Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Hast du Töne?!

Da klebe ich – weil es mir wirklich Spass macht und weil ich weiss, dass sich die Empfänger über die tollen finnischen Briefmarken freuen – extra viele und schöne Briefmarken auf die Adventskalenderpost, und was passiert dann?! Weil die Briefe hier nur noch seltenst abgestempelt werden, fühlen sich deutsche Briefträger – mal wieder! – berufen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

(Und nein, das ist leider kein Einzelfall.)

Eine Beschwerde bei der Deutschen Post ergab… genau gar nichts. Seit einer Woche warte ich auf eine Antwort.

Ich dagegen bringe jetzt alle Briefe auf die Post und bitte um Abstemplung von Hand. „Oder sind das zu viele?“, fragte ich vorsichtig beim ersten Mal, als ich 20 Briefumschläge über den Tresen schob. „Nee, das kann ich schon machen“, sagte die Postfrau, und „Das ist ja wirklich ärgerlich!“, setzte sie noch hinzu, als ich ihr erklärt hatte, welchen Grund meine Bitte hat.

Als ich mich rumdrehte und zum Ausgang ging, hörte ich sie schon Stempel auf die Briefe hauen.

Nun hat die deutsche Briefträgerseele Ruh.


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kaksisataakahdeksankymmentä, kaksisataakahdeksankymmentäyksi

Letzte Woche ist der Herbst ausgebrochen. Die Schatten werden länger, die Nächte kälter, die Morgende feuchter und die Blätter tatsächlich schon bunter. Für die Finnen ist ja sowieso schon seit Schulbeginn offiziell Herbst, aber mich überrascht das jedes Mal wieder, wie schnell der Sommer dann tatsächlich zu Herbst wird. Trotzdem war ich jeden Tag zu warm angezogen. Nachmittags wird es nämlich noch richtig warm.

Letzte Woche waren wir alle zum ersten Mal nach den Sommerferien krank. Es husten auch alle Hortkinder, die Freunde unserer Kinder und die Kassiererin im Supermarkt. Die erste Läusewarnung ist auch eingetroffen. In Finnland halten sich auch Parasiten und Krankheitserreger an ihre Zeitpläne. (Im November haben dann alle Grippe, im März Magen-Darm und kurz vor Vappu nochmal eine langwierige Flunssa.)

Letzte Woche habe ich das Fräulein Maus zum Zahnarzt begleitet, und sie anschliessend mich. Eigentlich wollte ich, wenn ich schon mal da war, denn anrufen ist generell nicht so mein Ding, nur nachfragen, ob ich mir schon mal – die Studenten sind noch nicht aus den Semesterferien zurückgekehrt – einen Termin machen lassen könnte. Nachdem ich mehrmals gefragt wurde, ob ich mir ganz sicher sei, dass ich, denn es dauert ja auch alles viel länger, wirklich von einem Kandi behandelt werden möchte, ging dann alles ganz holterdipolter, denn ach, wir könnten eigentlich gleich mal schnell gucken, was da bei dir so gemacht werden muss, und wenn du noch zehn Minuten Zeit hast, dann können wir auch gleich röntgen. Ja, bitte, danke, gern geschehen, dein Kandi ruft dich dann in den nächsten Tagen an und macht mit dir eine Zeit aus, willkommen! (Ich bin wirklich sehr dankbar für die Ausbildungszahnklinik!)

Letzte Woche sind endlich unsere Briefwahlunterlagen angekommen. (Jena hat vermutlich überdurchschnittlich viele im Ausland lebende ehemalige Bürger.) Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden.

Letzte Woche spazierte eine Herde ausgebüchster Schafe über unseren Hof. In den Hundsrosen sahen wir eine Gelbhalsmaus turnen. Die Nachbarin warnte uns vor der Kreuzotter, die sie direkt neben dem Spielplatz gesehen hatte. Wir standen mit angehaltenem Atem hinterm Schlafzimmerfenster, als Freund Fuchs kurz seine Beute – eine gewaltige Schermaus! – unterm Vogelbeerbaum ablegte, um kräftig zu gähnen und ein wenig zu verschnaufen, bevor er gemächlich die Strasse entlang davonschnürte. Auf unserem Zaun sammelt eine Ringeltaube Kräfte für den langen Flug über die Ostsee. (So ist das, wenn man zehn Meter vom Wald wohnt.)

Letzte Woche habe ich mir auf Arbeit eine Blase in den Mittelfinger gespitzt. Die fünf kleinen Mädchen, die sich spontan zu mir gesetzt, geholfen und am Ende noch die zweihundertdreizehn Stifte farblich sortiert hatten, präsentierten mir am nächsten Tag ebenfalls Blasen an ihren Fingern. (Weia. Aber wir hatten grossen Spass.)

Letzte Woche habe ich am gleichen Tag die 280 gesehen – mittags vor der Schule, aus der ich die Erstklässler in den Hort abholte – und die 281 – abends vor der Musikschule, als ich die Herren Maus zu ihrer Klavierstunde brachte.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279]


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Traditionen weitergeben

Mein Schulanfang war das wunderbarste Fest meiner Kindheit.

