Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Sommerferien minus 4

Finnland hat 6628 bestätigte Coronafälle.

Der grosse Herr Maus radelte heute Nachmittag um zwei zur Schule, um seiner Lehrerin – das hatten sie schon letzte Woche ausgemacht – seine Lehrbücher, die Bücher aus der Schulbibliothek und sein Schul-iPad, das die Sommerferien in der Schule verbringen wird, zu übergeben.

Der kleine Herr Maus schrieb sich mit seiner Lehrerin mehrere Wilma-Nachrichten hin und her, um abzusprechen, wann und wohin er seine Lehrbücher zurückbringen soll und wie er sein Zeugnis haben möchte: am Samstagfrüh in der Schule abholen oder per Post nach Hause geschickt bekommen.

Die Lehrerin des Fräulein Maus sagte bescheid, dass ihr Zeugnis mit der Post käme. Ihre Lehrbücher und ihren Schullaptop buckele ich morgen auf dem Weg zur Arbeit in ihre Schule.

Wir sind alle ferienreif. Sehr. So gut das alles mit Fernunterricht und Homeoffice funktioniert hat, so anstrengend war es auch. Auch wenn es sich eher gemütlich anfühlte. Aber mir persönlich hat zum Beispiel auch die ganze Ungewissheit und das Hinundher sehr viel Kraft geraubt.

Trotzdem fühlt es sich komisch an, dass in vier Tagen die Sommerferien anfangen sollen. Einfach so. Ohne feierliche Zeugnisausgabe mit Eltern. Ohne gleich am ersten Sommerferienabend in den Urlaub aufzubrechen. Fast habe ich sogar den vierwöchigen Feiermarathon vermisst.


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Sommerferien minus 12

Finnland hat 6380 bestätigte Coronafälle.

Jedes Jahr, wenn sich das Schuljahr schon deutlich dem Ende zuneigt, denke ich, dass im Mai, wenn abends um neun bei strahlendem Sonnenschein draussen noch die schönsten Spiele im Gange sind, es erst gegen elf dunkel wird und der Himmel sogar um Mitternacht noch dunkelblau ist, die Schule erst um zehn anfangen sollte.

Dieses Jahr hat sich mein Wunsch für die letzten zweieinhalb Wochen erfüllt. Da unsere Kinder jetzt ja keinen Fernunterricht mehr haben, sondern offiziell selbstständig unter elterlicher Aufsicht zu Hause lernen und ihre Aufgaben jeden Tag schnell erledigt haben, haben wir uns auf Ausschlafen bis um neun geeinigt. Ich stehe mit dem Ähämann eine Stunde eher auf, aber wenn die Kinder an den Frühstückstisch kommen, ist niemand mehr morgenmuffelig.

Das Fräulein Maus hat montags nicht viel zu tun, da sie da unter Anderem je eine Doppelstunde Kunst und Sport hat. Die Kunstlehrerin hat ihr schon schöne Ferien gewünscht, und Sport machte sie erst abends. Dafür half sie dem kleinen Herrn Maus bei seinem Kunstprojekt – ein Haus aus Naturmaterialien bauen – und sie waren stundenlang gemeinsam mit Säge und Heisskleber zugange.

Das Wetter fängt sich auch langsam wieder. Es geht immer noch ein recht eisiger Wind, aber die Sonne scheint, und es wird jeden Tag ein, zwei Grad wärmer. Den ganzen Nachmittag mit den Hortkindern draussen zu sein, ist kein Problem mehr.

Als das Fräulein Maus, der kleine Herr Maus und ich es uns abends im Elternbett gemütlich machten und gemeinsam noch mindestens eine Stunde lesen wollten, war es schon wieder um zehn. (Dabei schien die Sonne noch ins Schlafzimmer!)

Zum Glück können wir in diesem Mai tatsächlich jeden Tag erst um zehn mit der Schule anfangen!


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Sommerferien minus 13

Finnland hat 6347 bestätigte Coronafälle.

