Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Reiserückblick (9): Mein schönstes Ferienerlebnis

Und dann gibt es ja immer den einen Urlaubstag, der ganz besonders toll ist.

Es war klar, dass wir uns auch diesmal die Gelegenheit, einen Tag im Roháče, im richtigen Hochgebirge, zu wandern, nicht entgehen lassen würden. Und eigentlich hatten wir ja schon beim letzten Mal, vor drei Jahren, beschlossen, dass wir diesmal die Kammtour in Angriff nehmen würden.

Allein, den kleinen Herrn Maus verliessen kurz vorher der Mut und das Selbstvertrauen. Ich machte mir ein bisschen Sorgen, ob des Fräulein Maus‘ kaputttrainierte Knie die Tour mitmachen würden und wie der grosse Herr Maus mit seiner Höhenangst, die er gut im Griff hat, die ihn aber doch hin und wieder quält, über den Ostrý Roháč kommen würde. Wir alle waren nicht in Höchstform, weil die paar Urlaubstage diesmal nicht reichten, um uns erstmal eine gewisse Fitness anzulaufen, und wir auch die Ruhetage ein bisschen vernachlässigt hatten, obwohl es ohne nicht geht beim Bergwandern.

Es wäre vielleicht zu schaffen, wenn wenigstens die jeweils vier Kilometer Asphaltlatsche vor und nach der Tour nicht wären. Aber so?!

Vielleicht würden wir doch einfach nur nochmal die Seentour laufen; auch die ist ja kein Spaziergang im Tal, sondern führt unerwartet hoch hinauf.

Nun. Wir brachten die vier Kilometer Anmarsch zügig hinter uns. An der Berghütte am Ende der Strasse tranken wir einen heissen Tee. Dann ging ich die Wegweiser angucken und stellte erstaunt fest, dass die Entfernungen ja alle gar nicht sooo weit sind: nur 45 Minuten bis zum ersten Sattel, der mir, nachdem ich 20 Jahre nicht da war, so hoch in Erinnerung war, dass ich mit mindestens der doppelten Zeit gerechnet hätte. Dreieinhalb Stunden bis zum schwierigsten Gipfel. Fünf Stunden bis zum Sattel, von dem wir wieder absteigen würden.

Alles kein Pappenstiel, aber machbar. Wo es doch auch erst halb zwölf war! Und  es mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit auch am Abend kein Gewitter geben würde! Und ach, die langweilige Seentour…! Wenn man stattdessen auch hoch könnte auf den Kamm…! Es ruppt ein’n ja rum, wie man in der Gegend, aus der ich komme, sagt.

Und so kam es, dass wir uns plötzlich auf dem Aufstieg zum Kamm wiederfanden.

Die ersten beiden Gipfel sind Grasberge, die man einfach stoisch einen Fuss vor den anderen setzend erklimmen muss.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Gipfel läuft man übrigens entlang der slowakisch-polnischen Grenze, und die Wanderer grüssen sich in einem lustigen Sprachgemisch. Von polnischer Seite führen aus Steinen gemauerte oder aus Holzbohlen gebaute Treppen vom Tal bis auf den Kamm; sicher ein guter Erosionsschutz – aber ich bin jedes Mal froh, von slowakischer Seite aufsteigen zu können!

Der Ausblick wird mit jedem Höhenmeter grandioser. Das am Horizont ist die Hohe Tatra!

Der zweite Gipfel ist auch schon ein echter Zweitausender.

Und dann fängt der beste Teil der Tour an.

Vor allem der dritte Gipfel, der Ostrý Roháč, ist der Hammer. Man muss ihn nämlich im wahrsten Sinne des Wortes erklettern, und zwar über einen steil abfallenden, schmalen, felsigen Grat.

Der Weg ist mit Ketten gesichert, die eine eigene Kletterausrüstung unnötig machen. Dafür liebe ich die Gebirge im Osten, denn in den Alpen wäre es ganz sicher ein nur mit entsprechender Ausrüstung zugelassener Klettersteig.

