Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Schnee und Januarsonne

In ganz Südfinnland gibt es gerade so viel Schnee, dass wir zum Skifahren nicht erst ins höhergelegene Lieblingsskigebiet fahren müssen, sondern direkt von der Haustür losfahren können.

Da wir aber gern neue Wege ausprobieren, fuhren wir gestern erstmal 50 km wunderbar winterliche – „Achtung, stellenweise glatt!“ – Lieblingsautobahn Richtung Osten.

Neben der nächsten Kleinstadt gibt es nämlich – das hatte ich beim letzten Blick auf die finnische Loipenzustandskarte zufällig entdeckt – mehrere Ringloipen unterschiedlicher Länge, die man einzeln oder kombiniert fahren kann. Es war nicht so voll wie rund um Turku; das war schön, auch wenn wir (mal wieder) die Einzigen waren, die nur zum Vergnügen statt zum Trainieren auf der Loipe waren. Wir hatten schwere Rucksäcke mit unserem Mittagessen – vom Ähämann gekochte heisse Suppe in Thermosbehältern – und heissen Saft und Schokolade dabei. Wir erhaschten sogar ein bisschen tiefstehende Mittagssonne, die zwischen den Baumstämmen hervorblitzte, und freuten uns über unsere bereiften Haare und Mützen und Augenbrauen. Es waren -15 Grad!

Mittagssonne.

Auswärts essen, Pandemieversion.

Früher turnte sie mit ihren Skiern. Jetzt macht sie Ballett auf Skiern.

Das gesamte 9 km lange Loipennetz ist beleuchtet, weswegen wir uns kein bisschen gehetzt fühlten, obwohl erst Januar ist. Aber abends ist es ja schon wieder eine Stunde länger hell als gerade eben noch! Wer braucht da Lampen?! Wir konnten sogar noch im Hellen in diesem wunderbaren Abendlicht wieder heimfahren.

Glück und Herzhüpfen von morgens bis abends!


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kolmesataakahdeksankymmentäkaksi

Am Freitag sah ich beim Hortkinder-aus-der-Schule-Abholen eine 382. (Ja, genau.)

Abends, als ich nach Feierabend mein Fahrrad losschloss, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob ich nicht eigentlich doch erst auf der Suche nach der 381 war, aber genau in diesem Moment bog eine 381 in den Hof ein. Ein Kennzeichen weiter wäre ich also so oder so.

Zu Hause stellte sich dann raus – zum Glück protokolliere ich das hier immer – dass ich jetzt doch schon nach der 383 Ausschau halten kann.

***

Als ich gestern nach Feierabend mein Fahrrad losschloss, war es nicht nur sowieso viel heller als letzte Woche, weil jetzt endlich Schnee liegt, sondern sogar der Himmel war noch dunkelblau.

Fünf Minuten, nachdem ich zu Hause angekommen war, stand der kleine Herr Maus, der den ganzen Nachmittag mit einem Schulfreund rodeln gewesen war, vor der Tür und rief: „Mama! Skifahren!

Was tut man nicht alles für seine Kinder…! ;-)

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Undank… usw.

„Mama?“, fragt der kleine Herr Maus. „Falls nächsten Winter mal wieder genug Schnee zum Skifahren liegt, darf ich dann auch mal alleine auf unsere Loipe und zwei oder drei Runden fahren?“
„Klar!“ sage ich. „Aber ich würde auch jederzeit mitkommen nach der Arbeit.“
„Nee, Mama, du bist so langsam!“

Das ist nun der Dank dafür, dass man jahrelang keine Skitour gemacht hat, die länger als 800 m war, und dabei alle paar Meter das Kind vom Boden aufgeklaubt, es bei jedem Minigefälle zwischen die Beine genommen hat und insgesamt mehr gestanden als gefahren ist…!


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Coronaklausur, Tag 49

Finnland hat 5412 bestätigte Coronafälle.

Gestern gab es nicht nur neue Beschlüsse über weitere Lockerungen – die, das kann ich schon mal sagen, sehr weit entfernt sind von der Unbekümmertheit, mit der die Schulöffnung durchgeboxt wurde – sondern es wurden auch die vom Bildungsministerium und der Gesundheitsbehörde aufgestellten Regeln für einen epidemiekonformen Schulablauf verkündet. Ich war ja schon letzte Woche skeptisch. Aber dieses Regelwerk hat alle Erwartungen übertroffen.

