Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Symbolbild Februar 2022:

Noch Winter, schon ein bisschen Frühling sowie der Versuch, unbeschadet unter der vierten Welle durchzutauchen.

In den Klassen unserer Kinder und meiner Hortkinder fehlen derzeit bis zur Hälfte aller Schüler*innen. Nach allem, was wir davon erfahren, hat ca. ein Drittel Corona, ein Drittel Flunssa und ein Drittel Magen-Darm.

Viel erfahren wir ja nicht. Die Schulen müssen schon lange keine Coronafälle in der selben Klasse mehr an die Eltern weitermelden. Mittlerweile ist die PCR-Test-Kapazität komplett zusammengebrochen, so dass man aufgefordert wird, bei Verdacht nur noch einen Schnelltest zu machen.

(Wie… äh… zuverlässig die Schnelltests funktionieren, haben wir ja schon selbst herausgefunden. Der Schnelltesttest sagt, der Test, der hier hauptsächlich im Handel ist, zeigt hohe Viruslast mit 94%iger Wahrscheinlichkeit an – alle anderen Viruslasten aber nur mit 54%iger Wahrscheinlichkeit. Der Ähämann bekam neulich von der Uni einen Schnelltest zugeschickt, den er vor einem in echt stattfindenden Meeting machen sollte, da war die Wahrscheinlichkeit, dass er eine symptomlose Infektion anzeigt, sogar nur 34%. Kann man auch gleich würfeln. Wir testen nur noch, wenn eine*r von uns schon zwei Tage irgendwelche Symptome hat, um zu wissen, ob es nun wieder eine*n erwischt hat oder es sich doch nur um eine harmlose Flunssa handelt.)

Es wird also nicht mehr offiziell getestet, aber da – Überraschung! – die Fallzahlen sinken, wird eine Einschränkung nach der anderen aufgehoben. Es muss niemand mehr in Quarantäne, solange er oder sie keine Symptome hat, nicht einmal, wenn eine der im gleichen Haushalt lebenden Personen infiziert ist. Selbst bei einer nachgewiesenen Infektion darf man nach fünf Tagen zurück auf Arbeit, in die Schule oder den Kindergarten, und zwar ohne Freitesten.

Völlig klar, so werden wir in Zukunft mit Corona umgehen müssen. Aber muss das wirklich jetzt schon sein, wo man hierzulande noch mitten im Boostern der Erwachsenen ist, die Jugendlichen immer noch keinen Anspruch auf eine dritte Impfung haben und die Kinder noch auf ihre zweite Impfung warten, weil Finnland auch in der gegenwärtigen Situation an einem Impfabstand von sechs Wochen festhält?!

Ich höre Omikron an allen Ecken und Enden laut kichern.

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Als ich am Montag das reduzierte Grüppchen Hortkinder abholte, bog aus der Strasse vor der Schule gerade eine 429.

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Einen Tag vor Weihnachten

Die Ergebnisse vom PCR-Test gestern Abend sind da: der Ähämann ist wie erwartet positiv, das Fräulein Maus und überraschenderweise sogar ich – denn ich habe mir die ganze Nacht von Montag auf Dienstag noch ins Gesicht husten lassen – negativ. Die Herren Maus sind weiterhin symptomfrei. Dem Ähämann, der sowieso nur ein bisschen Fieber, Husten und Halsschmerzen hatte, geht’s heute auch schon wieder besser. Alles in allem tun die Impfungen offensichtlich, was sie sollen.

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Andererseits ist diese Konstellation jetzt für die nächsten Tage ein bisschen schwieriger als wenn wir uns alle angesteckt hätten, denn sie heisst, dass wir weiterhin zu Hause FFP2-Masken tragen, getrennt schlafen, andauernd lüften und die Belüftungsanlage, mit der glücklicherweise jede finnische Wohnung ausgestattet ist, weiterhin Tag und Nacht volle Pulle laufen lassen werden müssen. Die Kinder sind zum Glück sehr einsichtig, auch wenn die Aussicht auf Geschenkeauspacken mit Maske sie nicht gerade vor Freude hüpfen lässt.

