Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kolmesataayhdeksänkymmentäkuusi, kolmesataayhdeksänkymmentäseitsemän

Oder: Schnipsel aus der vergangenen Woche

Als die beste Chefin und ich am Montag Hortkinder abholen gingen, fuhren zwei 397en hintereinander neben uns her. Ich guckte mich nach allen Seiten um, ob vielleicht eine 396 zu entdecken wäre, solange eine der beiden 397en noch in Sichtweite wäre, aber nein. Die 396 kam erst auf dem Rückweg an nahezu der gleichen Stelle gefahren. Gleichzeitig näherte sich von hinten eine Feuerwehr und brauste mit Tatüü-tataa Pii-paa-pii-paa und Blaulicht an uns vorbei. Alle Feuerwehrmänner, die auf der uns zugewandten Seite sassen, winkten fröhlich unserer Kinderschar zu.

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Am Montag hatte es auch endlich warm werden sollen. Erstmal aber regnete es noch bis Mittag, und als ich halb elf losmusste zur Arbeit, waren immer noch nur 6 Grad, so dass ich unter die Regenjacke doch noch einen Anorak und in die Gummistiefel Wollsocken zog. Nachmittags hatte es zwar aufgehört zu regnen, aber ich fror selbst mit Anorak unter der Regenjacke, Wollsocken in den Gummistiefeln und Mütze auf dem Spielplatz. Erst anderthalb Stunden später, genau wie vorhergesagt, wurde es schlagartig warm. Auf dem Heimweg fuhr ich sehr viele Klamotten in der Fahrradtasche spazieren.

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Am Dienstag waren 20 Grad. In anderen Gegenden Finnlands wurden sogar 25 Grad gemessen. In Nordkarelien fuhren die Leute in kurzen Hosen und T-Shirt Ski.

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Ebenfalls am Dienstag stand ich neben Michael Monroe an der Fussgängerampel. Keines der Hortkinder, die völlig hysterisch werden, wenn Eino und Aapeli über den Schulhof laufen, nahm ihn überhaupt war – unsere Kinder hätten vielleicht wenigstens gesagt: „Der sieht aus wie der Typ, von dem das grosse Foto am Flughafen hängt“ – und ich kam mir sehr alt vor.

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Am Mittwoch konnte man zugucken, wie es grün wurde. (Endlich!) Birkenblätter, Ahornblüten, Grashalme… alles entfaltete sich und streckte sich der Sonne und dem blauen Himmel entgegen.

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Am Donnerstag, passend zum Feiertag, war der wärmste Tag der Woche. Wir besuchten den Tomatenmann und gingen anbaden. Ich hatte befürchtet, nachdem wir jetzt schon seit über einem Jahr nicht mehr in die Eisbadesauna gehen konnten, dass ich mich diesen Sommer erst Ende Juli in die Ostsee trauen würde. Es ging allerdings überraschend gut, nur an Händen und Füssen wurde es sehr schnell unangenehm. Die Sonne wärmte sehr, und von Land her wehte ein warmer Wind. Nur wenn der Wind kurz drehte und vom Meer her kam, fühlte es sich an, als stünden wir vorm geöffneten Kühlschrank.

Die Beine sind nicht von der Sonne rot. Sondern vom kalten Wasser.

Wir hatten den Strand nicht ganz für uns allein.
(Eine harmlose Ringelnatter. Heisst auf Finnisch passenderweise „Strandschlange“.)

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Am Freitag hatte leider niemand in unserer Familie Brückentag. Ich radelte im Zickzack – denn näher am Stadtzentrum wird an den zahlreichen Baustellen auf Radfahrer nicht so fein Rücksicht genommen wie im Nachbarort – auf Arbeit und im Zickzack von Arbeit wieder nach Hause. Während ich über den dank der Baustelle am Krankenhaus zusätzlichen Berg stöhnte und aus dem Augenwinkel auf Nummernschilder guckte und „Einhundertdreizehn“, „Achthundertsiebenundzwanzig“, „Dreihundertsiebenundneunzig“ vor mich hin murmelte… äh, Moment mal… Dreihundertsiebenundneunzig!… war ich dann noch vor dem Wochenende eine Nummer weiter gekommen.

