Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Wollsocken im Klassenzimmer (5)

Weil mich von Zeit zu Zeit die immer gleichen Fragen per Mail erreichen – und der Dauerbrenner sind immer noch Fragen zum finnischen Schulsystem – dachte ich mir, könnte ich die ja auch mal eine nach der anderen hier beantworten.
Natürlich völlig unobjektiv auf meiner Erfahrung mit drei Grundschulkindern, die derzeit die Klassen 1, 3 und 5 besuchen, basierend. Heute aus aktuellem Anlass.

Wie lange haben finnische Kinder Ferien?

Diese Frage ist schnell beantwortet: Finnische Kinder haben sowohl unheimlich wenig als auch unheimlich viel Ferien.

Das Schuljahr zieht sich manchmal wie Kaugummi. Das Herbsthalbjahr beginnt Mitte August und endet ein, zwei Tage vor Heiligabend. Mitte Oktober gibt es, je nach Gemeinde, zwei bis fünf Tage Herbstferien. Das Frühlingshalbjahr beginnt im besten Fall erst nach dem Feiertag am 6. Januar, im schlimmsten schon am 2. Januar, und endet Ende Mai. Mitte Februar gibt es eine Woche Skiferien – die Skiferien sind übrigens die einzigen Ferien, die gestaffelt stattfinden, weil da alle sehr viele Familien entweder nach Lappland fahren oder in den Süden fliegen – und dann gibt es noch Karfreitag, Ostermontag, Vappu und Himmelfahrt. Einzelne Tage, wohlgemerkt – unsere Schule allerdings lässt die Kinder immer den Freitag nach Himmelfahrt an einem Samstag vorarbeiten, was wenigstens noch ein langes Wochenende ergibt – und Pfingstmontag ist auch kein Feiertag in Finnland.

Aber dann: Sommerferien von Anfang Juni bis Mitte August! Zehn Wochen mindestens; bei uns in Turku – wir bezahlen das dann mit zwei Tagen statt einer ganzen Woche Herbstferien – elf Wochen! Schier unendlich!

(Die Kinder singen tatsächlich zum Schuljahresende immer – ausser dem Suvivirsi natürlich – das Lied von den warmen, unendlichen Ferien.)

Aber es geht auch nicht anders. Es ist die einzige Zeit im Jahr, in der man sich nicht in drölfzig Kleidungsschichten hüllen muss. Es sind die drei Monate im Jahr, in denen man abends einfach nicht ins Bett gehen kann, weil die Sonne die halbe Nacht scheint und das Abendlicht so schön ist, und in denen tatsächlich kein finnisches Kind vor zehn ins Bett geht. „Bis um Mitternacht aufbleiben“ heisst für unsere Kinder: Silvester. Oder Juhannus. Oder „Wenn wir Besuch haben im Sommer“.

Es ist schon okay so, mit den Ferien, wie es hier ist.

Und immer hat man zusätzlich noch die Möglichkeit, auch ausserhalb der Ferien freizunehmen. Es gibt keine Schulpflicht, nur eine Bildungspflicht in Finnland, und so kann man sein Kind mit Genehmigung des Klassenlehrers bis zu drei Tage oder mit Genehmigung des Rektors auch länger von der Schule freistellen lassen. Was übrigens auch für Lehrer gilt: die Lehrerin des grossen Herrn Maus war dieses Jahr zehn Tage im März auf Teneriffa im Urlaub, und der Lehrer des Fräulein Maus macht manchmal ein langes Wochenende bei seiner Freundin in Stockholm. (Was auch deswegen ganz unproblematisch ist, weil es genügend Vertretungslehrer gibt. In den neun Schuljahren, die unsere Kinder insgesamt schon in der Schule verbracht haben, ist noch nie eine einzige Stunde ausgefallen.)

In diesem Sinne: wir fangen unsere Sommerferien schon heute Abend an, eine Woche vor offiziellem Ferienbeginn. Und wenn wir von vier Wochen Reise zu all unseren Lieblingsplätzen „in Europa“, an denen wir schon länger nicht mehr waren, zurückkommen, werden wir immer noch unendliche acht Wochen Ferien vor uns haben.

Ich bin unendlich froh und dankbar dafür!

***

Wollsocken im Klassenzimmer (1): Hausaufgaben
Wollsocken im Klassenzimmer (2): Individuelles Lernen
Wollsocken im Klassenzimmer (3): Schulnoten
Wollsocken im Klassenzimmer (4): Schulkrankenschwester


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Jeden Tag eine gute Tat

Immer am Donnerstag nach Weihnachten gehen die Pfadfinder die vielen, vielen Grabkerzen, die hier nicht nur zu Allerheiligen, sondern auch am Heiligabend auf den Friedhof gebracht werden, einsammeln.

