Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Reiserückblick (6): im Osten

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Es ist ja so: auf der Hinfahrt ist die Fährüberfahrt nach Stockholm, obwohl längst Routine, noch aufregend, ist sogar Brunch bei IKEA in Schweden ein kulinarisches Highlight, ist es ganz schön, mal wieder ein paar Tage in Deutschland zu verbringen. Aber richtig im Urlaub fühlen wir uns erst, wenn wir Deutschland Richtung Osten verlassen haben.

Zunächst aber machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp in meiner Geburtsstadt, bei meinen Eltern zwei weitere Fahrräder abholen, die sie nicht mehr benutzen, die aber das gleiche Modell sind, die der Ähämann und ich als Winterfahrräder fahren und trotz ihrer 20 Jahre auf dem Buckel noch moderner und besser ausgestattet sind als alles, was man hierzulande kaufen kann, und die jetzt die Jungs als Winterfahrräder bekommen werden. (Es war auch Plan B als Ganzjahresfahrrad, falls wir in Jena kein Fahrrad für den kleinen Herrn Maus bekommen hätten, und er war dann auch sehr begeistert, dass das ja gar kein „Omafahrrad“ ist, was er kriegen sollte.) Fortan fuhren wir also mit drei Fahrrädern auf dem Dach durch Europa.

Der Erzgebirgskreis wollte offensichtlich wiedergutmachen, dass er uns im Dezember die Urlaubspläne versaut hatte, und beglückte uns mit einer längeren, landschaftlich sehr hübschen Umleitung kurz vor der tschechischen Grenze.

(Weihnachtsberge und Pyramiden ein halbes Jahr eher wären uns trotzdem lieber gewesen.)

Dann aber fing der schönste Teil der Reise an.
Zunächst mit zwei Nächten und einem Tag dazwischen in Prag.

Seit wir die Kinder im Kindergartenalter mit unserer Lieblingshauptstadt bekannt gemacht und bei unserer ersten Sommerreise, bei der wir nicht nur einen, sondern alle unsere Lieblingsorte in Mitteleuropa besuchten, in Prag Zwischenstopp gemacht haben, fragen die Kinder bei jeder Reise, ob wir auch wieder nach Prag fahren können. Eins denkt dabei ans Metrofahren, eins an das leckere Essen in der Vorstadtkneipe, eins mag die Kleinseite und eins lieber den Wenzelsplatz. Es war Zeit für alles. Sogar für die Apostel an der Altstädter Rathausuhr. Auch für – warum hat jede osteuropäische, aber keine deutsche Ferienwohnung eine Waschmaschine?! – drei Maschinen Wäsche. Und für Auf-einer-Autobahnbrücke-stehen-und-den-Autos-zuwinken, wo die LKW-Fahrer nicht nur zurückwinkten, sondern hupten und lichthupten. Nur der Weg durch den Hirschgraben auf die Burg, von dem wir erst beim letzten Besuch in einem Reiseführer in der Ferienwohnung gelesen hatten und der damals angeblich gerade restauriert wurde, war immer noch gesperrt (und wird es vermutlich auch bleiben).

Dann aber: Richtung Berge.

Wie immer mit Mittagspause in Austerlitz und der von Jahr zu Jahr drängenderen Frage, wann die Menschheit endlich etwas aus all den sinnlosen Kriegen der Vergangenheit gelernt haben wird.

Hinter Slavkov beginnt mein Lieblingsabschnitt der Reise – obwohl die 200 km Autobahn von Prag nach Brno diesmal auch ok waren, weil es zum ersten Mal seit… 1989 vermutlich… keine einzige Baustelle gab – denn da fahren wir immer weitab von Autobahnen und Fernverkehrsstrassen durch liebliche mährische Landschaft, und am Horizont sind schon die ersten Ausläufer der slowakischen Berge zu sehen.

Der kleine Herr Maus hatte übrigens irgendwann während der Fahrt verkündet, er würde gleich abends noch zur Schafswiese laufen, notfalls alleine.

Aber nach drei Jahren ohne Berge und einem ganzen Tag im Auto brauchte es nicht viel Überredung.

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