Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Wir wissen nicht, wie die Tonttus eigentlich in die Wohnung gelangen: Durchs Schlüsselloch? Durchs Fenster? Oder können sie sich gar durch Wände zaubern? Es hat sie ja noch niemals einer gesehen.

Aber auch diese Nacht sind sie wieder gekommen und haben die Adventskalender aufgehängt. Und Maria, Josef und den Esel haben sie auch mitgebracht.

Dass die sich selbst jeden Tag ein Stückchen näher zur Krippe bewegen, das haben unsere Kinder übrigens nie geglaubt. Aber zumindest zwei Drittel der Mäusekinder sind bis heute davon überzeugt, dass die Tonttus Nacht für Nacht kommen und die Krippenfiguren bewegen.

„Wir dachten ja immer, die Mama macht das“, hörte ich neulich die Herren Maus den Nachbarskindern berichten. „Aber letztes Jahr waren wir im Urlaub, und als wir wiederkamen, sind wir noch vor der Mama in die Wohnung reingegangen, und wisst ihr was?! Josef und Maria waren ein ganz grosses Stück weitergegangen!“

Was wäre auch eine Adventszeit ohne Wunder.


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Müdes Wochenende

Auf Freitagabend hatten sich ja alle fünf Familienmitglieder schon seit Wochen gefreut.

Die Schulkinder nämlich schliefen anlässlich der Kinderradionacht mit ihrer Deutschlehrerin und den anderen Muttersprachschülern wie jedes Jahr aushäusig.

Und weil dieses Jahr zum ersten Mal alle drei Kinder mitdurften, hatten der Ähämann und ich zum ersten Mal seit ewig Ausgang. Inklusive romantischem Spaziergang am Fluss entlang und Überfahrt mit der schon weihnachtlich beleuchteten Föri und sehr leckerem Essen.

Es ist jetzt natürlich nicht so, dass wir noch nie zu zweit ausgewesen wären, seit wir Kinder haben. Wir haben natürlich manchmal eine Oma, die auf die Kinder aufpasst, wenn sie zu Besuch ist oder wir in Deutschland sind, aber während wir da so sassen und assen und tranken und redeten und rund um uns alle schon wieder aufbrachen und wir einfach weiter sitzenblieben und noch einen Nachtisch bestellten, ging uns auf, dass es tatsächlich das erste Mal war, seit wir Kinder haben, dass wir theoretisch die ganze Nacht hätten wegbleiben können.

Hinterher stellte sich heraus, dass wir immerhin noch eine halbe Stunde eher schlafen gegangen waren als unser jüngstes Kind – das nämlich unbedingt das letzte Hörspiel noch zu Ende hatte hören wollen und deshalb tatsächlich bis zum Ende der Radionacht um zwei – wir sind hier ja eine Stunde weiter – aufgeblieben war.

Als die Kinder Samstagvormittag heimkamen, verschwanden das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus gleich wieder ins Bett, der grosse Herr Maus mit einem Buch in die Badewanne. Das Fräulein Maus mussten wir drei Stunden später wieder wecken, weil sie einen Turnauftritt im Einkaufszentrum hatte, den kleinen Herrn Maus leider schon nach einer halben Stunde, weil er von der Mutter eines Klassenkameraden zum Indoorspielplatzbesuch – er hatte zum Geburtstag nicht nur die Eintrittskarte geschenkt bekommen, sondern die Mutter hatte zusätzlich versprochen, die beiden Jungs hinzubringen und zu beaufsichtigen – abgeholt wurde. Er sprang trotzdem freudig auf, und wahrscheinlich war es das Beste, was ihm (und uns allen!) nach der kurzen Nacht passieren konnte.

Sonntagabend hatten wir uns dann auch alle wieder von der Freitagnacht erholt. Sogar wir Eltern. (Man ist ja nichts mehr gewöhnt…!)


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Im Mittelalter

Als man 1995 eine ehemalige Fabrikantenvilla in Turku zu einem Museum für moderne Kunst umbauen wollte, stiess man bei den Bauaurbeiten auf guterhaltene Mauerreste aus dem Mittelalter.

Deswegen ist das Museum heute ein doppeltes: im ersten Stock eins für wechselnde Kunstausstellungen, und im Keller eins für Archäologie.

Bei unserem Stadtspaziergang letzte Woche kam beim kleinen Herrn Maus der ganz dringende Wunsch nach einem Besuch im „Steinmuseum“ auf. Und so ging ich gestern mit den Herren Maus – während das Fräulein Maus und der Ähämann auf Wettkampfreise in Tampere waren – da hin.

Wir stiefelten durch altes Gemäuer, probierten mittelalterliches Spielzeug aus und hörten uns aus Knochen geschnitzte Flöten an. Seit neuestem gibt es da eine Sonderausstellung mit Tierknochen und -skeletten, die man bei den Ausgrabungsarbeiten gefunden hat, das freute den grossen Herrn Maus ganz besonders, der mir am Morgen erst wieder erklärt hatte, dass er Tiermuseen viel interessanter fände als Kunstmuseen. Am spannendsten aber fanden die Herren Maus – wie seit Jahren! – die Puppenhäuser, in denen man das mittelalterliche Leben nachspielen kann.

Die Dusche ist nicht aus dem Mittelalter. ;-)
(Sie gehört zu einer Badeanstalt, die sich Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls an dieser Stelle befand.)