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Schade.

Apropos Baustelle.

Neben der unsäglichen Grube im Stadtzentrum ist mittlerweile ein neues Hotel in die Höhe gewachsen. Als der Rohbau fertig und die Fenster eingesetzt waren, dachte ich jeden Tag: wie gut, dass sie den alten Kasten abgerissen und stattdessen sowas Schönes und Modernes gebaut haben!

Dann stand eines Tages an der Ecke, an der vorher immer die Betonmischer vorgefahren fahren, ein langer „LKW-Walter“-LKW, den Auflieger voller Kalksteinplatten aus Deutschland. Inzwischen sind sie dran an der Fassade. Und was soll ich sagen? Jetzt sieht das Hotel halt aus wie eine ostdeutsche Sparkasse.


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kolmesataayhdeksänkymmentäviisi

Gestern besuchte der kleine Herr Maus seinen besten ehemaligen Schulfreund.

Mit dem Fahrrad über die Hängebrücke, durch den Wald und am Pferdehof vorbei sind es von uns bis zu ihm nur 7 km.

Der Plan war, dass der Ähämann, der grosse Herr Maus und ich den kleinen Herrn Maus hinbegleiten, wieder heimfahren, und der Ähämann und ich ihn später wieder abholen. Vielleicht mit einer Eispause am Supermarkt.

Den Rückweg nahmen wir über die nächste Stromschnelle flussaufwärts. Der Ähämann beschloss, dass er keine Lust zum Kochen hätte, und wir beschlossen gemeinsam, dass wir mal wieder zum Australier im Stadtzentrum, der jetzt wieder auf haben darf und wo man auch draussen sitzen kann, gehen könnten. Wir riefen das Fräulein Maus an, ob sie mitkommen wolle, und verabredeten uns mit ihr dort, wo sich unsere Wege kreuzen würden. Dann fuhren wir auf der einen Seite immer am Fluss entlang ins Stadtzentrum und später auf der anderen Seite immer am Fluss entlang wieder zurück. Das Fräulein Maus fuhr wieder nach Hause, der Ähämann und ich guckten auf die Uhr und stellten fest, dass wir mit einem Umweg über den Supermarkt genau zur verabredeten Zeit wieder beim kleinen Herrn Maus wären. Der grosse Herr Maus wollte auf jeden Fall noch bis zum Supermarkt zum Eisessen mitkommen und eventuell von da allein zurück nach Hause fahren, beschloss dann aber, doch die ganze Tour mit uns zu machen. Am Ende zeigte der Kilometerzähler 44 km. (Auf den letzten 12 fuhren wir auch noch Brot, Eier und Milch spazieren.)

Die Radwege am Fluss entlang Richtung Stadtzentrum und über die beiden kleinen Brücken flussaufwärts sind landschaftlich wirklich schön. Das Spannendste ist aber zur Zeit das Stück an der grossen Baustelle, wo ein neues Schnellstrassenkreuz gebaut wird und wo der Radweg umgeleitet wird: durch eine stille Parallelstrasse, quer durch eine Tankstelle, hinter statt vor dem Supermarkt entlang, auf einem mit feinstem Asphalt ausgelegten Behelfsradweg mitten durch die Baustelle. Alles perfekt mit Umleitungsschildern und -wegweisern ausgeschildert, mit extra aufgestellten Behelfsampeln und durchgängigen Bauzäunen zum Schutz vor Autos versehen. Nur einmal verfuhren wir uns ein bisschen, als wir über den grossen Supermarktparkplatz radelten statt hinter dem Supermarkt entlang.

