Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


9 Kommentare

Wollsocken im Klassenzimmer (3)

Werden die Schüler in Finnland mit Noten bewertet?

Auf diese Frage kann ich leider keine eindeutige Antwort geben.

Die letzte, umfassende Lehrplanreform sah vor, dass die Kinder eher wenig bewertet werden und eventuell sogar erst in der Oberstufe, also in der 7. Klasse, zum ersten Mal Noten bekommen. Ausserdem sollte das Halbjahreszeugnis abgeschafft werden und nur noch zum Schuljahresende eine umfassende Bewertung der erreichten Lernziele gegeben werden.

Bei der Umsetzung des Lehrplans hat aber jede Gemeinde und sogar jede Schule einen gewissen Spielraum, so dass es weiterhin jedes Halbjahr spannend bleibt, wie nun die Zeugnisse unserer Kinder aussehen werden.

Bei uns ist das jetzt jedenfalls so, dass es in den ersten beiden Schuljahren auf jeden Fall keine Noten gibt. Die Schüler werden für – individuelle – Fortschritte vor allem mündlich, aber auch mal mit einem Stempel oder Aufkleber unter einer schriftlichen Aufgabe gelobt. So etwas wie Tests und Klassenarbeiten gibt es in den ersten beiden Schuljahren überhaupt nicht.

Ab der dritten Klasse gibt es Diktate, Vokabeltests, Mathearbeiten und Tests in allen Fächern, die zumindest in unserer Schule mit Noten bewertet werden. Das Fräulein Maus bekam allerdings auch letztes Jahr noch ein Zeugnis, in dem nur angekreuzt war, wie gut sie bestimmte Lernziele in jedem Fach erfüllt hat. Dieses Jahr wird sie, wenn ich das richtig verstanden habe, eins mit Noten bekommen. Beim grossen Herrn Maus weiss ich gar nicht. Wir warten gespannt auf nächsten Freitag. ;-)

Die Zeugnisse mit den Kreuzchen finde ich insofern besser, als sie ein detaillierteres Bild geben: es steht da zum Beispiel unter Englisch nicht nur eine Gesamtnote, sondern es wird getrennt bewertet, wie gut sich das Kind ausdrücken kann und wie gut es versteht. Das kann ja durchaus unterschiedlich sein.

Insgesamt spielen Noten in der Grund- und Mittelschulzeit keine grosse Rolle. Da alle bis zur neunten Klasse gemeinsam zur Schule gehen, braucht man ja auch kein objektives Kriterium für eine Empfehlung für eine bestimmte Art weiterführender Schule. Überhaupt wird sehr bewusst auf Vergleiche der Kinder untereinander verzichtet. Jeder soll motiviert werden, sein Bestes zu geben: und zwar nach seinen individuellen Fähigkeiten – nicht danach, wie gut oder schlecht der Rest der Klasse ist.

Das finnische Notensystem ist für mich persönlich übrigens das beste Mittel, keinen falschen Ehrgeiz bezüglich der Schulleistungen meiner Kinder zu entwickeln. Es gibt Noten von 4 bis 10. (In der Uni wird man dann mit Noten von 1 bis 3 bewertet.) 10 ist dabei die beste Note, und es gibt jede Menge Abstufungen: 10, 10-, 9 ½, 9… Die Kinder haben ein ganz gutes Gespür für die feinen Unterschiede und sind auch schon mal enttäuscht über eine 9 ½, aber für mich klingt irgendwie alles ab 8 phänomenal gut!

***

Wollsocken im Klassenzimmer (1): Hausaufgaben
Wollsocken im Klassenzimmer (2): Individuelles Lernen


2 Kommentare

7

Das war ein sehr schöner Geburtstag gestern.

Erst schliefen wir aus. Dann leerten wir die Nikolausstiefel. Dann assen wir jede Menge blauweisse Köstlichkeiten. Dann gingen die Kinder im Schnee spielen. Dann assen wir weitere blauweisse Köstlichkeiten. Dann ging der grosse Herr Maus auf eine Zwillingsmädchengeburtstagsfeier. Dann zündeten wir blauweisse Kerzen an. Dann holten wir den grossen Herrn Maus ab und fuhren zur blauweiss beleuchteten Turkuer Burg.

Es war übrigens ganz Finnland blauweiss beleuchtet!

