Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Reiserückblick: Isländisches Viechzeug

11 Kommentare

Ich war nie ein Pferdemädchen. Und bis heute finde ich Kühe, Esel, Schafe und Ziegen viel süsser als Pferde.

Aber die kleinen Islandpferdchen, die dort allüberall so malerisch in der Gegend herumlaufen – und bei schlechtem Wetter ganz ergeben stundenlang mit gesenktem Kopf auf der Stelle stehen – die habe ich gleich ins Herz geschlossen.

Unser erster Zeltplatz lag direkt neben Islands höchstgelegener Farm, auf der es neben Schafen und einem zutraulichen gefleckten Hund eine ganze Herde Pferde gab.

Während wir das Zelt aufbauten, stand das Fräulein Maus am Zaun und hielt den Pferden Gras hin. Während wir abwuschen, stand das Fräulein Maus am Zaun und streichelte Pferde. Während wir Rucksäcke packten, stand das Fräulein Maus am Zaun und wedelte den Pferden Fliegen aus dem Gesicht. Sie verbrachte jede freie Minute dort, und bevor an unserem zweiten und letzten Morgen dort eine Gruppe Reiterinnen zu einer Ganztagstour aufbrach, durfte sie sogar eine kleine Runde reiten.

Noch mehr als von den Pferdchen war ich natürlich trotzdem von den Schafen begeistert. Die leben in Island den ganzen Sommer über frei wie hierzulande die Rentiere und werden erst im Herbst wieder zusammen- und für den Winter in den Stall getrieben. Sie stehen, meist in Dreiergrüppchen, allüberall: neben den Strassen, auf den Strassen, am Strand, an Flussfufern und auf den Bergen.

Schnell wusste ich, dass ich auch so einen Islandpullover als Andenken haben möchte. Und zwar einen von einem schwarzen Schaf. Denn die schwarzen Schafe sind die allersüssesten. Am vorletzten Tag fanden wir zum Glück einen Nicht-Souvenirladen, in dem Frauen aus der Gegend ihre Handarbeiten verkaufen und wo man sich unter ungefähr dreihundert Pullovern entscheiden konnte musste.

Ich freu‘ mich jetzt schon auf den Herbst und Winter, wenn mich das schwarze isländische Schaf schön warm halten wird.

11 Kommentare zu “Reiserückblick: Isländisches Viechzeug

  1. Tollste Erinnerung in der kalten Jahreszeit.

  2. Leider ist die schwarze Wolle nicht von einem schwarzen Schaf, sondern von einem weißen Schaf und Farbe. ISTEX, der Hersteller der isländischen Wolle will nur weiße Schafvliese, da diese am einfachsten und ohne viel Umstand und Sortiererei zu bearbeiten sind. Darum werde in Island mittlerweile mehr und mehr weiße Schafe gezüchtet und die farbigen Schafe werden immer weniger.
    Vor einigen Jahren ging es durch alle Zeitungen, dass nahezu alle Farben von ISTEX, auch die Naturfarben, gefärbt sind. Es ist sehr, sehr traurig, aber es ist halt der Kommerz.
    Sei froh, dass du einen Laden gefunden hast, in dem wirklich von isländischen Frauen handgearbeitete Pullover verkauft werden. Sehr häufig werden isländische Pullover in China (!) gestrickt. Da geht die Wolle nach China, dort werden die Nadeln gewetzt, dann geht der fertige Pulli zurück nach Island und bekommt seinen Einnäher „Handarbeit“. Stimmt natürlich, keine Frage, es steht ja nicht dabei, dass er in China handgestrickt wurde. Zumindest das Material und das Muster sind aber aus China.

    Ich gehe davon aus, dass dein Pulli ganz normal gestrickt ist, soll heißen, es gibt keinen Unterschied zwischen Vorder- und Rückseite (in der Regel sind isländische Pullover so gestrickt). Paß unbedingt darauf auf, dass du ihn nicht immer auf die gleiche Seite anziehst, sondern auch andersherum. Ich packe meinen Pulli Immer und ziehe ihn einfach an, ohne Kontrolle, wie er eingetragen ist, also wo die Ellenbogen hinzeigen. Das hilft, dass man den Pulli nicht immer nur in eine Richtung anhat und sich die Form in der Wolle abzeichnet. Gerade bei den Ellenbogen ist das sehr schlecht, weil sich diese sich sonst durchscheuern würden und das wäre sehr schade und es kostet halt auch Arbeit, um das Loch zu stopfen bzw. zuzustricken. Das hinten-vorne-hinten-vorne schon das Gestrick und hält den Pulli länger schön.
    Und lege ihn immer wieder in die feuchte Nacht- oder Morgenluft, dann mußt du den Pulli eigentlich nie waschen. Isländische Wolle ist von genialer Qualität und extrem pflegeleicht. Sie filzt leicht, darum muß man vorsichtig sein, wenn man den Pulli wäscht aber netterweise muß man das auch nicht. Ich habe Pullis, die ich seit ewigen Zeiten habe und die immer noch komplett sauber und geruchsfrei sind. Wenn ich mir was darüberschütte, nehme ich es sofort mit einem Tuch auf, dann ist es in der Regel auch vorbei. Die Wolle nimmt Schmutz nicht an. Übrigens auch kein Parfum, wenn man sich da einen Liter drüberkippt, ist der Duft ziemlich bald spurlos verschwunden.