Immerhin kamen wir so an einer parkenden 395 vorbei.

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Schwerter zu Pflugscharen

Spiess umgedreht: „Zivilgelände. Zutritt für Militaristen verboten!“

So wie andere Kinder die Strassen ihres Stadtviertels kennen, kennt der kleine Herr Maus alle Wege und Hundepfade durch den Wald, der zwischen unserem und dem Nachbarstadtteil liegt.

Letzte Woche war er mal wieder dort mit einem Schulfreund unterwegs, mit den Fahrrädern, und machte dabei eine Entdeckung, die ihn vor Freude tagelang hüpfen liess.

Es ist nämlich so: da, wo im Sommer der neue Kreisverkehr angelegt wurde, samt einer etwas überdimensionierten Brücke über den kleinen Bach, soll ein neues Wohngebiet entstehen. Und wie das hier so ist – obwohl noch kein einziges Haus dort gebaut wurde, ist nicht nur die Zufahrtsstrasse dahin fertig, sondern sind überhaupt schon alle Strassen, Fuss- und Radwege angelegt und asphaltiert und Strassenlaternen aufgestellt. Gleich, als der Kreisverkehr und die Brücke eröffnet waren, bogen wir auf dem Rückweg von der Musikschule mal dahin ab, aus lauter Neugier, aber es gab nicht viel zu sehen, ausser ein paar extra beleuchteten vermoosten Bunkereingängen, die hinter den noch zu fällenden Bäumen auf den Baugrundstücken hervorleuchteten.

Früher war nämlich genau dort, wo jetzt das Wohngebiet entstehen soll, ein weiträumig abgesperrtes Militärgelände.

Umso wunderbarer finde ich die Entdeckung des kleinen Herrn Maus: ausser Strassen, Wegen und Beleuchtung ist dort nämlich auch schon ein toller grosser Spielplatz angelegt worden; ein bisschen verloren allerdings noch so im Wald und ganz sicher von fast niemandem besucht.

Nachdem der kleine Herr Maus drei Tage mit Husten und Halsweh zu Hause herumgelegen hatte und heute in schönster Zur-Strafe-für-euch-geh-ich-wieder-ins-Bett-Stimmung war – frei nach einem bei uns oft zitierten Gedicht aus einem mehr als hundert Jahre alten Buch aus der Kinderzeit meiner Urgrossmutter (!), in dem es um ein Kind geht, das wohl mit dem sprichwörtlichen linken Bein aufgestanden ist, und das mit den Zeilen „Ihr seid heute alle gar nicht nett! Und zur Strafe für euch geh‘ ich wieder ins Bett!!!“ endet – durfte er heute, in der Hoffnung auf Stimmungsbesserung, den grossen Herrn Maus und mich durch den Wald zum neuentdeckten Spielplatz führen.

Und dann guckten wir uns auch gleich noch ein bisschen die Umgebung an.

Ich sag‘ mal so: ich finde die Idee sehr sympathisch, dass jetzt Künstler in den ehemaligen Militärgebäuden ihre Ateliers haben und bald Familien da wohnen und Kinder da spielen werden, wo früher Kasernen und Munitionslager standen. Aber es lag sicher nicht nur an der Tristesse eines verregneten Februartages, dass ich da ganz sicher nicht hinziehen wollte.

(Aber auf den Spielplatz gehen wir sicher noch öfter.)

Wo die Schienen der Ende der 1960er Jahre abgebauten Turkuer Strassenbahn hingeraten sind, wissen wir dann jetzt auch.


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Kuoppatori

So sieht es aus derzeit, das Herzstück unserer Stadt:

Kein Kauppatori*, sondern ein Kuoppatori**.

