Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Hinterlasse einen Kommentar

kaksisataaneljäkymmentäkolme

Eigentlich hatte gestern nichts weiter auf dem Herbst“ferien“programm der beiden Herren Maus gestanden als nachmittags die grosse Schwester vom heimischen Provinzflughafen abzuholen.

Eigentlich. Dann aber hatte es einen Riesenstau in München gegeben, am Flughafen hatte sich niemand erweichen lassen, die vier „1, 2 oder 3“-Reisenden mit fünf Minuten Verspätung doch noch einzuchecken, und so hatten sie ihrem Flugzeug hinterhergucken müssen. Um dann erst mit drei Stunden Verspätung anzukommen. In Helsinki, nicht in Turku.

Bis auf die völlig unwesentlich weitere Entfernung war das Abholen dort natürlich viel toller. Flugzeuge gucken, hurra!

Da sind sie! :-)

(Als wir dann gegen 10 das vorletzte Kind zu Hause in Turku abgeliefert hatten, kam uns noch eine 243 entgegen.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206], 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230], 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242]


15 Kommentare

Fliegen lassen

Vor einer Woche ungefähr blieb das Kind das erste Mal allein im Kindergarten. Vorgestern erst schlief es das erste Mal eine Nacht ausser Haus. Gestern erst fuhr es zum ersten Mal mit seiner Mannschaft auf Wettkampfreise in eine zwei Stunden entfernte Stadt.

Heute…

… fliegt es mit zwei seiner Mitschüler aus dem Muttersprachdeutschunterricht als finnisches Kandidatenteam zu “1, 2 oder 3“.

(Leider müssen wir deshalb dieses Jahr auf unser übliches Wir-machen-das-Beste-aus-zwei-Tagen-Herbstferien-Programm verzichten. Das Kind aber wird die Herbstferien seines Lebens haben.)


20 Kommentare

Im Schlaf reisen

Eines der besten Dinge am Lapplandurlaub ist die Anreise.

„Können wir bald mal wieder mit dem Schlafzug fahren?!“ hatten die Kinder früher das ganze Jahr über zwischen zwei Lapplandurlauben genauso sehnsüchtig gefragt wie in den letzten beiden Jahren, in denen wir nicht in Lappland waren.

Und es ist ja auch wirklich ganz wunderbar, so mit Eulen durch die Nacht zu ziehen.

Und dann am späten Vormittag ausgeruht anzukommen, den Herrn Picasso aus dem Waggon mit den Rentieren drauf zu holen und ihn die letzten läppischen 100 km der Reise erledigen zu lassen.

(Und man kann bis zur letzten Minute im Urlaub bleiben und Montagfrüh direkt vom Bahnhof in den Kindergarten, in die Schule und auf Arbeit gehen.)


6 Kommentare

Silvester 2015

Statt uns über den fehlenden Schnee zu ärgern, haben wir das Beste draus gemacht und sind dieses Jahr mit den Fahrrädern durch den Wald zum schönsten Feuerwerk Turkus in den Nachbarstadtteil gefahren. Das findet immer schon um 20 Uhr statt, da ist noch keiner zu müde. (Und es ist schöner als das Kinderfeuerwerk um 18 Uhr.)

Hinterher hielten trotzdem alle bis Mitternacht durch.

Heute früh mittag wachten wir alle gerade rechtzeitig fürs Neujahrskonzert auf.


4 Kommentare

Wald geht immer

Mal davon abgesehen, dass sich heute Abend vier (!) verschiedene, ausserplanmässige Termine in unserer Familie überschnitten und es blöd ist, dass man sich für solche Gelegenheiten nicht teilen kann, war die Entscheidung, mit den Herren Maus zum Nacht-Orientierungslauf zu gehen, nicht die schlechteste.

Wald geht immer. Sogar im Stockfinstern.


16 Kommentare

Der Weg als Ziel (2)

Das war die schönste und entspannteste Reise nach Deutschland, die wir je gemacht haben!

