Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Zug mit Botschaft

Für Freitagabend hatten der Ähämann und ich fliegende Autoübergabe am Bahnhof geplant. Zum Glück hatten wir kurz vorher doch noch alles so geregelt, dass wir beide sowohl zum als auch vom Bahnhof Bus fahren konnten, denn des Ähämanns Zug hatte zum ersten Mal, seitdem er seit August nahezu täglich nach Tampere pendelt, mehr als fünf Minuten Verspätung.

So begab ich mich also schon mal zu meinem Bahnsteig, auf dem der Zug nach Helsinki schon bereitstand, und kriegte erstmal Herzchenaugen: der letzte Waggon war der mit der Speziallackierung!

Nun sind finnische Züge ja sowieso ausnehmend hübsch lackiert: da sind Singschwäne auf den normalen Waggons, fischende Bären auf den Speisewagen, Eulen auf den Schlafwagen und Rentiere auf den Autowaggons nach Lappland. Und überhaupt kann man allerlei nette Sachen auf seine Waggons malen, wenn man sich selbst nicht zu ernst nimmt:

Speisewagen.

Und das alles in Grün, weil Zugfahren, so der Slogan der Finnischen Bahn, „die grünste Wahl“ ist.

Nun aber stand da der weisse Waggon mit den Bilderrahmen um die Fenster, von dem ich bisher nur Fotos gesehen hatte. Aus Anlass des 100. Geburtstags von Finnland hatte die Finnische Bahn einen Wettbewerb für Jugendliche ausgeschrieben unter dem Motto „Im selben Boot Zug“, den eine Sechzehnjährige aus Vaasa gewann. (Hier gibt’s ein nettes Video dazu.) Es gibt diesen Waggon nur einmal, und er wird mal hier und mal da an einen Intercity gehängt und fährt kreuz und quer durch Finnland. Und Freitagabend stand er vor mir, und ich konnte sogar mitfahren!

Unser Zug wartete dann doch noch fünf Minuten auf den aus Tampere, wegen der Umsteiger. Und damit ich den Ähämann nochmal küssen konnte.


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kolmesataakolmetoista

Mittwochmorgen sass ich von halb bis dreiviertel sieben mit dem Ähämann vorm Bahnhof im Auto, betrachtete mit Herzchenauggen eine in der Morgensonne leuchtende SR1 sowie eine Reihe russischer Kesselwagen voller Propan und Butan, und dachte, dass unser Start in den Alltag bisher eigentlich ziemlich schön vonstatten gegangen ist.

Dann schob sich der Helsinki-Pendler-Pendolino mit seinen Schwänen und Bären – die finnische Bahn hat die am schönsten lackierten Waggons der Welt: Singschwäne auf den normalen Waggons, fischende Bären auf den Speisewagen, Eulen auf den Schlafwagen und Rentiere auf den Autowaggons nach Lappland! – vor die SR1, der Ähämann stieg aus und begab sich zu seinem Zug nach Tampere, ich fuhr wieder heim, wobei ich einer 313 begegnete, frühstückte, liess den noch schlafenden Herren Maus ihr Frühstück auf dem Tisch stehen und radelte zur Arbeit.

Ich hatte am Montag mit der Arbeit angefangen, die bisher aber hauptsächlich aus Möbelrücken, Ein-olles-Klassenzimmer-Schönmachen und sonstigen Vorbereitungen bestanden und nie länger als drei Stunden gedauert hat.

Der Ähämann hatte am Dienstag mit seiner Arbeit angefangen und es bis auf das sehr zeitige Aufstehen auch schön gehabt.

Die Herren Maus schliefen jeden Morgen noch, wenn ich das Haus verliess – da wir derzeit noch keine fremden Kinder zu betreuen haben, treffen wir uns lieber so zeitig wie möglich auf Arbeit, um die letzten Feriennachmittage mit unseren eigenen Kindern verbringen zu können (so läuft das hier!) – und beschäftigten sich ein paar Stunden allein oder spielten mit den Nachbarskindern oder fuhren in die Bibliothek oder kamen mir mittags mit dem Bus in die Stadt entgegen, damit wir gemeinsam mittagessen gehen konnten.