Ich war aber froh, dass wir diesmal darauf geachtet hatten, nicht an einem Wochenende hinzugehen, und somit an allen Kletterstellen allein waren. Ich habe an solchen Stellen vollstes Zutrauen in unsere Kinder – aber nicht unbedingt in jeden anderen Bergsteiger.

So, wie es hoch geht, geht es auch wieder runter.

Suchbild: Wo ist die nächste Markierung? Wo geht der Weg lang?
(Links von der Mitte. In der Mitte.)

Und dann nochmal hoch. Vierter, höchster und letzter Gipfel.

Eine Gämse („Mama! Eine Ziege!“) und ein Murmeltier sahen wir übrigens auch.

Am Traurigen Sattel stiegen wir ab durchs Traurige Tal zu den abschliessenden vier Kilometern Asphaltlatsche, die wir dann nahezu im Laufschritt hinter uns brachten, um es noch bis Küchenschluss zurück ins Hotel zu schaffen.

Am Traurigen Sattel und dem Traurigen Tal ist dabei eigentlich nichts traurig, ausser dass damit die allertollste Bergtour zu Ende war. Und für mehr die Kräfte auch wirklich nicht mehr gereicht hätten.

(20 km Strecke, 1500 Meter Höhenunterschied. Hammer. Merkt man unterwegs aber gar nicht, weil es so abwechslungsreich ist und man so viel klettern kann.)


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Reiserückblick (8): Lieblingsberge

Über das Lieblingsgebirge habe ich eigentlich alles schon gesagt. Es wird nicht langweilig, uns allen nicht.

Erschreckend war diesmal allerdings, wie sehr der Klimawandel dort inzwischen zu sehen ist. Nicht nur, dass die Bäume jetzt höher und bis in sehr viel höhere Lagen wachsen als noch vor 20 Jahren und so manche schöne Aussicht einfach zugewachsen ist. Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben für riesige Kahlschläge in den Tälern und an den Berghängen gesorgt. Sechs von sieben Quellen, an denen wir bis vor drei Jahren noch zuverlässig unsere Wasserflaschen wieder auffüllen konnten, waren ausgetrocknet. Und die Wassermassen, die sich sonst in den Schluchten neben und unter den Kletterleitern in die Tiefe stürzten und uns dabei die eine oder andere Dusche verpassten, waren nur mehr Rinnsale. Seufz.

Und acht Tage waren natürlich viel zu kurz.

Nächsten Sommer mehr Berge. Und weniger Deutschland.


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Reiserückblick: Samstagabend auf einem isländischen Zeltplatz

Dass wir in Island zelten würden, war selbstredend klar.

Nicht, weil wir so versessen aufs Zelten wären – aber es ist eben schon sehr praktisch und auch sehr schön für solche Art Urlaube.

Ausserdem ist es preiswert.

Apropos. Island ist ja angeblich unglaublich teuer. So wie Norwegen, nur noch drei Stufen schlimmer. Aber wir haben mit unserem finnischen Preisgefühl schon vor drei Jahren in Norwegen nur unverständig mit den Schultern gezuckt, und diesmal war es eigentlich so ähnlich. Lebensmittel kosten in Island genau gleich viel wie in Finnland. (Und lustigerweise gibt es in den Läden oft exakt die gleichen Dinge zu kaufen wie hier – die einzige Sorte Apfelmus aus Belgien oder finnische Lachspaste oder den Multivitaminsaft von der Billigmarke.) Benzin auch. Die beiden Edelthermalbäder, die wir besuchten, waren zwar tatsächlich horrend teuer, aber es gab gerade 25% Rabatt, zur Wiederankurbelung des Tourismus. Die kleinen Schwimmbäder waren, vor allem auch, weil die Kinder alle drei oder zumindest die Herren Maus freien Eintritt hatten, viel billiger als in Finnland. Essen gingen wir nur ein Mal ein Reykjavík, das war preislich okay, und Kaffee und Kuchen (es gibt Bäckereien in Island!!!) waren so teuer wie hier.

