Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Pfadfinder müsste man sein…!

Ich fahre ja gern an Sommerabenden über kleine Strassen.

Deshalb habe ich auch gleich „Hier!“ gerufen, als nach Eltern gesucht wurde, die bereit waren, ihren eigenen und ein paar andere kleine Pfadfinder zum – so ist das hier – 70 km entfernten Ausgangspunkt ihrer Radtour zu kutschieren.

(Ursprünglich sollte ja ein Bus gemietet werden. Als sich dann aber von knapp 60 Wölflingen, die hätten mitfahren können, gerade mal 12 anmeldeten, wurde auf die Variante Elterntaxi plus Pakettiauto für die Fahrräder umgeschwenkt. Und ich versteh’s echt nicht. Also das geringe Interesse. So eine tolle Tour von Insel zu Insel! Mit Burgruinenbesichtigung und Badestrandbesuch und Seefahrtsmuseumangucken! Mit Gepäcktransport und allem Drum und Dran! Das lässt man sich als echter Pfadfinder doch nicht entgehen?!)

Als ich Freitagabend am nordwestlichsten Zipfel, den man über Brücken und eine gelbe* Autofähre erreichen kann, dem grossen Herrn Maus und den anderen Pfadfindern hinterherwinkte, als ihre Fähre im Abendsonnenschein über das türkisgrüne Meer davonschaukelte, da wäre ich schon lieber mitgefahren als mit dem Auto zurück nach Turku. Und habe mich so für den grossen Herrn Maus gefreut!

Gestern Abend – drei Tage, vier Fährüberfahrten und 70 Fahrradkilometer später – kam dann auch ein sehr fröhliches und braungebranntes Grüppchen am Turkuer Hafen aus dem Bauch der grossen Schwedenfähre geradelt.

Pfadfinder müsste man sein! Echt jetzt!


* Gelb sind die Autofähren, die ein Stück Strasse ersetzen und deshalb kostenlos sind.


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Fundstück

„Guck mal!“, rief der kleine Herr Maus gestern plötzlich mitten im Wald. „Da ist ja Finnland!“

(Woran man sehen kann, dass hierzulande der Patriotismus recht ausgeprägt ist. Oder die Kinder schon im Kindergarten recht anspruchsvolle Sachen lernen. Oder beides. Ich hätte jedenfalls als Vorschulkind nirgends den Umriss meines Heimatlandes erkannt. Schon gar nicht abstrakt auf dem Waldboden.)


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Gartenbesitzer, fleissige und faule

Am Anfang unserer Strasse wohnt ein Klassenkamerad des grossen Herrn Maus. Sein Haus haben die Mäusekinder und ich damals, als wir noch täglich mit dem Bus in den vorherigen Kindergarten fahren mussten, von Tag zu Tag wachsen sehen. Die zwei Maurer, die daran arbeiteten, winkten uns jedes Mal, wenn wir vorbeikamen, und oft blieben wir stehen und schauten ihnen zu.

Als das Haus fertig war, pflückten wir auf der Wiese davor armeweise Huflattich. Einen Monat später war sie gelb von Löwenzahn. Im Sommer wuchs das Gras dort höher als die Kinder.

Dann liess die Familie dort einen Garten anlegen: immergrüne Gewächse, eine grosse Betonmauer, viel Schotter, viel Rindenmulch. Fast jedes Mal, wenn ich jetzt das Fräulein Maus zum Training fahre, sehe ich die Mutter des Klassenkameraden dort Unkraut zupfen. Oder mit der Löwenzahnzange den grossen Blattrosetten, die sich beharrlich auch auf Schotter und Rindenmulch ausbreiten, zu Leibe rücken. Wenn ich das Fräulein Maus zweieinhalb Stunden später wieder abhole, ist sie immer noch mit der Ausrottung der widerspenstigen Gewächse beschäftigt.

Also wir wären für so einen Garten ja allesamt zu faul.

(Und all die Hummeln, Bienen, Blaumeisen, Rotkehlchen, Spatzen, Mäuse und Eichhörnchen kommen auch lieber zu uns.)


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Sommer

Als ich meinen ersten Sommer in Finnland verbrachte und wir, wann immer es zwischen der Mäusearbeit ging, vom Steg der Forschungsstation in den See sprangen, erzählte mir die eine Feldassistentin, dass sie als Kinder im Sommer tagelang zwischen Sauna und See hin und her gerannt wären. „Die Sauna war immer warm, und deshalb war es war völlig egal, wie das Wetter war. So schön!“, schwärmte sie.

Der kleine Herr Maus und ich haben heute zu Ehren seines ersten Sommerferientags – die Schulkinder müssen noch bis zur Zeugnisausgabe am Samstagvormittag durchhalten – die Freibadsaison eröffnet.

Bei 10°C und Sturm.

Aber mit Sauna geht alles.

(Nur dass der Sprungturm noch geschlossen war fand der kleine Herr Maus ein bisschen ärgerlich.)


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„Es braucht ein ganzes Dorf…“

Ich wusste ja, dass der Tag kommen würde.

Aber das war doch erst gestern – und heute fuhr ich zwei volle Fahrradtaschen mit Ersatzklamotten, Regenkleidung, Vorschulheften, Stiftemäppchen sowie einem brechend vollen Kindergartenordner mit den Erinnerungen aus den letzten fünf Jahren nach Hause.

Zum allerletzten Mal.
Und ich habe auch nur ein ganz kleines bisschen innerlich gejammert.

Ich bin so dankbar für die Leute aus diesem Kindergarten, die unsere Kinder mit offenen Armen und Herzen aufgenommen und sie beim Grosswerden begleitet haben – den kleinen Herrn Maus sogar seine ganze Kindergartenzeit lang. Er hat über die ganzen Jahre mehr oder weniger die gleichen Betreuer gehabt und ist mit einer Schar Kinder grossgeworden, die jetzt gemeinsam in die Schule auf die andere Seite des Gebäudes wechseln – und ab und zu begeistert in den Kindergarten zurückkehren – wird. Und ich habe mit den Lieblingsbetreuerinnen abends beim Abholen oft mehr geredet als den ganzen Tag auf Arbeit.

Unser Dorf, sozusagen.

Ein Haus für die Putzfrau. Selbstverständlich!


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Maigeburtstag bei Kältewelle

Normalerweise bekommt bei uns das Fräulein Maus den ersten Tulpenstrauss des Jahres zum Geburtstag, der grosse Herr Maus den ersten selbstgepflückten Buschwindröschenstrauss, der kleine Herr Maus irgendeinen orangelastigen (Halloween!) und der Ähämann irgendeinen blau-weissen (Unabhängigkeitstag!) Blumenstrauss.

Dieses Jahr allerdings musste ich sogar dem grossen Herrn Maus seinen Geburtstagsstrauss kaufen, denn die Buschwindröschen hocken noch fröstelnd unter der Erde.

Zum Glück hatte er sich auch vor Monaten schon gewünscht, dieses Jahr zu seinem Geburtstag irgendwohin zu gehen, wo man klettern kann. (Und zum Glück gibt es da seit Neuestem diesen wirklich tollen Kletterplatz in Turku!) Denn Geburtstagsfeier im Garten wäre diesmal wirklich nicht drin gewesen.

(Immerhin: Es hat den ganzen Tag nicht geschneit! Die Sonne schien und die Temperaturen kletterten auf sensationelle 6 Grad plus!)