Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Neulich im Kino

Vor drei Wochen war ich im Kino.

Das kommt selten genug vor. Aber als der Ähämann irgendwann im September mit den Worten: „Dein finnisches Lieblingsbuch gibt’s demnächst als Film!“ aus dem Kino zurückkam – wir gehen oft einzeln ins Kino, wegen Keiner-da-der-inzwischen-die-Kinder-hütet und noch mehr wegen oft unvereinbarem Filmgeschmack – da war mir klar, dass ich den unbedingt sehen will.

Fast hätte es nicht geklappt. Kurz vor der Premiere nämlich kam es zu einem Streit zwischen Produktionsfirma und Finnkino, der quasi einzigengrössten Kinokette in Finnland.

Das ist ja sowieso irgendwie traurig: als wir hierherzogen, gab es in Turku noch zwei grosse, zu jeweils einer Kette gehörende Kinos sowie ein kleines, unabhängiges, in dem ich z.B. mit der finnischen Freundin nochmal „Good bye Lenin“ geguckt habe oder mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann „Gegen die Wand“, in den wir gingen, weil wir dachten, super – denn hier werden Filme nicht synchronisiert – verstehen wir mal alles… und dann über weite Strecken, in denen nur Türkisch gesprochen wurde, auf die finnischen Untertitel angewiesen waren, die uns zum damaligen Zeitpunkt noch keine grosse Hilfe waren. Seit Jahren jedoch schon gibt es nur noch eins, das hier fröhlich die Preise und das Programm diktieren darf. (Und vielleicht gehe ich auch deshalb so selten ins Kino.)

Die Produktionsfirma jedenfalls cancelte in der Woche vor der Premiere alle Verträge mit Finnkino. Und das war prima, denn sonst hätte ich noch lange nicht von dem ganz neuen, kleinen Kino am Rande der Stadt erfahren.

Man glaubt es ja kaum, aber ausser zwei Vorschauen auf ebenfalls finnische Filme kam vor dem Film überhaupt keine Werbung! Nicht eine einzige! Fünf Minuten nach offiziellem Vorstellungsbeginn war der Film schon angelaufen!

Der Film selbst hat mir übrigens auch gefallen. Man hätte den sehr viel dramatischer, aber genauso auch sehr viel klamaukiger machen können – aber das Drehbuch hat da genau wie die Romanvorlage einen sehr herzerwärmenden Mittelweg gefunden.

Ein bisschen irritierend fand ich, dass das Baby immer die teuersten Klamotten anhat und die Wohnung der Pasanens immer so durchdesignt aussieht, obwohl ja im Buch sehr realistisch dargestellt wird, wie Antti – plötzlich alleinerziehend und alleinverdienend, noch dazu in so nicht geplanter mindestens einjähriger Elternzeit – nicht nur physisch und psychisch, sondern auch ganz konkret finanziell ins Schwimmen kommt. Während der Buch-Paavo deshalb hauptsächlich Sachen aus dem Stadtteil-Second-Hand-Laden trägt, ist der Film-Paavo stets trendbewusst in Mützchen, Bodys und Schneeanzüge der teuren schwedischen Kinderbekleidungskette gehüllt, die den Film allerdings grosszügig – und wir sprechen hier ja schliesslich nicht von Hollywood, sondern einer eher kleinen, finnischen Produktionsfirma – gesponsert hat.