Natürlich hatten wir uns auch aus Kostengründen fürs Zelten entschieden, und das war in Island unerwartet preiswert. Egal ob man mit Wohnmobil, mit Zelt, mit oder ohne Auto anreist – bezahlt wird pro Person, und zwar üblicherweise pro Person über 15 und nicht mehr als 10 €. Und die Zeltplätze waren alle richtig, richtig toll: schön gelegen und prima ausgestattet – in den letzten Nächten wussten wir vor allem die mit den warmen und trockenen Aufenthaltsräumen zu schätzen – und angenehm leer. (Nur an der Grösse mancher Zeltplatze konnte man erahnen, was in anderen Jahren da los sein muss.)

Es gibt natürlich immer die berühmte Ausnahme. Aber was für eine!

Wir hatten recht schnell und wenig überraschend herausgefunden, dass die besten Zeltplätze nicht direkt an der Ringstrasse liegen, sondern hinter mehr oder weniger langen mehr oder weniger schwierig zu befahrenden Nebenstrassenabschnitten.

Die Rezensionen des Zeltplatzes auf GoogleMaps jedenfalls versprachen… äh… Abenteuer:

„Der Campingplatz ist auf alle Fälle für alle super, die gerne spannende Strecken fahren, idealerweise mit 4×4 und keine schreckhaften Beifahrer.“

Die Strasse führte sehr abenteuerlich acht Kilometer lang durch wunderbare Landschaft. Sie strotzte von uneinsehbaren Stellen, sehr scharfen Kurven, sehr steilen Steigungen, rutschigem Fahrbahnbelag und tiefen Schlaglöchern. Bestimmt wären am Ziel ausser uns noch fünf Personen, dachten wir. Allerdings hätte es uns auch gleich stutzig machen müssen, was für ein Verkehr in dieser Sackgasse abends um neun noch herrschte, vom auch für den Marseinsatz geeigneten Geländewagen bis zum Renault Clio. (Letzteres beruhigte uns ein bisschen.)

Als wir eine kleine Hochebene passiert sowie einen Gletschersander durchfahren hatten und am Ende eines engen Felstales und somit am Zeltplatz angekommen waren, staunten wir nicht schlecht: der Zeltplatz war gerammelt voll, und es herrschte Volksfeststimmung: von überall dröhnte Musik, es wurde gegrillt und Wikingerschach gespielt, im Bach kühlten Bierdosen, Kinder kletterten an allen erdenklichen Stellen die fast senkrechten Berghänge hoch.

Ich musste eine Weile überlegen, was für ein Wochentag war, und noch länger, auf welchem Zeltplatz wir denn am Samstag eine Woche zuvor gewesen waren, und dann begriff ich, dass die Isländer vermutlich samstagnacht gern Party auf dem Zeltplatz machen.

Wir quetschten uns zwischen ein marsgängiges Geländefahrzeug und eine Gruppe junger Frauen, die mit einem Kleinwagen angereist waren und sich, ihrer Ausrüstung nach zu schliessen, auf eine lange Partynacht eingestellt hatten. Die Kinder erstürmten sofort, dem Beispiel der isländischen Kinder folgend, die Berghänge.

