Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Sommer

Als ich meinen ersten Sommer in Finnland verbrachte und wir, wann immer es zwischen der Mäusearbeit ging, vom Steg der Forschungsstation in den See sprangen, erzählte mir die eine Feldassistentin, dass sie als Kinder im Sommer tagelang zwischen Sauna und See hin und her gerannt wären. „Die Sauna war immer warm, und deshalb war es war völlig egal, wie das Wetter war. So schön!“, schwärmte sie.

Der kleine Herr Maus und ich haben heute zu Ehren seines ersten Sommerferientags – die Schulkinder müssen noch bis zur Zeugnisausgabe am Samstagvormittag durchhalten – die Freibadsaison eröffnet.

Bei 10°C und Sturm.

Aber mit Sauna geht alles.

(Nur dass der Sprungturm noch geschlossen war fand der kleine Herr Maus ein bisschen ärgerlich.)


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Von 3 auf 27 in zwei Tagen

Letzten Freitag ist der Sommer ausgebrochen.

Nachmittags entledigen wir uns alle nach und nach unserer Schuhe. Das Gras ist noch eher herbstlich verdorrt als frühlingsgrün, aber der erste Löwenzahn blüht schon, und wir, wir laufen barfuss! Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Abends hat das Fräulein Maus Abschlusskonzert in der Musikschule. Es dauert keine halbe Stunde, und die Harfenlehrerin entlässt alle mit den Worten: „Und jetzt habt ihr euch alle ein Eis verdient!“ in den Sommer. „Kriegen wir wirklich ein Eis?“ hüpfen drei Kinder um mich herum, und eins hat ausserdem einen dringenden Herzenswunsch: „Ich würde so gerne Elektroföri fahren…!“ Wir fahren also mit der Föri auf die andere Flussseite, kaufen viermal Eis im Supermarkt und fahren anschliessend, bis das Eis aufgegessen ist, dreimal mit der Föri hin und her. Sie ist bei jeder Fahrt brechend voll. Die Leute tragen alle Sonnenbrillen und sommerliche Kleidung. (Viele auch Bierdosen.) Die Restaurantboote und Bars an beiden Ufern sind gut besucht, von einem der Restaurantboote schallt Livemusik weit über den Fluss. Motorboote pflügen durch den Aurajoki, auf den Uferstrassen sind erstaunlich viele Oldtimer und Motorräder unterwegs. Es fühlt sich an wie ein Sommerabend im Juli. (Man kann ja nicht wissen, ob es vielleicht der einzige Sommertag des Jahres bleibt.) Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Als wir heimkommen, wechsele ich schnell die Federbetten gegen dünne Sommerdecken. „Dürfen wir kurze Schlafanzüge anziehen?“, fragen drei Kinder erwartungsvoll und hüpfen vor Freude, weil sie dürfen. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Am Wochenende muss das Fräulein Maus bei einem von ihrem Sportverein organisierten Laufevent helfen, der kleine Herr Maus hat ein Fussballturnier und der grosse Herr Maus macht mit den Pfadfindern eine Radtour. (Es ist übrigens das erste Fussballturnier, bei dem ich nicht erbärmlich friere.) Sobald sie jedoch nach Hause kommen, schleudern sie die Schuhe von den Füssen, schlüpfen in Badesachen und liefern sich stundenlange Wasserschlachten mit den Nachbarskindern. Ich hänge mehrere Mount Evereste Wäsche nach draussen. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Die Bäume werden grün und grüner, die Tulpen blühen für zwei Tage, die ausgesäten Radieschen, Möhren und Erbsen wagen sich endlich aus der Erde heraus, am Himmel hängen nur ein paar Schönwetterwölkchen, und das Wasser aus allen drei Regentonnen ist schon wieder aufgebraucht. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

So ist das mit dem finnischen Sommer.
(Bis zur nächsten Kaltfront.)


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Maigeburtstag bei Kältewelle

Normalerweise bekommt bei uns das Fräulein Maus den ersten Tulpenstrauss des Jahres zum Geburtstag, der grosse Herr Maus den ersten selbstgepflückten Buschwindröschenstrauss, der kleine Herr Maus irgendeinen orangelastigen (Halloween!) und der Ähämann irgendeinen blau-weissen (Unabhängigkeitstag!) Blumenstrauss.

Dieses Jahr allerdings musste ich sogar dem grossen Herrn Maus seinen Geburtstagsstrauss kaufen, denn die Buschwindröschen hocken noch fröstelnd unter der Erde.

Zum Glück hatte er sich auch vor Monaten schon gewünscht, dieses Jahr zu seinem Geburtstag irgendwohin zu gehen, wo man klettern kann. (Und zum Glück gibt es da seit Neuestem diesen wirklich tollen Kletterplatz in Turku!) Denn Geburtstagsfeier im Garten wäre diesmal wirklich nicht drin gewesen.

(Immerhin: Es hat den ganzen Tag nicht geschneit! Die Sonne schien und die Temperaturen kletterten auf sensationelle 6 Grad plus!)


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Schnee an Frühblühern

Der kleine Herr Maus war ja gleich dagegen.

„Tulpen im Schnee?! Was ist denn das für ein Quatsch?! Das ist doch kein Frühlingsbild!“, protestierte er, als ich kurz vor Ostern meine Lieblingswinterpostkarten gegen meine Lieblingsfrühlingspostkarten tauschte.

Ich mag diese Postkarte aber. So ist der finnische Frühling nun mal. Oft jedenfalls. Also im April.

Jetzt aber haben wir Mai.

Ich tausche das Bild jetzt sofort um. Gegen eine Sommerpostkarte!

(Heute vor einem Jahr war T-Shirt-Wetter. Ich kann’s beweisen!)


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Saisonabschluss

Obwohl wir diesen Winter gar nicht sooo oft eisbaden waren – irgendjemand war immer krank oder hatte etwas anderes vor – haben wir es diese Saison immerhin geschafft, sowohl am allerersten als auch am allerletzten Tag da zu sein.

Heute Baden bei Schneesturm.
Zwischen Schwänen, Strandläufern und Seeschwalben.

(So ist das im April. )

Dann zogen die Aprilwetterwolken davon und machten Platz für blauen Maihimmel.


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Ostermontag

Ich hatte ja die leise Hoffnung, dass, wenn Ostern so spät ist, es dann vielleicht doch ausnahmsweise mal ein bisschen warm ist.

Tja nun. Dass es an jedem der vier Feiertage schneit, hatten wir auch noch nicht.

Schneeschauer sind ja aber gar nicht so schlecht. Immerhin muss man vor denen nicht davonrennen – man wird ja nicht nass. Und es sah schon jedes Mal recht schön aus, wenn der nächste Schneeschauer so herangeweht kam und Millionen Schneeflöckchen vom Himmel tanzten. Und dann der leuchtendblaue Himmel dazu, wenn die Sonne wieder rauskam!

Heute am Meer ganz besonders.

(Nur den Anorak, den würde ich dann jetzt schon ganz gerne endlich mal einmotten.)