Das Loch hat sich ausgeweitet bis an die Fundamente der umstehenden Häuser, weil erst an ihnen das Nachrutschen des Erdreichs gestoppt wird. (Der drei Meter hohe Sichtschutz Bauzaun ist somit hinfällig geworden. Er wurde aber unverdrossen noch monatelang immer wieder versetzt und jedes kleinste Guckloch sorgfältig abgedichtet.) Das kleine Fleckchen vor der orthodoxen Kirche, das den Marktverkäufern noch übriggelassen wurde, ist überwiegend leer. Der Nistkastenbauer verkauft schon lange nur noch online und ab und zu in Einkaufszentren. Es steht kein einziger Blumenverkäufer mehr auf dem Markt, nicht einmal die zwei oder drei, die sogar bei -15°C mit Heizlüfter in ihren Ständen ausharrten. Neulich zählte ich zwei Fischstände und einen Kartoffel-Rüben-Möhren-Stand. Sonst nichts.

Man kommt aber auch nicht hin. Der Wegeverlauf ändert sich nahezu täglich. Für Radfahrer ist quasi die ganze Umgebung des Marktplatzes gesperrt. („Schieben erlaubt“ steht unter allen „Radfahren verboten“-Schildern. Wie gnädig!) Normalerweise umfahre ich die Grube weiträumig, aber neulich wollte ich… ich weiss gar nicht mehr so genau… vermutlich zu einem Blumenverkäufer, der dann nicht mal da war… stieg brav von meinem Rad und schob durch den schmalen Durchgang zwischen Grube und Kaufhaus, und als ich schon 3/4 dieser Marktseite passiert hatte, stand da ein armewedelnder Bauarbeiter und leitete alle Fussgänger durch die angrenzende Einkaufspassage, und mich mit meinem Fahrrad schickte er zurück. Die Grube andersum zu umgehen ging auch nicht, weil die andere Marktseite wegen Abriss eines Hauses auch voll gesperrt war. Es blieb mir nichts übrig, als einen Umweg um ein ganzes Häuserviertel zu fahren, um zu den Marktständen zu gelangen. Ich war dann auch ein bisschen ungehalten, als mir eine Frau hinterherrief, hier dürfe ich aber nicht radfahren. „Wenn dieser…“ – und hier wäre mir fast ein böses finnisches Schimpfwort herausgerutscht – „…Toriparkki nicht wäre, gäbe es auch Radwege!!!“, rief ich zurück.

Manchmal möchte man diese Stadt einfach nochmal anzünden.


*wortwörtlich: Kaufmarkt
**wortwörtlich: Grubenmarkt


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kolmesataaneljäkymmentäyksi

Wir haben hier seit ein paar Wochen an der Strasse, auf der wir zu 50% aller Fälle fahren, wenn wir mit dem Auto irgendwohin wollen, 150 m Lieblingsstrasse. Es wird ein Kreisverkehr gebaut, Rohre verlegt, was nicht alles. Solange fahren wir auf Lehm und Schotter aussenrum. In regelmässigen Abständen kommmt der Strassenhobel, der sonst im Winter das Eis von den Strassen kratzt, und glättet die Spurrillen und Schlaglöcher.

Dass ich jetzt aber mitten in der Stadt, wenn auch nur kurz, meine Vorliebe für kleine, unbefestigte, kurvige (ja, eine Kurve hat sie auch) Strassen ausleben könnte, war allerdings ein Trugschluss.

Man könnte meinen, die Turkuer Autofahrer wären noch nie auf so einer Strasse gefahren. (Sind sie wahrscheinlich auch noch nie.) Zumindest scheinen sie alle zu befürchten, ihre Autos fielen auseinander, wenn sie darauf schneller als 15 km/h führen. Vor allem die Fahrer besonders grosser SUVs scheinen ihre Gefährte am liebsten über die Stelle tragen zu wollen.