(Auf halber Höhe kehrten sie nochmal um und tauschten die Gummistiefel gegen Wanderschuhe. Dann nahmen sie die Sache systematischer in Angriff, stiegen am einen Ende hoch, machten eine kleine Kammtour, während der sie immer wieder als kleine Pünktchten zu uns herunterwinkten, und kamen auf der anderen Seite des Zeltplatzes wieder herunter. Mein Herz blieb nur deshalb nicht stehen, weil ich weiss, dass sie gelernt und auch schon unter Beweis gestellt haben, sich sicher in den Bergen zu bewegen. Als ich neulich den kleinen Herrn Maus befragte, was denn in Island am schönsten gewesen sei, antwortete er: „Auf die Berge da an dem Zeltplatz zu klettern und da oben rumzulaufen.“ ♥)

Ich setzte Wasser für ein Fertignudelgericht auf. Der Ähämann ging bezahlen und kam mit der saftigsten Rechnung zurück, die wir auf der ganzen Reise fürs Übernachten bezahlen mussten: dafür hätten wir anderswo drei Nächte bleiben können. Es war dort nicht nur teurer als anderswo, sondern wir mussten auch für vier Personen zahlen, weil nur Kinder unter 10 frei waren. Vielleicht war’s auch Landschafts- oder Abenteuer- oder einfach Samstagszuschlag, wer weiss.

Apropos Party. Dass es noch im Lauf des Abends empfindlich kalt wurde – es war eine der Nächte, in denen ich mit Mütze schlief – tat der Partystimmung übrigens keinen Abbruch. (Eine der Frauen neben uns zog sich schon gleich zu Beginn des Abends erstmal so einen Eisangeloverall über.) Aber Punkt Mitternacht war Ruhe. Schlagartig und vollkommen.

Wir schliefen wie die Ratze. Samstags auf einem isländischen Zeltplatz unter zweihundert Isländern.

„Leider muss man den selben Weg zurück“, hatte in einer anderen Rezension gestanden. Das zitierten wir am nächsten Vormittag ausgiebig, während wir alle fünfzig Meter hofften, dass uns nicht gerade jetzt jemand entgegenkäme, uns aber gleichzeitig unbändig darüber freuten, genau den selben Weg nochmal zurückfahren zu dürfen.


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Reiserückblick (4): Noch höhere Berge

Das Roháče, der Hauptkamm der Westtatra, war mein erstes echtes Hochgebirge. (So mit sechs oder sieben.) In die Alpen kamen wir ja nicht, einen Ferienplatz in der Hohen Tatra ergatterten wir ein einziges Mal, und aus dem Plan, dass mein Vater mit mir irgendwann nochmal in den Kaukasus fahren würde, wurde dann auch nichts mehr. Ins Roháče kann man praktischerweise als Tagesausflug vom Lieblingsgebirge aus fahren. Das letzte Mal allerdings waren der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor ungefähr zwanzig Jahren da.

Weder damals mit dem anderthalbjährigen Fräulein Maus in der Kiepe noch letztes Jahr, als wir nach vielen Jahren zum ersten Mal mit allen drei Mäusekindern wieder dort waren, fuhren wir hin, obwohl bei gutem Wetter seine granitschwarzen, gezackten, mächtigen Gipfel jedes einzelne Mal aus der Ferne laut rufen.

Nämlich. In den 1980er Jahren wurden der Zufahrtsweg zur Berghütte, an der alle Wanderwege anfangen, asphaltiert und zwei gigantische Parkplätze angelegt. Sie wurden nie in Benutzung genommen, die Strasse weit vorher für Autos gesperrt. Das Roháče ist ein Gebirge, in dem man eigentlich keine Touristen haben möchte. Auch keine zahlenden. Es wurde nicht, wie so viele andere slowakische Berge und ganze Gebirge, aus Naturschutzgründen gleich ganz gesperrt – aber es gibt da bis heute keine Seilbahn, keinen Sessellift, keinen Shuttlebus. Es ist ein Gebirge für Enthusiasten, die auch die 4 km Anmarsch auf asphaltierter, stetig steiler ansteigender Strasse nicht abschrecken kann.

Die Natur dankt. Das Roháče ist das wildeste Gebirge, das ich kenne.

