Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Projekt Liniennetzplan, Alltagsversion

Ausgerechnet an einem Samstag, an dem in der Innenstadt ein Marathon, eine (kleine) Demonstration von Neonazis und eine (grosse) Demonstration gegen Nazis sowie ein mehrstündiger Busfahrerstreik auf manchen Linien stattfinden, mit den Kindern ihre in diesem Schuljahr neuen Busstrecken zum Deutschunterricht und zu des Fräulein Maus‘ vielfältigen Trainingsorten ausprobieren zu wollen, war nicht so clever. (Man sollte doch öfter einen Blick in die Lokalpresse werfen.)

Sie wissen jetzt aber trotzdem, wo sie ein-, um- und aussteigen müssen. (Und wir müssen nur noch spätabends abholen manchmal. Unsere Autofahrerei hat sich schlagartig halbiert, jeee!!!)

Und weil wir wegen Marathon und Demos weit vorm Markt aus dem ersten Bus geworfen wurden und ein Stück laufen mussten, gingen wir zum ersten Mal in fünfzehn Jahren durch die orange Gasse, die sich fast immer hinter verschlossenen Toren befindet.

Wenn sich das mal nicht doch gelohnt hat!


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Mit dem Stadtbus ins Moor

Vor etlichen Wochen, als es noch nicht zu heiss zum Wandern war, fuhren wir auf der Landstrasse nach Norden. Die Landstrasse, die auch zum Nationalpark führt, aber da wollten wir nicht hin, sondern noch ein Stück weiter. Jedenfalls bog ein paar Kilomter vorm Nationalparkparkplatz, da, wo eigentlich eine Endhaltestelle ist, ein gelber Stadtbus vor uns auf die Strasse und fuhr – sehr zu unserer Verwunderung – ebenfalls nach Norden! (Obwohl er ja eigentlich nach Süden und zurück in die Stadt hätte fahren müssen.)

Nun ist es so, dass die Gemeinde Turku eine sehr eigenartige Grenze hat: in der Mitte ist die eigentliche Stadt, im Süden gehören noch ein paar Inseln dazu, und im Norden ragt eine 20 km lange Spitze Turku ins Land. So kommt es, dass eine Stadtbuslinie schon immer sehr, sehr weit, bis fast ans Ende dieser Spitze – die Spitze selbst endet an einem Felsen im Moor – hineinfährt, aber eben leider sechs Kilometer vor dem dem Nationalpark endet.

Der gelbe Stadtbus jedenfalls fuhr sechs Kilometer lang vor uns her und bog dann auf den völlig umgestalteten Wanderparkplatz ein, und siehe da, es gab da eine Haltestelle und einen Fahrplan, der uns darüber informierte, dass man in diesem Sommer die ganzen Ferien über mit dem Bus zum Wandern fahren kann.

Es war dann ja erstmal ein paar Wochen lang viel zu heiss zum Wandern, aber als es am Wochenende zum ersten Mal ein bisschen abkühlte – aber nicht zu viel: ein Bad im umrundeten See war mehr als willkommen! – ergriffen wir die fast schon letzte Gelegenheit beim Schopf.

Voll toll, umweltfreundlich und zum Stadtbustarif ins 30 km entfernte Moor fahren zu können! Das könnten sie ruhig während des gesamten Sommerfahrplans jedes Wochenende anbieten!


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Neue Wege

Vorgestern froren wir bei 7°C im beissenden Ostwind.

Gestern konnten wir die Wandersaison eröffnen. Und zwar im T-Shirt.

Wir liefen einmal zu zwei Dritteln um den See, auf dem wir sonst schlittschuhlaufen.

Das letzte Drittel müsste man an einer Strasse entlang auf einem asphaltierten Rad- und Fussweg laufen, und das hat uns tatsächlich bisher von dieser Wanderung abgehalten. Aber seit unsere Stadtbuslinie nicht mehr bei uns endet, sondern am See entlang noch bis in den Nachbarort weiterfährt, tun sich da ja ganz neue Möglichkeiten auf.

Wir fuhren vier Haltestellen Stadtbus, stiegen am See aus, wanderten fünf Kilometer, machten dabei sehr viele Pausen, stiegen an einer anderen Haltestelle am See wieder ein, fuhren zehn Haltestellen Stadtbus zurück und waren drei Stunden später wieder zu Hause.

Das ist nämlich auch mal schön, wenn man nicht erst vor und nach dem Wandern eine reichliche Stunde im Auto hocken muss!


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Weihnachtsfrieden 2017

Mit Hubschrauber, der lange vorher und hinterher Runden um den Dom flog. Mit Betonsperren. Mit sehr viel Polizei. Mit Streuautos als Strassensperre. (Letztes Jahr hatte kurzerhand die Armee mit LKWs ausgeholfen. Aber so gelb sah es wenigstens weniger bedrohlich aus.)