Der Landrover gestern vor mir war da mal eine löbliche Ausnahme. Sogar über die Staubwolke, die er vor mir aufgewirbelt hat, habe ich mich gefreut. Hauptsache, ich konnte die 341 auf seinem Kennzeichen noch erkennen.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340]


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Zeitungsmeldungen, die man lieber nicht gelesen hätte (3)

„Bauarbeiten an der Tiefgarage unterm Markt wegen Absackgefahr für mindestens eine Woche unterbrochen“

Spätestens seit dieser Woche ist klar, dass wir wirklich in Schilda leben.

Die Grossbaustelle im Stadtzentrum, die keiner braucht und keiner will, ist fürs Erste stillgelegt. Überraschung, Überraschung steht Turku nämlich nicht auf Fels, sondern auf Ton. „Wir wussten, dass es nicht der geeignetste Platz ist, um eine Tiefgarage zu bauen. Das Ausmass der Absackungen und Erdrutsche hat uns dennoch überrascht.“

Schon vor Wochen war Passanten aufgefallen, dass der Fussweg zwischen Markt und angrenzenden Gebäuden ganz offensichtlich deutlich abgesackt ist. Kein Grund zur Sorge, informierte die Baufirma, alles ganz normal, und wir haben auch brav die betroffenen Gehwegplatten erneuert, damit niemand stolpert.

Kurz darauf war auf der gegenüberliegenden Seite des Marktes der drei Meter hohe Sichtschutz Bauzaun in die Baugrube gestürzt. Nur wegen der starken Regenfälle und des vielen Schmelzwassers, liess die Baufirma wissen, und der Zaun stand eben sehr nahe am Grubenrand, kein Grund zur Sorge, warum auch, alles ganz normal, wenn man auf Ton baut.

Vielleicht brauchen wir ja bald keine Tiefgarage unterm Markt mehr, weil alle angrenzenden Einkaufszentren und Kaufhäuser in die Tiefgaragenbaugrube gestürzt sind.
Nur um die orthodoxe Kirche wäre es schade.


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Leben auf der Baustelle

Nicht nur, dass wir seit drei Jahren um die Grossbaustelle fürs neue Krankenhaus herumkurven.

(Die, nebenbei bemerkt, ein echtes Schilda ist:
Nach einem Jahr stellte man fest – als einem Passanten (!) die grossen Poren auffielen – dass das Fundament aus minderwertigem Beton gegossen worden war. Woraufhin alles wieder abgerissen werden musste und sich die Bauarbeiten um mindestens ein Jahr verzögerten.
Der brandneue Hubschrauberlandeplatz auf einem schon vor einigen Jahren fertiggestellten neuen Gebäude des Krankenhauses war ein Jahr lang nicht in Betrieb, weil man plötzlich feststellte, dass er dafür, dass direkt daneben ein wirklich hohes neues Krankenhausgebäude entstehen sollte, zu niedrig lag, um die Hubschrauber sicher starten und landen zu lassen, und erstmal nachträglich drei Stockwerke höher gebaut werden musste.
Dass seit drei Jahren die Ampeln an einer Kreuzung, die wegen der Baustelle überhaupt nicht mehr befahrbar ist, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag grün leuchten und Strom fressen, ist da ja schon fast eine Lappalie.)

Nun haben wir eine zweite Grossbaustelle für die nächsten mindestens drei Jahre in der Stadt. Mitten in der Stadt. Auf dem Markt nämlich.

Nicht nur, dass die Marktstände jetzt alle irgendwo auf dem ehemaligen Taxistand zusammengedrängt sind und man wegen der ganzen Bauzäune und -absperrungen da kaum noch hinkommt. Viel schlimmer ist, dass die Busse, die bisher alle am Markt hielten – der auch ausschliesslich Bussen und Taxis vorbehalten war – jetzt durch irgendwelche Nebenstrassen fahren müssen und der zentrale Umsteigeplatz sich auf eine enge, vielbefahrene Parallelstrasse verlagert hat, wo es gerade mal Haltestellenschilder gibt, aber keine Wartehäuschen, keine Bänke, nichts. Unser Schuljahresanfangsprojekt war völlig für die Katz. Zum Glück waren wir schon so oft zu Fuss im Stadtzentrum unterwegs, dass wir den Kindern genaue Erklärungen geben konnten, wo sie ihre neuen Bushaltestellen finden würden. Und noch besser: während wir ihnen erklärten, mit dem Busroutenplaner auf der Hand, wo die Busse jetzt entlangfahren und halten würden, stellten wir fest, dass sie alle drei problemlos Karten lesen und interpretieren können, und so machten sie sich die erste Woche mit ausgedruckten Karten auf den Weg ins Konservatorium und zum Deutschunterricht. Uff.