Die Kinder machten die Asphaltlatsche klaglos mit, hoch wie runter. (Dabei hatten wir eingeplant, dass sie vielleicht veständlicherweise streiken würden.)

Vielleicht ahnten sie, dass es sich lohnen würde.

Ein bisschen sehnsüchtig schaute ich zu den ameisenkleinen Menschen hinauf, die den Hauptkamm entlangkraxelten. Aber wie es aussieht, ist das beim nächsten Mal durchaus drin mit den Kindern. ♥


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Reiserückblick (3): Berge! Berge!!!

Den Entschluss hatten wir noch während unseres Urlaubs letztes Jahr gefasst: wir fahren dieses Jahr gleich nochmal ins Lieblingsgebirge!

Dieses Jahr musste der Frühling dort sehr spät gekommen sein: die Buchenwälder waren noch ganz hellgrün, die Ebereschen oben auf den Bergen rollten gerade ihre Blätter aus, die Berghänge waren gelb von Himmelschlüsselchen, und ab und zu mussten wir ein Schneefeld queren, durch das wir uns, weil noch kaum jemand unterwegs war, erst einmal sichere Tritte stapfen mussten.

Dafür blieben die Regenjacken, die langen Wanderhosen, die Wollunterwäsche, die Mützen und Halstücher in den Reisetaschen. Die Sonne knallte vom tiefblauen Himmel, und es war keinen Tag kälter als 25 Grad. Eher wärmer. Viel wärmer. Zwei Wochen lang. Es war ganz und gar wunderbar!

Das Fräulein Maus, das sich dieses Frühjahr die Knie kaputttrainiert hatte und im Mai zwei Wochen an Krücken gelaufen war, musste es diesmal ruhig angehen lassen. Keine langen und anstrengenden Abstiege vor allem. Zum Glück waren die Grosseltern auch da! Sie machten mit ihr kleinere Touren, während wir mit den Herren Maus Gipfel erstiegen und erkletterten. Das erste, was wir dem Fräulein Maus kauften, waren Wanderstöcke, und jeden Tag ging es ein bisschen besser. Am Ende stiegen wir wieder gemeinsam auf die Berge.

Wir stiegen auf Leitern durch enge Schluchten, wir kletterten an Ketten steile Felsabschnitte hoch oder runter, wir setzten 1000 Höhenmeter lang stoisch einen Fuss vor den anderen. Wir tranken Quellwasser, wir badeten in Bergseen und Gebirgsbächen, wir erfreuten uns an den bunten Blümchen am Wegesrand und winkten Segelflugzeugen zu.

Ich war zwei Wochen lang wie besoffen vor Glück. Berge! Hach!


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Reiserückblick (8): Das Lieblingsgebirge

Mit zwei – wir machten damals sehr kurze Wanderungen und sehr viele Waffelrasten – war ich das erste Mal da.

Aus Strandurlaub machte sich in meiner Familie niemand was, und so fuhren wir in meiner Kindheit jeden Sommer drei Wochen in die Malá Fatra zum Wandern. Als ich den Damals-noch-nicht-Ähämann kennenlernte, fuhren wir beide von da an gemeinsam da hin. Sogar aus Finnland waren wir noch zweimal dort, das letzte Mal vor elf Jahren, da schleppte der Ähämann das Fräulein Maus in der Kiepe über die Berge und erzählte ihr mittags zum Einschlafen was über die Entstehung von Faltengebirgen.

Und das ist dann auch der Grund, warum wir so lange nicht da waren. Es gibt in der Malá Fatra eine einzige Seilbahn, den Rest muss man sich aus eigener Kraft erlaufen – und während mein Vater mich als Einzelkind noch lange bei plötzlichen Schwächeanfällen auf den Schultern schleppte, ist das mit drei kleinen Kindern ja dann doch eher schwierig zu bewerkstelligen. Deswegen fuhren wir, wenn uns in den letzten Jahren die Bergsehnsucht packte, lieber in die Schweiz, weil man da wunderbar mit irgendeiner Bahn hochfahren, ein Stück laufen und mit einer anderen Bahn wieder runterfahren kann.