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Fünf weitere Gäste der Doktorfeier haben sich ebenfalls infiziert. Alle Anwesenden waren geimpft oder genesen. Eine der Infizierten – und das ist jetzt besonders interessant , weil hier ja immer behauptet wird, Restaurantbesuche seien total sicher vor 17 Uhr solange nicht getanzt oder Karaoke gesungen und noch niemand betrunken ist – ist übrigens direkt nach dem Essen nach Hause gegangen, noch bevor die eigentliche Party angefangen hatte.

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Wir wissen übrigens noch nicht, ob es Omikron ist. Steht weder in der digitalen Patientenakte noch in der SMS. Der Ähämann wartet auf den Anruf vom Gesundheitsamt.

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2G+ mit Schnelltests kann übrigens auch nicht die Lösung sein: des Ähämanns erster Schnelltest war noch negativ, als er schon seit mehreren Stunden hustete.

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Offiziell sind dann jetzt ja nur noch der Ähämann und der kleine Herr Maus in Quarantäne. Wir werden das nicht überstrapazieren, da uns klar ist, dass so ein Test auch nur eine Momentaufnahme ist, dass wir uns immer noch jederzeit beim Ähämann anstecken können. Aber ich werde ohne schlechtes Gewissen Take-away aus dem Restaurant oder Pakete von der Post abholen oder zielgerichtet in einen Laden springen, wenn es nötig ist.

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Quarantäne wird hier übrigens nicht überprüft und ihr Ende auch nicht von einem Testergebnis abhängig gemacht. Quarantäne dauert 10 Tage ab Symptombeginn, Punkt. In der Hauptstadtregion ist inzwischen die Obergrenze der Testkapazität erreicht, weswegen jetzt die Leute im ganzen Land aufgefordert werden, nach einem positiven Schnelltest gar nicht erst zu einem PCR-Test zu gehen, sondern einfach 7 bis 10 Tage zu Hause zu bleiben, bis die Symptome abgeklungen sind. (Vernünftige Sache, wenn sich alle dran halten. Und wo bekommt man dann seine Bescheinigung für den Coronapass und für die Beantragung des Quarantänegelds her?!)

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Wir haben heute auch die Herren Maus testen lassen. Der grosse Herr Maus hat vorgestern ein- oder zweimal geniest, der kleine Herr Maus klagte vorgestern über diffuse Halsschmerzen. Damit hatten sie sich für einen PCR-Test im Krankenhausparkhaus qualifiziert; der erste freie Termin war aber erst heute Mittag. (Wie sehr wir finnisiert sind, sieht man daran, dass wir gar nicht auf die Idee kamen, gleich am Anfang zu sagen, wir alle fünf hätten Symptome, um PCR-Tests für die ganze Familie zu bekommen.) „Wer will anfangen?“, fragte der Tester. „Du bist der kleine Herr Maus?“, lehnte er sich, nachdem er das Teststäbchen aus dem Container geholt hatte, mit seinem Weltraumhelm ins Autofenster wie zu einem netten Plausch. „Ich bin Antti. Ihr wisst, dass das nicht die angenehmste Sache der Welt ist, aber auch nicht schlimm? Ach, ihr habt das schon ganz oft gemacht? Na dann seid ihr ja schon richtige Profis. Dann fangen wir mal an…“ Man fährt jetzt übrigens vom ältesten Krankenhausteil aus ins Parkhaus rein, aber beim neuesten wieder raus. Sehr spannend.