Am Anfang war es eher so eine Schnapsidee gewesen: wenn der “Viehtransport“ inzwischen ausser Frage steht, Fliegen zu teuer ist, Autofahren zu langweilig – vielleicht sollten wir ja einfach mal den Zug nehmen?!

Der Ähämann begann sofort zu recherchieren und fand eine super Verbindung: wenn wir über Nacht mit der Fähre nach Stockholm führen, dort am nächsten Morgen einen Zug nach Kopenhagen besteigen und dann noch einmal in Hamburg umsteigen würden, könnten wir noch vor Mitternacht bei der Papaoma sein. Wow!

Ganz so einfach war es dann doch nicht. In den Herbstferien fährt der Eurocity von Kopenhagen nach Hamburg nicht, den wir für die Verbindung bräuchten. Im Sommer dagegen baut die dänische Bahn an allen Ecken und Enden, und der Eurocity fährt fünf Minuten früher in Kopenhagen los, als wir aus Stockholm dort ankommen. Zudem gibt es derzeit an den meisten Wochentagen Schienenersatzverkehr. Fünf Stunden mit dem Bus von Kopenhagen nach Hamburg?! Äh… nee! Und dann muss man ja auch noch irgendwie zurückkommen, und zwar so, dass wir gegen 19 Uhr wieder in Stockholm am Fährhafen sein könnten.

Und das Ganze mit den Kindern – die zwar gleich gejubelt hatten, hurra, nicht mit dem Auto, nicht angeschnallt sein – aber fünfzehn Stunden im Zug mit einem Pulverfass aus drei übermüdeten, gelangweilten Kindern?!

Es ging wunderbar.

Wir bestiegen abends ein Fährschiff, stellten uns den Wecker auf sehr früh und kamen halb sieben im sonntagsstillen Stockholm an. Wir fuhren eine (lange) Station Bus und zwei Stationen Tunnelbana. Der Jubel war gross, als – die Stockholmer U-Bahnen haben ja alle Namen – beim Aussteigen am Hauptbahnhof am Gegengleis gerade die U-Bahn mit dem Namen des grossen Herrn Maus einfuhr!

Dann flog ein silberner Schnellzug mit uns durch schwedische Wälder – dank Neigetechnik uns ab und zu das Gefühl gebend, gleich in einen See zu kippen – dann über die grosse Brücke und durch den grossen Tunnel, und dann spuckte er uns schon auf einen kleinen, beschaulichen Bahnsteig in Kopenhagen. Fünf Stunden um! Die Kinder hatten Musik gehört, in ihren Aufgabenbüchern herumgemalt, Süssigkeiten gegessen, zum Fenster rausgeguckt… und fast überhaupt kein bisschen gequengelt und gestritten.

Wenn die dänische Bahn nicht bauen würde, hätten wir eine halbe Stunde später weitergemusst, so aber war der eigentliche Anschlusszug planmässig schon weg. Der Zug zwei Stunden später war, als wir unseren Plan fassten, schon ausgebucht – was sich im Nachhinein noch als Glücksfall herausstellen sollte, denn mit dem wären wir höchstwahrscheinlich nachts um eins in Köln gestrandet – und so hatten wir vier Stunden Zeit, uns Kopenhagen anzusehen, das Mittagessen nachzuholen und die Kinder zu lüften. Perfekt.

