Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Nachdem das Fräulein Maus und ich jetzt zwei Tage lang gemeinsam das Bett gehütet hatten – sie mit Kotzeritis, ich mit irgendeinem abstrusen Infekt, der leider mit einem Herpesausbruch des Grauens verbunden war – gingen wir beide heute das erste Mal wieder vor die Tür. Das Fräulein Maus wieder in die Schule, ich allerdings in die Poliklinik, wo mir eine Ärztin meine Vermutung einer bakteriellen Sekundärinfektion bestätigte, mir zwei Rezepte ausstellte und mir ein hoffentlich schmerzfreies Wochenende wünschte. (Ja, bitte!)

Hinterher, auf dem Weg zur Apotheke, sah ich vom Bus aus einer 256 beim peniblen Einparken in eine ringsherum völlig freie Parklücke zu. Wie der schwarze BMW da so zentimeterweise vor- und zurücksetzte und in winzigen Schwüngen der optimalen Parkposition näherkam, das erinnerte mich irgendwie sehr daran, wie der kleine Herr Maus sein ferngesteuertes Auto einparkt.

Ansonsten sass im Bus eine Frau, die strickte. Und eine, die erst in aller Seelenruhe mit der Wimpernzange an ihren Wimpern herumbog und sich danach ausführlich die Augen schminkte. (Im fahrenden Bus, jawohl!) Auf dem Rückweg sass mir gegenüber so ein schwarzgekleidetes und schwarzweissgeschminktes Pärchen. Ihr Handtäschchen hatte die Form eines kleinen schwarzen Sargs, und daran baumelte vorschriftsmässig ein Reflektor. Er ging mit ihr so liebevoll, aufmerksam und höflich um, wie ich es schon lange nicht mehr von einem finnischen Mann gesehen habe. (Unvergessen in unserer Familie der Nachbar, der seiner hochschwangeren Frau über das abschüssige Glatteis zwischen Parkplatz und Wohnung zwei Meter voranlief, ihr über die Schulter zumurmelte: „Vorsicht! Is‘ glatt!“ und unbeirrt seinen Weg fortsetzte.)

Die Mutter im Turnverein hatte schon recht gehabt: „Was da für Typen mitfahren…!“ Allerdings keine, wegen denen man aufs Busfahren verzichten müsste. Im Gegenteil.

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Blutige Details

Jedes Mal, wenn ich wegen meiner Schulter wieder zum Arzt muss, eröffnet man mir da mit Hilfe der jeweils neuesten Röntgenbilder ein weiteres gruseliges Detail.

Erst hiess es nur: „Ausgerenkt, keine weiteren Komplikationen.“
Dann: „Da ist auch ein Stück von der Gelenkpfanne abgebrochen.“ („Kann man aber einfach so lassen.“)
Und dann: „Oh, der Gelenkkopf ist auch einmal quer durchgebrochen.“ („Ist aber nur ein glatter Riss und auch schon wieder am Verheilen.“)

Ich weiss gar nicht, ob ich das so genau wissen wollte. Aber immerhin weiss ich jetzt, dass ich mir das Krachen beim Aufprall nicht nur eingebildet habe.

(Ja, Entschuldigung.)

Und warum das alles so lange dauert und schmerzhaft ist.

(Was überraschend schlecht ging in den letzten Wochen: Die Computermaus bedienen. Überhaupt den Arm auf irgendeinem Tisch liegen haben. Wäsche über Kopf aufhängen. Autofahren. An- und Ausziehen. Einen Rucksack umhängen. Hochkantfotos machen. Ein Taschentuch aus der rechten Hosentasche ziehen.
Was überraschend gut ging in den letzten Wochen: Schlafen in seltsamen Haltungen. Skilanglauf, zumindest im Omastil klassischen Stil.)

Neulich las ich übrigens eine Reportage über einen Klinikzug in Sibirien. Da kam ein Mann drin vor, der schon seit Monaten mit einer ausgerenkten Schulter rumläuft. Mir ist immer noch schlecht.


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Invalide

Ob ich eine Krankschreibung bräuchte, fragte man mich in der Notaufnahme. Ja, nickte ich, so für alle Fälle. Eine Minute später drückte mir jemand einen Zettel in die Hand, dessen Text ich erst am nächsten Tag wieder gänzlich zu verstehen in der Lage war, aber auf dem klar und deutlich ein Zeitraum von vier (!) Wochen (!) vermerkt war.

Das ist insofern äusserst bemerkenswert, da hier noch nie einer von uns länger als drei Tage – der Tag des Arztbesuchs inbegriffen – krankgeschrieben worden ist. Auch nicht bei Grippe. Auch nicht bei fiebriger Angina.

Ob sie den Krankengeldantrag gleich mal für mich ausfüllen solle, fragte die KELA-Sachbearbeiterin dann gestern, nachdem sie einen Blick auf meinen bandagierten Arm geworfen hatte.

Ich werde es am Ende tatsächlich geschafft haben, ein Drei-Jahres-Stipendium auf dreieinhalb Jahre auszudehnen.


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Gestern

Früh machte ich schnell noch ein Foto. Damit wir uns, wenn wir am nächsten Tag mit Gummistiefeln zum Kindergarten stapfen würden, noch daran erinnern könnten, wie wir einst drei Wochen lang in einem Winterwunderland gelebt und den gleichen Weg mit dem Schlitten zurückgelegt hatten.

Abends ging der grosse Herr Maus mit seiner Pfadfindergruppe samt Eltern und Geschwistern schlittschuhlaufen. Es nieselte schon leicht, und ich sagte noch, wie froh ich sei, dass ich dank des grossen Herrn Maus jetzt den Winter wirklich bis zur letzten Minute nutzen würde, als ich – das ist mir seit Jahren nicht passiert – in hohem Bogen aufs Eis flog, mit der Schulter zuerst. Der Tag endete also mit einem Besuch in der Notaufnahme, wo mir schliesslich – ich sage ja schon immer, dass wir hier wie auf dem Dorf leben – der Vater eines Kindergartenkollegen die Schulter wieder einrenkte.

Als ich heute gegen Mittag meinen Schmerzmittelrausch ausgeschlafen hatte, wehte draussen ein frühlingshaftes Lüftchen, es regnete in Strömen, und vor dem Haus rumorte der Schneepflug und schob Matsch beiseite.

Timing kann ich immerhin.