Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Echt finnische Sommerferien

In unserer ersten Sommerferienwoche waren wir jeden Tag an einem anderen Strand.

Am See gibt es eine ganz und gar neue Sauna, am Sprungturmstrand gibt es einen neuen Sprungsturm, die Sauna neben der Sandgrube hat einen neuen Ofen bekommen und die Sauna ganz draussen wird gerade noch renoviert.

Die ganze Woche war es heiss und sonnig. Gebraucht hätten wir keine Sauna, aber mit Sauna ist es immer schöner als ohne Sauna.

Heute machte der Sommer eine Pause. Es war nicht kalt, aber regnete den ganzen Tag über mal mehr, mal weniger. Wenn kurz die Sonne rauskam, gab es öffentliche Sauna. Es roch nach feuchten Birkenblättern und wurde mit jeder Stunde grüner.

Wir fuhren in unsere Mittwochs- und Samstagssauna, denn Sauna bei Regen ist mindestens genauso schön wie Sauna bei Sonne.

Nach jedem Saunagang schwammen wir gemeinsam mit den drei Streithähnenschwänen vom letzten Jahr. Sie scheinen sich übrigens mit ihrer unglücklichen Dreierbeziehung abgefunden zu haben.


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Schwarzweiss statt Bunt

Fast hätte Turku so einen schönen Fussgängerüberweg bekommen, wie wir ihn letztes Jahr im isländischen Akureyri gesehen haben.

Dass so etwas in Deutschland nicht gehen würde, war mir letztes Jahr schon klar. Dass sowas in Finnland auch nicht geht, ist eine grosse Enttäuschung.

(Vielleicht wäre es der erste und einzige Fussgängerüberweg im Land geworden, der tatsächlich ernst genommen worden wäre. So viele vertane Gelegenheiten im Namen des Gesetzes!)


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Endlich!

Nach fast zehn Monaten waren wir am Montag wieder in einer öffentlichen Sauna mit natürlichem Gewässer.

In der Sauna am See, die, als wir das letzte Mal dort waren, den letzten Tag geöffnet war. Die neue Sauna ist schon seit Mitte Mai fertig, war aber wegen der Coronabeschränkungen noch bis Sonntag geschlossen.

(Sie war sogar so neu, dass der gerade angeheizte Saunaofen – es ist auch in der neuen Sauna wieder ein Holzofen! – noch qualmte und stank. Erst nach einer Stunde gab sich das, und dann roch das Fichtenholz der neuen Saunabänke ganz wunderbar.)

Der Ähämann hatte sein mobiles Homeoffice dabei und arbeitete mit Blick auf den See, die Kinder und ich wechselten unzählige Male zwischen Sauna und See hin und her. Nicht, dass die Sauna nötig gewesen wäre – es war so heiss, dass es am späten Nachmittag in der Ferne sogar ein bisschen blitzte und donnerte, und das Seewasser war geradezu lauwarm – aber ach, war das wunderbar…! Und wie sehr uns die Eisbadesauna gefehlt hatte den ganzen Winter über…!

Wir blieben bis abends um neun, als die Sonne den See und den Wald golden färbte. Das ist sowieso die schönste Tageszeit.

Passend zum Thema: Finnische Saunakultur steht seit Dezember 2020 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESO.


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Gewusst wie

Woran freut sich ein Kind, das an der Ostsee aufgewachsen ist – aber an der Seite der Ostsee, wo sie aussieht wie ein grosser See, wo sie keinen Horizont hat und sich sommers nie zu grossen Wellen auftürmt?

Daran, dass es seine Familie davon überzeugen kann, abends so lange am Lieblingsstrand zu bleiben, bis die drei Schwedenfähren vorbeiziehen, um dann in die jeweils 12 Minuten später anrollenden Bugwellen zu hüpfen.

(Mama und Papa zucken nachsichtig mit den Schultern, wenn die Kinder „Wellen! Wellen!!!“ juchzen.)


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Tschüss, Coronaschuljahr!

Am Sonnabend, während die Kinder bei ihren Zeugnisausgaben waren, kochte ich das letzte Maskensüppchen des Schuljahres. Sie brauchten für die anderthalb Stunden jede*r nur noch eine, und so hatte ich am Freitagabend alle Viere grade sein lassen.