Dann ging’s weiter, die nächsten fünf Stunden bis Hamburg. Eher bummelzugmässig zockelte der Eurocity von einer dänischen Kleinstadt zur nächsten durch die – Dänemarkliebhaber mögen mir verzeihen! – doch recht langweilige dänische Landschaft. Immerhin fuhren wir nochmal über eine imposante Brücke – die ich mir aber nicht richtig angucken konnte, weil da gerade der kleine Herr Maus schlafend an meiner Brust lehnte. Immerhin waren wir auf die Minute pünktlich am Fährhafen in Rødby. Nur die Fähre nicht. Kollektives Aufstöhnen im Zug bei der Durchsage, die Fähre hätte mindestens 20 Minuten Verspätung. (Die Passagiere aber hatten allesamt nicht mehr als 15 Minuten Umsteigezeit in Hamburg.) Wir alle fünf fuhren zum ersten Mal in unserem Leben mit einer Eisenbahnfähre. Wie aufregend! Es regnete und stürmte, aber wir sprangen dennoch ein bisschen auf dem Oberdeck herum und waren fast froh, als wir wieder aufs Autodeck und in den warmen Zug klettern durften. In Hamburg kamen wir mit 15 Minuten Verspätung an, legten einen Sprint vom äussersten Ende von Gleis 8 – weiss der Geier, warum der Zug fast wieder aus dem Bahnhof herausfuhr, ehe er endlich anhielt – zu Gleis 14 über dieses dämliche Hochdingens ein („Da müssen Sie nur einmal hoch und einmal wieder runter, das ist ganz einfach!“, hatte uns der Schaffner im Eurocity erklärt. Ja, vielleicht wenn man nicht rennen muss. Und nicht drei Kinder an der Hand und fünfzehn Kilo Gepäck auf dem Rücken hat. Und es nicht gerade nachts um elf ist.) und standen dann ziemlich verblüfft auf einem leeren Bahnsteig, auf dem eigentlich unser Zug nur noch auf uns warten sollte. (Fünf Minuten später wurde der Zug dann immerhin auch schon angezeigt, seinerseits schon mit 15 Minuten Verspätung aus Altona.)

Und nochmal fünf Stunden Zugfahrt. Wenn der Schaffner nicht alle halbe Stunde aus dem Lautsprecher die nächsten Halte, das Ausmass der Verspätung und die nachts zum Glück nur spärlich vorhandenen Anschlüsse gebrüllt hätte, hätten auch wir Erwachsenen prima schlafen können in dem uralten Intercity-Waggon, in dem man die Sitze zu einer grossen Liegefläche zusammenschieben kann. Bochum und Essen immerhin habe ich verschlafen.

4:15 Uhr kamen wir in Bonn Hauptbahnhof an, 4:25 Uhr bestiegen wir die erste U-Bahn, halb sechs lagen wir alle im Bett. Und wachten alle erst um elf wieder auf. Zwei Stunden später sass ich mit den beiden grossen Mäusekindern im Kino zur letzten Vorstellung von „Rico, Oskar und das Herzgebreche“. Völlig erholt und ausgeschlafen.

