Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Novembergeburtstag, coronakonform

Wie er denn seinen Geburtstag feiern wolle, fragte ich vor etlichen Wochen den kleinen Herrn Maus.

Nur mit seinem besten ehemaligen Schulfreund, und ob wir vielleicht mal wieder im Dunklen in den Wald gehen könnten.

Und so fuhren wir heute Abend mit Würstchen und Grillkäse und Mäusespeck und Geburtstagstorte zu Turkus schönster Feuerstelle. Sogar ein bisschen geschneit hatte es zur Feier des Tages!

Novembergeburtstage sind toll!

Am allerallerschönsten aber war, dass wir hinterher noch genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Aussichtsturm geklettert waren, um das Rotorsegel der „Grace“ über die Baumwipfel der nächsten Insel hinwegziehen zu sehen.


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St. Martin 2020

St. Martin spielte in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, keine Rolle.
(Laternenumzüge fanden, wenn, dann an Sommerabenden statt.)

In Finnland auch nicht. Aber in Turku organisiert die Deutsche Gemeinde jedes Jahr einen Martinslauf. Wir waren genau ein Mal da, denn mir war die ganze Sache zu… äh… deutsch. Aber mit den Hortkindern ist Laternenbasteln und Martinslaufen toll.

Gebastelt haben wir dieses Jahr auch.

Wer will, kann seine eigene Laterne dazubringen. Oder sich mit seiner Laterne vor dem Laternenfenster fotografieren lassen.

Und statt Martinstag machen wir Martinswoche.

Es kann gar nicht genug – behagliches (!) – Licht geben hier im Norden in dieser Jahreszeit.


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Halloween 2020

Ausschweifende Feiern wie im letzten Jahr fielen ja aus Gründen aus.

Das Fräulein Maus hatte ausserdem erstmal einen vierstündigen Harfenkurs.

(Ihre Harfenlehrerin hat mal als Darth Vader verkleidet auf ihrer goldenen Konzertharfe auf der Kinderstation des Turkuer Krankenhauses Stücke aus Star Wars vorgespielt. ♥)

Als das Fräulein Maus heimkam, wurde es gerade dunkel, und wir holten alle Halloweenkerzen raus und stellten den Kürbis – der einzige, der sich in diesem Sommer an der fünf Meter langen Kürbisranke, die sich zuletzt vom Kompost einmal um den Weihnachtsbaum bis unter die Hängematte schlängelte, gebildet hatte – vor die Tür. Um Süssigkeiten betteln kam niemand. Unter der Nachbarskinderschar hat es sich sowieso seit Jahren eingebürgert, dass sie in der Dunkelheit verkleidet um die Häuser huschen, an Türen klopfen und heimlich Tütchen mit Süssigkeiten auf die Schwelle legen. Der ehemalige beste Schulfreund des kleinen Herrn Maus, der am Nachmittag zum Spielen gekommen war, blieb spontan zum Übernachten, und so fühlte es sich dann doch noch ein bisschen nach Party an.


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kolmesataaseitsemänkymmentäyksi

Am Donnerstag fühlte ich mich auf der Turkuer Umgehungsstrasse wie auf einer deutschen Autobahn. Es war gerammelt voll, und die Leute fuhren alle völlig kopflos, viel zu schnell und überholten gefährlich.

Es war der Tag vor Juhannus. Das ist der Tag, an dem in finnischen Supermärkten Zustände herrschen wie in Deutschand am Tag vor Heiligabend, weil jeder noch Grillgut und Alkohol besorgen muss. Das ist auch der Tag, an dem die Polizei zu Ruhe und Gelassenheit im Strassenverkehr mahnt und an dem es das einzige Mal im Jahr Stau gibt in Finnland, weil alle ins Mökki fahren, auch die, die sonst nie ins Mökki fahren.

Wir sind da raus. Wir fuhren auch nur kurz bei IKEA vorbei, eine Matratze abholen, damit der kleine Herr Maus jetzt, wo es so warm ist, auch unter seinem Hochbett schlafen kann, und in den Sportladen nebenan, damit der grosse Herr Maus sich von seinem Sommerferiengeld endlich das heissersehnte Skateboard kaufen konnte.