Der Sonntag begann mit Weckerklingeln um halb neun und körperlicher Betätigung. Der kleine Herr Maus hatte mit seiner Klein-Trainingsgruppe Schwimmtraining in Turkus kleinster Schwimmhalle. Wir fuhren – kein Auto wann immer es geht! – die vier Kilometer mit dem Fahrrad hin.

(Ich fuhr sie dann wieder zurück und eine Stunde später wieder hin und mit dem kleinen Herrn Maus gemeinsam wieder zurück. War nicht schlimm – ausser dass das mein Arbeitsweg seit acht Jahren ist und ich den eigentlich nicht auch noch am Wochenende brauche. Ich fühlte mich aber sehr wach danach.)

Der kleine Herr Maus war ein bisschen aufgeregt. Richtiges Schwimmtraining! Nach so langer Zeit!

„Und? Kannst du noch schwimmen?“, fragte ich ihn, als ich ihn wieder abholte. „Naja. Ich war ganz schön langsam. Das Wasser war wie Joghurt!“

Aber im Bad riecht’s jetzt wieder so, wie es sonntags riechen muss. Nach Chlor.


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Sommerferien minus 14

Finnland hat 6286 bestätigte Coronafälle.

Fünf Grad und Regen. (Vor einem Jahr hatten wir knapp 30 Grad.)

Das Fräulein Maus übernahm – Hauswirtschaftsaufgabe für diese Woche – die Zubereitung des Mittagessens (inklusive Brötchenbacken).

Währenddessen fügten die Herren Maus nach neun Wochen das letzte Teilchen ins Coronapuzzle.


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Sommerferien minus 15

Finnland hat 6228 bestätigte Coronafälle.

Die Eisheiligen haben uns fest im Griff. Als ich früh das Rollo hochzog, fielen dicke, weisse Flocken vom Himmel. Der Garten war schon mit einer dünnen weissen Decke überzogen. Später kam die Sonne raus, aber wesentlich wärmer wurde es nicht.

Mein Arbeitsoutfit besteht derzeit also wieder aus Winterschuhen, Thermoleggins, Wollkniestrümpfen, Anorak, Mütze und Handschuhen. Und Handdesinfektionsflasche natürlich.

Mit nur zehn Kindern im Hort ging das alles prima. Und die Zeit vergeht irgendwie viel schneller, seit wir nur draussen sind und uns der Rhythmus von reinkommen und rausgehen fehlt. Ausserdem fehlte das Freitagsgefühl. Ich habe acht von zehn Kindern mit „Bis morgen!“ statt „Schönes Wochenende!“ verabschiedet, als ich ihnen die letzte Portion Käsidesi des Tages auf die Handflächen pumpte.

Das Fräulein Maus hatte vormittags den letzten Mathetest des Schuljahres. Er fand für alle elektronisch statt; für die, die in der Schule waren, genauso wie für die, die bis zu den Sommerferien nicht mehr in die Schule zurückkehren werden.

Am Ende des Tages gab es übrigens die aktuellen Zahlen, wieviele Kinder tatsächlich nicht zum Präsenzunterricht erschienen sind: je nach Stadt und Region zwischen 5 und 25%. Das ist, vor allem angesichts des Drucks, der vorher gemacht wurde, doch recht viel. (In die Turkuer Kindergärten zum Beispiel kehrten sogar nur 55% der Kindergartenkinder zurück, obwohl es auch da seit Donnerstag keine Empfehlung mehr gibt, sein Kind zu Hause zu lassen.)

Ich bin immer noch der Meinung, man hätte das alles gestaffelter ablaufen lassen können, statt alle Kinder von 0 bis 16 auf einmal zurück in Kindergarten und Schule zu schicken. Aber gerechter und für alle sinnvoller als das deutsche „dritte Klassen montags und mittwochs 8 bis 10, sechste Klassen dienstags 12 bis 15 und achte Klassen jede zweite Woche von 10 bis 14“ finde ich es mittlerweile schon. Allerdings hätte man hier auch einfach bei Fernunterricht bleiben können, so prima wie der lief. (Was inzwischen auch durch Umfrageergebnisse unter Viert- bis Zwölftklässlern untermauert und nicht mehr nur meine subjektive Wahrnehmung ist.) Egal. Wir sind die nächsten drei Monate raus.