Und warum das Ganze? Weil die unsägliche Tiefgarage unterm Markt, die keiner will und keiner braucht – und wenn ich sage „keiner“, ist das nicht nur meine persönliche Einstellung dazu, sondern tatsächlich ist die Mehrheit der Turkuer dagegen – nun doch gebaut wird.

Tampere baut eine Strassenbahn.
Helsinki will bis 2025 autofrei sein.
Turku baut eine Tiefgarage mitten ins Stadtzentrum.

Man kann gar nicht so viel mit den Augen rollen, wie man eigentlich möchte.


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WohnRullerpark

Gleich hinter unserem Wald entsteht ein neues Wohngebiet. Das heisst, es soll wohl ein Wohngebiet entstehen: die Strassen sind asphaltiert und mit Strassenschildern und Verkehrszeichen versehen, Bäume und Büsche sind gepflanzt, Bänke aufgestellt, Stromkästen und Strassenlaternen installiert – nur Häuser gibt es noch keine. Noch nicht einmal Baustellen. Auf den zukünftigen Baugrundstücken wuchern Kornblumen und Kamille in kniehohem Gras.

Der Asphalt ist da nicht ganz so schön glatt wie auf der Schlittschuhbahn oder im Verkehrspark und „Mit den Gullideckeln haben sie’s ein bisschen übertrieben!“ empörte sich der kleine Herr Maus, aber dafür ist man jederzeit in fünf Minuten hingelaufen und kann dann da wunderbare Runden fahren.

Also wegen uns braucht da keiner so schnell ein Haus zu bauen.

Die Strassenlaternen dort bleiben allerdings vorerst – die Umwelt dankt! – ausgeschaltet. Wenn man nicht mehr erkennen kann, wo sich die Gullideckel befinden, um die man tunlichst herumrullert, ist es sowieso höchste Zeit, den Heimweg anzutreten, wenn man für den Rückweg durch den Wald keine Stirnlampe dabeihat.


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Kinder glücklich machen (2)

Gestern Nachmittag, während wir darauf warteten, dass der grosse Herr Maus aus der Schule kommt, gingen der kleine Herr Maus und ich mal gucken, was das eigentlich für eine Baustelle ist, von der wir immer die Baufahrzeuge poltern hören.

Der kleine Herr Maus guckte sehr lange.

Er guckte zehn Minuten lang zu, wie der Bagger wie mit einem Pizzaschneider den Asphalt aufschnitt. Er guckte weitere zehn Minuten lang zu, wie der Bagger und der LKW sich in Position rückten und der Bagger den Pizzaschneider gegen die mittlere der drei herumliegenden Baggerschaufel wechselte. Er guckte zehn Minuten lang zu, wie der Bagger die Asphaltstücke in seine Baggerschaufel schob und krachend auf die Ladefläche des LKWs fallen liess.

Er guckte so lange zu, bis er gefragt wurde, ob er denn mal ins Führerhaus des Baggers möchte.

Eine Zigarettenpause lang bestaunte er mit grossen Augen all die Hebel und Knöpfe.

Dann guckte er weitere zwanzig Minuten lang zu, wie der Bagger einen Graben aushob.
(Und dann mussten wir leider heim.)


Kinder glücklich machen (1)