Aber die Sehnsucht blieb. Und dieses Jahr beschlossen wir, dass die Kinder jetzt alt genug wären für einen Bergurlaub, bei dem sie selbst die Berge besteigen müssten. Auch diesmal überraschten sie uns, wie schon in der Schweiz, damit, wie lange und weit sie tatsächlich wandern können, wenn sie nur wollen. Das heisst, dem kleinen Herrn Maus kann es sowieso nicht hoch und weit genug gehen, der grosse Herr Maus läuft einfach stoisch vor sich hin, und beim Fräulein Maus machte sich diesmal ganz überraschend das verstärkte generelle Fitnesstraining in der neuen Mannschaft bemerkbar. Ausserdem fanden sie es sehr motivierend, dass uns ständig erwachsene Turnschuhtouristen entgegenkamen, die wieder umkehrten, weil es ihnen zu anstrengend oder zu gefährlich war.

Nämlich. Es ist da nicht wirklich gefährlich, wenn man sich an ein paar gewisse Grundregeln hält und zumindest vernünftiges Schuhwerk trägt, es gibt Leitern und Steighilfen und Ketten, aber: es ist da schon alles durchaus sehr viel weniger gesichert und es wird sehr viel weniger (sprich: gar nicht) vor schwierigen Auf- oder Abstiegen gewarnt als in westeuropäischen Gebirgen. Viele Wege, die in der Malá Fatra normale Wanderwege sind, wären in den Alpen schon als Klettersteige ausgewiesen. Ich war übrigens sehr froh drum, dass wir unseren Kindern von klein auf – auch wenn wir nicht allzuoft Gelegenheit dazu haben – das Bergwandern beigebracht haben, denn jetzt sind sie inzwischen in einem Alter, in dem sie erstens leichtens ihren Eltern davonlaufen und zweitens an einer gewissen Selbstüberschätzung leiden; da ist der Zug dann abgefahren und wir hätten uns wahrscheinlich tatsächlich viele Wege mit ihnen nicht zu gehen getraut.

Juni war übrigens tatsächlich die perfekte Reisezeit. Wir hatten schönstes Sommerwetter, auf den Bergen blühte es wie in einem Ziergarten, und es waren noch nicht so viele Touristen da. Leider gab es fast jeden Nachmittag einen mehr oder weniger heftigen Regenschauer mit oder ohne Gewitter, so dass wir immer ein bisschen gehetzt waren, denn vor allem Gewitter ist ja nicht ohne im Gebirge. Die Kinder werden sich jedenfalls noch sehr lange an die gigantischen Blitze zwei Höhenzüge weiter erinnern, die uns allen grossen Respekt einflössten. (Und uns dann sehr schnell den Abstieg in Angriff nehmen liessen.)

Wir trafen meine Eltern, die auch immer noch Jahr für Jahr in die Malá Fatra fahren, wir lebten vom Frühstück bis zum Abendbrot quasi im Schlaraffenland, und vielleicht – wenn nur die weite Anreise nicht wäre! – machen wir das einfach nächstes Jahr wieder!


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Urlaubsrückblick (4): Tag der Entscheidung

Wir hatten uns ja vorher nicht festlegen wollen – zu viel hing vom Wetter ab – und wollten spontan entscheiden, ob wir am „Arm“ (=Kilpisjärvi) oder am „Kopf“ (=Utsjoki) oder irgendwo dazwischen, mit oder ohne Umweg übers Nordkap, zurück nach Finnland fahren wollten.

Während der drei Regentage hatte ja alles nach Kilpisjärvi ausgesehen – aber als wir dann bei strahlendem Sonnenschein vor dem entscheidenden Wegweiser standen, da war die Entscheidung auf einmal gar nicht mehr so leicht.