Als wir vier Stunden später wieder zu Hause waren, gab es Abendbrot vorm Fernseher. Das Fräulein Maus ist jetzt übrigens so alt, dass sie gern Kleider und Frisuren gucken und kommentieren möchte. Im Gegensatz zu ihr gingen die Herren Maus halb zehn freiwillig ins Bett, und ich kam gerade rechtzeitig zu Finlandia und Feuerwerk und zum Auftritt der Semmarit wieder aus dem Jungszimmer raus. Dann musste auch das Fräulein Maus endlich ins Bett, und der Ähämann und ich stiessen mit einem Glas Wein auf das Geburtstagskind an.

Das war wirklich ein sehr schöner blauweisser Geburtstag!


11 Kommentare

5

Ich sollte einst, da war ich in etwa so alt wie das Fräulein Maus, den 40. Geburtstag eines Landes feiern. Es kam dann nicht mehr dazu. Aber wir hatten auch den 39. Geburtstag zu feiern und den 38. und alle vorher. Ich erinnere mich an wenig Begeisterung und die immer gleichen Sprüche, Lieder und Gedichte.

Dieses Jahr feiern unsere Kinder den 100. Geburtstag eines Landes.

Unsere Schule ist so gross, dass immer nur zwei Klassenstufen gemeinsam feiern können. Deshalb kamen wir in den Genuss von zwei Geburtstagsfeiern, eine schon letzten Donnerstag, eine gestern.

Die Fünftklässler hatten ein „Präsidentenpaar“ gewählt, das am Eingang stand und jedem Besucher die Hand schüttelte. Der „Präsident“ hielt natürlich auch eine Rede. Die Klasse des Fräulein Maus tanzte Walzer, wofür die Handarbeitslehrerinnen dem Fräulein Maus und einer ihrer Klassenkameradinnen, die noch kleiner ist, extra noch zwei neue Ballkleider genäht hatten. Die Klasse des grossen Herrn Maus tanzte in finnischer Tracht. Der kleine Herr Maus und seine Klassenkameraden sangen und spielten das Lied vom finnischen Löwen, den es ja in den finnischen Wäldern gar nicht gibt, aber im Wappen. Sie hatten dafür selbst Löwenmähnen gebastelt und wochenlang geübt, die Krallen wie der Wappenlöwe auszufahren und laut zu fauchen. Es wurde ein Schauspiel über das Leben von Jean Sibelius aufgeführt, Schattentheater gespielt, und am Ende sangen alle gemeinsam einen selbsterdachten Suomirap frei nach Lauri Tähkä. (Die Schule hat eine eigene Band! Das ist ja mal um Welten besser als ein Blockflötenorchester!) Und weil es an der Schule unserer Kinder Spezialklassen für Gehörlose gibt, wurde das gesamte Programm, inklusive aller Liedtexte, in Gebärdensprache übersetzt. Als am Ende die Nationalhymne gesungen wurde – unsere Kinder hatten sie übrigens seit Wochen vor sich hingesungen, und zwar inklusive der Strophe auf Schwedisch, und wir werden nun bei der Weihnachtsfriedensverkündung dieses Jahr kein Textblatt mehr brauchen – wurde sie in der vordersten Reihe in Gebärdensprache gesungen. So schön!

Ich bin bei jedem dieser Schulfeste wieder erstaunt, wieviel Arbeit und Zeit da reingesteckt wird, wie lange dafür geübt wird und wie perfekt und modern jeder einzelne Auftritt ist. Und mit wieviel echter Begeisterung alle dabeisind.

„Finnland wird nur einmal 100“, sagte der Rektor. „Und es ist wirklich etwas Besonderes, dass wir dabeisein und das feiern dürfen.“


2 Kommentare

3

Neulich war, mal wieder, unsere Hofbeleuchtung kaputt.

Die drei Strassenlaternen entlang unserer Strasse brannten, aber sonst war alles schwarz, als ich heimkam: Kein Licht im ehemaligen Müllhäuschen. Keine Hausnummernbeleuchtung. Kein Licht an jedem einzelnen Schuppen. Kein Licht an den Stirnseiten der Häuser und keins am Schutzraum. Keine einzige Laterne an.

Alle 35 Lampen an unseren gerade mal sieben Häusern aus!

Ich musste ein bisschen nach dem Schlüsselloch vom Schuppen tasten. Dann stellte ich das Fahrrad in den Schuppen, schmiss die Tür zu, guckte mich um und… fühlte mich augenblicklich besser.

Alles schwarz. Sterne am Himmel. Die Nachbarn, die direkt am Wald wohnen, hatten ungefähr zehn Laternen aufgestellt, in denen Kerzen flackerten.

