzahn blühen! Die Vogelbeere rollt schon ihre Blütenknospen aus! (Alles mindestens drei Wochen zu früh, aber trotzdem schön.)

Nachmittags brach unter der Nachbarskinderschar Sommerferienstimmung aus: es wurde Skateboard gefahren, getrampolint, einem Hundewelpen Kunststückchen beigebracht und die erste Wasserschlacht des Jahres ausgetragen. Das Fräulein Maus half mir gleichzeitig bei der Vorbereitung einer der Fernhortaufgaben für die nächsten Tage:

Abends radelten das Fräulein Maus und ich zur befreundeten Deutschlehrerin, um Unterrichtslektüre („Tschick“) für das Fräulein Maus abzuholen. Statt wie geplant „nur kurz vorbeizufahren“ sassen wir zwei Stunden lang unter Einhaltung aller Abstandsregeln bei Saft und Kuchen mit ihr im Garten, und ja, es war schon sehr schön, nach fast sechs Wochen auch mal wieder mit jemandem anders und über andere Dinge zu reden als nur mit der eigenen Familie oder über Arbeitsangelegenheiten, und zwar ohne einen Computer dazwischen.


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Coronaklausur, Tag 35

Finnland hat 4014 bestätigte Coronafälle.

Der Ähämann war gestern Abend zum ersten Mal seit neun Tagen wieder Lebensmittel einkaufen. Er kam erst nach zehn wieder heim, danach verstaute er noch eine halbe Stunde die Einkäufe nach einem ausgeklügelten, mittlerweile ganz gut etablierten System. Wie ich mich freue auf die Zeit, wenn wir uns die ersten Tage nach einem Einkauf in unserer Küche endlich nicht mehr verhalten müssen wie damals im Labor beim Mikrobiologiegrundpraktikum…!

Wir gingen zu spät ins Bett. Zum Glück hatte das Fräulein Maus heute eine Stunde später Schule und auch wir Eltern konnten bis um acht schlafen!

Kurz nach neun fühlte ich mich wie im Grossraumbüro: vier Personen murmelten gleichzeitig in ihre digitalen Endgeräte.

Die beste Chefin rief mich erst mittags altmodisch auf dem Handy an. Bis dahin gab ich mein Bestes, den dieses Jahr ausfallenden Tag der offenen Tür in unserem Hort, den wir normalerweise Anfang Mai für die zukünftigen Erstklässler und ihre Eltern veranstalten, durch einen ansprechenden Flyer zu ersetzen. Und mir natürlich ein Wissenschaftsdienstagsexperiment aus den Fingern zu saugen. (Das Heureka hat da ein paar nette Sachen auf seiner Seite.)

Ansonsten brach heute der Sommer aus, und zumindest ein Teil der schulbildungspflichtigen Kinder zog zumindest für den analogen Teil des Schultags in den Garten um.

Auch Mittagessen gab es auf der Terrasse. Nach und nach entledigten wir uns eines Kleidungsstücks nach dem anderen. Früh waren die Autos auf dem Parkplatz vorm Haus noch bereift gewesen, nachmittags liefen wir barfuss durch den Garten.

Wir holten zum ersten Mal dieses Jahr die Sonnencreme raus, und wo ich vor ein paar Monaten noch gedacht hatte: vielleicht haben wir es ein bisschen übertrieben mit der Vorratshaltung, wo wir doch im Juni guten und preiswerten Nachschub kaufen können, bin ich jetzt froh, dass wir gleich mehrere Tuben im Schrank stehen haben. An Sonnencreme wird es uns nicht mangeln diesen Sommer. (An festem Shampoo, an Bierbrause, an Spee, Fit und vor allem an einem neuen Fahrrad für den grossen Herrn Maus dagegen schon.)

Um drei schnappte sich der grosse Herr Maus seine „1,2 oder 3“-Tasche und sprang zur Buswendeschleife. Seine Lehrerin brachte Schulmaterialien: Arbeitsblätter, grosses, dickes Papier für die nächsten Kunstarbeiten, bei Bedarf auch Bücher aus der Schulbibliothek und Hefte, Bleistifte oder Radiergummis. Dem kleinen Herrn Maus brachte sie auf unsere Bitte hin ein paar Hefte mit einer Speziallineatur mit, die es im Supermarkt nicht gibt. Und für jeden hatte sie eine persönliche Karte gebastelt.

Ich habe das dann jetzt jedenfalls endlich mal zum Anlass genommen, mich bei allen drei Klassenlehrerinnen ausführlich dafür zu bedanken, dass unsere Kinder in diesen Zeiten in Finnland zur Schule gehen Unterricht haben dürfen.