Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Wochenende

Am Freitagabend kamen zwei Übernachtungsgäste zu uns – die beste Schulfreundin des Fräulein Maus und der beste ehemalige Schulfreund des kleinen Herrn Maus – und blieben bis Samstagabend. Die zwei Mädchen schliefen im Garten im Zelt; der beste Freund des kleinen Herrn Maus hatte sein Fahrrad mitgebracht und gemeinsam mit dem grossen Herrn Maus fuhren sie kreuz und quer von Spielplatz zu Spielplatz und besichtigten alle Radwegumleitungen rund um die nahegelegene Autobahnkreuzbaustelle. Am Esstisch sassen fünf Kinder, davon zwei Musikklässlerinnen und zwei vielleicht zukünftige Musikklässler, die ihr Essen gar nicht so schnell hinuntergeschlungen hatten wie sonst unser finnischer Besuch, weil sie alle zwischendurch singen, summen, Takte klopfen und schnell mal ein Stück auf dem Klavier spielen mussten, bevor sie weiterassen. Gebadet wurde natürlich auch.

Am Sonntag kurzer Ausflug auf die übernächste Insel in nordwestlicher Richtung, wo wir schon ewig nicht mehr waren. Lange standen wir auf dem Friedhof vor dem roten Holzkirchlein und studierten das Grabkreuz, unter dem eine Mutter mit ihren drei Kindern begraben ist. Sie starben alle innerhalb eines halben Jahres im Jahr 1866. Eins der Kinder wurde nur sechs Jahre, eins ein Jahr und das kleinste nur zwei Tage alt. Zwei Tage nach dem Neugeborenen starb die Mutter.

Und in Deutschland geht man 150 Jahre später auf die Strasse, weil man seine Kinder nicht impfen lassen will oder einem das Masketragen lästig ist oder man ein paar Cent mehr für ein Kilo Fleisch bezahlen zu müssen  für unzumutbar hält..!

Gestern war übrigens Tag der Friedhöfe, erfuhren wir abends, als wir logo! vom Samstagabend nachguckten. Wie passend.


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Jeden Tag eine gute Tat

Immer am Donnerstag nach Weihnachten gehen die Pfadfinder die vielen, vielen Grabkerzen, die hier nicht nur zu Allerheiligen, sondern auch am Heiligabend auf den Friedhof gebracht werden, einsammeln.

Wir gehen immer, wie viele andere, mit der ganzen Familie hin, und in allerhöchstens einer Stunde ist die ganze Sache erledigt. Obwohl jedes Mal zwei riesige Container mit Plastemüll und zwei Mülltonnen voller Blech zusammenkommen.

Hinterher Abstecher zur Bibliothek, heisses Bad, weiter mit Ferien.


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Allerheiligen 2017

Die Kinder liefen den ganzen Tag verkleidet – ein Vampir, eine Fledermaus, eine Spinne – durch die Wohnung und erdachten sich immer weitere Einzelheiten – blinkende Lämpchen, schaurige Masken, plötzlich von der Decke baumelnde Schlangen, unsichtbar durchs Zimmer gespannte Schnüre – für ihre verdunkelten KinderzimmmerGruselkabinette, in die sie uns immer wieder zum Gucken einluden. Der Ähämann und ich gruselten uns sehr und riefen abwechselnd „Iiiih!“ und „Huch!“ und „Hilfe!“.

Nach Sonnenuntergang wuschen sie sich die Schminke ab und zogen sich warme Sachen an und wir fuhren auf den Friedhof.

Ich finde das so schön, dieses Lichtermeer zu Allerheiligen und am Heiligabend!

Auf jedem Friedhof gibt es ausserdem eine Stelle, an der man seine Kerzen für Menschen, die anderswo begraben sind, abstellen kann. Dort stehen dann immer hunderte Kerzen dicht an dicht. (Und eine Kerze für Blechi.)


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kaksisataakolmekymmentäyhdeksän

Bevor wir gestern zum Strand fuhren, mussten wir einen Maxibrief zur Post bringen – das Porto von 8,50 € überstieg bei Weitem den Wert des Inhalts, aber gut, wir haben auch schon deutlich mehr gezahlt – und deshalb einen Umweg fahren. Am Cholerafriedhof fiel mein Blick auf ein soeben fertiggestelltes und zumindest zur Strassenseite hin selten hässliches neues Kindergartengebäude, und die 239, die uns genau dort entgegenkam, habe ich vielleicht nur bemerkt, weil es ein riesiger, weisser LKW war.

Der Cholerafriedhof. Von dessen Existenz hatte ich zum ersten Mal letzten Sommer auf der Eichhörnchentagung – kein Zusammenhang, aber man redet ja nicht ausschliesslich über sein eigenes Forschungsgebiet – gehört. Jahrelang war ich da schon mit dem Auto und dem Fahrrad dran vorbeigefahren, und ja, die Mauer war mir aufgefallen und die riesigen Fliederbüsche, wenn sie im Juni blühen, auch, aber ich hielt es für den Garten einer alten Villa.

Als 1831 in Turku die Cholera ausbrach, konnte man nichts weiter tun, als den Befehl auszugeben, dass alle Toten noch am gleichen Tag zu bestatten seien, und zwar in eingezäunten, speziellen Cholerafriedhöfen ausserhalb der Stadt. Grabsteine erhielten nur die reichsten Leute – Ärzte, Fabrikbesitzer, Richter – die anderen bekamen Holzkreuze, die längst verwittert sind.

234 Menschen fielen damals in Turku der Cholera zum Opfer.

Ich finde es sehr schön, dass dort jetzt ausgerechnet ein Kindergarten gebaut wurde.

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