Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Blaues Blümchen Hoffnung

An meinem Arbeitsweg gibt es ein heruntergekommenes, leerstehendes Haus. Dort waren im Herbst Flüchtlinge untergebracht, eine Gruppe Männer. Es war kalt, es war finster, es regnete oft. Es gab den ersten Frost und den ersten, matschigen Schnee. Die Nachbarn stellten Weihnachtslichter in ihre Fenster. In dem leeren Haus brannte hinter den gardinenlosen Fenstern den ganzen Tag eine funzelige Lampe. Wenn es mal nicht regnete, hingen aus den Fenstern Handtücher zum Trocknen. Immer stand einer in der Einfahrt, trippelte hin und her und telefonierte. Manchmal schleppten sie Lidl-Beutel den ganzen langen Weg aus der Stadt heran.

Ich habe mich oft gefragt, wie sie sich fühlen müssen in einem so völlig fremden Land, unter solchen Umständen.

Erst kürzlich wurde wieder von irakischen Flüchtlingen berichtet, die ihre Asylanträge zurückgezogen haben und in ihre Heimat zurückkehren. Nicht ohne vorher ihre Landsleute davor gewarnt zu haben, nach Europa generell und nach Finnland insbesondere zu kommen. Das Essen zu ungewohnt, die Lebenshaltungskosten zu teuer. Einsamkeit, Heimweh. Und dann noch das Gefühl, kein bisschen willkommen zu sein.

Auch die Männer aus dem leerstehenden Haus sind verschwunden.

Ich weiss nicht, wohin. Aber ich hätte ihnen gewünscht, sie hätten jetzt dort ankommen dürfen.

Nirgends blüht es so üppig wie in diesem verwahrlosten Vorgarten.


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kaksisataakolmetoista

So Fragen von der Rückbank:

“Was machen die Armeeautos hier?”
“Wo wohnen die Flüchtlinge denn?”
“Warum müssen die zur Polizei?”
“Wo ist denn Krieg?”
“Warum kommen die nach Finnland?”
“Wie sehen die Syrer denn aus? Sind die auch so dunkel wie Nasra?”
“Die Hautfarbe hat doch was mit dem Land zu tun, oder?”
“Wenn da Kinder verlorengehen auf der Flucht, werden die dann von anderen Familien adoptiert?”
“Warum kommen die nicht mit dem Flugzeug?”
“Hat es in Finnland schon mal Krieg gegeben?”
“Was machen die denn, wenn die nicht zur Schule gehen können?”
“Wie heisst das Land nochmal, wo die grossen Flüchtlingslager sind?”
“Bei uns könnten doch auch ein paar Flüchtlinge wohnen?”
“Warum machen die Menschen denn überhaupt Krieg?”

Antworten, schalten, bremsen, blinken. Fussgänger über die Strasse lassen. Baustellen umkurven. Und dann aus dem Augenwinkel auch noch erkennen, dass das eine 213 ist, die da gerade links abbiegt.

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Von wegen EU…!

Wir können dem ausgefallenen finnischen Sommer noch dankbar sein.

Denn eigentlich hatten wir unsere Zugreise nach Deutschland erst für die Herbstferien geplant. Und so sässen wir jetzt auf gekauften Tickets, während Dänemark mal eben den Zugverkehr mit Deutschland auf unbekannte Zeit einstellt.

(Und schrieb ich nicht noch, man fühle sich wie ein Flüchtling?!)

Was für eine beschissene „Europäische Union“.

Weder Europa noch Union.
Jeder sich selbst der Nächste.


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Vom Nachteil, die Landessprache zu beherrschen

Der ganze Bullshit, den man derzeit zum Thema Flüchtlinge in Kommentarspalten und auf Facebook in Deutschland zu lesen kriegt, wird in Finnland noch getoppt durch die immer wieder auftauchende Frage:

„Warum bleiben die Männer denn nicht und kämpfen für ihr Land?!“

Bei allem Verständnis für den Patriotismus der Finnen und den Stolz auf ihren damaligen David-gegen-Goliath-Sieg – Winterkrieg war 1939. Und ist ganz sicher nicht das Mass aller Dinge.

(Danke, YLE!)