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Gestern haben wir den Drive-in vom Supermarkt ausprobiert. Die 6 € Servicegebühr lohnen sich für Grosseinkäufe, besonders auch an solchen Tagen wie jetzt, an denen die Läden sowieso gerammelt voll sind, auch ohne Quarantäneauflagen. Wenn sie es jetzt noch hinkriegen würden, die Einkäufe in Pfandkisten statt in Plastetüten oder Wegwerfkartons zu packen, würden wir das garantiert regelmässig machen.

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Als ich vorhin den Weihnachtsbaumständer und die Kiste mit dem Weihnachtsbaumschmuck aus unserem Käfig holen war, traf ich eine Nachbarin, die mich darauf aufmerksam machte, dass gerade neue Zeiten für Dritt- und Kinderimpfungen buchbar seien. Ich bedankte mich, klemmte die zwei Kisten unter den Arm und raste – „Ich glaube, ich habe was ganz Dringendes zu tun!“ – ohne weiteren Smalltalk zurück in die Wohnung. Wenn wir uns jetzt nicht noch anstecken, dann kriegt der kleine Herr Maus nächste Woche seine erste und ich in drei Wochen meine dritte Impfung. Jippiii!


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Auslandsreise, verantwortungslose

Seit Monaten, wenn man den Verlautbarungen der entsprechenden Behörden und der finnischen Presse Glauben schenkt, kommen sämtliche neuen Coronafälle in Finnland aus dem Ausland, und wer jetzt ins Ausland reist, verhält sich höchst verantwortungslos.

Nun ist es so, dass ich mich durchaus privilegiert fühle, die Pandemie in Finnland aussitzen zu können. Es gibt hier keine Panikmache, keinen Impfneid, einen Coronatesttermin zu bekommen ist denkbar einfach und mit den Impfungen geht es auch voran, und zwar ohne dass man seine Ellenbogen einsetzen muss. Die Schulen waren fast durchgängig geöffnet, und wenn nicht, kam der Distanzunterricht so nahe an Präsenzunterricht heran, wie man es sich nur wünschen kann. Wir hatten nie Ausgangssperren, durften uns zu jeder Zeit im ganzen Land – bis auf die drei Wochen, in denen Uusimaa abgeriegelt war – frei bewegen und haben wunderbare Ausflugs- und Reiseziele in der finnischen Natur.

Aber Finnland ist eben doch überall Finnland. Schon seit den ausgefallenen Herbstferien hatten wir Estlandweh, und nach fast einem Jahr war die Sehnsucht nach Tapetenwechsel fast übermächtig geworden.

Wir packten die erstbeste Gelegenheit beim Schopf und bestiegen letzten Dienstag gemeinsam mit den zur Konfirmation angereisten (und zum Glück schon voll geimpften) Grosseltern ein Schiff nach Tallinn.

Unser Verständnis für Reiserestriktionen ist mittlerweile aufgebraucht. Seit anderthalb Jahren trägt unsere Familie Maske – auch da, wo wir nicht müssten. Seit anderthalb Jahren haben wir kein Museum, keine Schwimmhalle, kein Restaurant von innen gesehen – auch dann nicht, als wir es gedurft hätten. Seit anderthalb Jahren können wir die Gelegenheiten, an denen wir oder die Kinder Freunde getroffen haben, an zehn Fingern abzählen – obwohl es hier nie strenge Restriktionen gab, wie viele Haushalte und wie viele Personen sich treffen dürfen. Seit Juni dürften wir wieder Karaoke singen in Bars und auf Konzerte mit hunderten von anderen Leuten gehen – aber ins estnische Moor wandern gehen dürfen wir nicht?!

(Bezeichnenderweise drängelten sich auf der Fähre die Finn*innen, die eine Quarantänefreie Kreuzfahrt ohne Landgang machten, im Tax-Free-Shop und am Buffet, während wir die zwei Stunden Überfahrt in beide Richtungen auf dem Sonnendeck absassen. Und wenn es dann auf einem dieser Schiffe, wie letztes Wochenende auf der „Baltic Princess“, die zwischen Turku und Stockholm pendelt, unter den Kreuzfahrern zu einem Covid-19-Ausbruch kommt, dann wird das auch noch den Auslandsreisenden angelastet. Ich erwähnte schon, dass mein Verständnis für Reiserestriktionen aufgebraucht ist?!)

