Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Coronaklausur, Tag 35

7 Kommentare

Finnland hat 4014 bestätigte Coronafälle.

Der Ähämann war gestern Abend zum ersten Mal seit neun Tagen wieder Lebensmittel einkaufen. Er kam erst nach zehn wieder heim, danach verstaute er noch eine halbe Stunde die Einkäufe nach einem ausgeklügelten, mittlerweile ganz gut etablierten System. Wie ich mich freue auf die Zeit, wenn wir uns die ersten Tage nach einem Einkauf in unserer Küche endlich nicht mehr verhalten müssen wie damals im Labor beim Mikrobiologiegrundpraktikum…!

Wir gingen zu spät ins Bett. Zum Glück hatte das Fräulein Maus heute eine Stunde später Schule und auch wir Eltern konnten bis um acht schlafen!

Kurz nach neun fühlte ich mich wie im Grossraumbüro: vier Personen murmelten gleichzeitig in ihre digitalen Endgeräte.

Die beste Chefin rief mich erst mittags altmodisch auf dem Handy an. Bis dahin gab ich mein Bestes, den dieses Jahr ausfallenden Tag der offenen Tür in unserem Hort, den wir normalerweise Anfang Mai für die zukünftigen Erstklässler und ihre Eltern veranstalten, durch einen ansprechenden Flyer zu ersetzen. Und mir natürlich ein Wissenschaftsdienstagsexperiment aus den Fingern zu saugen. (Das Heureka hat da ein paar nette Sachen auf seiner Seite.)

Ansonsten brach heute der Sommer aus, und zumindest ein Teil der schulbildungspflichtigen Kinder zog zumindest für den analogen Teil des Schultags in den Garten um.

Auch Mittagessen gab es auf der Terrasse. Nach und nach entledigten wir uns eines Kleidungsstücks nach dem anderen. Früh waren die Autos auf dem Parkplatz vorm Haus noch bereift gewesen, nachmittags liefen wir barfuss durch den Garten.

Wir holten zum ersten Mal dieses Jahr die Sonnencreme raus, und wo ich vor ein paar Monaten noch gedacht hatte: vielleicht haben wir es ein bisschen übertrieben mit der Vorratshaltung, wo wir doch im Juni guten und preiswerten Nachschub kaufen können, bin ich jetzt froh, dass wir gleich mehrere Tuben im Schrank stehen haben. An Sonnencreme wird es uns nicht mangeln diesen Sommer. (An festem Shampoo, an Bierbrause, an Spee, Fit und vor allem an einem neuen Fahrrad für den grossen Herrn Maus dagegen schon.)

Um drei schnappte sich der grosse Herr Maus seine „1,2 oder 3“-Tasche und sprang zur Buswendeschleife. Seine Lehrerin brachte Schulmaterialien: Arbeitsblätter, grosses, dickes Papier für die nächsten Kunstarbeiten, bei Bedarf auch Bücher aus der Schulbibliothek und Hefte, Bleistifte oder Radiergummis. Dem kleinen Herrn Maus brachte sie auf unsere Bitte hin ein paar Hefte mit einer Speziallineatur mit, die es im Supermarkt nicht gibt. Und für jeden hatte sie eine persönliche Karte gebastelt.

Ich habe das dann jetzt jedenfalls endlich mal zum Anlass genommen, mich bei allen drei Klassenlehrerinnen ausführlich dafür zu bedanken, dass unsere Kinder in diesen Zeiten in Finnland zur Schule gehen Unterricht haben dürfen.

7 Kommentare zu “Coronaklausur, Tag 35

  1. Ich lese jeden Tag mit Begeisterung Dein Tagebuch, meist am Frühstückstisch, danke!
    Liebe Grüße,
    Juergen

    • Ich lese auch sehr gerne und genieße zur Zeit die Ausflugsfotos noch mehr. Vielen Dank!
      Magst du Euer Küchen/Einkaufssystem vielleicht grob erklären? Hier gibt es da noch verschiedene Auffassungen von Notwendigkeit…

      Viele Grüße

      • Liebe Nadine!
        Deine Frage ist für mich noch nicht so ganz klar. Was meinst Du?
        Liebe Grüße
        Juergen

        • Entschuldige, da habe ich auf das flasche „Antworten“ geklickt, ich bezig mich hierauf: „Wie ich mich freue auf die Zeit, wenn wir uns die ersten Tage nach einem Einkauf in unserer Küche endlich nicht mehr verhalten müssen wie damals im Labor beim Mikrobiologiegrundpraktikum…!“

          • Also mir war’s schon klar, aber ich bin noch nicht zum Beantworten gekommen. ;-)

            Aaalso:

            Hauptsächlich geht es natürlich darum, diese Mengen an Einkäufen für fünf Personen überhaupt irgendwie sinnvoll in den Schränken zu verstauen, denn sooo riesig ist unsere Küche auch wieder nicht und von sowas wie einer Speisekammer können wir auch nur träumen.

            Ausserdem vesuchen wir die Sachen so zu sortieren, dass die neuesten Sachen nicht mit den älteren vermischt werden und wir eben auch noch wissen, was wir gerade erst gekauft haben. Klar, es ist nicht bewiesen, dass das Coronavirus auch über Oberflächen übertragen werden kann, aber es ist eben auch nicht widerlegt. Und solange das alles nicht sicher ist, wollen wir nicht mühselig alle anderen Hygieneregeln einhalten, uns dann aber an einer Chipspackung, die vorher erst ein Verkäufer in der Hand hatte, auf die er vielleicht doch geniest hat, anstecken. Das heisst, frisch gekaufte Verpackungen, die wir gleich benutzen müssen, werden entweder gründlich mit Spülmittel abgewaschen, oder lange genug gelagert, bevor sie benutzt werden. Oder, um auf das Beispiel der Chipstüte zurückzukommen: die wird dann z.B. aufgerissen, ein Teil des Inhalts in eine Schüssel gekippt, die Tüte wieder weggepackt, dann werden HÄNDE GEWASCHEN und dann kann man die Chips aus der Schüssel essen.

            • Vielen lieben Dank. So läuft es hier auch, inklusive Platzmangel. Nur manchmal Frage ich mich, ob ich es damit übertreibe, weil es anfangs allen anderen Familienmitgliedern auf die Nerven ging und auch auf Dauer anstrengend ist, das durchzuhalten.
              Viele liebe Grüße und alles Gute

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