Das Fräulein Maus aber hatte es am besten getroffen: sie war am Samstag für fünf Tage zu ihrer Herzensfreundin – Alleine! Mit dem Zug! Mit Umsteigen! – nach Mittelfinnland gereist.

Mittwochabend trafen der Ähämann und das Fräulein Maus sich in Tampere auf dem Bahnhof und legten den letzten Teil der Zugfahrt gemeinsam zurück, und deshalb fuhr ich mittwochabend schon wieder mit dem Auto zum Bahnhof, nämlich um beide wieder in die Arme zu schliessen und mit Sack und Pack und vor allem des Ähämanns Fahrradhelm, den er am Vortag in Tampere im Büro liegenlassen hatte, heimzufahren.

Richtig Alltag gibt’s bei uns erst ab nächstem Mittwoch.

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Halt auf freier Strecke

Freitagnachmittag, im Zug von Turku nach Helsinki.

12:04 Uhr: Der Zug ist bis auf den letzten Platz belegt, aber dank der obligatorischen Platzreservierung beim Fahrkartenkauf sitze ich auf genau dem Fensterplatz im Doppelstockwaggon oben, auf dem ich gerne sitzen wollte, alle haben gerade dem Schaffner ihre Handys hingehalten und er hat – „piep, piep“ rechts, „piep, piep“ links – mal eben in 30 Sekunden die Fahrkarten des gesamten Waggons kontrolliert, draussen zieht bepuderte Landschaft vorbei, die Geschwindigkeitsanzeige steht auf konstanten 160 km/h… da bremst der Zug scharf. Bitte nicht schon wieder ein Elch!, denke ich.

12:05 Uhr: Durchsage vom Schaffner: „Es gibt einen technischen Defekt an der Lok. Der Lokführer geht jetzt mal gucken, was da los ist.“ Man sieht den Lokführer in Warnweste vom Steuerwagen am Anfang des Zuges zur Lok am Ende des Zuges stiefeln.

12:10 Uhr: Durchsage vom Schaffner: „Der Lokführer telefoniert jetzt, damit wir die Passagiere auf die eine oder andere Art ans Ziel bringen können.“ Och nö, denke ich, Busfahren hätte ich billiger haben können…

12:15 Uhr: Automatische Ansage vom Band auf Finnisch, Schwedisch und Englisch: „Wir halten wegen eines technischen Defekts und bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“

12:25 Uhr: Durchsage vom Lokführer persönlich: „Wir haben also ein Problem mit der Bremse, die hat sich aus irgendeinem Grund automatisch angezogen. Wir arbeiten dran. Für die Passagiere nach Hanko haben wir einen Bus bestellt.“

12:27 Uhr: Das Kaffeewägelchen kommt zum zweiten Mal: „Jemand vielleicht was zu Trinken…?!“

12:30 Uhr: Durchsage vom Lokführer: „Wir müssen ein Rohr wechseln, damit sich die Bremse wieder löst. Das schaffen wir hoffentlich von Hand!“

12:33 Uhr: Der Zug rollt los. Die klemmende Bremse wurde offensichtlich gelöst. (Hoffentlich lässt sie sich auch noch anziehen…!)

12:37 Uhr: Wir halten in Salo. Die Bremse scheint zu funktionieren.

Eine Stunde vor Helsinki sagt der Schaffner neue Anschlusszüge durch und weist auch nochmal auf den Bus nach Hanko hin. In Karjaa steht tatsächlich schon ein Bus direkt neben dem Bahnsteig bereit. Eine halbe Stunde vor Helsinki geht der Schaffner nochmal von Passagier zu Passagier und erstellt neue, personalisierte Reisepläne. Eine Viertelstunde vor Helsinki sagt der Schaffner nochmal alle neuen Anschlusszüge durch, vor allem auch die zum Flughafen, und bittet alle Passagiere, sich wegen Entschädigung gleich an den Kundendienst der Bahn zu wenden.

Mit 35 Minuten Verspätung treffen wir in Helsinki ein.

