Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Reiserückblick: Auf dem Mars

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Zu den skurrileren Auswirkungen von Reisen in Zeiten von Covid-19 gehörte, dass wir uns drei Tage vor Ankunft, als wir an einem abgelegenen schwedischen See das Online-Einreiseformular für Island ausfüllten, schon für einen Zeltplatz entscheiden mussten – genauer gesagt, für Zeltplätze für die ersten vier Nächte – um die Adresse angeben zu können.

Der Zeltplatz war ein Glücksgriff.

Als wir kurz vor Mitternacht in die Schlafsäcke krochen, murmelte der Bach hinterm Zelt, die Singschwäne gaben schlaftrunkene Laute von sich, der Himmel war mittsommernachtshell und die Berge ringsum leuchteten rosa.

(Als ich nachts mal rausmusste, lag Raureif auf den Wiesen, und die zum Trocknen an den Sturmleinen aufgehängten Badeklamotten waren steifgefroren.)

Wir beschlossen spontan, tatsächlich noch eine zweite Nacht zu bleiben, obwohl wir uns nach dem Testergebnis ohne weitere Meldepflicht frei im Land hätten bewegen dürfen.

Der kleine Herr Maus nämlich wollte auf die Berge. Und wir anderen eigentlich auch. Also vielleicht nicht ganz hoch, aber wenigstens ein bisschen in dieser wunderbaren Landschaft wandern.

Wir besorgten uns eine Wanderkarte, suchten uns einen passenden, kleineren Rundweg aus, stiegen ins Auto, um die paar Kilometer bis zum Ausgangspunkt zu fahren, und standen… am Anfang einer F-Strasse.

Die darf man eigentlich nur mit Allradantrieb befahren, und das Schwierigste an ihnen ist wohl, dass man immer mal einen Fluss durchqueren muss. Aber wir mussten sie ja nicht mehr als zwei Kilometer benutzen. Also sondierten wir vorsichtig die Lage und beschlossen dann, dem Löwen Balthasar die Strasse zuzumuten. Unbefestigte Strassen kennt er ja von zu Hause, zwei der drei zu überquerenden Wasserläufe waren komplett ausgetrocknet, der dritte ein Rinnsal, und Regen nicht in Sicht.

Dann schulterten wir unsere Rucksäcke – am schwierigsten fand ich bis zuletzt, einzuschätzen, wie viele und welche Art Klamotten man braucht – und stapften los. Also stapfen im Wortsinn. Der Wanderweg ist alle 50 Meter mit weissen Pflöcken markiert, aber es gibt keinen ausgetretenen Pfad. Man geht also querfeldein über Lava und Lavasand und ab und zu mal ein bisschen Vegetation und sinkt bei jedem Schritt ein. Schnell war klar, dass wir die neun Kilometer bis zur ausgeschilderten Schlucht und zurück nicht schaffen würden, weil jeder Schritt doppelt so anstrengend war wie normalerweise. Ausserdem schwankte die Erde immer noch bei jedem Schritt, bei manchen Bewegungen wurde mir auch kurzzeitig schwindlig – was das Gefühl, nach langer Reise auf dem Mars gelandet zu sein, noch verstärkte.

Wir folgten also zwei oder drei Kilometer lang dem Wanderweg, dann bogen wir auf den Kamm einer kleinen Bergkette ab, die nur aus bröseligem, schwarzem Lavagestein bestand, liefen eine Weile oben entlang, stiegen auf der anderen Seite wieder ab und schlugen uns durch bis zu einer Fahrspur, die zu unserem Ausgangspunkt zurückführte und auf der es sich ganz angenehm lief.

„Können wir noch auf den Berg gehen? Und auf den?“, fragte der kleine Herr Maus alle fünf Minuten. Hätte ich auch gern gemacht. Aber es warteten ja noch andere wunderbare Landschaften auf uns.

7 Kommentare zu “Reiserückblick: Auf dem Mars

  1. Hach, ich könnte gleich wieder hinfahren

  2. Wer braucht schon den Mars, wenn man Island hat…

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