Danach fuhren wir noch zu den beiden Pflegekatzen. Nebenher unterhielten wir uns über die Kennzeichen, die wir gerade suchen. Der kleine Herr Maus die 38, der grosse Herr Maus die 36. „Und du, Mama?“ „Die 371.“ „Seit wann suchst du denn schon?“ „Seit September 2006.“ „Das ist aber schon lange!“ „Ja, da war das Fräulein Maus noch ein Baby!“ (Und der Iso schob es im Kinderwagen, während Pinni mir diesen Floh ins Ohr setzte.) „Ich gucke aber auch nicht ständig auf jedes Kennzeichen. Da würde ich ja gar nichts anderes mehr sehen.“ Und natürlich, kaum hatte ich das gesagt, guckte ich dann doch erstmal auf jedes Kennzeichen der uns entgegenkommenden Autokolonne. Und musste sehr grinsen. Und der kleine Herr Maus rief auch schon von der Rückbank: „Mama! Hast du’s auch gesehen?! Da war die 371!“

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Mittsommer 2020

2020 ist alles anders.
Sogar Juhannus.

Dieses Jahr gab es keine Juhannusfeuer – keine privaten wegen Waldbrandgefahr, und keine öffentlichen wegen Corona.

Dafür war das Wetter aussergewöhnlich schön: fast 30 Grad und Sonne, beides bis spätabends. (Normalerweise feiern wir Juhannus in Wollpullovern und mit Mützen. Und manchmal verbringen wir Juhannus komplett in der Sauna.)

Und so packten wir einfach den Picknickkorb und blieben bis Sonnenuntergang um 23 Uhr am Lieblingsstrand.

Während des Abendbrots musste ein aus dem Wasser geretteter Marienkäfer aufgepäppelt werden.

Und fuhren danach durch die helle Nacht nach Hause.

Und das – die langen Abende und die hellen Nächte – ist schliesslich die Hauptsache an Mittsommer!


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Coronaklausur, Tag 54

Finnland hat 5913 bestätigte Coronafälle.

Die Kinder waren schon seit Tagen sehr aufgeregt. Muttertag ist ein grosses Ding in Finnland und fällt nicht aus, nur weil in der Schule keine Geschenke und Karten gebastelt werden konnten. Das können sie schliesslich auch allein!

Als wir gegen zwölf fertig gefrühstückt hatten, hatte der kleine Herr Maus Schwimmtraining im Kinderzimmer. (Der grosse Herr Maus machte auch mit.) Danach hätten wir gerne Kaffee und Kuchen eingepackt und an einem hübschen Platz mit Aussicht wieder ausgepackt, aber leider stürmte es wie Sau, was unsere Motivation, einen Schritt vor die Haustür zu setzen, gegen Null sinken liess. Da ich ja sowieso immer am Muttertag in der Erde wühle, nahm ich mir diesmal die Reihe Zimmerpflanzen vor, die dringend umgetopft werden musste. Das Fräulein Maus machte derweil – am Ende tatkräftig unterstützt vom kleinen Herrn Maus – Grossputz in der Sauna. (Da bei uns in der Sauna auch Wäsche- und Klammernkörbe herumstehen sowie alle unsere Strandspielsachen in wasserdichten Kisten unter der Saunabank gelagert werden, ist das keine Kleinigkeit und deshalb das, was bei der täglichen Sisyphosarbeit Putzerei und Aufräumerei am ehesten immer wieder aufgeschoben wird.) Und nachdem wir endlich die letzte Folge des schon vor Ostern aufgenommenen „Russland von oben“ angeguckt hatten – Ich möchte jetzt sofort in den Zug steigen und bis nach Wladiwostok fahren! – saunierten wir noch bis zur „Maus“ kurz vorm Schlafengehen in einer blitzblanken Sauna.


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Coronaklausur, Tag 45

Finnland hat 5051 bestätigte Coronafälle.

Heute war, könnte ich mir vorstellen, für viele Finnen der bisher schwerste Tag dieses Coronafrühlings: denn was ist Vappu ohne Heerscharen von Studenten, die am Vorabend gemeinsam durch die Strassen ziehen und feiern, ohne Chorauftritte unter freiem Himmel, ohne Picknick im Park und ohne Rummel?!

Wir liessen uns vom Picknickmachen nicht abhalten. Weder von Corona – es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass wir unser Picknick nicht im Observatoriumspark, sondern an einem ruhigen Fleckchen gemacht hätten – noch vom Wetter.

Die Kinder verkleideten sich, der grosse Herr Maus trat als Zauberkünstler auf, und das Fräulein Maus dachte sich lustige Spiele für uns aus.

Ich sehne mich sehr nach Wald, weil wir ja schon das letzte Wochenende komplett drin verbracht haben. Aber das schlechteste Vappu hatten wir nicht.

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Presseschau.

Yle hat Fotos nebeneinandergestellt, die zeigen, wie es zu Vappu 2020 im Vergleich zu anderen Jahren an genau den gleichen Helsinkier Orten ausgesehen hat.