Aber auch mit Leuten, die den Hunden wildfremder Leute im völlig überfüllten Bus einen Platz unter ihrem Sitz anboten. Mit Leuten, die den neben ihnen Stehenden mit ausgedruckten Liedtexte aushalfen. Mit fremden Leuten, die sich, bevor sie den Platz wieder verliessen, gegenseitig frohe Weihnachten wünschten.

Mit 15000 Leuten, die wie jedes Jahr gekommen waren, um zu hören, wie der Weihnachtsfrieden für das ganze Land verkündet wird.

So, wie Heiligabend hier immer anfängt.

Und dann war da auch noch der freundliche Busfahrer, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hatte, allen Fahrgästen frohe Weihnachten wünschte und unseren Kindern, als wir ausgestiegen waren und er weiterfuhr, noch lange zuwinkte.

(Und wir liefen dann – weil wir einfach den ersten Bus, der sich aus den Menschenmassen herausgeschlängelt hatte und ungefähr in unsere Richtung fuhr, genommen hatten – den allerschönsten Weg nach Hause.)

Schöner kann Heiligabend wirklich nicht anfangen.


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kaksisataaviisikymmentäseitsemän

Vorgestern machten wir, weil der Herr Picasso in der Werkstatt war, die montägliche Deutschunterricht-Turnhalle-Pfadfinder-Runde mit dem Bus. Ich bin dabei sehr viel durch vollgeparkte Strassen und zwischen Feierabendverkehr herumgelaufen, und so kam ich auch an einer geparkten 257 vorbei.

Überhaupt sollte man das viel öfter mal ausprobieren, Wege, die man sonst grundsätzlich mit dem Auto erledigt, mal mit dem Bus zu fahren. In den meisten Fällen ist das nämlich gar nicht so zeitaufwändig bis unmöglich, wie man vorher gedacht hat…

Der Herr Picasso bekam übrigens ein paar Kratzer ausgebessert, die ihm neulich einer beim Ausparken auf dem Supermarktparkplatz zugefügt hatte. Wir hatten das ja schon mal und wussten deshalb so ungefähr, wie sowas in Finnland gehandhabt wird – ausser, dass wir diesmal nicht erst die Polizei riefen. Wir machten ein paar Beweisfotos, der Unfallverursacher hielt uns noch seinen Führerschein zum Abfotografieren in die Kamera – dabei hätte ein Foto seines Kennzeichens völlig ausgereicht – nannte uns zur Sicherheit noch seine Versicherung und versprach uns, sich mit selbiger in Verbindung zu setzen.

Ich unterstelle ihm jetzt mal keine böse Absicht, sondern vermutlich ging ihm genauso wie uns erst hinterher auf, dass wir zwar seine Kontaktdaten hatten, er aber keine von uns. (Falls er nicht unser Kennzeichen auswendig gelernt hatte.) Jedenfalls hörten wir zehn Tage lang nichts von irgendeiner Versicherung, dann rief der Ähämann dort an, schilderte den Vorgang und bekam gesagt, er könne schon mal in die Werkstatt fahren zur Begutachtung der Schäden. Das tat er, bekam für Montag einen Termin zur Beseitigung der Schäden und holte gestern den fast-wie-neuen Herrn Picasso wieder ab. Sache erledigt für uns. Die Rechnung schickt die Werkstatt direkt zur Versicherung.

Manchmal ist es noch besser, in Finnland zu leben, als sonst schon.

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kaksisataaviisikymmentäkuusi

Nachdem das Fräulein Maus und ich jetzt zwei Tage lang gemeinsam das Bett gehütet hatten – sie mit Kotzeritis, ich mit irgendeinem abstrusen Infekt, der leider mit einem Herpesausbruch des Grauens verbunden war – gingen wir beide heute das erste Mal wieder vor die Tür. Das Fräulein Maus wieder in die Schule, ich allerdings in die Poliklinik, wo mir eine Ärztin meine Vermutung einer bakteriellen Sekundärinfektion bestätigte, mir zwei Rezepte ausstellte und mir ein hoffentlich schmerzfreies Wochenende wünschte. (Ja, bitte!)

Hinterher, auf dem Weg zur Apotheke, sah ich vom Bus aus einer 256 beim peniblen Einparken in eine ringsherum völlig freie Parklücke zu. Wie der schwarze BMW da so zentimeterweise vor- und zurücksetzte und in winzigen Schwüngen der optimalen Parkposition näherkam, das erinnerte mich irgendwie sehr daran, wie der kleine Herr Maus sein ferngesteuertes Auto einparkt.

Ansonsten sass im Bus eine Frau, die strickte. Und eine, die erst in aller Seelenruhe mit der Wimpernzange an ihren Wimpern herumbog und sich danach ausführlich die Augen schminkte. (Im fahrenden Bus, jawohl!) Auf dem Rückweg sass mir gegenüber so ein schwarzgekleidetes und schwarzweissgeschminktes Pärchen. Ihr Handtäschchen hatte die Form eines kleinen schwarzen Sargs, und daran baumelte vorschriftsmässig ein Reflektor. Er ging mit ihr so liebevoll, aufmerksam und höflich um, wie ich es schon lange nicht mehr von einem finnischen Mann gesehen habe. (Unvergessen in unserer Familie der Nachbar, der seiner hochschwangeren Frau über das abschüssige Glatteis zwischen Parkplatz und Wohnung zwei Meter voranlief, ihr über die Schulter zumurmelte: „Vorsicht! Is‘ glatt!“ und unbeirrt seinen Weg fortsetzte.)