Wir gehen immer, wie viele andere, mit der ganzen Familie hin, und in allerhöchstens einer Stunde ist die ganze Sache erledigt. Obwohl jedes Mal zwei riesige Container mit Plastemüll und zwei Mülltonnen voller Blech zusammenkommen.

Hinterher Abstecher zur Bibliothek, heisses Bad, weiter mit Ferien.


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Jähes Ende

Als wir uns am Neujahrsmorgen gegen 0:40 Uhr von den letzten Nachbarn, die noch so lange vor dem Haus ausgeharrt und mit ihren und unseren Kindern auch noch die allerletzten Vorräte an Knallfröschen und Feuerrädern gezündet hatten, verabschiedeten, sagte der eine grinsend zu unseren Kindern: „Gute Nacht! Und morgen geht’s wieder in die Schule!“

Solche Art Scherze sind nicht ihr Humor. Sie diskutierten lange erbost darüber, ob man „morgen“ sagen dürfe, wenn man doch noch zweimal schliefe.

Als heute früh um 6:35 Uhr der Wecker klingelte, war mir jedoch auch das Lachen vergangen.

(Nächstes Jahr wieder Weihnachtsferien bis zum 7. Januar. Gott seis getrommelt und gepfiffen!)


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Urlaubsreif

Solche Wochenenden treten seltsamerweise fast ausschliesslich im November auf.

Und zwar unabhängig vom Alter der Kinder. Von Freitagabend bis Sonntagabend Gebrüll, Geheul und Gezänk schaffen auch Zehn-, Acht- und Sechsjährige noch. (Es hat auch nur mässig geholfen, dass das Fräulein Maus eigentlich den ganzen Sonnabend auf einem Wettkampf war, und dass wir gestern auf Wunsch aller in der Eisbadesauna waren.) Ein Kind musste dann gestern Abend vor der Maus ins Bett. Ein anderes sorgte dafür, dass auch keine Gute-Nacht-Geschichte gelesen wurde.

Aber als wir uns ins Bett schlichen, lagen die beiden Streithammel engumschlungen friedlich schlafend unter einer Decke. ♥

Vielleicht sind wir alle im November – wegen finster und keine Ferien seit August – einfach nur schrecklich müde und fertig. Die Aussicht auf dieses Jahr gerade mal eine Woche und drei Tage Weihnachtsferien hilft auch nicht wirklich dabei, die Zähne einfach noch ein paar Wochen zusammenzubeissen.

Wir schaffen da jetzt einfach selber Abhilfe. Und machen Adventsurlaub. In der Haamit.

Der Rektor hat auch schon gute Reise gewünscht.

Vier Wochen noch.
Augenzuunddurch.


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Ferien, endlich!

Als ich heute früh aufwachte, fühlte ich mich erholt wie seit zwei Monaten nicht mehr.

Nur am ausreichenden Schlaf konnte es nicht gelegen haben. Immerhin hatte ich auch innerhalb der letzten zwei Monate wenigstens immer an einem der beiden Wochenendtage ausschlafen können. Aber all diese Wettkämpfe und Konzerte und Weihnachtsfeier hier und Weihnachtssingen da und Weihnachtsaufführung dort und zwischendurch noch drei Kindergeburtstagseinladungen und das alles zusätzlich zu den ganz normalen Trainingszeiten und Musikstunden und Schule und Kindergarten und Arbeit – noch dazu bei dieser Finsternis…! Von Mitte April bis Ende Mai ist es bei uns ähnlich hektisch wie von Anfang November bis Mitte Dezember – aber da bin ich nicht so fertig. Vor allem nicht so müde. Ich habe schon lange nicht mehr so dringend auf Ferien gewartet wie diesmal.

Den Kindern schien es ähnlich zu gehen. Keines von denen hatte in den letzten Monaten am Wochenende je länger als bis halb acht geschlafen. Heute früh schliefen sie – von jetzt auf gleich – alle drei bis um neun. Die Schule hatte uns netterweise die Zeugnisausgabe am Samstagmorgen erspart und den Schülern die Zeugnisse schon gestern Mittag überreicht. Ferien, endlich!

(Muss man natürlich gleich an den Strand, baden gehen. Und dann – so gegen 15:10 Uhr – in den Sonnenuntergang surfen.)