Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Coronaklausur, Tag 41

Finnland hat 4695 bestätigte Coronafälle.

In Woche 7 fühlt sich der Ausnahmezustand inzwischen ganz normal an.

Nur manchmal wird mir ein bisschen wehmütig flau im Magen, wenn ich daran denke, dass wir in fünf Wochen nicht nach der Zeugnisausgabe die letzten Sachen packen und abends die „Grace“ besteigen werden, auch nicht am nächsten Tag bei IKEA in Jönköping Brunch essen, mehrere Stunden auf dem neuen Lieblingsspielplatz in Malmö abhängen und spätabends die nächste Fähre besteigen, nicht früh halb sieben beim Bäcker in Laage einfallen, nicht auf dem Weg noch Halt in Ferropolis und am Völkerschlachtdenkmal machen werden. Wenn mir bewusst wird, dass wir dieses Jahr keine zwei Wochen in der liebsten Heimatstadt verbringen werden, dass alle unsere Pläne und Verabredungen dort noch ein ganzes Jahr warten werden müssen.

Aber die Kinder, die jetzt abends, wenn es erst um zehn dunkel wird und um neun noch die schönsten Spiele im Gange sind auf unserem Hof, nie reinkommen wollen, obwohl am nächsten Tag Schule ist, die jammern ja immer, dass sie mal einen ganzen Sommer lang nur zu Hause bleiben wollen statt immer verreisen zu müssen. Sie werden dann jetzt die Sommerferien ihres Lebens haben. Und sich nächstes Jahr sehr nach einer Reise sehnen.

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Antizyklische Ernte.

Wir haben heute die Rank-Kartoffel geerntet. Angesichts der erschwerten Wachstumsbedingungen war die Ausbeute unerwartet gross!


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Nördlich vom Weltuntergang

Finnland hat 65 bestätigte Coronafälle.

„Wann machen wir zu Hause Schule?“, fragte der kleine Herr Maus heute früh, als er gähnend aus seinem Bett gekrochen kam. „Dann könnten wir nämlich immer ausschlafen und dann erst unsere Aufgaben machen!“

Vorerst wurden die Kinder nur angewiesen, alle Schulsachen zu Hause aufzubewahren – normalerweise lassen sie alles in der Schule bis auf die Sachen, die sie für die Hausaufgaben brauchen – damit sie im Falle einer Schulschliessung alles haben, was sie für den Unterricht zu Hause brauchen.

Die Schule des Fräulein Maus hat alle Chorreisen abgesagt. Das ist für sie selbst nicht so schlimm, da sie erst nächstes Jahr nach Deutschland reisen würde, aber die Austauschschüler aus Neuruppin, von denen wir eine*n übers Wochenende aufgenommen hätten, kommen nun auch nicht. Eine Klasse ist gerade in Köln, die muss nach ihrer Rückkehr erstmal zwei Wochen zu Hause bleiben.

Mit den Hortkindern haben wir am Wissenschaftsdienstag diese Woche aus aktuellem Anlass das Ungewaschene-Hände-Experiment angesetzt; allerdings – ich kann ja doch nicht aus meiner Wissenschaftlerhaut – mit mehr Treatments: 1) Brot, das gar nicht angefasst wurde, 2) ungewaschene Hände, 2) nur mit Seife gewaschene Hände, 3) nur mit Desinfektionsmittel behandelte Hände, 4) mit Seife gewaschene und hinterher noch desinfizierte Hände. Wir sind gespannt.

Insgesamt klappt das hier mit dem Händewaschen und In-den-Ärmel-husten ja schon seit der Schweinegrippe recht gut. Dass da jetzt nochmal verstärkt drauf geachtet wird, ist prima, gerade jetzt: im März ist hier immer schlimmste Magen-Darm-Zeit, ausserdem geht die Grippe- und Flunssawelle mindestens noch bis Mitte Mai. Vielleicht gibt es dann auch davon ein paar weniger.

Der Ähämann war gestern unseren wöchentlichen Grosseinkauf machen und kann berichten, dass es keinerlei Engpässe gibt. Okay, Handdesinfektionsmittel ist nicht immer zu kriegen, aber zumindest stand am Wochenende eine Flasche im Waldklo und war noch nicht geklaut.

Generell ist die Stimmung hier – wie damals bei der Schweinegrippe auch – recht gelassen. Vielleicht ein bisschen zu gelassen, wenn es um Massnahmen geht, die von den Behörden beschlossen werden müssten – Verbote von Grossveranstaltungen, Schulschliessungen, Absage von Theater- und Konzertveranstaltungen etc. – die vor allem jetzt sinnvoll wären und nicht erst, wenn schon viele erkrankt sind. Aber hier herrscht ja generell die Vorstellung, man befände sich nördlich vom Weltuntergang. (Was oft auch zutrifft, aber in einer globalisierten Welt eben auch immer weniger wird.)

Immerhin darf man jetzt sieben Tage auf eigene Verantwortung ohne Krankschreibung zu Hause bleiben. Und das ist hier, wo man manchmal zum Arzt kraucht und dann eine Krankschreibung für den restlichen halben Tag bekommt, sensationell!