Suomalainen Päiväkirja

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Advent im Erzgebirge: Bimmelbahnliebe

Modelleisenbahnen angucken und mit Schmalspurbahnen fahren kann man natürlich das ganze Jahr über – aber im Advent ist es doppelt schön.

Gleich am ersten Tag entdeckten wir auf dem Weg zu einem kleinen Weihnachtsmarkt eine Werbung für eine Modellbahnausstellung. „Können wir da bitte hingehen?“, riefen drei Kinder im Chor, das Fräulein Maus allen voran. Es gab da Dampfloks, die wirklich dampften, eine winzigkleine Anlage in einem Koffer, und eine riesige Anlage, die mich direkt in meine Kindheit zurückversetzte, weil da ein Zug Plattenbauelemente geladen hatte und ein anderer Ikarus-Busse. Und dann gab es noch die eine Anlage, die wunderschön und detailreich zurechtgemacht war – leider samt jeder Menge Wehrmachtssoldaten, -panzer und -fahrzeugen – die uns alle ein bisschen verstört zurückliess: sowas darf man in Deutschland im Jahr 2019 einfach so öffentlich aufbauen?!

Dann doch lieber echte Dampfloks. Wir hatten das diesmal gar nicht geplant: die Pressnitztalbahn fährt nur am Wochenende, und wir waren wirklich überrascht, als wir lasen, dass die Fichtelbergbahn im Advent täglich sechsmal in jede Richtung fährt. Trotzdem entschlossen wir uns ein bisschen spät, und weil wir alle keine Lust hatten, drei Stunden in Oberwiesenthal abhängen zu müssen, fuhren wir nur – immerhin trotzdem 40 Minuten pro Richtung – von Cranzahl nach Niederschlag, stiegen dort in den wartenden Gegenzug und fuhren direkt wieder zurück.

Sehr lachen musste ich, als uns der Fahrkartenverkäufer sagte: „Der Zug fährt von Gleis 3, da kommen Sie durch die Unterführung hin.“ Wer hätte gedacht, dass so ein Bimmelbahnbahnhof weltstädtischer ist als unser Turkuer Hauptbahnhof, wo man bekanntlich einfach von Bahnsteig zu Bahnsteig über die Gleise latscht!

Dafür fährt die Bahn, zur Warnung die ganze Zeit bimmelnd, manchem Neudorfer Bürger fast über die Terrasse, und ich erinnere mich an eine Bahnfahrt vor 30 Jahren, als auf freier Strecke angehalten werden musste, weil eine kleine Herde Schafe auf den Gleisen stand, die der Heizer verscheuchen musste, bevor weitergefahren werden konnte. Damals übrigens, als wir die Bahn zumeist nutzten, um beim Wandern nicht die gleiche Strecke hin und zurück laufen zu müssen, fand ich es sehr faszinierend, dass manche Leute nicht nur zum Vergnügen mit der kleinen Dampfbahn fuhren, sondern täglich zur Arbeit.

Die einzig wahre Art übrigens, mit so einem Dampfzug zu fahren, ist auf der offenen Plattform des ersten Wagens, direkt hinter der Lok. So habe ich es von meinem eisenbahnbegeisterten Vater gelernt – obwohl mir als Kind die fauchende, heisse Lok manchmal ein bisschen unheimlich war – und so mache ich es bis heute. Auf der Hinfahrt ging es leider nicht, weil hinter der Lok der Gepäckwagen hing, aber auf der Rückfahrt stand ich mit dem kleinen Herrn Maus, der mir in vielem von unseren Kindern am ähnlichsten ist, auf seinen Wunsch die ganzen 40 Minuten draussen, trotz Schneetreiben und unseren immer nasser werdenden Handschuhen.