Abends hatte der kleine Herr Maus zum ersten Mal seit neun Wochen wieder sowas wie normales Training. Nur einfaches Fitnesstraining im Freien, aber immerhin gemeinsam: in Kleingruppen von neun Kindern und einer Trainerin. Die städtischen Schwimmhallen sind noch mindestens bis Juni geschlossen, aber des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmverein hat jetzt Zeiten in Turkus kleinster Schwimmhalle reserviert, da wird er jetzt einmal in der Woche für eine Stunde mit seiner Kleingruppe endlich wieder schwimmen können.

Der abendliche Blick in die Nachrichten ist erfreulich: Finnland scheint erneut seine Coronastrategie geändert zu haben; selbst die Gesundheitsbehörde, die vor zwei Wochen noch der Meinung war, der Epidemieverlauf in Finnland sei bisher zu langsam gewesen, hält es jetzt doch für machbar, die Infektionszahlen auf nahezu Null zu drücken. Mal sehen, wie es zu Sommerferienbeginn nach zwei Wochen Schule aussieht.


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Sommerferien minus 16

Finnland hat 6154 bestätigte Coronafälle.

Der Wecker klingelte heute eine halbe Stunde eher als in den letzten acht Wochen. Der grosse Herr Maus musste um acht in der Schule sein. Fröhlich radelte er von dannen.

Das Fräulein Maus stand auf wie immer, hatte dann aber nicht viel zu tun, weil die Hausaufgaben für den Tag immer erst nach der jeweiligen Unterrichtsstunde ins Wilma kommen. Ausserdem hatte sie die ersten zwei Stunden Handarbeiten, und ihr Handarbeitsprojekt für dieses Halbjahr ist abgeschlossen. Sie fand es gewöhnungsbedürftig, dass sie um acht nicht vorm Laptop sitzen musste. Stattdessen war schon vormittags Zeit zum Harfeüben. Auch nicht schlecht.

Der kleine Herr Maus wachte aussergewöhnlich zeitig auf und fing sofort nach dem Frühstück an mit Arbeiten. Seine Lehrerin schickt weiterhin Tagespläne wie in den letzten acht Wochen. Der Unterschied ist, dass der kleine Herr Maus jetzt nach seinem eigenen Zeitplan arbeiten darf. Wie erwartet war er nach einer Stunde fertig: zu einem Zeitpunkt – weil er heute eine halbe Stunde früher angefangen hatte als sonst – zu dem die anderen, wie er vermutete, gerade erstmal bis zur Belehrung über die Schul-Coronaregeln vorgedrungen waren und noch gar nicht mit Unterricht angefangen hatte. Dann spielte er ein bisschen Klavier und entwarf und baute die nächsten anderthalb Stunden etwas Tatu-und-Patu-Mässiges aus Lego Duplo.

Dann musste ich auf Arbeit. Am Flussufer sassen die Leute in der Sonne, aber brav an verschiedenen Enden der Bänke. Am Kaffeefahrrad hatte sich eine kleine Schlange mit grossen Lücken gebildet. Zwei ältere Frauen unterhielten sich mit Stoffmaske vorm Mund.

Im Hort lief alles nach Plan. Das mag aber hauptsächlich daran gelegen haben, dass wir gerade mal dreizehn Kinder hatten. (Was ich so von der Schule gesehen habe, fand ich weniger überzeugend. In Zweierreihe, dem Vordermann jeweils fast in die Ferse tretend, wand sich zum Beispiel eine Klasse aus dem Speisesaal durchs enge Treppenhaus zu ihrem Klassenzimmer. Hm.) Die beste Chefin hatte sich lauter Spiele ausgedacht, die man mit Abstand spielen kann. Ich rannte den Kindern mit der Handdesinfektionsflasche hinterher. Der Zivi putzte den ganzen Nachmittag Bälle, Springseile und Reifen, bevor sie den Benutzer wechselten. Wir verbrachten keine Minute drin, sondern assen sogar draussen. Die Kinder sassen mit ihrer Pirogge und ihrem Pillimehu wie die Hühner auf der Stange – aber mit viel grösseren, gleichmässigen Abständen – auf dem Mäuerchen in der Mitte des Schulhofs. Und alle gingen viel früher als sonst nach Hause.

