Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Reiserückblick (4): Freibadtourismus

Ich habe es, glaube ich, schon mehrfach erwähnt: oft haben wir kein Glück mit dem Urlaubswetter. Während wir weg sind, herrscht bei uns zu Hause eine dreiwöchige Hitzewelle, während wir bei 15 Grad und Regen durch die Schweizer Berge stapfen. Zum Beispiel.

Juni ist, das haben wir nun nach vielen, vielen Versuchen gelernt, die beste Zeit für einen Sommerurlaub: während es vor Mittsommer in Finnland eher kühl ist, ist in Mitteleuropa schon richtiger Sommer. Man kann sich natürlich auch darauf nicht verlassen, aber dieses Jahr hat es jedenfalls geklappt.

Es war so heiss, dass wir in der Urlaubswoche in Jena fast jeden Tag ins Freibad gingen. Und zwar jeden Tag in irgendein anderes Freibad der Umgebung. Und zwar immer gleich vormittags, wenn die armen Thüringer Schulkinder noch in der Schule hocken mussten und wir das Freibad fast für uns allein hatten.

(Anders ertrage ich deutsche Freibäder auch nicht mehr.)


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Ausflug mit Harfe

Als vor drei Wochen der Finnische Harfenistenverein zu einem gemeinsamen Konzert – 100 Stücke zu Ehren von 100 Jahren unabhängigem Finnland – nach Helsinki einlud, freute sich nicht nur das Fräulein Maus.

Ich nämlich freue mich immer und über jede Gelegenheit, nach Helsinki zu fahren.

Ausserdem mag ich diese finnische Harfengemeinschaft sehr, weil die immer so tolle Sachen organisieren und ausserdem alle so nett sind. Man trifft auf den Konzerten, Musiklagern und Workshops übrigens nicht nur immer wieder die gleichen Leute, sondern auch immer die gleichen Harfen: „Guck mal, das Mädchen hat jetzt meine ehemalige Leihharfe!“, zeigte das Fräulein Maus, und „Das da ist die alte Harfe von meiner Lehrerin, die hat hat sich ja eine neue gekauft“, erklärte sie – wobei die neue wiederum die ausgemusterte Harfe der Turkuer Philharmoniker ist – was ich wirklich sehr amüsant finde.

Wir luden also Samstag in aller Herrgottsfrühe Kind und Kegel und Harfe ins Auto und rollten 160 km durch grün-gelb gesprenkelte Wälder über eine völlig leere Autobahn. Dann lieferten wir das Fräulein Maus zur Generalprobe im Musiikkitalo ab, während der Ähämann, die Herren Maus und ich ein nahegelegenes Café aufsuchten, um ein zweites Frühstück einzunehmen und danach wegen Planänderung spontan zwei Badetücher sowie Badehosen und -anzüge für alle zu kaufen. (Es war nicht ganz so dekadent, wie es sich anhört, denn die Kinder sind im Sommer sowieso aus ihren Badeklamotten rausgewachsen, der Ähämann hat seit zwölf Jahren die gleiche Badehose angehabt und meine Badebekleidungssituation ist auch nicht gerade üppig.) Angesichts des schönen spätsommerlichen Wetters hatten wir nämlich spontan den Plan „Wir gehen nach dem Konzert noch in irgendein Museum“ in „Wir gehen nach dem Konzert in Finnlands schönstes Freibad“ geändert.

Dann hörten wir uns die ersten 25 Stücke eines wirklich sehr schönen Konzerts an – das Fräulein Maus hat bei insgesamt sechs Stücken mitgespielt und sich während vier Stunden Probe und Konzert tatsächlich eine Blase an den Finger gespielt! – und danach gingen wir bei ganz wunderbarem Sonnenschein drei Stunden lang neben ausparkenden Schwedenfähren und mit Blick auf den Dom schwimmen und saunieren, bis wir alle ganz hungrig und schlapp waren.

Erst als schon der Leuchtturm von Suomenlinna herüberblinkte und die Steinmänner am Bahnhof ihre Leuchtkugeln angezündet hatten, traten wir den Heimweg an.