Am Bahnsteig steht die liebste Freundin, die eigentlich zehn Minuten nach mir ankommen sollte, und lacht: „Das war ja wie meine Zugfahrt von Joensuu…!“

Schon allein für ihre Informationspolitik muss man die finnische Bahn lieben.


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Im Schlaf reisen

Eines der besten Dinge am Lapplandurlaub ist die Anreise.

„Können wir bald mal wieder mit dem Schlafzug fahren?!“ hatten die Kinder früher das ganze Jahr über zwischen zwei Lapplandurlauben genauso sehnsüchtig gefragt wie in den letzten beiden Jahren, in denen wir nicht in Lappland waren.

Und es ist ja auch wirklich ganz wunderbar, so mit Eulen durch die Nacht zu ziehen.

Und dann am späten Vormittag ausgeruht anzukommen, den Herrn Picasso aus dem Waggon mit den Rentieren drauf zu holen und ihn die letzten läppischen 100 km der Reise erledigen zu lassen.

(Und man kann bis zur letzten Minute im Urlaub bleiben und Montagfrüh direkt vom Bahnhof in den Kindergarten, in die Schule und auf Arbeit gehen.)


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Mit Eulen durch die Nacht

Die neuen Schlafwagen der finnischen Bahn sind… ein Traum!

Schade ist nur, dass man sich schon fast gar nicht mehr wie in einem Zug fühlt: das Knacken der langen, langen Waggonkette beim Anfahren, das gleichmässige Tocktock-tocktock der Räder auf den Schienen, das hektische Bim-bim-bim-bim-bim der zahllosen Bahnübergänge – hört man alles nicht mehr. Nur noch das Rauschen der Klimaanlage und die tiefen, schniefenden Atemzüge der Kinder. Keine Bahnhofslaterne blinzelt mehr alle paar Stunden, wenn der Zug in einer Stadt hält, durch den Vorhangspalt. Im oberen Stockwerk wird man dafür geschaukelt wie in einem Schiff: schwankend sass ich mittags im Bahnhofsrestaurant in Rovaniemi, schwankend sass ich gestern auf Arbeit am Schreibtisch; erst etliche Stunden später hörte das auf.

Nicht einmal die Tatsache, dass es in den neuen Schlafwagen nur noch zwei statt drei Betten übereinander gibt, konnte unsere Begeisterung trüben. Im Gegenteil. Auf die neuen Kinderfahrkarten der finnischen Bahn kann man jetzt hinten draufschreiben, von wo nach wo man gereist ist, wer dabei war und was das Schönste an der Zugfahrt war. “Auf dem Fussboden schlafen.” schrieb das Fräulein Maus auf die Hinfahrkarte. Auf die Rückfahrkarte: “Im Zug duschen.”


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Winterurlaub: (1) Zugfahren

Für derzeit 211 € (an den billigen Tagen, aber noch können wir uns das ja einrichten) bringt die finnische Eisenbahn ein Auto und bis zu drei Erwachsene über Nacht von Turku oder Helsinki nach Rovaniemi. Ein Schnäppchen, ehrlich.

Dieses Jahr haben wir uns zum ersten Mal eine Kabine mit DREI Betten übereinander zurechtmachen lassen müssen. Unten schlief das Mäusemädchen, in der Mitte ich mit dem Minimäuserich, ganz oben der Ähämann mit dem Mäuseknäbchen. Es war überraschend viel Platz.

Ich habe geschlafen wie ein Stein. Sogar die Rangiererei in Tampere, bei der der Zug komplett auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt wird, habe ich dieses Jahr zum ersten Mal verschlafen. Nur nachts um drei wachte ich kurz auf, da waren wir gerade in Seinäjoki, und draussen wuselten mit Atemwolken vorm Gesicht zehn Männer von der Post und verluden Säcke vom Zug in Postautos und auf Postfahrräder.

Und in Rovaniemi sass der Steinmann vom Helsinkier Hauptbahnhof.


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Impressionen aus Lappland

Eigentlich wäre unser alljährlicher Lappland-Winterurlaub dieses Jahr gar nicht nötig gewesen. Schnee und Frost haben wir ja dieses Jahr auch hier bei uns „im Süden“ ausreichend. Aber in Lappland ist es eben doch nochmal ein ganzes Stück schöner.