Tallinn war tatsächlich noch leerer als im letzten Jahr. Es fehlten nicht nur die Touristen, sondern auch die Tallinner selbst, denn sie hatten zwei aufeinanderfolgende Feiertage: den Siegestag am 23. und Mittsommer am 24. Juni. Es fiel nicht schwer, den Anweisungen der finnischen Gesundheitsbehörde – „Im Ausland besondere Vorsicht walten lassen!“ – Folge zu leisten. Wir spazierten durch menschenleere Gassen, die wir uns nur mit Tauben und Möwen teilen mussten, und assen auf Terrassen. Zudem sinkt die estnische 14-Tages-Inzidenz, die sich irgendwann im Winter bei schwindelerregenden 1500 befunden hatte, seit Wochen rapide und ist kaum noch höher als die finnische.

Ich badete in heisser Luft und freute mich am ersten echten Sommergewitter seit Jahren, das zur Mittagszeit den Himmel verdunkelte, die Gassen in Bäche verwandelte, über Gullydeckeln gewaltige Strudel erzeugte und nach einer Stunde der Sonne den Platz wieder räumte. Der Ähämann und ich überliessen einen Abend die Kinder den Grosseltern und gingen im Spätabendsonnenschein aus. Und weil es in Tallinn so leer war, reifte gleich der nächste Reiseplan.

Der dreitägige Ausflug endete offiziell erst gestern mit dem Freitesten aus der Quarantäne.
Wir sind erwartungsgemäss alle negativ – aber wenn wir uns angesteckt hätten, dann garantiert nicht bei unserer verantwortungslosen Auslandsreise, sondern beim Konfirmationsgottesdienst, wo wir dicht an dicht mit rund einhundert grossteils nicht-masketragenden Angehörigen der anderen Konfirmand*innen in der kleinen Kirche sitzen mussten. Ich wünschte, die Leute würden ihren Verstand benutzen, statt Sündenböcke zu suchen.


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Quarantänefreuden

Vorgestern haben drei von fünf Familienmitgliedern mal wieder einen Ausflug ins Parkhaus und anschliessende Quarantäne gewonnen. Es ging uns eigentlich allen gut, aber bisschen Husten, bisschen Halsweh und bei den beiden beiden Kindern auch bisschen Bauchweh sind eben derzeit nichts, womit man einfach weiter auf Arbeit und in die Schule gehen würde.

Wir haben unsere Quarantäne in vollen Zügen genossen.

Am Mittwoch war der Winter zurückgekommen, und der kleine Herr Maus und ich machten noch vor seiner Skype-Klavierstunde eine kleine Skitour gleich von der Haustür aus in den wieder weissen Wald. Bei Tageslicht!

Und gestern gingen das Fräulein Maus, der kleine Herr Maus und ich gleich vormittags – das haben wir zum letzten Mal 2009 gemacht! – auf den zu dieser Tageszeit völlig leeren Schlittenberg. Später kamen noch – nicht gleichzeitig; wir waren wie immer die, die am längsten blieben – drei andere Kinder mit jeweils einem Elternteil auf den Schlittenberg, und alle hörten wir ein bisschen husten. Wir mussten sehr lachen über unsere Quarantänewinterveranstaltung.

24 Stunden nach Testnahme trafen hintereinander drei SMSe auf meinem Telefon ein: drei negative Testergebnisse.


Ein Kommentar

Coronaalltag

Montagmorgen kam dann der obligatorische Anruf – den wir eigentlich schon am Sonntag erwartet hatten, wir waren ja dank Wilma vorgewarnt – wegen des Quarantänekinds.