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „schrittweise zurück in die Schule“. Einen Tag später hiess es: „Alle Erst- bis Neuntklässler gehen wieder in die Schule, und die Kindergärten machen wir auch am gleichen Tag ganz normal für alle wieder auf.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „Wir müssen die Gruppen klein halten, eventuell leerstehende Räume nutzen, um die Klassen teilen zu können und genug Sicherheitsabstand halten zu können“. Jetzt heisst es: „Wir werden keine Klassen teilen, es wird normale Klassen- und Kindergartengruppenstärken geben und kein Extrapersonal, und wir werden die Sicherheitsabstände ganz bestimmt nicht mit dem Lineal abmessen.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „verstärkter Handhygiene“. Jetzt heisst es: „Händewaschen beim Ankommen in der Schule und vorm Heimgehen.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „ein Lehrer pro Klasse“. Jetzt heisst es: „Natürlich gehen die Fachlehrer von Klasse zu Klasse, das ist ja auch anders gar nicht machbar.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „wir wollen den Schulbetrieb so sicher gestalten, dass niemand Angst haben muss, wieder in die Schule zu gehen“. Jetzt heisst es: „Kinder stecken sich ja nicht an und deshalb müssen* alle wieder in die Schule, es wird keine Freistellungen und keine erlaubten Krankmeldungen geben ausser mit ärztlichem Attest.“

Wenn man ein bisschen verfolgt hat, wie Schul- und Kindergartenwiederöffnungen ablaufen könnten – wie sie in Dänemark und Norwegen ablaufen und in Deutschland geplant sind – dann fragt man sich, was für ein grossangelegtes Experiment hier eigentlich nächste Woche gestartet werden soll. (Und wie viele Eltern bereit sind, ihre Kinder als Versuchsobjekte daran teilnehmen zu lassen.)

Heute früh traf ich mich als erstes mit der besten Chefin, um eine Strategie auszuarbeiten, wie wir die Hortbetreuung halbwegs epidemiekonform durchziehen können in diesen letzten elf Tagen vor den Sommerferien. Wenn wir nicht selbst nach bestem Wissen und Gewissen Regeln aufstellen würden, sondern uns an die halten würden, die wir offiziell bekommen, dann könnten wir uns ruhig mit unseren 30 Kindern eine Turnhalle mit den 60 Kindern der anderen Nachmittagsbetreuung teilen, aber draussen Fussball spielen dürften die Kinder nicht. Ich hab‘ schon Muskelkater vom Augenrollen.

Zu Hause erwartete mich der kleine Herr Maus schon ungeduldig, denn ich hatte ihm gestern versprochen, heute gleich nach der Schule mit ihm Runden rullern zu gehen. Einsam zogen wir unsere Bahnen, wie das dort immer ist ausserhalb der Schlittschuhsaison.


* Müssen muss hier gar niemand, da kann sich die Bildungsmininsterin auf den Kopf stellen müsste man erstmal ein Gesetz ändern.


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Coronaklausur, Tag 16

Finnland hat 1518 bestätigte Coronafälle.

Heute wären wir zeitig aufgestanden und hätten den gar nicht mehr so kleinen Herrn Maus zur „Amorella“ gebracht. Dann hätte er uns entschieden weggeschickt, vielleicht nochmal kurz gewinkt, und wäre mit seiner Schwimmmannschaft an Bord gegangen. Zwei Tage Trainingslager auf Åland, anschliessend zwei Tage Wettkampf. Er hatte sich lange darauf gefreut.

Stattdessen hat er ab dieser Woche Training im Kinderzimmer. Dreimal die Woche per Videoschaltung. (Vielleicht müssen wir ihm im Garten bald sowas aufbauen.)

Stattdessen war es ein Tag wie immer in diesen Tagen: vormittags Schule, nachmittags Auslüften. Heute war die Abmachung: der kleine Herr Maus fährt vor, ich folge ihm. Und er hatte auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung, wo er hinwollte. Ein Hoch auf unser Radwegenetz! Am Ende zeigte der Kilometerzähler 20 km.

Ausserdem war heute Die-Kinder-kochen-das-Essen-Tag. Mittags buk uns der kleine Herr Maus einen Berg Eierkuchen, und als wir beide von der Radtour zurückkamen, empfing uns das Fräulein Maus – Hauswirtschaftsaufgabe für diese Woche: eine Suppe kochen – mit Kartoffel-Käse-Suppe nach finnischem Rezept.

Es könnte schlimmer sein.


