Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Ich bin ja jedes Jahr wieder dankbar, dass die Schule nach den Sommerferien nicht an einem Montag, sondern erst an einem Mittwoch anfängt. Nur drei Tage, bis gottseidank wieder Wochenende ist!

Die Kinder grummelten früh ein bisschen in ihre Decken, waren aber recht fit. Ich dagegen lief drei Tage wie ein Zombie durch die Gegend. Auf Arbeit ging’s eigentlich, aber nach Feierabend brach ich einfach zusammen. Dass ich der Deutschlehrerin, die gefragt hatte, wie unseren Kindern Montag, Mittwoch oder Donnerstag für den Muttersprachunterricht passen würden, am Abend des ersten Schultags per mail genauestens darlegte, warum uns Dienstag nicht passt, beschreibt wohl ganz treffend meinen Geisteszustand.

Ansonsten: die 350 auf dem Arbeitsweg gesehen. Ungefähr dreitausend Wilma-Nachrichten empfangen. Begeisterte Schilderungen über des Fräulein Maus‘ neue Schule, neue Klasse und neue Klassenlehrerin angehört. Herzchenaugen bekommen, als mir berichtet wurde, dass die Siebtklässlerin, die Drittklässlerin und die frischgebackene Erstklässlerin aus unserem Hof gemeinsam Hausaufgaben gemacht haben. Und nach drei Tagen zum ersten Mal mit Schniefnase und Kratzehals flachgelegen.

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Letzte Woche ist der Herbst ausgebrochen. Die Schatten werden länger, die Nächte kälter, die Morgende feuchter und die Blätter tatsächlich schon bunter. Für die Finnen ist ja sowieso schon seit Schulbeginn offiziell Herbst, aber mich überrascht das jedes Mal wieder, wie schnell der Sommer dann tatsächlich zu Herbst wird. Trotzdem war ich jeden Tag zu warm angezogen. Nachmittags wird es nämlich noch richtig warm.

Letzte Woche waren wir alle zum ersten Mal nach den Sommerferien krank. Es husten auch alle Hortkinder, die Freunde unserer Kinder und die Kassiererin im Supermarkt. Die erste Läusewarnung ist auch eingetroffen. In Finnland halten sich auch Parasiten und Krankheitserreger an ihre Zeitpläne. (Im November haben dann alle Grippe, im März Magen-Darm und kurz vor Vappu nochmal eine langwierige Flunssa.)

Letzte Woche habe ich das Fräulein Maus zum Zahnarzt begleitet, und sie anschliessend mich. Eigentlich wollte ich, wenn ich schon mal da war, denn anrufen ist generell nicht so mein Ding, nur nachfragen, ob ich mir schon mal – die Studenten sind noch nicht aus den Semesterferien zurückgekehrt – einen Termin machen lassen könnte. Nachdem ich mehrmals gefragt wurde, ob ich mir ganz sicher sei, dass ich, denn es dauert ja auch alles viel länger, wirklich von einem Kandi behandelt werden möchte, ging dann alles ganz holterdipolter, denn ach, wir könnten eigentlich gleich mal schnell gucken, was da bei dir so gemacht werden muss, und wenn du noch zehn Minuten Zeit hast, dann können wir auch gleich röntgen. Ja, bitte, danke, gern geschehen, dein Kandi ruft dich dann in den nächsten Tagen an und macht mit dir eine Zeit aus, willkommen! (Ich bin wirklich sehr dankbar für die Ausbildungszahnklinik!)

Letzte Woche sind endlich unsere Briefwahlunterlagen angekommen. (Jena hat vermutlich überdurchschnittlich viele im Ausland lebende ehemalige Bürger.) Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden.

Letzte Woche spazierte eine Herde ausgebüchster Schafe über unseren Hof. In den Hundsrosen sahen wir eine Gelbhalsmaus turnen. Die Nachbarin warnte uns vor der Kreuzotter, die sie direkt neben dem Spielplatz gesehen hatte. Wir standen mit angehaltenem Atem hinterm Schlafzimmerfenster, als Freund Fuchs kurz seine Beute – eine gewaltige Schermaus! – unterm Vogelbeerbaum ablegte, um kräftig zu gähnen und ein wenig zu verschnaufen, bevor er gemächlich die Strasse entlang davonschnürte. Auf unserem Zaun sammelt eine Ringeltaube Kräfte für den langen Flug über die Ostsee. (So ist das, wenn man zehn Meter vom Wald wohnt.)

Letzte Woche habe ich mir auf Arbeit eine Blase in den Mittelfinger gespitzt. Die fünf kleinen Mädchen, die sich spontan zu mir gesetzt, geholfen und am Ende noch die zweihundertdreizehn Stifte farblich sortiert hatten, präsentierten mir am nächsten Tag ebenfalls Blasen an ihren Fingern. (Weia. Aber wir hatten grossen Spass.)

Letzte Woche habe ich am gleichen Tag die 280 gesehen – mittags vor der Schule, aus der ich die Erstklässler in den Hort abholte – und die 281 – abends vor der Musikschule, als ich die Herren Maus zu ihrer Klavierstunde brachte.

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November

Wenn wir auch schon im November, wie hier allgemein üblich, Weihnachtsbäume, SchwibLichterbögen und Adventssterne zur Bekämpfung der allgemeinen Finsternis einsetzen würden, dann würden wir uns nicht nur um die Vorfreude bringen, sondern hätten ja auch gar keine Verwendung für all unsere verschiedenen Laternchen.

(Die Kinder haben sich derweil einen Kalender gebastelt, mit dem sie die Tage bis zum Beginn der Adventszeit zurückzählen.)

November heisst auch: heute sind alle drei Kinder mit Halsweh / Schnupfen / Fieber zu Hause. Und ich bin ausnahmsweise froh darüber – weil ich nicht gegen meine Novembermüdigkeit ankämpfen muss, sondern den halben Tag mit ihnen verschlafen kann.