Die Mutter im Turnverein hatte schon recht gehabt: „Was da für Typen mitfahren…!“ Allerdings keine, wegen denen man aufs Busfahren verzichten müsste. Im Gegenteil.

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Unzumutbar

Als wir vor vier Jahren in die neue Wohnung zogen, die beiden grossen Mäusekinder aber noch ein reichliches Jahr lang in den alten Kindergarten gingen und wir dann immer morgens und nachmittags – der kleine Herr Maus im Kinderwagen, das Fräulein Maus links dran festgehalten, der grosse Herr Maus rechts dran festgehalten – zur Haltestelle latschten, den Bus heranwinkten, uns über Busse ärgerten, in denen schon drei Kinderwagen standen (Einmal war einer davon so einer für Hunde. Da war ich richtig sauer.) und insgesamt vermutlich einmal nach Deutschland und zurück mit dem Bus fuhren, da sagte ich oft:

Wenigstens wissen sie dann später gleich, wie das so geht mit dem Busfahren.

Das war natürlich zum grössten Teil Galgenhumor.
Aber natürlich hat sich dann zwei, drei Jahre später auch gezeigt, dass es stimmt.

Neulich auf dem Elternabend vom Turnverein, als die Trainerin ankündigte, die Mädchen müssten dieses Schulhalbjahr leider an ein paar Terminen aus logistischen Gründen in einer Turnhalle im Stadtzentrum trainieren, und zwar direkt nach Schulschluss, also zu einer Zeit, zu der die gewöhnliche finnische Mutter und der gewöhnliche finnische Vater arbeiten und nicht als Taxifahrer zur Verfügung stehen, aber sie würde freilich die Mädchen bei Bedarf am Markt, wo sämtliche Buslinien ankommen, einsammeln und sie sicher zur Turnhalle geleiten, man müsse gegebenenfalls mit seinen Kindern nur mal die Busstrecke üben – da klappte mir deshalb fast die Kinnlade runter, als eine Mutter darauf erwiderte:

“Also die A. kann nicht mit dem Bus kommen. Die weiss gar nicht, wie das geht. Wir fahren nie Bus!“

und eine zweite Mutter ihr beisprang:

“Ich will auch gar nicht, dass mein Kind allein Bus fährt. Was da für Typen mitfahren! Ich fahre ja auch nicht Bus!“

Das ist übrigens ein Vorteil von Elternabenden im Turnverein: es gibt keine Tischkanten zum Reinbeissen. Man sitzt ja auf Turnmatten am Boden.


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Aus der Reihe: Lustige finnische Verkehrsschilder

Am Golfplatz Harjattula auf Kakskerta

Golfplätze gibt es in Finnland übrigens reichlich. Keine Ahnung, was die Finnen daran finden, noch dazu, wo die Saison reichlich kurz ist. Vielleicht haben sie einfach genug Platz, um Golfplätze anzulegen. ;-)

Wir haben gestern das tolle Herbstwetter genutzt und sind mit dem Bus nach Kakskerta gefahren. Das dauert eine Stunde und kostete den Ähämann 1,80 € und das Mäusebabymädchen und mich gar nichts, weil nämlich bis dahin eine Stadtbuslinie fährt. Eine, die noch dazu eine Haltestelle in nur 20 Gehminuten Entfernung von unserer Wohnung hat, so dass wir noch nicht mal umsteigen mussten.

Wir sind ein bisschen rund um den Golfplatz spaziert, haben unsere mitgebrachten Brote am Meer gegessen (aber eigentlich war es dafür doch schon zu kalt, trotz Sonne, und ich habe auch die Mützen- und Handschuhsaison eröffnet) und sind zwei Stunden später mit dem nächsten Bus und dem gleichen netten Busfahrer wieder zurückgefahren.

Hinterher waren wir noch auf ausdrücklichen Wunsch einer Bekannten zum Flohmarkt und Kaffeetrinken bei der Deutschen Gemeinde Turku. Ich denke, die Leute da sind bestimmt alle nett, aber uns hat es einfach viel zu sehr an das Deutschland erinnert, das wir gern und nicht ohne Grund verlassen haben, und ausserdem ist es mir immer ein bisschen suspekt, wenn sich die Deutschen im Ausland zu eigenen Gruppen zusammenschliessen müssen. Wir haben uns dann schnell wieder verdrückt und sind, weil es gerade die richtige Zeit war, noch ins Domcafé zu unseren Leuten von der internationalen Gemeinde gegangen. Müssen wir uns grosse Sorgen machen, wenn wir uns da einfach wohler fühlen als unter unseren „Landsleuten“?!