Ich weiss nicht, was ich gedacht hatte, als wir alle mit Schuljahresbeginn anfingen – freiwillig, denn eine Maskenempfehlung, geschweige denn eine Maskenpflicht, gab es da noch nicht – Masken in der Schule und auf Arbeit zu tragen. Dass ich von da an jeden Abend Maskensuppe kochen und jeden Morgen Filtereinlagen in die getrockneten Masken friemeln würde, an jedem einzelnen Schultag, ein ganzes Schuljahr lang, das habe ich zu dem Zeitpunkt glücklicherweise nicht einmal geahnt.

Die Kinder hatten über das Schuljahr verteilt mehrere Wochen Distanzunterricht – weil ihre Klasse in Quarantäne war oder einfach nur prophylaktisch – und waren doch die meiste Zeit in der Schule. Manchmal fühlte es sich an wie Russisches Roulette. Als endlich eine Maskenempfehlung für Schüler*innen kam – erst nur für 7. bis 9. Klasse, dann auch für Sechstklässler*innen, ab Ende Januar endlich auch für die 4. und 5. Klasse – atmeten wir alle ein bisschen auf. Für drei Wochen mussten sogar die kleinsten Schulkinder und somit auch unsere Hortkinder Maske tragen – danach war es zum Glück leidlich warm, so dass wir alle Fenster aufreissen konnten. Dass die Schulen hier fast durchgängig auf waren und es trotzdem zu keinen nennenswerten Ausbrüchen unter Schulkindern gekommen ist, haben wir, denke ich, vielleicht dem effizienten Lüftungssystem, mit dem jedes finnische Gebäude ausgestattet ist, zu verdanken.

Wir gewöhnten uns daran, die Kinder beim kleinsten Halskratzen zu Hause zu lassen, waren unzählige Male im Krankenhausparkhaus, trugen „Wartet auf das Coronatestergebnis“ als Abwesenheitsgrund ins Wilma ein und verschickten erleichterte „Negativ!“-SMSe an den Klarinettenlehrer, die Harfenlehrerin und die beste Chefin.

Apropos Musikschule. Eine der besten Errungenschaften dieses Schuljahres war für mich, dass wir für ein hustendes, schniefendes oder zu Quarantäne verpflichtetes Kind jederzeit, zur Not zwei Minuten vor Beginn der Stunde, eine Klavier-, Klarinetten- oder Harfenstunde per Skype vereinbaren konnten.

Das Schuljahr glitt vorbei als eine Aneinanderreihung gleichförmiger Schultage, gespickt mit Hygienemassnahmen. Als die Herbstferien anfingen, hatte ich das Gefühl, es sei gerade mal September. Die Weihnachtsferien fühlten sich eher wie Herbstferien an. Im März sagte der grosse Herr Maus: “Jetzt ist es schon ein ganzes Jahr her, dass wir zum ersten Mal Distanzunterricht hatten!“, und es fühlte sich an wie höchstens ein halbes. Keiner der geplanten Ausflüge ins Museum, ins Konzert, in die Oper nach Helsinki fand statt, die Wissenschaftskreuzfahrt wurde dreimal verschoben und dann endgültig abgesagt, es gab keine Weihnachtskonzerte, keine Frühlingsfeste und keine Zeugnisausgabe mit Eltern und gemeinsamem Suvivirsi-Singen. Vor allem der große Herr Maus, der ohne Eltern und die sonst üblichen Feierlichkeiten in die Oberschule verabschiedet wurde, tat mir leid.

Die Kinder waren zweieinhalb Wochen vor den Ferien komplett durch mit ihrem Schulstoff, gaben ihre Lehrbücher zurück und mussten dann, weil der Kalender so komisch verschoben ist dieses Jahr, sogar noch eine Woche länger als sonst in die Schule, bis in den Juni hinein. Die Vorfreude auf die Sommerferien war gross und hielt sich gleichzeitig in Grenzen. Kein Aufbruch zum Hafen gleich am Abend nach der Zeugnisausgabe. Überhaupt keine Reisepläne. Höchstens die unbestimmte und innige Hoffnung, vielleicht im Juli wenigstens nach Estland fahren zu können. Während letztes Jahr das der beim Schopfe gepackten Gelegenheiten war, wird es diese in diesem Jahr für noch nicht Vollgeimpfte nicht geben. Warum auch, es gibt ja schon genug vollgeimpfte Rentner Menschen. Der Preis für die unempathischste Aussage geht übrigens an den Chef der finnischen Gesundheitsbehörde: „Plant euren Sommerurlaub so, dass er erst nach der zweiten Impfung stattfindet!“, empfahl er letzte Woche. Zur Erinnerung: unsere Zweitimpfung bekommen der Ähämann und ich eine Woche nach Ende der Sommerferien. Und für die Kinder, so sie denn überhaupt geimpft werden, ist noch lange kein Impfstoff vorhanden, noch nicht einmal für eine Erstimpfung vor Beginn des nächsten Schuljahres.