Die ganze unerträgliche Mischung aus Novembermüdigkeit und -unruhe war weg. Von jetzt auf gleich.

Als ich nachts einmal ins Bad wankte, blieb ich wohlig müde: die Laterne vorm Gartenzaun, wegen der wir oft witzeln, dass wir eigentlich keine Wohnzimmerlampe bräuchten, stach mir nicht in die Augen. Wir hätten in allen drei Schlafzimmern ohne Verdunkelungsrollo schlafen können. Ich sank zurück ins Bett, und nicht mal durch den Rollospalt quoll Licht. Ich schlief wie ein Stein. Und als ich früh aufwachte und in die Dunkelheit ringsum hinausguckte, hatte ich nur einen einzigen Wunsch: dass diese Beleuchtung nie, nie wieder repariert werden würde.

Es kam mir ja selbst paradox vor: sollte man in der dunklen Jahreszeit nicht froh sein über jedes zusätzliche Licht?!

Die einzige Beleuchtung, unter der ich mich im November und Dezember je wohlgefühlt habe, ist das Flutlicht auf dem Kindergartenspielplatz. Dort blieb ich früher oft noch mit den Kindern nach dem Abholen. Es spielte sich da auch viel schöner als auf dem Spielplatz vor dem Haus, der trotz der drölfzig Laternen ringsrum immer finster ist, und das warme, gelbe Licht fühlte sich immer wie echtes Sonnenlicht spät am Abend an.

Aber diese grellen Lampen allüberall…! Sie stechen einem in die Augen, aber machen es nicht hell. Sie beleuchten so, wie ein Lagerfeuer wärmt, nicht wie ein Kachelofen.

Es sind nicht die kurzen Tage und die viele Dunkelheit, die mich allemachen.
Es ist die Abwesenheit echter Dunkelheit.


7 Kommentare

Wollsocken im Klassenzimmer (2)

Wie ist in finnischen Schulen individuelles Lernen organisiert?

Das wichtigste Pisastudienergebnis überhaupt ist für mich ja, dass in Finnland der Lernerfolg fast gar nicht vom sozialen Hintergrund abhängt: nicht von der Herkunft der Eltern, nicht vom finanziellen Status der Eltern, nicht vom Ausbildungsstand oder Beruf der Eltern. Alle haben die gleichen Chancen.

(Theoretisch. Rein praktisch werden auch hier die Unterschiede langsam grösser. Aber sehr langsam eben. Und als Migrantenkind hat man immer noch das grosse Los gezogen, darf man in Finnland zur Schule gehen.)

Keiner ist was Besseres als der Andere. Kein Kind bekommt schon in den allerersten Schuljahren einen Stempel aufgedrückt, ob es später mal Abitur machen wird oder nicht. Alle bekommen von der Schule die gleichen Lernmaterialien – nicht nur Lehrbücher, sondern auch Hefte, Stifte, Malsachen – kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle gehen bis zum Ende der 9. Klasse gemeinsam zur Schule.

Chancengleichheit. Keine Gleichmacherei.

In finnischen Schulen wird sehr darauf geachtet, dass jedes Kind auf seinem individuellen Niveau gefördert und gefordert wird.

Für die Kinder, die schon weiter sind, gibt es Extraaufgaben: die beiden Herren Maus hatten z.B. in der ersten Klasse eine Fibel wie alle anderen, bekamen aber von Anfang an ausserdem Kopien mit ganzen Texten, da sie schon in der Vorschule lesen gelernt hatten. Das Fräulein Maus berichtete mir von einem Klassenkameraden, der letztes Frühjahr – also im zweiten Halbjahr der 4. Klasse – schon das Mathebuch der 5. Klasse anfangen durfte, weil er mit dem der 4. Klasse durch war.
Für die Kinder dagegen, die nicht im normalen Tempo mitkommen, gibt es Förderunterricht: ein, zwei Stunden pro Woche, die die jeweiligen Kinder aber immer nur bei Bedarf besuchen – wenn die Sache sitzt, dann brauchen sie nicht mehr zu kommen; andersherum kann ein Kind auch von sich aus zum Förderunterricht gehen, wenn es zum Beispiel vor einer Klassenarbeit noch ein paar Extraaufgaben lösen will oder etwas nochmal genauer erklärt haben möchte.

