Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Kurs, Praktikum, Praktikum

Das Beste am Finnischkurs ist ja, dass dazu ein mindestens zweimonatiges Praktikum gehört. Und dass dieser Praktikumsplatz über den Kurs vermittelt wird.

(Man sollte ja meinen, so einen Praktikanten, den man nicht einmal selbst bezahlen muss, würde jeder mit Kusshand nehmen – leider sieht es in der Realität ganz anders aus: Erstens wurden auch hier in letzter Zeit in vielen Unternehmen und Ämtern Angestellte beurlaubt oder entlassen – und in einem solchen Fall darf kein Praktikant als Ersatz eingestellt werden. Zweitens war es bisher oft so, dass so ein Praktikum eigentlich der Anfang eines Arbeitsverhältnisses war, und wenn sich ein Unternehmen sicher ist, dass es den Praktikanten nach Ablauf des Praktikums nicht einstellen können wird, dann lehnt es lieber auch gleich das ganze Praktikum ab.)

Und wer lange genug vergeblich an ausreichend vielen Stellen nachgefragt hat, der hat am Ende – zwei Praktikumsplätze!

Seit dieser Woche gehe ich also montags wie gehabt zum Sprachkurs, dienstags übersetze ich für ein Projekt, das regionale Kleinunternehmer bei der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt, Broschüren und Produktbeschreibungen für ihren Testverkauf auf dem Hannoveraner Weihnachtsmarkt, und mittwochs bis freitags arbeite ich beim Varsinais-Suomen Liitto unter Anderem in einem GIS-Projekt mit.

Diese Wocheneinteilung ist ein wenig stressig, aber unglaublich toll. Abwechselnd drei Sachen, die mir wirklich und ehrlich Spass machen!


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Finnischkurs heute:

Etätyö zu Hause.

Was eine Gnade, dass es immer noch jeden Tag sonnig ist! Und so warm! Und die Bäume noch grün!

(Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal, seit wir in Finnland wohnen, im Mai einen kleinen Panikanfall, weil es ja doch gleich wieder Winter werden würde. Und dann ist dieser Sommer nach dem von 2006 der schönste und längste geworden, den wir hier erlebt haben.)


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Vom Kurs

  • Seit ich von früh bis nachmittags Finnisch rede, ist mein Finnisch zwar noch nicht wesentlich besser geworden, aber die Hemmschwelle gesunken, es zu benutzen. Seit letzter Woche benutze ich überall, wirklich überall Finnisch, auch da, wo ich vorher dann doch lieber auf Englisch ausgewischen bin. (Ja, auch bei KELA. Ja, auch auf der Bank. Ja, auch am Telefon. Sogar in emails an die ehemaligen Kollegen, mit denen ich ausschliesslich Englisch gesprochen habe.)
  • Dafür fehlen mir, wenn ich doch mal Englisch rede, immer öfter Worte.
  • Am meisten Finnisch lerne ich in den Pausen, in denen wir entweder untereinander über allerlei auf Finnisch diskutieren, oder in denen ich mich mit dem Ähämann zum Mittagessen treffe und mit ihm und seinem finnischen Kollegen Finnisch rede.
  • Donnerstags haben wir das schöne Fach „Gemeinschaftskunde“. Letzten Donnerstag durften wir uns zwei Stunden lang in Gruppenarbeit über die verschiedenen Leistungen der finnischen Sozialversicherungsgesellschaft informieren. *gähn* Diese Woche durften wir dann in Gruppenarbeit dazu Infoblätter in A1 entwerfen. Die Lehrerin versorgte uns dazu mit Scheren, Filzstiften, Klebstoff und alten Zeitschriften zum Ausschneiden. *nochmehrgähn* Ich würde ja lieber Finnisch lernen. Oder wie man Bewerbungen schreibt.
  • Montags üben wir jetzt seit drei Wochen die Benutzung von Excel. Zum Glück gibt es genügend andere Dinge, die man in so einer Computerstunde tun kann.
  • Am Freitag gab es fünfzehn Paar leuchtende Augen bei der Lösung der Aufgabe „Erzähle uns, wie deine Familie ihren Urlaub verbracht hat, als du klein warst!“
  • Wenn keiner mehr weiter weiss, Finnisch zum erklären nicht ausreicht und die englischen Worte nicht einfallen, dann erklärt es irgendjemand mal eben auf Russisch. Mindestens die Hälfte der Kursteilnehmer ist dieser Sprache mächtig. Drei davon kommen aus St. Petersburg. Und zwei heissen Olga.
  • Freitags haben wir 13:00 Uhr Schluss, damit der Ägypter rechtzeitig in die Moschee kommt.
  • Der Ägypter missioniert gern. Er hat sehr strikte Ansichten darüber, wie ein Moslem zu leben hat, aber der Iraner – nach eigenen Aussagen nicht gläubig – kennt sich im Koran besser aus. Wenn in der Pause ein Europäer dem Ägypter eine Frage stellt und der anfängt zu dozieren, wirft der Iraner ein bedächtiges „Aber steht nicht im Koran, dass…?“ ein und sieht dann augenzwinkernd und lächelnd dabei zu, wie sich der Ägypter immer mehr in Fahrt redet.
  • Mittags kann ich jetzt immer mit dem Ähämann essen gehen.:-)
  • Schule ist anstrengend. So nach sechs intensiven Schulstunden bin ich immer ganz fertig.
  • Ich habe schon ziemlich lange nicht mehr so viele sympathische und interessante Menschen auf einem Haufen erlebt und so viel Spass gehabt!