3. September 1983

Und deswegen feiern wir auch die Schulanfänge aller unserer Kinder genau so: mit Verwandten, Freunden und Paten, mit Zuckertüte und Zuckertütenbaum und einem kleinen Schulanfänger, der den ganzen Tag im Mittelpunkt stehen darf.

Auch wenn so ein finnischer Schulanfänger eigentlich ohne viel Aufhebens einfach am ersten Schultag in die Schule marschiert.

Das machen wir dann am Dienstag.


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Dokument, wichtiges

Gerade eben habe ich mich fünf Minuten lang – vergeblich und schon leicht panisch werdend – auf der Suche nach der Abmeldebestätigung unserer letzten Wohnung in Deutschland durch die Ordner „Mietverträge“, „Bescheinigungen Deutschland“, „Studium“ und „Sonstige Bescheinigungen“ gewühlt.

Ich fand sie dann im Ordner mit meiner Geburtsurkunde, meinem Abi-, Diplom- und Doktorzeugnis, unserer Heiratsurkunde und dem offiziellen Finnisch-Sprachzertifikat. Was auch so ungefähr ihrem Wert entspricht.

(Das hätte ich mir ja auch nie träumen lassen, dass so ein Durchschlag auf rosa Seidenpapierchen, zu 90 Prozent geschwärzt, mal eines meiner wichtigsten Dokumente werden würde…)


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Im Arzgebirg is wahrlich schie…

Sechs Tage waren sehr kurz.

Aber immerhin. Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt. Wir haben uns die Sonne auf die Nasen scheinen lassen. Wir sind über, unter und in den Wolken gewandert und sind sogar durch Schnee gestapft. Ich habe einen Besuch gemacht, der mir sehr am Herzen lag. Wir haben Schnitzel gegessen und Bratwurst und Krapfen und Zuckerwatte und Waffeln mit Schlagcreme. Wir haben uns beleuchtete Fenster angeguckt und sind abends von Pyramide zu Pyramide gefahren.

Es war so schön, wie es im Advent im Erzgebirge nur sein kann.


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Komische Dinge

„Ach so, sowas wie ein Engelsgeläut…!“
„Sooo gross?!“
„Kann man da mitfahren?“
„Stehen die das ganze Jahr da?“
„Ach da sind nicht nur Krippenfiguren drauf?!“
„Bergmänner?!“

Oder: warum es so schwer ist, zu erklären, woher das Funkeln in unser aller Augen kommt, wenn wir von der bevorstehenden Reise erzählen.

(Wir rutschen dann jetzt mal mit unseren amputierten Winterreifen vorsichtig zum Hafen und durch Schweden. )


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Urlaubsreif

Solche Wochenenden treten seltsamerweise fast ausschliesslich im November auf.

Und zwar unabhängig vom Alter der Kinder. Von Freitagabend bis Sonntagabend Gebrüll, Geheul und Gezänk schaffen auch Zehn-, Acht- und Sechsjährige noch. (Es hat auch nur mässig geholfen, dass das Fräulein Maus eigentlich den ganzen Sonnabend auf einem Wettkampf war, und dass wir gestern auf Wunsch aller in der Eisbadesauna waren.) Ein Kind musste dann gestern Abend vor der Maus ins Bett. Ein anderes sorgte dafür, dass auch keine Gute-Nacht-Geschichte gelesen wurde.

Aber als wir uns ins Bett schlichen, lagen die beiden Streithammel engumschlungen friedlich schlafend unter einer Decke. ♥

Vielleicht sind wir alle im November – wegen finster und keine Ferien seit August – einfach nur schrecklich müde und fertig. Die Aussicht auf dieses Jahr gerade mal eine Woche und drei Tage Weihnachtsferien hilft auch nicht wirklich dabei, die Zähne einfach noch ein paar Wochen zusammenzubeissen.

Wir schaffen da jetzt einfach selber Abhilfe. Und machen Adventsurlaub. In der Haamit.

Der Rektor hat auch schon gute Reise gewünscht.

Vier Wochen noch.
Augenzuunddurch.


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Voneinander lernen (2)

Ganz eventuell habe ich heute früh einen neuen finnischen Begriff geschaffen.

„Du hast aber lustige Zöpfe heute“, sage ich zur derzeit liebsten Kindergartenfreundin des kleinen Herrn Maus. „Weisst du, wie wir die in Deutschland nennen?“

Sie findet es sehr erheiternd.

Als ich wieder aufs Fahrrad gestiegen bin und Richtung Arbeit davonradele, steht sie draussen auf der Treppe, führt – abwechselnd ihre Zöpfe mit den Fingern schaukelnd und auf den kleinen Herrn Maus zeigend – jedem Neuankömmling ihre Frisur vor, und inzwischen steht eine ganze Horde Vorschüler um sie herum und stimmt fröhlich in ihr geträllertes „Apinakeinu! Apinakeinu!“ ein.