Noch bevor ich heimkam, waren die Medien voll von Berichten über tausende glückliche Schüler*innen, die endlich wieder in die Schule durften. Ich war gespannt, was der grosse Herr Maus zu berichten haben würde.

Nun. Als ich heimkam, teilte mir der grosse Herr Maus als erstes mit, er fühle sich krank – und er sah auch wirklich ganz schlecht aus; er war offensichtlich völlig unter Stress und in Panik – und er gehe morgen nicht wieder in die Schule, weil ausser ihm keiner auf Abstandsregeln achte, da könne er soviel er wolle versuchen, den anderen aus dem Weg zu gehen. Ach, Kind.

Der Tag endete mit dem Stellen eines dritten Antrags auf Freistellung von der Schule bis zu den Sommerferien. Er wurde umgehend genehmigt.


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Coronaklausur, Tag 57

Finnland hat 6054 bestätigte Coronafälle.

Nachdem der Rest der Familie mit Arbeit und Schule begonnen hatte, machte ich den dringend nötigen wöchentlichen Ausflug in die Höhle des Löwen den Supermarkt.

Um die Zeit – wir experimentieren ja immer noch mit verschiedenen Läden und unterschiedlichen Zeiten – war es allerdings regelrecht angenehm: auf dem Lidl-Parkplatz standen genau drei Autos und drei Fahrräder, als ich ankam, und der eine oder andere Kunde trug sogar Maske.

Es gibt ja in Finnland noch immer keine Maskenpflicht, weil man den Nutzen von Masken erstmal untersuchen möchte. Mit Ergebnissen – den finnischen; andere gibt’s ja offensichtlich nicht schon ausreichend – wird Ende Juni gerechnet. (Finnair hat derweil eigenmächtig eine Maskenpflicht auf finnischen Flughäfen und an Bord ihrer Flugzeuge eingeführt.)

Ansonsten hat es den ganzen Tag geregnet, und so fühlte ich mich auch. Ich machte nicht nur ein sehr spätes Mittagsschläfchen, sondern ging auch direkt nach den Kindern ins Bett. Vermutlich war es aber gar nicht das Wetter, das mich so müde gemacht hat, sondern das viele Nachdenken und Planen für den Schulstart morgen. Seufz.


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Coronaklausur, Tag 56

Finnland hat 6003 bestätigte Coronafälle.

Obwohl der grosse Herr Maus dasjenige unserer Kinder ist, das unbedingt wieder in die Schule will, hat er sich doch gefreut, als die erstmal für vier Wochen gedachten Schulschliessungen schon recht bald bis zum 13. Mai verlängert wurden. „Dann muss ich an meinem Geburtstag noch nicht in die Schule!“, jubelte er.

Schon der zweite Geburtstag, an dem wir alle gemeinsam aufstehen, dem Geburtstagskind ein Lied singen, beim Geschenkeauspacken zugucken und gemeinsam frühstücken konnten, ohne dass einer schon mal los musste in die Schule. Sehr schön.

Der grosse Herr Maus jubelte über alle seine Geschenke – die kleinen, die grossen, die, die gar nichts gekostet hatten, und die teureren – gleichermassen. Das Fräulein Maus hatte ihm ein Rätselbuch gebastelt und der kleine Herr Maus ganz allein einen Dinosaurier aus Holz ausgesägt und bemalt. Die Patentante schickte ein Geschenk, das nicht besser sowohl zu ihr als auch zum Beschenkten passen könnte. ♥

(Ich selbst musste auch gleich noch vorm Frühstück ein paar Seiten darin lesen.)