„War er denn die ganze letzte Woche in der Schule?“ „Nein, am Freitag nicht, da war er krank.“ „Krank? Was hatte er denn für Symptome?“ „Also eigentlich…*weitaushol*… war die ganze Familie die ganze letzte Woche krank. Uns geht’s aber allen wieder gut, nur die grosse Schwester hat noch bisschen Halsschmerzen.“ „Na dann sollten die beiden unbedingt nochmal zum Test gehen! Habt ihr ein Auto? Passt euch heute Abend halb acht? Hast du noch Fragen?“ „Naja, also, ich möchte in der Situation eigentlich nicht so gerne auf Arbeit gehen, ich arbeite in einem Schulhort, und…“ „Musst du ja nicht. Du hast ja Anspruch auf Quarantänegeld, wenn du mit einem Kind unter Quarantäne zu Hause bleibst.“ „Ja, nee, klar, die Frage ist eher, ob ich überhaupt auf Arbeit darf. Also wenn ich das richtig verstanden habe, darf ich, solange ich keine Symptome habe, und ich werde auch ganz dringend gebraucht auf Arbeit, aber ich habe da wirklich kein gutes Gewissen dabei, dass wir anderen aus der Familie jetzt weiter ganz normal auf Arbeit und in die Schule gehen, noch dazu, wo man ja auch schon ansteckend ist, bevor man Symptome hat…“ „Ja, da bin ich ganz deiner Meinung. Wenn es irgendwie geht*, dann bleib zu Hause. Aber wenn wir alle Familienmitglieder offiziell unter Quarantäne stellen würden, dann würde hier gleich wieder alles zusammenbrechen. Zum Glück gibt’s nächstes Jahr die Impfung!“

Im Parkhaus war’s eisig kalt. Wir mussten ja nur mal kurz das Autofenster runterlassen, aber die armen Krankenschwestern, die da stundenlang arbeiten müssen…! Die eine hatte zwischen Mütze und Maske fürchterlich müde Augen. Die andere, die unseren Kindern die Teststäbchen in die Nase schob, hatte sich einen kleinen Schmetterling auf das Visier ihres Weltraumhelms geklebt und war so fröhlich und nett, dass die Kinder vermuteten, sie arbeite sonst sicher auf der Kinderstation. Sogar in so einem eiskalten, zugigen, neonlichtbeleuchteten Parkhaus kann man sich in diesem Krankenhaus noch gut aufgehoben fühlen!

Fernunterricht läuft genauso prima wie im Frühjahr. Das einzige, was sich geändert hat, ist, dass die Klasse jetzt immer erst um neun mit Schule anfängt – etwas, das, wenn auch aus anderen Gründen, im Dezember genauso willkommen ist wie im Mai – ansonsten gibt es Videounterricht nach Stundenplan, und in den Pausen stecken sie über den gleichen Kanal die Köpfe zusammen, erzählen sich die neuesten Neuigkeiten, giggeln oder spielen gemeinsam Minecraft. Es hat dann auch nur einen Tag gedauert, bis sie herausgefunden hatten, wer aus der Klasse den positiven Coronatest hatte: ein Kind, das mit dem kleinen Herrn Maus am gleichen Tisch sitzt. Hm.

Dass Dienstagabend der negative Testbescheid für das Fräulein Maus und den kleinen Herrn Maus kam, war da zumindest vorläufig zumindest ein bisschen beruhigend.
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*Nein, es geht gerade überhaupt nicht.


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Einschläge, näherkommende

Diese Woche waren wir alle krank.

Der grosse Herr Maus hat es uns eingeschleppt; er fing schon letztes Wochenende an zu husten und ging deshalb am Montag zum Coronatest.

Am Dienstag hatte der Ähämann Halsschmerzen und fing an zu husten, und das Fräulein Maus kam völlig fertig und mit Halsschmerzen aus der Schule heim. Dienstagabend kam das negative Testergebnis des grossen Herrn Maus, deshalb verzichteten der Ähämann und das Fräulein Maus auf einen eigenen Test.