***

Auf der Rückfahrt nahmen wir sämtliche höchstwahrscheinlich eintretende Verspätungen locker. Hatten wir doch eine Zwischenübernachtung in Kopenhagen organisiert und bei jedem Umsteigen die Möglichkeit, auch noch den nächsten oder übernächsten Zug zu nehmen. Der Intercity aus Frankfurt hatte dann bis Bremen tatsächlich keine einzige Minute Verspätung, und wir sahen uns schon gemütlich in Hamburg über dieses dämliche Hochdingens zum ICE nach Kopenhagen schlendern, da… wurde uns mitgeteilt, es hätte in Wagen 10 einen Steinschlag gegeben und man könne jetzt wegen herausfallender Scherben nicht schneller als 50 km/h bis Hamburg fahren. Wir kamen dann nach beschaulicher Fahrt – das Fräulein Maus schrieb noch eine Seite Ferientagebuch, der grosse Herr Maus las noch zehn Seiten Donald Duck, ich las dem kleinen Herrn Maus zum dreihundertsechsundfünfzigsten Mal „Manuel und Didi“ vor – mit immerhin nur 36 Minuten in Hamburg an, wo der ICE nach Kopenhagen natürlich längst weg war. Am Infoschalter drückte man uns als Antwort auf die Frage, wie das denn nun mit der Platzreservierung im nächsten Zug wäre, schweigend einen amtlichen Verspätungsstempel auf unsere schon total zerlöcherte und bestempelte Fahrkarte und verwies uns ans Reisezentrum, an dem am einzigen für Dänemark zuständigen Schalter schon ungefähr achtzig Leute anstanden. Der ganz ungefragt und unverhofft erhaltene Stempel rettete uns letztendlich die Rückfahrt, denn nachdem ungefähr jeder zweite der achtzig Leute mit den Worten „ausgebucht“, „reservierungspflichtig“, „kann ich auch nicht ändern“ weggeschickt worden war, war uns egal, ob wir noch irgendeinen Sitzplan bekämen, wenn man uns nur überhaupt mitnähme. Der Stempel aber garantierte uns glücklicherweise einen Platz im Zug, dessen Eingänge von der Bahnpolizei bewacht wurden und in dem sämtliche deutsche Schaffner echt Haare auf den Zähnen hatten. (Zustände…! So muss man sich als Flüchtling fühlen…) Wir fanden zu fünft immerhin noch drei Klappsitze neben einem Kleinkindabteil, das ein Vater mit drei Kindern gebucht hatte, und in dieser Kinderecke hatten wir es die nächsten fünf Stunden dann doch ganz nett und gar nicht so unbequem. Und Fähre fuhren wir ja auch wieder. Einmal ganz gefahrlos einen ICE streicheln und unter seinen Bauch gucken, während wir uns auf dem Weg zum Oberdeck an ihm vorbeiquetschen mussten…

Am nächsten Mittag stiegen wir in einen früheren und offensichtlich falschen Zug über den Öresund, für dessen Benutzung uns vom dänischen Schaffner 150 Euro Strafe pro Person (!) in Aussicht gestellt, aber stillschweigend erlassen wurden, und in Malmö wieder in den silbernen, schwankenden Schnellzug nach Stockholm, und obwohl wir alle ein bisschen müde waren, gingen auch diese fünf Stunden erstaunlich schnell und friedlich rum. Das Fräulein Maus löste Kreuzworträtsel, der grosse Herr Maus kritzelte in seinem Aufgabenbuch, dem kleinen Herrn Maus las ich zum dreihundertachtundfünfzigsten Mal „Manuel und Didi“ vor, alle drei hörten stundenlang Musik und guckten zum Fenster raus, und eigentlich hatten wir viel zu viel überflüssiges Beschäftigungszeugs dabei. Und als wir schliesslich zehn Minuten zu früh in Stockholm ankamen, war ich fast ein bisschen traurig, dass die ganze Zugfahrerei schon wieder vorbei war.

Noch zwei Stationen Tunnelbana, eine (lange) Station Bus, und dann teilte man uns am Fähr-Check-in freundlicherweise eine Aussen- statt der gebuchten Innenkabine zu, und wir beguckten uns noch lange die Schären im Abendlicht, und als ich nachts einmal aufwachte, schien der Vollmond über glattgeschliffenen Felseninseln und warf einen breiten Lichtteppich aufs Meer, und dann klingelte der Wecker viel, viel, viel zu zeitig, und dann fuhren wir noch zweimal Bus, und dann waren wir wieder zu Hause.

***

(Dass die Kinder 15 Stunden wie die Engel zugfahren können, heisst übrigens nicht, dass sie in 30 min Zugfahrt vom Urlaubsort zum besten ehemaligen Kindergartenfreund nicht dermassen austicken können, dass fremde Omas ihnen Bonbons überreichen mit den Worten: “Dann seid ihr aber still, ja?!”)


28 Kommentare

Der Weg als Ziel

Als wir gerade zu unserer Reise aufgebrochen waren, war uns eine Horde Vorschuljungs entgegengekommen, die den grossen Herrn Maus zum Spielen hatte abholen wollen.