    Viel Spaß mit deinem schönen Pulli, du wirst sehen, was für eine geniales Teil das ist und von was für einer super Qualität.

    • Mir fehlt zwar noch das Reiseland und der Pullover, aber wenn für beides die richtige Zeit ist, habe ich deine guten Hinweise hoffentlich noch im Kopf. Danke für den ausführlichen Kommentar – und natürlich auch den beeindruckenden Reisebericht ..

    • Danke für die Tipps. Die waren mir jetzt nicht sooo neu, weil ich sowieso recht viele Wollsachen haben, aber trotzdem. :-)
      (Und ja, ob die Wolle evtl. doch nur gefärbt ist, habe ich mich auch gefragt. Aber wir haben echt viele schwarze Schafe gesehen!)

      Und keine Sorge, wenn ich schon endlich mal ein Kleidungsstück habe, bei dem ich nicht vor dem Anziehen nach einem Etikett oder anderen versteckten Hinweisen suchen muss, dann werde ich das zu geniessen wissen, es einfach zufällig über den Kopf zu ziehen!!! :-)

      • Sorry, aber viele Leute kennen sich heutzutage nicht mehr mit Wolle aus, weil sie nur Fleecesachen haben. Wollte dir nicht zu nahe treten. Aber auch mit Wollerfahrung wirst du feststellen, dass isländische Wolle eine Klasse für sich ist. Ich trage meine Pullover auch bei leichtem Regen, wo alle anderen Pullover in der Regel aufgeben und obwohl ich meine Pullover wirklich für alles anhabe, sind sie deutlich Schmutzresistenter wie mein anderes Wollzeug. Das liegt an der einmaligen Wolle der isländischen Schafe. Man spürt den Unterschied von Anfang an, also schon beim Griff ins Vlies. Ich verspinne isländische Wolle sehr, sehr gerne, weil sie so einzigartig durch die Finger läuft, wich ich es bei noch keiner anderen normalen Wolle erlebt habe. Und egal ob selbstgesponnen oder maschinell gesponnen, ist es ein Traum, das Material zu verstricken.

        Natürlich gibt es schwarze Schafe, deren Wolle wird aber in der Regel nicht verkauft, weil eben ISTEX nur weiße Wolle kauft. Es gibt allerdings eine Handvoll privater Wollverarbeiter, welche teilweise farbige Wolle kaufen. Auch ich gehöre dazu. Bauern, die Schafe nur wegen des Fleisches halten und die sie nur scheren lassen, wenn es unvermeidbar ist, haben natürlich auch farbige Schafe. Die abgezogenen Häute werden in der Regel gleich vom Schlachthaus aus an die Gerber geliefert. Dort kann man dann überwiegend farbige Felle kaufen, weil die einfach hübscher sind wie die langweilig weißen.

    • Ups, was ist hier passiert, was habe ich da angestellt. Wo slospielt drauf steht, ist Sigga drin!

  3. Ich glaube, bei dem Pullover – in genau dieser Farbvariante – wäre ich auch schwach geworden.

    Die Tipps von slospielt sind Gold wert. Bewahre in nur ja auch Mottensicher auf. Im Sommer am besten in eine dichtschliessende Plastiktüte mit Lavendel oder Zedernholz drin. Dann sollte nichts passieren.

    Ich werde mir meinen Schafwollpullover oder -jacke wohl selbst stricken (müssen), Wolle dafür habe ich auf dem Spinnrad. Aber das dauert und zieht sich bei der dunkelbraunen Wolle wie Kaugummi. Und dann muss dann ja auch noch gestrickt werden.
    Das wird wohl meine Lebensaufgabe. Mal sehen, in welchem Jahrzehnt diese dann fertig ist.

    Danke für deinen interessanten Reisebericht, es macht immer noch großen Spaß, bei dir rein zuschauen.

    Liebe Grüße aus Thüringen
    Sandra

    • Ich habe meine beiden mistgetragenen Pullover, einen dicken und einen dünnen, immer offen herumliegen, weil sie selbst hier in Bayern an einem kühleren Sommertag perfekte Dienste leisten. Zudem mögen die Motten hell gar nicht und Bewegung hassen sie auch. Entsprechend liegen meine Pullover auf dem Bügelbrett im hellen und luftigen Zimmer und seit Jahren ist alles gut.
      Man muß immer aufpassen, wo und wie man wohnt. Ich ziehe jetzt dann in ein älteres Haus um, mit kleinen Fenstern. Da muß ich mal schauen, wie ich auf meine Sachen aufpasse, momentan denke ich, dass es ausreicht, das Bügelbrett direkt unter dem Fenster zu positionieren. Und alle anderen Sachen sind in den Ziplocktüten und diese sind dann in Plastiktüten mit mottenabwehrenden Mitteln. Alles nicht so einfach.

  4. Ich war ja ein Pferdemädchen. Meine Töchter waren Pferdemädchen. Meine Enkelin ist Pferdemädchen.
    Als wir in Island waren, fünf Freunde und zwei Töchter, durfte sich jeder einen Wunsch erfüllen. Das Kleine Kind und ich, wollten den 4. Gang beim Islandpony finden. Also waren die Freunde wandern und wir reiten. Und ich hatte sogar das Glück, ein 5-Gang- Pferd zu haben. Das war so toll. Und von so einem äußerst liebenswürdigen und sanftmütigen Pony aus sieht Island noch mal anders aus. Die Schafe auch *grins*

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