Am Mittwochmorgen wachte ich völlig gerädert und mit Halsschmerzen auf. Wenn ich nicht die Arbeit hätte, die ich eben habe, hätte ich vermutlich auch auf den Coronatest verzichtet, aber so quälte ich mich aus dem Bett, rief Punkt acht beim Turkuer Coronatelefon an, wurde um 8:26 Uhr zurückgerufen und bekam noch schneller als die Kinder sonst immer einen Termin: „Kannst du um 10:20 Uhr? Ach, nee, schade, der ist gerade vergeben worden… warte… passt dir 11:45 Uhr?“ Und so kam ich als letztes Familienmitglied auch endlich zu einem Ausflug ins Krankenhausparkhaus zur Turkuer Drive-in-Teststation. Wir kamen um 11:42 Uhr an, vor uns waren zwei Autos, alle drei Container Teststationen waren besetzt – Fussgänger und Radfahrer haben inzwischen eine eigene Wartespur, werden aber auch wie alle anderen im Parkhaus getestet – dann wurden wir rangewinkt, Autofenster auf, ich musste Name und Personenkennzahl ansagen, bekam sehr routiniert ein Teststäbchen in die Nase geschoben – weswegen ich, im Gegensatz zum Coronatest auf der „Norröna“ im Sommer, die Testerin diesmal auch nicht erstmal anniesen musste – ich lehnte dankend das dreiseitige Infopamphlet über die Quarantänevorschriften, das wir nun wirklich schon auswendig herbeten können, ab, und 11:48 Uhr – da standen hinter uns in der Schlange dann ungefähr sechs Autos – fuhren wir wieder heim.

Am Donnerstag verliess der kleine Herr Maus als einziger das Haus. Donnerstagnachmittag hatte er Halsschmerzen und wollte abends freiwillig ins Bett. Kurz vor halb zehn kam die SMS mit meinem Testergebnis, weswegen wir darauf verzichteten, uns den Wecker für Freitag auf fünf vor acht zu stellen, um Punkt acht beim Schüler-Coronatelefon anzurufen und einen Testtermin für den kleinen Herrn Maus zu machen.

Am Freitag schliefen wir alle fünf aus und versuchten, jetzt dann möglichst schnell und möglichst alle wieder gesund zu werden.

Samstagabend halb zehn kam eine Wilma-Nachricht vom Rektor der Herren Maus. Allerdings nur eine – normalerweise kommen die Nachrichten vom Rektor der Grundschule bei uns ja in doppelter Ausführung an – und noch bevor ich sie aufmachte, war mir deshalb klar, was darin stehen würde; spannend war nur noch, ob es sich um die Klasse des grossen oder des kleinen Herrn Maus handelt.

Der kleine Herr Maus und seine Klasse haben ab Montag wieder Fernunterricht. Und stehen die nächsten zehn Tage unter Quarantäne.

Noch zehn Schultage bis Weihnachtsferien.


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Unkomplizierte Ausflüge ins Parkhaus für alle

Seit letzter Woche ist der grosse Herr Maus das einzige Familienmitglied, das noch nicht in den Genuss eines Coronatests gekommen ist.

Mittlerweile ist auch das schon Routine. Seit ein paar Wochen gibt es in Turku ein eigenes Coronatelefon für Schulkinder; wenn man da gleich früh um acht anruft, wird man nach ein paar Minuten zurückgerufen und bekommt einen Testtermin noch am gleichen Tag. Getestet wird hier derzeit auch wieder bei den kleinsten Symptomen, denn Turku war zwei Wochen lang einer der Coronahotspots Finnlands, und vor allem auch Kinder, denn viele Fälle waren vor allem in Schulen aufgetreten. Nur wenn schon ein Familienmitglied beim Test war und die anderen die gleichen Symptome haben, müssen sie nicht zum Test, und so ging vor zwei Wochen nur das Fräulein Maus zum Test (schon zum zweiten Mal), während die Herren Maus, die erst am nächsten Tag Halsweh bekamen, zu Hause auf dem Sofa blieben und gemeinsam mit der grossen Schwester aufs Testergebnis warteten. Letzten Donnerstag gewann dann der kleine Herr Maus mit einer sehr rauen und tiefen Stimme seinen ersten Coronatest.