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Novembersamstag

Letztes Jahr im November haben wir uns eigentlich nur nach den Weihnachtsferien gesehnt: das Fräulein Maus hatte andauernd Training oder Wettkampf, der Ähämann hatte auf Arbeit ein schwieriges Projekt, das ihn auch abends und am Wochenende noch beschäftigte, und ich hatte fürchterlich lange Tage zwischen Arbeit, Praktikum, Schule und vorzubereitenden Lehrproben. Wir waren erschöpft von all dem Gerenne, und müde von der Dunkelheit.

Dieses Jahr stelle ich fest, dass ich sogar den November wieder geniessen kann, mit all seiner Dunkelheit und seinem Nieselregen und Noch-nicht-Weihnachtszeit. Es ist so schön, noch drei Kerzen mehr anzuzünden, während draussen um vier schon die Nacht hereinbricht und der Regen ans Fenster sprüht. Es ist so schön, abends gegen die Müdigkeit einfach zeitig ins Bett zu gehen, statt noch eine Hausarbeit fertigschreiben oder über die besten Phrasen für den nächsten HENSU nachdenken zu müssen.

Heute schliefen wir lange, dann ging der kleine Herr Maus auf einen Kindergeburtstag, Mittagessen fand der Einfachheit halber im am Weg gelegenen IKEA statt und dann gingen wir – auch das haben wir schon ewig nicht mehr gemacht, weil wir schon lange nicht mehr alle fünf gleichzeitig Zeit dafür hatten – auf Wunsch dreier Kinder in die Schwimmhalle.

Der Beutel begleitet uns schon, seit der grosse Herr Maus noch ganz klein war und die liebste Freundin ihn mir zum Geburtstag schenkte. Ich freue ich immer noch jedes Mal, wenn ich ihn benutze – auch wenn sich mittlerweile niemand mehr an der Kinderschlaufe festhält.

Und zwar in die im Nachbarort, weil es da freitags und wochenends Wasserspielzeug zur freien Verfügung gibt. (Also nicht so ein paar Bälle und Giesskännchen, sondern riesige schwimmende Gebilde, auf denen man herumturnen, und riesige Schüsseln, in denen man durchs Schwimmbecken paddeln, und riesige Ringe, durch die man hindurchspringen kann.) Die Entscheidung stellte sich als Volltreffer heraus, denn während unsere Schwimmhalle am Wochenende immer brechend voll ist, war die Schwimmhalle im Nachbarort so leer, dass nicht nur die Kinder nicht am Wasserspielzeug Schlange stehen mussten, sondern quasi jeder Schwimmbadbesucher eine Bahn für sich hatte, und genau, wir Eltern konnten auch einfach mal ein paar Bahnen schwimmen, weil kein Kind mehr beaufsichtigt werden muss. (Als sie genug gespielt hatten, brachte der kleine Herr Maus seinen Geschwistern den Startsprung bei.) Ein sehr schönes, eisiges Aussenbecken für nach der Sauna hat die Schwimmhalle auch. Und sehr schönes helles Licht. ;-)

Dann fuhren wir heim und gossen aus den gesammelten Kerzenresten des letzten Jahres neue Kerzen für die Laternen im Vorgarten und zukünftige Eislichter.

Was man eben so macht an einem Novembersamstag.


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Duracell-Fische

Oder: Wie die Herren Maus sich einmal vornahmen, einen ganzen Kilometer zu schwimmen. Und es auch taten.

(Und dann zum Glück auch noch den Heimweg auf dem Fahrrad schafften.)

So ein Freibad mit beheiztem Wasser und Sauna ist gerade die beste einzige Wahl bei den derzeitigen Lufttemperaturen. Dieser Sommer ist ja nicht sooo schlecht – an Sonne ist kein Mangel, es hat seit Mittsommer an genau einem Tag geregnet – aber 20°C sind doch kein Sommer!!!


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Debüt

Am Sonntag also der erste Wettkampf in einer neuen Alterklasse und in einer neuen, und zwar der obersten, Liga (oder wie auch immer man das nun beim Turnen nennt). Puh!

Die Turnmädchen nahmen es gelassen.
Und machten ihre Sache gut. Sehr gut.

Im Hintergrund die Herren Maus nach erfolgreicher Strasssteineaufsammlung.

So gut, dass sie mit Bronzemedaillen heimgingen.
(Immerhin zahlt sich dieses völlig verrückte Trainingspensum aus.)