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Rekord

Der gestrige Sonntag endete übrigens mit einem Besuch in der Notaufnahme.
(Waren wir ja auch schon lange nicht mehr…)

Der kleine Herr Maus nämlich, der schon den ganzen Tag ein bisschen angeschlagen war, fing abends plötzlich an „Mein Ohr! Mein Ohr tut so weh!“ zu jammern. Und erfahrungsgemäss begibt man sich dann besser sofort mit ihm zum Arzt.

Der Ähämann fuhr also den kleinen Herrn Maus und mich in die Notaufnahme, bevor er das Fräulein Maus vom sonntagabendlichen Training holte; abholen würde er uns dann irgendwann später, sobald wir eben fertig seien, das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus könnten ja schon mal schlafen gehen.

19:38 Uhr. Wir betreten den Wartebereich der Notaufnahme und haben noch nicht mal einen Blick auf unsere soeben gezogene Nummer – „Kinder unter 18“ – werfen können, da werden wir schon von einem Krankenpfleger in eins der Vorzimmer, wo grob eingeschätzt wird, welche Art Behandlung gebraucht wird und wie dringend die ist, gerufen. „Habt ihr angerufen?“, fragt er. „Äh… hätten wir das gesollt?“, frage ich zurück. „Ach naja, nee, ist nicht so wichtig. Also die Leute sollen ja eigentlich nur hierherkommen, wenn es wirklich dringlich ist, und deswegen beraten wir die Leute gern vorher am Telefon, aber man kann natürlich auch einfach vorbeikommen. Aber ich gebe euch mal die Telefonnummer mit… Worum geht’s denn?“ Ich berichte. „Alles klar. Henkilötunnus?“ Ich komme wie immer nur bis zum Geburtstag – die letzten vier Stellen weiss ich immer nur jeweils von dem Kind, mit dem ich zuletzt beim Arzt war – und fange an, die Kela-Karte rauszukramen, aber der Pfleger winkt ab: „Geburtsdatum und Name reicht auch!“ Und richtig hat er ihn auch gleich gefunden. „Du gehst ja schon in die Schule!“, sagt er zum kleinen Herrn Maus. „Gefällt’s dir in der Schule?“ Der kleine Herr Maus sieht elend aus, vergräbt sein Gesicht in Riesig, seinem Elefanten, den ihm der grosse Herr Maus noch fürsorglich vor der Abfahrt gereicht hat, und schüttelt den Kopf. Der Krankenpfleger öffnet uns die andere Tür, die, die in die Tiefen der riesigen und verschlungenen Notaufnahme führt, und zeigt uns: „Da ganz am Ende von diesem Gang ist das Kinderwartezimmer, da…“ „Ja,“ sag‘ ich, „danke, kennen wir. Wir sind öfter hier.“

Der kleine Herr Maus tappelt tapfer neben mir her. Im Kinderwartezimmer ist ausser uns niemand, nur ein kleines Mädchen, das aber offensichtlich schon irgendwie in Behandlung ist. Das heisst aber nichts – man kann da manchmal trotzdem noch zwei Stunden sitzen. Im Fernsehen läuft Eishockey, ein Buch haben wir auch dabei, aber der kleine Herr Maus vergräbt nur abwechselnd sein Ohr in meinem Schoss oder läuft wimmernd im Kreis. Und wir haben noch keine fünf Minuten gewartet, da wird er schon aufgerufen. „Hallo, komm rein, setz dich, ich bin Teemu, was hast du denn?“, fragt er den kleinen Herrn Maus. Ich berichte. Der Arzt guckt in die Ohren, in den Hals und hört den kleinen Herrn Maus ab. „Willst du auch mal hören?“, fragt er den kleinen Herrn Maus. Der nickt schüchtern und bekommt das Stethoskop umgehängt. „Hörst du? Das Bummbumm-bummbumm? Das ist dein Herzschlag.“ Der kleine Herr Maus lächelt. Der Arzt stellt ihm ein e-Rezept aus. Er klickt erstmal sehr viel mit der Maus rum und sagt entschuldigend zu uns: „Ich hab‘ hier alle Patienten stehen, ich muss das erstmal ändern… Ich bin eigentlich Anästhesist, aber wenn ich nicht gebraucht werde, dann arbeite ich einfach die Warteschlange mit ab.“ Er sagt übrigens nicht „Anästhesist“, sondern, damit der kleine Herr Maus ihn auch versteht, „Einschläferarzt“. (Und ja, so sagt man das auf Finnisch.) „Ach so,“ sagt er dann noch zu mir, „die werden da in der Apotheke mit dir diskutieren wollen, weil dieses Antibiotikum bisher eine Woche lang genommen werden musste. Aber wenn die Symptome wegsind, dann reichen fünf Tage. Lass dir die zweite Flasche nicht aufschwatzen!“ Und: „Tschüss!“, winkt er dem kleinen Herrn Maus und mir. 19:56 Uhr.

Unter zwanzig Minuten!
Das war sozusagen der Rekord an Schnelligkeit. Und Kinderfreundlichkeit!

Der kleine Herr Maus und ich mussten dann sogar noch zehn Minuten warten, bis der Ähämann mit dem Fräulein Maus von der Turnhalle gefahren kam und uns wieder einsammelte. Dann mussten wir noch in die einzige bis 23 Uhr geöffnete Apotheke im Stadtzentrum fahren; die erste Portion Antibiotikum flösste ich dem kleinen Herrn Maus noch dort ein. Zu Hause fiel er gleich ins Bett, schlief die ganze Nacht durch und wachte früh schmerzfrei auf.

(Hab‘ ich eigentlich schon mal gesagt, dass das finnische Gesundheitssystem gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf?!)