Fast ein Geburtstagsgeschenk war auch die Wilma-Nachricht seiner Klassenlehrerin an den grossen Herrn Maus und uns Eltern, in der sie ihn jetzt am Ende der acht Wochen Fernunterricht ausführlich dafür gelobt hat, dass er sich immer aktiv an den Unterrichtsstunden per Videochat beteiligt hat, dass er keine Stunde verpasst hat, dass er immer pünktlich seine Aufgaben eingereicht hat, wie selbstständig er in der Zeit geworden ist. „Du, ich und wir alle haben viel gelernt in dieser Zeit – falls wir nochmal so eine Situation haben werden, dann sind wir gut darauf vorbereitet. Danke für deine Flexibiliät und deinen Fleiss, ich bin stolz auf dich!“ Jedem einzelnen ihrer 18 Schüler*innen hat sie so eine ganz persönliche Nachricht geschickt! Ich war sehr gerührt, und der grosse Herr Maus leuchtete von innen.

Dann auf Arbeit geradelt – dank Pankratius mit Sonnenbrille, Sonnencreme, Mütze, Handschuhen und Anorak – und gemeinsam mit der besten Chefin weitere Feinplanungen vorgenommen. Viele Emails von Eltern beantwortet und mich gefreut über ein Lob für unser „professionelles Engagement“. Da wir alle ja nichts weiter an die Hand bekommen haben als diese grandiosen offiziellen Hygieneregeln, ist in den letzten beiden Wochen recht deutlich geworden, dass es Rektoren, Lehrer, Kindergarten- und Hortbetreuer*innen gibt, die sehr durchdachte und detaillierte Pläne haben, und andere, die… eher keine Pläne haben. Es wird… spannend ab Donnerstag.

Hinterher fuhr ich auf dem Markt vorbei, um ein Bund dringend benötigte Zwiebeln zu besorgen, ohne dafür in den Supermarkt zu müssen – leider vergebens, und das liegt eher nicht an Corona. Grmpf.

Als ich heimkam, waren die Herren Maus mit einem der Geburtstagsgeschenke des grossen Herrn Maus draussen unterwegs. Das Fräulein Maus hatte sich mit ihrer besten Freundin zum gemeinsamen Joggen verabredet. Sie rannte durch unseren Wald, die beste Freundin an einem mittelfinnischen See entlang.

Abends letzte Klavier- und Klarinettenstunde für den kleinen Herrn Maus. Das Schuljahr ist wirklich fast um.


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Coronaklausur, Tag 55

Finnland hat 5984 bestätigte Coronafälle.

Als ich heute früh das Rollo hochzog, rieselte zwischen den übers Wochenende zart ergrünten Bäumen so weisses Zeug vom Himmel. Ach, hallo, Mamertus, du?! Das wäre doch wirklich nicht nötig gewesen, dass du den weiten Weg bis nach Finnland auf dich nimmst!

Als nach dem Frühstück alle in die Schule und ins Büro vor ihre digitalen Endgeräte gezogen waren, um die neue Schul- und Arbeitswoche zu beginnen, klappte auch ich meinen Laptop auf und machte zuallererst nicht nur die Nachrichtenseite, sondern auch Wilma auf, um mich über den neuesten Stand der Dinge zu informieren. Aus Wilma waren die orangen Balken – „Antrag in Bearbeitung“ – verschwunden, und siehe da, letztendlich war es ganz einfach: zwei Anträge auf Freistellung mit der Begründung „Wir halten es für ein zu grosses gesundheitliches Risiko, unser Kind wegen der letzten elf Schultage zurück in die Schule zu schicken“ von zwei verschiedenen Rektoren heute früh kommentarlos durchgewinkt. Na bitte!