Und mir ging der Film zu schnell. Ein ganzes Jahr in 84 Minuten zu pressen scheint ja sowieso schon kaum möglich. Ich fand zwar, dass die Auswahl der Ereignisse, die im Film gezeigt, und der, die weggelassen wurden, sehr gelungen ist, aber was mir gefehlt hat, sind die im Buch so ausführlich beschriebenen Charaktere und zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Frauen, mit denen Antti Tag für Tag, bei jedem Wetter auf der langen Bank auf dem Spielplatz hockt, die bleiben im Film alle ganz farblos: „Einkaufstüten-Julia“, die alle für eine Kassiererin im Supermarkt halten und die in Wahrheit Ärztin ist, das aber verschweigt, weil sonst alle von ihr erwarten würden, dass sie mal eben nebenher auf dem Spielplatz Diagnosen abgibt. Die „Müde Linda“, die Frau eines Eishockeyprofis, die es sich leisten könnte, sich Tag und Nacht bei der Betreuung ihrer Kinder von einem Kindermädchen unterstützen zu lassen, aber ihre eigenen Gründe hat, warum sie sich ganz allein um ihre Kinder kümmert und so müde ist, dass sie meist mit geschlossenen Augen auf der langen Bank sitzt. Die „Pinke Janita“, die selbst noch ein halbes Kind ist und gerade innerhalb kürzester Zeit zum zweiten Mal ungewollt schwanger geworden ist. Mir fehlten im Film ihre langen Gespräche, in denen sie wie nebenher von ihren Beziehungen, ihren Geburten, ihrer Langeweile und Einsamkeit während der Elternzeit berichten, während sie Rotznasen abwischen, Kinder von der Schaukel heben oder Sandspielzeug zusammensuchen, bevor sie schnell nach Hause eilen müssen, damit das Kind rechtzeitig Mittagessen bekommt. Nur der Satz, der auch im Buch die Perspektive wieder geraderückt, hat es auch in den Film geschafft:

„Und jetzt denkst du, du bist ein Held, Antti Pasanen, weil du dich ein Jahr lang um ein Baby kümmerst und auf dein eigenes Leben verzichtest und jeder Tag wie der andere ist?! Was glaubst du eigentlich, was wir alle hier machen?!“


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kaksisataaneljäkymmentäkahdeksan

Ich bin mittlerweile so daran gewöhnt, nach Kennzeichen Ausschau zu halten, dass ich die offensichtlich unterbewusst alle angucke. Wirklich alle.

Als der Ähämann und ich vor ein paar Tagen nämlich nochmal den ersten Teil von „Helden des Polarkreises“ anguckten – der erste Teil ist übrigens sehr lustig und typisch finnisch und herzerwärmend, während der zweite Teil… ach, lassen wir das – fiel mir nämlich nicht nur das Ins-Auge-fallen-sollende Kennzeichen des hauptdarstellenden Autos auf, sondern auch die von mir gerade gesuchte 248. (Ha! Sie kommt sogar im deutschen Trailer* vor!)

Aber es gibt da ja gewisse Regeln.

„Optische Hilfsmittel wie Ferngläser oder Periskope sind erlaubt. Mit Hilfe von Überwachungskameras oder Fernsehen gemachte Beobachtungen sind jedoch ungültig.“.

Nun denn. Hat ja dann auch gar nicht lange gedauert, bis ich eine mit eigenen Augen gesehen habe. Gestern auf dem Heimweg.

(Aber nur deswegen, weil ich gestern früh plötzlich kein Vorderlicht mehr am Rad hatte und abends deswegen noch schnell zur Lieblingsfahrradwerkstatt fuhr, die aber wegen Weihnachtsferien noch geschlossen hatte, und ich deshalb und weil es ja schon wieder dunkel war und ich somit einem gewissen Zwang ausgesetzt war, zur nächsten halbwegs auf dem Heimweg liegenden akzeptablen Fahrradwerkstatt fahren musste, wo man mir für 9,90 € – es sei dann hier auch nochmal an das Sperrholzbrettchen im Wert von 5 cent, das wir uns für 4,35 € einmal durchsägen lassen durften, oder an die Reparatur der Autoantenne, für die wir 8 € für den neuen Antennesocke, 9 € für die neue Antenne und 48 € Arbeitskosten hinlegen durften – ein neues Birnchen in die Lampe schraubte.)


*Gaaaanz schrecklich auf Deutsch.
(Viiieeel besser! (Nicht nur wegen der Sprache!) Aber ohne 248.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206], 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230], 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247]