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Sommerferien vorbei

Ich hatte mir das so vorgestellt, dass ich ein paar Tage mit dem Mäuseknäbchen im Kindergarten zur Eingewöhnung verbringen würde. Dass ich dann, wenn beide Kinder halbtags in den Kindergarten gingen, mich erstmal ein paar Tage ausruhen und mich dann den letzten zwei von der Doktorarbeit noch übrig gebliebenen papern, der Jobsuche und dem Bewerbungsschreiben widmen könne.

Vielleicht hätte ich auf dem Arbeitsamt dann nicht erwähnen sollen, dass ich gern mein Finnisch noch ein bisschen verbessern würde solange ich sowieso arbeitslos bin.

Letzten Mittwoch bekam ich dort noch gesagt, mein Finnisch sei zu gut für einen Kurs. Am Donnerstag bekam ich einen Anruf, ich könne am Montag zu einem Vorstellungsgespräch gehen, ob der Finnischkurs vielleicht doch was für mich wäre. Am Montag verbrachte ich den Vormittag mit dem Mäuseknäbchen im Kindergarten, rannte danach mit den Mäusekindern nach Hause, um nach des Mäuseknäbchens Mittagsschlaf sofort wieder aufzubrechen, die Mäusekinder an den Ähämann zu übergeben und zum Vorstellungsgespräch zu eilen.

Dienstagfrüh sass ich im Finnischkurs.

Ich habe mein altes Notizbuch herausgekramt, das, was noch aus meinen Zeiten am Umweltamt stammt, weswegen innen auf der Deckelseite noch die Telefonnummern von der Sekretärin, dem Fuhrpark und dem Mann mit dem Pick-up stehen (für den Fall, dass ich beim Kartieren mit dem Dienstauto irgendwo steckenbleiben würde). Vorn drauf klebt eine Werbung der finnischen Eisenbahn mit den beiden Steinmännern vom Helsinkier Hauptbahnhof, wie sie sich online ein Zugticket kaufen. Auf den ersten Seiten stehen lustige finnische Sätze, die mir die beiden finnischen Austauschstudenten, mit denen ich mich in Bielefeld einmal in der Woche traf, beigebracht haben. Dann begann mein erster Sprachkurs in Turku. Ich sass damals mit den gleichen gemischten Gefühlen im Kurs wie jetzt. Ich war glücklich, endlich von Grund auf und systematisch die Sprache des Landes, in dem ich fortan für zumindest lange Zeit leben wollte, lernen zu können. Und ich langweilte mich schrecklich. Ich hatte mein gesamtes Finnisch im Alltag gelernt – und jetzt sollte ich auf einmal Sätze formulieren wie in der Grundschule: „Matti steht halb acht auf. Dann macht er Frühstück. Er isst ein Butterbrot und trinkt ein Glas Milch…“ Schrecklich!

Jetzt geht es mir genauso. Ich kann immer noch nicht die sechs Typen finnischer Verben. Ich weiss nicht, welcher Fall wie heisst. Bei mir heissen die „In-Fall“ und „Hinein-Fall“ und „Heraus-Fall“ statt Illativi und Inessivi und wie sie alle heissen. Ich kann sie richtig anwenden, aber ich kann sie nicht benennen. Es macht mich wütend – Diese sture Grammatikpaukerei! Diese infantilen Beispieltexte! – und ich langweile mich manchmal schrecklich. Und dann wieder sitze ich da und denke: das ist genau das, was ich eigentlich mein Leben lang machen könnte – Sprachen lernen! Das macht so einen Spass! Und wenn ich einen ganzen Tag lang nur ein Wort gelernt habe, dass ich vorher noch nicht kannte…

So ist das. Und so sitze ich da jeden Tag im Kurs mit dem Ägypter, der in Tübingen studiert hat und fliessend Deutsch spricht, mit der Finnin, die in Schweden geboren ist und überhaupt kein Finnisch kann, mit dem gutmütigen Bären aus Petersburg, mit der Psychologin und Mutter eines kleinen Kindes aus Georgien, die den ganzen Kurs mit Pausenbroten versorgt, mit dem Mazedonier, der aussieht wie 18, aber schon Zahnarzt ist, mit dem Informatiker aus dem Iran, der der ruhende Pol des Kurses ist… und fühle mich wohl.

(Das Mäuseknäbchen hat die kürzeste Eingewöhnungszeit gehabt, die man sich denken kann. Dafür hat er auch den besten Betreuungsschlüssel gehabt, den man sich denken kann. Die ganze Woche wurde er 1:1 betreut. Anfang der Woche waren nur drei Kinder in seiner Gruppe – und drei Betreuer. Gestern waren sie vier Kinder – da war inzwischen aber auch der vierte Betreuer aus dem Urlaub zurückgekommen.)