„Ja, wir wissen, in welchem Parkhaus getestet wird, wir waren da schon öfter“, erklärte ich donnerstagfrüh der Frau am Coronatelefon, und „Nein, danke, wir wissen inzwischen auswendig, was auf dem Infozettel steht“, lehnte der Coronatestchauffeur Ähämann sechs Stunden später den dreiseitigen Papierstapel ab.

Das Testergebnis kommt mittlerweile recht zuverlässig ca. 25 Stunden nach Testnahme per SMS. Und inzwischen muss da auch keine arme Krankenschwester mehr sitzen und den ganzen Tag SMSe tippen, sondern es kommt – im Falle eines negativen Testergebnisses; bei einem positiven würde man umgehend angerufen – eine automatisch erstellte SMS; so eine, wie auch 24 Stunden vor einem Arzt- oder Zahnarzttermin als Erinnerung geschickt wird oder als Benachrichtigung, dass ein e-Rezept ausgestellt wurde und eingelöst werden kann. Apropos. Dafür muss man neuerdings nicht mal mehr in der Poliklinik anrufen, sondern kann sich einfach in seine digitale Patientenakte einloggen, bei dem Medikament, das man gern neu verschrieben hätte, ein Häkchen setzen und damit ein neues Rezept dafür beantragen. Das letzte Mal hat es keine Stunde gedauert, bis das e-Rezept fertig war und ich in die Apotheke gehen konnte.

Die Erinnerung an die Tage – ach was, Wochen! – die ich in meinem Leben schon in deutschen Wartezimmern abgesessen habe, erscheint mir mittlerweile wie ein schlechter Traum.


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Das ging schnell

Das erste Kind sitzt wieder in seinem Zimmer vor seinem Schullaptop und hat Fernunterricht.

Das Fräulein Maus, das bei jeder Krankheit, die rumgeht, laut „Hier! Ich!“ schreit, war in diesem Schuljahr bisher weniger in der Schule als zu Hause. Zwischendurch ist sie ein paar Tage oder eine ganze Woche gesund, dann hat sie wieder Halsschmerzen und ist schlapp. Normalerweise würde sie an vielen von diesen Tagen trotzdem zur Schule gehen, aber zur Zeit darf sie das dank der Coronavorschriften ja nicht.

Unter anderem deshalb haben wir ihr gestern einen Ausflug mit dem Auto ins abgelegenste Parkhaus des Krankenhauses organisiert, wo ihr von einer Frau im Raumanzug in der Nase herumgepokelt wurde.

Wenn das Ergebnis des Coronatests negativ ist, darf sie nämlich wieder in die Schule gehen, auch mit Halsschmerzen. Allerdings kann es bis zu vier Tage dauern, bis das Ergebnis da ist. (Es hat auch nur 26 Stunden vom Anruf bei der städtischen Coronahotline bis zum Testtermin gedauert.)

Das Fräulein Maus freute sich deshalb sehr, als gestern Abend die Wilma-Nachricht eintraf, dass wegen eines Coronafalls in ihrer Schule ab heute bis zu den Herbstferien für die gesamte Oberstufe Fernunterricht stattfindet. So kann sie nämlich heute schon wieder in die Schule gehen am Unterricht teilnehmen statt möglicherweise erst am Dienstag. Und ihre Flunssa endlich mal richtig auskurieren.

Andererseits ist das Warten aufs Testergebnis jetzt deutlich spannender geworden.