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Prima war’s!

Die finnische Bahn hat nämlich nicht nur tolle Waggons für Kinder, sondern es mangelt auch nicht an kleinen Passagieren. Bis auf das erste Viertel der Reise, während dem die Mäusekinder tatsächlich allein im Spielabteil waren, musste ich mich deshalb nicht weiter um die Kinder kümmern ausser Kekse zuzureichen („Mäusekleinkind will noch ein‘ Keks!“) und das Mäusebaby auf der Rückfahrt mal in der Trage in den Schlaf zu schaukeln.

Zugfahr’n ist so schön!


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Urlaubsrückblick in Bildern

J-FIs und unsere wahrscheinlich letzte gemeinsame Reise mit dem Autozug. Diesmal von Helsinki, weil alle Autoplätze von Turku aus vor über einem Monat schon ausgebucht waren. Immerhin kamen wir so in den Genuss einer fast brandneuen Autobahn mit sieben gigantischen Tunneln. Ausserdem fallen die zwei Stunden Herumsteherei und –rangiererei in Tampere weg, während der ich immer nicht schlafen kann. (Der Nachtzug von Turku wird in Tampere komplett auseinandergenommen und mit Teilen eines anderen Zuges wieder zusammengesetzt. Auch die Schlafwagen werden dazu samt Passagieren zweimal über irgendwelche Abstellgleise geschoben.)

Das Bahnhofsrestaurant in Rovaniemi ist allerdings um Welten besser als das in Helsinki. (Während es in Turku gleich gar keins gibt…)

Das Mäusekleinkind überraschte mich beim Betreten unseres Abteils mit den Worten: „Letztes Mal hat Mäusekleinkind mit Mama da unten geschlafen!“ (Und nein, darüber haben wir seither weder nochmal gesprochen, noch gibt es Fotos davon.)
Diesmal schlief das Mäusekleinkind mit Papa oben. Das Mäusebaby hat seine erste Nachtzugfahrt prima gemeistert – im ruckelnden Zug schläft es sich wunderbar. Leider nur ist er immer aufgewacht, wenn der Zug angehalten hat. Aber das tue ich ja auch.

Im Mökki angekommen, packten die Kinder als erstes den Spielzeugkoffer aus.

Der Ähämann dagegen seine Gewürzsammlung.

Dann konnte der Urlaub beginnen. Und was tut man in so einem Mökkiurlaub? Abhängen!

Und viel lesen.

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So sieht der Wintersport einer Grossfamilienmutter aus.

Und so Mäusebabys Lieblingsbeschäftigung.

Käuflich erwerbliche Superseifenblasenlösung eignet sich übrigens nicht zum Gefrieren. Die Seifenblasen bekommen höchstens eine plastiktütenartige Konsistenz.

Mit selbstgemachter Spülmittellösung ging es bei -22 Grad jedoch hervorragend. (Der Ähämann allerdings verzweifelte fast, weil ein seltsamer Wind, den es bei diesen Temperaturen eigentlich gar nicht geben sollte, das Fotografieren der gefrierenden Seifenblasen nahezu unmöglich machte.)

Raum ist in der kleinsten Hütte… zum Glück passte in das kleine Schlafzimmer ausser zwei Kinderbetten auch noch der Kinderwagen. Denn bei -22 Grad konnten wir das Mäusebaby beim besten Willen nicht draussen schlafen lassen – ohne Kinderwagen und Vorhang vor den Augen ist das Mäusebaby allerdings beim besten Willen auch nicht zum Schlafen zu bewegen tagsüber.

Neuschnee gab’s dann auch noch genug. Es entstanden nicht nur solche Engelfamilien, sondern sprichwörtliche himmlische Heerscharen.

So macht Autofahren Spass. (Hundert Meter vorher hatte uns der Linienbus mit ca. 90 km/h überholt.)

Und dann entstand natürlich noch das traditionelle Lappland- Familienporträt. (2005, 2006, 2008, 2009)