Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Allerheiligen 2017

Die Kinder liefen den ganzen Tag verkleidet – ein Vampir, eine Fledermaus, eine Spinne – durch die Wohnung und erdachten sich immer weitere Einzelheiten – blinkende Lämpchen, schaurige Masken, plötzlich von der Decke baumelnde Schlangen, unsichtbar durchs Zimmer gespannte Schnüre – für ihre verdunkelten KinderzimmmerGruselkabinette, in die sie uns immer wieder zum Gucken einluden. Der Ähämann und ich gruselten uns sehr und riefen abwechselnd „Iiiih!“ und „Huch!“ und „Hilfe!“.

Nach Sonnenuntergang wuschen sie sich die Schminke ab und zogen sich warme Sachen an und wir fuhren auf den Friedhof.

Ich finde das so schön, dieses Lichtermeer zu Allerheiligen und am Heiligabend!

Auf jedem Friedhof gibt es ausserdem eine Stelle, an der man seine Kerzen für Menschen, die anderswo begraben sind, abstellen kann. Dort stehen dann immer hunderte Kerzen dicht an dicht. (Und eine Kerze für Blechi.)


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Bevor wir gestern zum Strand fuhren, mussten wir einen Maxibrief zur Post bringen – das Porto von 8,50 € überstieg bei Weitem den Wert des Inhalts, aber gut, wir haben auch schon deutlich mehr gezahlt – und deshalb einen Umweg fahren. Am Cholerafriedhof fiel mein Blick auf ein soeben fertiggestelltes und zumindest zur Strassenseite hin selten hässliches neues Kindergartengebäude, und die 239, die uns genau dort entgegenkam, habe ich vielleicht nur bemerkt, weil es ein riesiger, weisser LKW war.

Der Cholerafriedhof. Von dessen Existenz hatte ich zum ersten Mal letzten Sommer auf der Eichhörnchentagung – kein Zusammenhang, aber man redet ja nicht ausschliesslich über sein eigenes Forschungsgebiet – gehört. Jahrelang war ich da schon mit dem Auto und dem Fahrrad dran vorbeigefahren, und ja, die Mauer war mir aufgefallen und die riesigen Fliederbüsche, wenn sie im Juni blühen, auch, aber ich hielt es für den Garten einer alten Villa.

Als 1831 in Turku die Cholera ausbrach, konnte man nichts weiter tun, als den Befehl auszugeben, dass alle Toten noch am gleichen Tag zu bestatten seien, und zwar in eingezäunten, speziellen Cholerafriedhöfen ausserhalb der Stadt. Grabsteine erhielten nur die reichsten Leute – Ärzte, Fabrikbesitzer, Richter – die anderen bekamen Holzkreuze, die längst verwittert sind.

234 Menschen fielen damals in Turku der Cholera zum Opfer.

Ich finde es sehr schön, dass dort jetzt ausgerechnet ein Kindergarten gebaut wurde.

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