Dasjenige unserer Kinder, das unbedingt in die Schule möchte, erhielt von seiner Klassenlehrerin heute schon mal eine lange Wilmanachricht mit genauen Hinweisen zum Schulablauf ab Donnerstag: wo und wann sich die Klasse früh treffen und später jede ihrer Pausen verbringen wird („Am zur Strasse hin gelegenen Ende des Kunstrasenplatzes, an der Ecke zum Kindergarten“), dass auch die, die mit dem Fahrrad kommen, mit ihren Rädern da hinkommen sollen und man dann gemeinsam auf dem Weg in die Klasse die Räder wegbringen wird, dass in der eigenen Klasse Mittag gegessen werden wird und dass man früh reichlich essen soll, weil die Mittagessenszeiten jetzt weiter auseinandergezogen sind und für seine Klasse jetzt eine Stunde später stattfinden wird als bisher, und dass alle Unterrichtsfächer mit der Klassenlehrerin stattfinden werden, auch die, in denen sie bisher eine andere Lehrerin hatten. Hört sich alles halbwegs vernünftig an, und wenn es sich das Kind nicht doch noch anders überlegt, dann soll es halt in Gottes Namen hingehen.

Danach bereitete ich schon mal das Tagesprogramm für die letzten drei Tage Fernhort vor, denn vermutlich werden die auch anderweitig recht voll sein. Am Mittwoch gibt es auf jeden Fall nochmal kindgerechte Videos zu Ansteckungswegen über Oberflächen und mit Spucketröpfchen, damit alle vorbereitet sind. Ganz wohl ist mir nämlich nicht bei dem Gedanken an diese grosse Kindergruppe.

Das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus setzten nach der Schule ihren gestrigen Sauna-Frühjahrsputz im Bad fort. Man braucht jetzt eine Sonnenbrille, wenn man das Bad betritt.

Ansonsten: Geburtstagsvorbereitungen. Und ein Ausflug mit dem Ähämann zum Hafen, wo der Fahrkartenschalter derzeit jeden Tag anderthalb Stunden früh und anderthalb Stunden abends, jeweils rund um Ankunft und Abfahrt der „Amorella“ und der „Grace“, geöffnet hat, unsere Überfahrt nach Stockholm und zurück auf unbestimmte Zeit verschieben. Als wir wieder rauskamen aus dem Terminal, schob sich gerade die „Grace“ im Abendsonnenschein rückwärts in den Hafen. Ach, ach. Keiner stand an Deck und guckte. (Sie nimmt nur Fracht mit zur Zeit.) Und wir werden auch nicht in drei Wochen mit ihr mitfahren, am Badehäuschen vorbei durch den Wald. Ach, seufz.


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Coronaklausur, Tag 54

Finnland hat 5913 bestätigte Coronafälle.

Die Kinder waren schon seit Tagen sehr aufgeregt. Muttertag ist ein grosses Ding in Finnland und fällt nicht aus, nur weil in der Schule keine Geschenke und Karten gebastelt werden konnten. Das können sie schliesslich auch allein!

Als wir gegen zwölf fertig gefrühstückt hatten, hatte der kleine Herr Maus Schwimmtraining im Kinderzimmer. (Der grosse Herr Maus machte auch mit.) Danach hätten wir gerne Kaffee und Kuchen eingepackt und an einem hübschen Platz mit Aussicht wieder ausgepackt, aber leider stürmte es wie Sau, was unsere Motivation, einen Schritt vor die Haustür zu setzen, gegen Null sinken liess. Da ich ja sowieso immer am Muttertag in der Erde wühle, nahm ich mir diesmal die Reihe Zimmerpflanzen vor, die dringend umgetopft werden musste. Das Fräulein Maus machte derweil – am Ende tatkräftig unterstützt vom kleinen Herrn Maus – Grossputz in der Sauna. (Da bei uns in der Sauna auch Wäsche- und Klammernkörbe herumstehen sowie alle unsere Strandspielsachen in wasserdichten Kisten unter der Saunabank gelagert werden, ist das keine Kleinigkeit und deshalb das, was bei der täglichen Sisyphosarbeit Putzerei und Aufräumerei am ehesten immer wieder aufgeschoben wird.) Und nachdem wir endlich die letzte Folge des schon vor Ostern aufgenommenen „Russland von oben“ angeguckt hatten – Ich möchte jetzt sofort in den Zug steigen und bis nach Wladiwostok fahren! – saunierten wir noch bis zur „Maus“ kurz vorm Schlafengehen in einer blitzblanken Sauna.