„Nach Deutschland?!“ hatte der eine gefragt, war ein paar Schritte neben uns hergelaufen und hatte unsere grossen Rucksäcke beäugt: „Zu Fuss, oder was?!“

Zu Fuss. Und mit dem Bus. Und dem Schiff. Und vor allem mit dem Zug.

Turku, 19:50 Uhr.

Stockholm Stadsgården, 6:25 Uhr.

Stockholm Slussen, 6:55 Uhr.

Stockholm Hauptbahnhof, 8:10 Uhr.

Öresundbrücke, 13:05 Uhr.

Kopenhagen Hauptbahnhof, 13:25 Uhr.

Kopenhagen, 16:10 Uhr.

Kopenhagen Hauptbahnhof, 17:05 Uhr.

Rødby, Eisenbahnfähre, 20:05 Uhr.

Fehmarnbelt, 20:15 Uhr.

Hamburg Hauptbahnhof, 22:48 Uhr.

Hamburg Hauptbahnhof, 22:55 Uhr.

Bonn, 4:20 Uhr.


5 Kommentare

Fluchtplan

Der Entschluss war letzten Endes leicht gefasst.

Innerhalb von zwölf Stunden hatten wir zwei Fährüberfahrten, jede Menge Zugverbindungen, eine Grossbaustelle der dänischen Bahn und eine Zwischenübernachtung in Kopenhagen erfolgreich koordiniert.

Denn angesichts der Tatsache, dass derzeit in Mittelfinnland die Temperaturen nicht über zehn Grad steigen und es in Lappland Nachtfrost (!) gibt, setzen wir unseren diesjährigen Herbstferienplan einfach schon mal in den Sommerferien um.

Vielleicht wird es nächsten Sommer was mit dem Zelturlaub in Lappland. *seufz*


Hinterlasse einen Kommentar

.

Natürlich wollten wir noch gar nicht vorgestern zurückkommen. Natürlich hat uns mal wieder das Wetter dazu gezwungen.

Dabei haben wir diesmal richtiges Glück gehabt. Nicht, dass alles reibungslos geklappt hätte, dass wir pausenlos schönes Wetter gehabt hätten. Aber es ist immer noch gerade rechtzeitig schön geworden.

Freitagnachmittag auf Utö z.B. war mir ganz flau im Magen. Weil wir die Fallen zuhatten und sie nachmittags nochmal kontrollieren und dabei einsammeln wollten. Um drei wollten wir los, und halb drei war auf einmal vor lauter Nebel keine 100 m weit mehr zu sehen. Und wir warteten und warteten… und wir konnten ja nicht ewig warten, irgendwann wird es ja auch dunkel, und das ist für unser Boot genausowenig geeignet wie Nebel. Aber die Mäuse in den Fallen lassen? Die wären doch am nächsten Morgen fast alle tot gewesen! Mensch, war mir schlecht. Wir haben hin und her gerechnet, wann wir spätestens losfahren müssen, wenn wir nichts weiter machen – die Mäuse nicht wiegen, neue Mäuse nicht markieren – als die Fallen auf und die Mäuse freilassen, und sind auf nicht später als um sechs gekommen. Dreiviertel sechs zog es sich wieder auf, wir nichts wie los und die Fallen aufgemacht und reingeholt. Puh!
Auch in der Nacht vorher war es schon recht neblig gewesen. Nach so einer Nebelnacht – William hat mir erklärt, dann landen auf Utö nicht nur die schwächlichen Vögel, sondern alle Zugvögel sind ein bisschen orientierungslos und werden vom Leuchtturm angelockt – fühlt sich die Insel an wie eine grosse Vogelvoliere. Überall piepst und flattert es, und man kann keinen Schritt tun ohne zehn bis zwanzig Vögel aufzuscheuchen.