Das Ganze funktioniert natürlich auch nur so gut, weil hier immer genug Lehrer da sind. (Es gibt auch nie (!) Stundenausfall, wenn ein Lehrer krank, auf Reisen oder zur Weiterbildung ist).
In unserer „Dorfschule“ mit nur 1. und 2. Klasse gibt es zwei Klassen – jeweils zur Hälfte aus Erstklässlern und zur Hälfte aus Zweitklässlern bestehend – mit insgesamt drei Lehrerinnen. Da kann man natürlich prima in Gruppen arbeiten.
Ausserdem gibt es noch zusätzliche Lehrer, die eigentlich nur für die Kinder da sind, deren Muttersprache nicht Finnisch ist. Diese Kinder haben – je nach Bedarf – eine bis alle Finnischstunden pro Woche in kleiner Gruppe bei einem Lehrer für „Finnisch als Zweitsprache“. (Das Fräulein Maus wurde in der 3. Klasse offiziell von „Finnisch als Zweitsprache“ zu „Muttersprache“ umgestuft – nicht ohne uns vorher um unser Einverständnis zu bitten, verbunden mit der Aufklärung darüber, dass sie dann auch wie ein Muttersprachler bewertet werden wird.) Und es gibt sogar Lehrer für Unterricht in der eigenen Sprache: das ist in unserer Schule z.B. ein arabischsprachiger Lehrer, der mit den Migrantenkindern, die noch nicht so gut Finnisch können, den ganz normalen Unterrichtsstoff, z.B. Mathe, nochmal auf Arabisch durchgeht.

Dieses System kommt übrigens – wenig überraschend – völlig ohne das Überspringen von Schulklassen oder Kann-Kinder, die mit fünf eingeschult werden, weil sie sich schon im Kindergarten langweilen, sowie ADHS- oder Hochbegabungsdiagnosen aus.

***

Wollsocken im Klassenzimmer (1): Hausaufgaben


6 Kommentare

Wollsocken im Klassenzimmer (1)

Mit dem Bloggen fing ich hauptsächlich deswegen an, weil ich – wir waren gerade nach Finnland gezogen – weder Sammelmails schreiben noch immer die gleichen Textabschnitte von einer Mail in die andere kopieren wollte.
Und weil mich auch umgekehrt von Zeit zu Zeit die immer gleichen Fragen per Mail erreichen – und der Dauerbrenner sind immer noch Fragen zum finnischen Schulsystem – dachte ich mir, könnte ich die ja auch mal eine nach der anderen hier beantworten.
Natürlich völlig unobjektiv auf meiner Erfahrung mit drei Grundschulkindern, die derzeit die Klassen 1, 3 und 5 besuchen, basierend. Los geht’s.

Gibt es in finnischen Schulen Hausaufgaben?

Ja.

Man liest immer mal wieder, dass finnische Schüler sehr wenig Zeit mit Hausaufgaben verbringen müssen – um das objektiv einschätzen zu können, fehlt mir natürlich der echte Vergleich, aber gerade in den ersten beiden Schuljahren sind die Hausaufgaben wirklich sehr wenig: jeden Tag fünf Minuten laut vorlesen, dazu zwei Zeilen etwas schreiben oder rechnen, fertig. Manchmal bekommt der kleine Herr Maus auch Wochenendhausaufgaben: „Hilf jeden Tag deinen Eltern bei irgendeiner Aufgabe im Haushalt!“ oder „Bewege dich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde an der frischen Luft!“ oder „Spiele ein Spiel mit einem Freund!“ ;-)

Ab der dritten Klasse, die hier einen gewissen Sprung darstellt vom zwei Jahre dauernden „Anfangsunterricht“ (der bei Bedarf auch drei Jahre dauern kann) zu „ernsthafter“ Schule, sind die Hausaufgaben zwar immer noch überschaubar, werden aber deutlich mehr. Die Kinder müssen sich dann die Hausaufgaben auch selbstständig notieren (oder sie sich eben merken – der grosse Herr Maus nämlich so: „Nee, Mama, wirklich, ich brauch‘ kein Hausaufgabenheft, ich schreibe mir das sowieso nicht auf, ich merke mir das!“), während in den ersten beiden Schuljahren die Hausaufgaben gemeinsam in eine Art Formular – ähnlich dem deutschen Hausaufgabenheft – eingetragen werden oder die Kinder sie sogar als vorbereitete Aufgabenblätter ausgehändigt bekommen. Ab der dritten Klasse kommen auch „Heftarbeiten“ dazu – d.h. die Kinder müssen ab und zu für z.B. Sachkunde zu einem bestimmten Thema mit Hilfe von Lehrbuch, Internet, etc. eine Seite in ihrem Heft gestalten. Das dauert bei unserem perfektionistischen Fräulein Maus eeeewig, beim grossen Herrn Maus nicht so. ;-)