Über eine fast genauso leere Autobahn wie am Morgen übrigens, auf der man tatsächlich weite Strecken mit Fernlich fahren kann. Die Kinder schliefen nach zehn Minuten, und die 160 km fühlten sich nach dem Sommerurlaub wie ein Klacks an.

So ein schöner Tag! ♥


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Sommer

Als ich meinen ersten Sommer in Finnland verbrachte und wir, wann immer es zwischen der Mäusearbeit ging, vom Steg der Forschungsstation in den See sprangen, erzählte mir die eine Feldassistentin, dass sie als Kinder im Sommer tagelang zwischen Sauna und See hin und her gerannt wären. „Die Sauna war immer warm, und deshalb war es war völlig egal, wie das Wetter war. So schön!“, schwärmte sie.

Der kleine Herr Maus und ich haben heute zu Ehren seines ersten Sommerferientags – die Schulkinder müssen noch bis zur Zeugnisausgabe am Samstagvormittag durchhalten – die Freibadsaison eröffnet.

Bei 10°C und Sturm.

Aber mit Sauna geht alles.

(Nur dass der Sprungturm noch geschlossen war fand der kleine Herr Maus ein bisschen ärgerlich.)


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Im Hafenbecken baden

Das einzige, was im Hostel auf Suomenlinna fehlt, ist eine Sauna. (Es handelt sich bei dem Hostel um ein historisches Schulgebäude. Vielleicht wäre es zu kompliziert geworden, eine Sauna einzubauen.)

Aber es gibt da ja seit Neuestem Abhilfe.

Vorfreudig hatten wir die erst diesen Herbst eröffnete Sauna und das Schwimmbecken im Hafen schon mehrmals von der Fähre aus beäugt, dann aber beschlossen, dass es im Dunklen bestimmt noch schöner wäre, da zu baden.

(Und wir nach ausgedehnten Stadtspaziergängen auch durchgefroren genug, um Sauna und warmes Badewasser besonders nötig zu haben.)

Es war dann auch tatsächlich sehr schön – und ein bisschen skurril – mit Blick auf den angestrahlten Dom und neben den haushohen Schwedenfähren quasi im Hafenbecken herumzuschwimmen.

Bewacht von in Daunenjacken mit Pelzkragen verpackten Rettungsschwimmern, die ausserdem alle zwei Minuten das Eis von der Treppe kratzen mussten, weil Frost und nasse Füsse, die von der Sauna ins Schwimmbecken und noch nassere Füsse, die vom Schwimmbecken zurück in die Sauna tapsen, nun mal keine besonders günstige Kombination sind.

(Nächstes Mal denke ich beim Packen besser nicht nur ans Saunamützchen, sondern auch an die Eisbadeschuhe!)


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Badewasser

Am Mittwoch, so hatte die Wettervorhersage ausgesehen, war vielleicht der letzte Sommertag, und deshalb fuhr der Ähämann – obwohl es keineswegs heiss war, höchstens lauwarm, und die Sonne dann auch noch hinter dunkellila Wolken verschwand – mit dem Fräulein Maus und dem grossen Herrn Maus in den Wasservergnügungspark und ich mit dem kleinen Herrn Maus ins Freibad. Bibbernd stand ich am Beckenrand, sah dem kleinen Herrn Maus beim Rutschen zu und schwor mir, keinen Zeh ins Wasser zu tunken. Bis mir wieder einfiel, dass das Wasser in finnischen Freibädern ja immer warm ist! Badewannenwarm! Blieben wir einfach anderthalb Stunden lang im Wasser…

Am Freitag zeigte sich dann, dass der Sommer dann jetzt vielleicht doch noch kommt, und deshalb fuhren wir – es war heiss und sonnig und fast windstill – an den Strand. Schwitzend reichte ich Badesachen und pustete Schwimmflügel auf und konnte es kaum erwarten, ins Wasser zu kommen. Bis ich bis zu den Knien in das durchsichtige Wasser mit den Babyquallen drin gewatet war und mir wieder einfiel, dass wir dieses Jahr ja noch gar keinen Sommer gehabt hatten und das Meerwasser immer noch so kalt ist wie im Mai. Gebirgsbachkalt! Fiel das Schwimmen eher kurz aus…