Samstag sind wir bei schönstem Sonnenschein nach Vänö umgezogen. Mit Zwischenstopp in Kasnäs, weil wir tanken mussten und ausserdem den Liebsten abholen, der mich für das Wochenende besuchen gekommen ist. Kaum waren wir von Kasnäs wieder Richtung offenes Meer gestartet – bei strahlender Sonne – wollte ich meinen Augen nicht trauen: da vorn sind doch normalerweise Vänö und andere Inseln zu sehen, nicht nur offenes Meer bis zum Horizont? Eine Minute später wusste ich, warum das so komisch aussah: da befanden wir uns mitten im Nebel. In so seltsamem Nebel, wie wir ihn auch letztes Jahr schon erlebt haben, der einen keine 100 m weit geradeaus sehen lässt, aber den blauen Himmel, und in den die Sonne hineinscheint. So ein bisschen wie beim Fliegen, wenn man gerade aus den Wolken herauskommt. Wir also zurück nach Kasnäs, Kaffee getrunken, Eis gegessen, nach zwei Stunden nochmal versucht. Diesmal waren wir fast sofort im Nebel, als wir aus dem Schutz der Hauptinsel herauskamen (wo immer noch die Sonne schien, versteht sich). Mist. Wieder zurück. Und wir wollten doch noch die Fallen auf die Inseln bringen am gleichen Nachmittag! Als wir uns nach zwei Minuten nochmal umblickten, war auf einmal Vänö wieder zu sehen. Also nichts wie wenden und hin, an Vänö vorbei zu unserer Campsite-Insel Stora Buskär, Klamotten aus dem Boot schmeissen und Fallen rausbringen. Puh! Wieder Glück gehabt.
Die nächsten zwei Tage waren unglaublich warm und sonnig und fast windstill, und das Fangen hat Spass gemacht. (Ich hasse es, nasse Mäuse zu handeln, am allermeisten deshalb, weil es ihnen ja selbst nicht guttut). Der Liebste hat uns tatkräftig geholfen, so dass wir ganz schnell waren, ausserdem hat er frisches Obst mitgebracht und Saft und Limo, was’n luxuriöses Leben!

Am Dienstag wollten wir umziehen nach Trunsö, aber schon in der Nacht war es ziemlich stürmisch gewesen, und am Vormittag war nicht daran zu denken. Wir warteten also bis zur Wettervorhersage um 11:50 Uhr, aber die klang auch nicht wirklich vielversprechend, so dass wir beschlossen, dass Umziehen nach Trunsö um einen Tag zu verschieben, falls es nicht noch schlimmer kommen sollte… Mittlerweile hatte William noch ein paar Anrufe bekommen:“Du weisst aber, dass eine Kaltfront kommen soll und es wirklich kalt werden soll, vielleicht sogar schneien? Wollt ihr nicht lieber zurück nach Turku kommen?“ Nein, wollten wir nicht. Oder doch wenigstens den nächsten Seewetterbericht um 18:50 Uhr abwarten. Der sagte uns dann, dass es zumindest Mittwoch UND Donnerstag nichts werden würde mit arbeiten, und da ich ungern untätig auf einer Insel festsitze und sowieso das Wichtigste getan war, fiel die Entscheidung nicht schwer:“Zurück nach Turku!“ Ich dachte freilich an mittwochfrüh zurück nach Turku, aber William meinte, wenn wir sofort losführen, könnten wir es bis zum Einbruch der Dunkelheit noch schaffen nach Turku, und ausserdem könne es sehr wohl sein, dass der Wind bis morgen früh so stark zugenommen hat, dass wir gar nicht mehr wegkommen. Zwei Minuten Bedenkzeit. „Let’s go NOW!