Eine Abschaffung von Hausaufgaben war auch bei der letzten, recht umfassenden Lehrplanreform in Finnland kein Thema – man sieht Hausaufgaben hier weniger als Mittel zum Unterrichtsstoff vertiefen oder wiederholen, als als ein Mittel zum „Lernen lernen“ – was ein sehr zentraler Aspekt der finnischen Schule ist. Die Kinder sollen durch Hausaufgaben hauptsächlich lernen, sich das Lernen selbst zu organisieren – wann und wie sie ihre Hausaufgaben machen, ist ihre eigene Verantwortung. Auch die Erst- und Zweitklässler im Hort haben keine festen Hausaufgabenzeiten, zu denen sie ihre Hausaufgaben machen müssen. Sie dürfen freilich – aber wer seine Hausaufgaben lieber zu Hause macht, macht sie eben später dort. Hausaufgaben gibt es in den ersten beiden Schuljahren grundsätzlich bis zum nächsten Tag oder ab der dritten Klasse höchstens bis zur nächsten gleichartigen Unterrichtsstunde – so bleibt der Zeitrahmen für die Erledigung auch für die kleinsten Schulkinder überschaubar. Wer seine Hausaufgaben vergisst, bekommt mindestens einen Eintrag ins Wilma; passiert das wiederholt, wird in unserer Schule das Kind auch schon mal nach Unterrichtsschluss ins LehrerHausaufgabenzimmer geschickt, wo es seine Hausaufgaben unter Aufsicht und gegebenenfalls mit Hilfe erledigen kann. Das Ganze wird dem Kind aber nicht als Strafe vermittelt, sondern eher als „Du hast offensichtlich Probleme damit, deine Hausaufgaben zu erledigen – wir können dir dabei helfen!“ Auch wenn ein Schüler selbst merkt, dass er Probleme mit seinen Hausaufgaben hat, kann er seine Hausaufgaben dort machen und sich helfen lassen.

Und das ist, glaube ich, der wesentlichste Unterschied zum deutschen Schulsystem: in Finnland sind auch Hausaufgaben Angelegenheit der Schule. Es wird hier nicht von den Eltern erwartet, dass sie sich – abgesehen von der Vermittlung einer gewissen Grundeinstellung zum Thema Hausaufgaben – um die Hausaufgaben ihrer Kinder kümmern, ihre Ausführung kontrollieren oder gar danebensitzen, wenn die Kinder Hausaufgaben machen.

Ich Rabenmutter weiss z.B. auch gar nicht, bei welchem Buchstaben die Erstklässler gerade sind oder welche Worte der Drittklässler schon auf Englisch gelernt hat.

(Passend dazu war heute ein sehr schöner Artikel in der Süddeutschen.)


8 Kommentare

Allerheiligen 2017

Die Kinder liefen den ganzen Tag verkleidet – ein Vampir, eine Fledermaus, eine Spinne – durch die Wohnung und erdachten sich immer weitere Einzelheiten – blinkende Lämpchen, schaurige Masken, plötzlich von der Decke baumelnde Schlangen, unsichtbar durchs Zimmer gespannte Schnüre – für ihre verdunkelten KinderzimmmerGruselkabinette, in die sie uns immer wieder zum Gucken einluden. Der Ähämann und ich gruselten uns sehr und riefen abwechselnd „Iiiih!“ und „Huch!“ und „Hilfe!“.

Nach Sonnenuntergang wuschen sie sich die Schminke ab und zogen sich warme Sachen an und wir fuhren auf den Friedhof.

Ich finde das so schön, dieses Lichtermeer zu Allerheiligen und am Heiligabend!

Auf jedem Friedhof gibt es ausserdem eine Stelle, an der man seine Kerzen für Menschen, die anderswo begraben sind, abstellen kann. Dort stehen dann immer hunderte Kerzen dicht an dicht. (Und eine Kerze für Blechi.)


4 Kommentare

Tjanun.

Zu den meistgestellten Fragen in dieser Woche in Deutschland – „Wer hat Brückentag?“, „Wer hat anlässlich des Reformationsjubiläums in diesem Jahr zwei Feiertage hintereinander?“ – möchte ich aus finnischer Sicht anmerken:

Wir begehen hier sowohl Allerheiligen als auch Reformationstag.
Ersteres am Samstag, letzteres am Sonntag.

(Feiertage mitten in der Woche sind völlig überbewertet…!)