Es war ein seltsames Schuljahr.
Aber immerhin sind wir gesund geblieben.


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Abendspaziergang, Sommerversion

Gestern – es war passenderweise Weltfahrradtag – machten wir eine spontane Radtour auf die nächste Insel.

Der Ähämann und die Herren Maus kamen mich von Arbeit abholen, und weil mein letztes Hortkind schon zehn vor fünf gegangen war, schafften wir sogar den Wasserbus, der drei Brücken weiter abfährt.

(Wir wären auch die ganze Strecke geradelt, aber mit der Linie 180 – die einzige in Turku, die Fahrräder kostenlos transportiert – spart man sich zum Nahverkehrstarif den auch landschaftlich nicht sehr verlockenden Umweg um den ganzen Hafen herum.)

Eine halbe Stunde später bekamen wir unsere Fahrräder vom Wasserbus heruntergereicht, schwangen uns drauf und fuhren im Abendsonnenschein durch die maiglöckchenduftenden Eichenwälder, für die die Insel in ganz Finnland berühmt ist, zu einem Sommercafé in einer der vielen hübschen Holzvillen, für die die Insel ebenfalls berühmt ist.

Wir blieben so lange, dass wir noch der ersten der Schwedenfähren zuwinken konnten. Dann radelten wir durch maiglöckchenduftende Wälder zurück, schafften noch einen kurzen Abstecher auf den Spielplatz und fuhren mit dem letzten Wasserbus zurück.

Glück und Herzhüpfen.
Noch zwei Tage bis Sommerferien!


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Wahllokal, pandemiekonform

Eigentlich wären in Finnland schon im April Kommunalwahlen gewesen. Weil es zu der Zeit aber coronamässig eher mies aussah, wurde sich nach viel Hin und Her darauf geeinigt, sie auf den 13. Juni zu verschieben. Bis dahin wären vielleicht nicht nur die Infektionszahlen wieder gesunken, sondern man hätte dann auch mehr Vorbereitungszeit, um die Wahlen sicherer zu organisieren.

Seit dieser Woche kann man vorwählen – in Bibliotheken, Supermärkten und auch in der Uni.

In der Uni ist diesmal allerdings falsch. Auf dem Uniparkplatz kann man wählen. Wir kamen mit dem Fahrrad, aber es ist gleichzeitig auch eins von drei oder vier Drive-in-Wahllokalen in Turku. Das Wahlbüro befindet sich in einem Weihnachtsmarkthüttchen, daneben steht die Wahlkabine. Zusätzlich müssen alle Wähler*innen Maske tragen und bekommen ihren Stimmzettel erst, wenn sie sich die Hände desinfiziert haben.

Sehr lustig. (Zum Glück regnete es nicht.)

Es wäre diesmal für mich einfacher gewesen, in der Hauptbibliothek zu wählen. Aber warum soll ich irgendwas in geschlossenen Räumen machen, wenn es auch draussen geht?! Und ausserdem war es der perfekte Ort, um der ehemaligen Mitdoktorandin meine Stimme zu geben.


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neljäsataa

Am Mittwoch habe ich auf dem Weg zur Arbeit alle Kennzeichen sehr intensiv angeguckt. (Obwohl ich das sonst nicht tue.) Aber so eine glatte Zahl wie die 400, die habe ich noch nie gesehen, dachte ich, da müsste ich mich besonders anstrengen. (Zumal die liebste Freundin ja leider auch keine Hilfe mehr ist in der Sache.) Nun. Die 400 kam mir so unübersehbar entgegengefahren, als ich Hortkinder abholen ging, dass ich mir das intensive Gegucke wirklich hätte sparen können. (Hinterher sah ich diese Woche auch noch zweimal die 300 sowie zweimal die 500. Wie das so ist mit der selektiven Wahrnehmung.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397, 398-399]


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kolmesataayhdeksänkymmentäkahdeksan, kolmesataayhdeksänkymmentäyhdeksän

Als ich nach der Impfung dann gestern mit dem Fahrrad auf Arbeit fuhr – Pfingstmontag ist kein Feiertag in Finnland – kam mir genau an der Stelle, an der ich Anfang März das Plakat mit der Aufforderung, sich impfen zu lassen, fotografiert habe, eine 398 entgegen. Zum Glück hat es ja dann doch keine zehn Monate, sondern nur noch zehn Wochen gedauert.