Okay, Zeit läuft. Es ist 19:02 Uhr. Sonnenuntergang ist 21:01 Uhr. Nicht, dass das unser erster überstürzter Aufbruch von Stora Buskär wäre. Keine Frage, dass sowieso nach dem letzten Sommer und dieser Woche jeder Handgriff sitzt. 19:25 Uhr ist unsere Hütte aufgeräumt, ist der Liebste angerufen, dass er uns halb zehn von Hirvensalo abholen soll, sind alle Sachen in wasserdichten Müllbeuteln im Boot, sind wir verpackt in mehrere Lagen Kleidung plus Überlebensanzug. Und los! Fünf Minuten können wir volle Geschwindigkeit fahren, dann sind wir auf dem Stück offenen Meeres vor Kasnäs, und ja, der Wind hat sich doch schon zu einem ordentlichen Sturm ausgewachsen, die Wellen sind RIESIG, jede verpasst uns eine Salzwasserdusche. Kein Gedanke an schnell fahren. Hauptsache wir kommen da überhaupt noch irgendwie durch. William macht das. Er macht das prima. Nach unendlich langer Zeit sind wir endlich in der Hafeneinfahrt nach Kasnäs. Dort ist’s ruhiger, dort geht’s schneller. „Kannst du die Seekarte umblättern während ich fahre? Damit es schneller geht?“ Klar, kann ich. „703.“ Handschuhe aus, Karte aus der Hülle gezerrt, Hülle zwischen die Knie geklemmt, dass sie bloss nicht fortfliegt, mühsam gegen den Wind die Karte umgeblättert, wieder in die Hülle gefriemelt, zurückgereicht, die gefühllosen Hände wieder in die Handschuhe gestopft. „704.“ Gleiche Prozedur. Wumm. Wumm. Aha, hier sind die Wellen wieder höher. Egal. Festhalten, locker bleiben, Zähne nicht zusammenbeissen, dann tut’s auch nicht weh, und durch. Zeit für Bequemlichkeitsspirenzchen haben wir jetzt nämlich nicht. Zwischendurch noch schnell die Ladung umsortiert, weil der Wind das Boot unheimlich nach der einen Seite drückt. Endlich! Paraisten Portti! 20:50 Uhr. Die Sonne ist schon hinter den Bäumen der grösseren Inseln verschwunden. Geschwindigkeitsbegrenzung? Ach was. Ist ja eh noch keiner hier um diese Jahreszeit. Licht einschalten. „708.“ Nun muss man schon ganz schön gucken nach den Seezeichen. Die ersten Minileuchttürme fangen an zu blinkern, rot oder grün. Kalt wird’s auch langsam, trotz der vielen Sachen. Endlich! Die Fähre zwischen Parainen und Nauvo! 21:10 Uhr! Von hier geht’s auch ohne Seekarte. Aber hier sind auch die Wellen wieder höher. Dann taucht die Beleuchtung des Hafens von Naantali auf. Dann das „Zieltor“ – der Kran der Raisioer Werft, auf den wir immer lange Zeit zufahren müssen. Dann kommt uns die „Isabella“ von Viking Line entgegen, beleuchtet wie ein Weihnachtsbaum. Wir mit unserem rot-grünen Buglämpchen und dem kleinen weissen Hecklicht kommen uns so winzig vor dagegen. Und Radar haben wir auch nicht. Und es ist schon so finster. Und jetzt müssen wir auch nochmal fast anhalten um die Bugwellen der „Isabella“ gefahrlos zu passieren. Es ist 21:20 Uhr. Und nicht mehr weit. Als wir in die Bucht nach Hirvensalo einbiegen, fängt das Mondlicht gerade an zu leuchten. 21:40 Uhr sind wir da, das einzige Boot am Steg (Wer bitte fährt auch schon im April draussen rum?!), sogar unsere Leiter müssen wir erst ins Wasser stellen, die liegt noch winterfest auf dem Steg.
Angekommen. Im letzten blauen Licht. Was haben wir da eigentlich gerade gemacht die letzten zweieinhalb Stunden? “What a trip!“ *nick* „You are hero! Really! Thank you so much!“ Dann fallen wir geschafft und eher sprachlos ins Auto.