Noch in der Nacht vorher hatten sich die letzten Wolkenschwaden verzogen.
(Das Foto entstand übrigens um 23:03 Uhr. Dunkler wurde es nicht.) Zum Frühstück sassen wir im schönsten Sonnenschein, zwischen Bergen, von denen man auf einmal wieder mehr als die untersten 50 Meter sehen konnte. Glück und Herzhüpfen!

Wir vertagten die Entscheidung, sammelten ein weiteres Kilo Steine, bewunderten seltsam geformte Wolken, rechneten hin und her, befragten die Karte und riefen ein ums andere Mal „Ah!“ und „Oh!“, wenn sich hinter der nächsten Kurve wieder der Blick auf neue sonnenbeschienene Berggruppen hinterm Fjord auftat.

Jetzt nach Finnland zurückfahren?!

Am Ende des Tages waren die Würfel gefallen.
Alta statt Kilpisjärvi!

Nächstes Ziel: Nordkap!


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Urlaubsrückblick (2): Fjorde, Fjells und Gletscher

Die nächsten Tage fuhren wir kreuz und quer durch Südnorwegen – über Passstrassen, durch verschneite Hochebenen, mit Autofähren über Fjorde. Wir hielten an, wo wir gern Fotos machen, Steinchen schmeissen, Schneeballschlacht spielen, ein Stückchen wandern wollten.

Wir wanderten zu einem Gletscher, und ich musste die ganze Zeit daran denken, dass es vielleicht eine der letzten Gelegenheiten für die Kinder war, nochmal einen Gletscher in echt zu sehen…

Wir schliefen jede Nacht auf einem anderen Zeltplatz und waren recht erfolgreich dabei, die grössten Touristenattraktionen und die typischen Kreuzfahrtziele zu umgehen. Das Wetter war ok – wir erlebten die erste Regennacht im Zelt und fuhren einen Tag lang durch Nebel und Wolken, aber danach kam immer wieder die Sonne raus. So richtig voran kamen wir nicht, weil hier noch eine schöne Aussicht und da noch ein Berg, den man mal eben besteigen könnte, lockten.

Aber genau dafür waren wir ja hergekommen.


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Urlaubsrückblick (1): Im Bergrausch

Wenn ich eines in Finnland vermisse – ausser Essen, das nach was schmeckt – dann sind es Berge. Meer und Seen und Wälder und Moore sind ja schön und gut, aber die Bergsituation in Finnland wird sehr treffend durch den Umstand beschrieben, dass Norwegen sogar erwägt, Finnland zum 100. Geburtstag einen Berg zu schenken.

Stichwort Norwegen. Mir war ja bisher aus unerfindlichen Gründen gar nicht so klar, dass wir, um echte Berge zu erleben, gar nicht bis „nach Europa“ fahren müssen. (Unser diesjähriges Sommerurlaubsziel haben wir gewissermassen Luthers sowie meiner Bekannten Anja, die vor einem guten Jahr von Turku nach Bergen gezogen ist, zu verdanken. Ohne ihre vielen Wanderbilder wäre ich immer noch lange nicht auf die Idee gekommen.)

Wir wollten uns nicht auf irgendein Gebiet festlegen, und deshalb kauften wir eine Überfahrt nach Stockholm, packten das Zelt ins Auto und fuhren los. Wir hatten nur einen ganz vagen Plan – erst so lange nach Westen, bis wir endlich die Berge erreichen würden, und dann irgendwie, grob immer an der Küste entlang, weiter nach Norden, um dann oben um die Ostsee herum wieder nach Hause zu gelangen.

Als wir am ersten Abend unser Zelt direkt an einem Bergsee aufstellten und ich auf ut.no gleich noch eine nette kleine Wandertour für den nächsten Tag in der Nähe fand, war ich vollkommen am Ziel meiner Wünsche.

Berge! Richtige Berge!!!