Und auf dem Heimweg kam mir dann auch gleich noch die 399 entgegen.

Heute Impfkater. Der Impfstoff und mein Immunsystem tun offensichtlich, was sie sollen.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397]


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2x Moderna im Arm

Der Ähämann und ich haben heute einen Ausflug ins Messezentrum gemacht. Die Austellung war, um es mit den Worten des Ähämanns zu sagen, eher öde, dafür war der Eintritt frei.

Es ging dann doch überraschend schnell.

In Finnland wird – abgesehen von ein paar wirklich drastischen Risikogruppen wie Organtransplantations- oder Krebspatienten sowie Menschen mit Down-Syndrom, Diabetes oder chronischen Herzkrankheiten – strikt in absteigender Altersreihenfolge gegen Covid-19 geimpft.

(Das scheint dem norwegischen Impfsystem sehr zu ähneln, und dazu hat Frau Rabe schon alles gesagt, was ich dazu gern sagen möchte.)

Von Hundertnochwas bis 56 bekamen in Turku alle automatisch eine Einladung per SMS. Weil aber offensichtlich dann doch recht viele Leute ihren Impftermin gar nicht wahrgenommen haben, wurde Anfang Mai ein Link freigeschaltet, unter dem sich 18- bis 55-Jährige, die die Impfung wirklich wollen, registrieren konnten. Den Registrierten wird dann nach und nach – nicht in Anmeldereihenfolge, sondern ebenfalls in absteigender Altersreihenfolge – automatisch per SMS ein Termin zugewiesen. Der Ähämann, der zwei Jahre älter ist als ich, bekam seine Einladung letzten Dienstag für heute, ich am Freitag für Donnerstag.

Geimpft wird in Turku am Arsch der Welt im Messezentrum anderen Ende der Stadt. Es gibt dort 25 Impfstationen – es können also jeweils 25 Leute gleichzeitig geimpft werden – und sehr wenig Bürokratie (Name aufrufen, KELA-Karte kontrollieren, Spritze in den Arm, Zettel mit Folgetermin in die Hand drücken, bitte da entlang und dort noch 15 min warten, auf Wiedersehen!) und sicher geht es auch deswegen so schnell voran mit den Impfungen hier.

Apropos schnell. Finnland hat von Anfang an die Impfintervalle auf 12 Wochen hochgesetzt, damit möglichst schnell möglichst viele Leute überhaupt erstmal eine Impfung bekommen. Finde ich gut – macht sich nur blöd für den EU-Impfpass, weil mit dem ja nur vollgeimpfte Leute reisen dürfen, unsere Zweitimpfung aber erst eine Woche nach Ende der Sommerferien stattfinden wird. (Nein, Herbstferien sind kein Trost. Okay, eine Woche im Advent im Erzgebirge schon. Ein bisschen.)

Weil der Ähämann auch schon mal umkippt nach einer Impfung, fuhren wir gemeinsam hin, damit ich ihn wieder nach Hause fahren konnte. Eingedenk meiner Erfahrungen bei der Schweinegrippenimpfung hatte ich vorsorglich meinen Impfpass heute schon mal dabei und durfte mir tatsächlich die Impfung heute schon verpassen lassen und meinen Donnerstagstermin canceln einem anderen dringend auf die Impfung Wartenden überlassen.

Naja, Impfpass. Dieses Konzept ist hier ja eher unbekannt – Impfungen stehen wie alles andere in der digitalen Patientenakte – und ich habe schon mehrere Neuvolatanten und Schulschwestern in Erstaunen versetzt, als ich ihnen gesagt habe, dass man den Aufkleber von der Ampulle mit dem Impfstoff abmachen und in den gelben Pass kleben kann. („Das ist ja praktisch!“ Ja.) Heute gab es keine Aufkleber, weil schlicht keine dran sind an den Einzeldosen, und noch nicht mal einen Stempel, weil, nun ja, Stempel hierzulande nicht so einen Stellenwert besitzen wie in Deutschland. (Vor Jahren besuchte das Fräulein Maus mit mir die ehemaligen Kolleg*innen auf dem Jenaer Umweltamt, entdeckte den Stempelhalter auf dem Schreibtisch des einen – „Mama, was ist das denn?!“ – bekam dann ein Blatt Papier gereicht und war für die nächste Stunde beschäftigt.)

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Freude und Erleichterung weitergeben.

Weil die Impfung für uns kostenlos war, haben wir beide den Preis für unsere Impfdosen dafür gespendet, dass auch Menschen in ärmeren Ländern gegen Covid-19 geimpft werden können.