Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Coronaklausur, Tag 25

5 Kommentare

Finnland hat 2905 bestätigte Coronafälle.

Seit wir alle immerzu zu Hause sind, sind wir gefühlt andauernd am Putzen, Waschen, Kochen, Tischdecken, Geschirrspülereinräumen, Seifenstückewechseln. Wenn wir fertig sind, müssen wir wieder von vorn anfangen. Der Aufwasch hat sich verdoppelt, die Menge an Staub hat sich verzehnfacht, die Seife löst sich von alleine auf.

Der Ähämann ging gestern Abend zum Wocheneinkauf ins Prisma. Halb zehn, da war es recht ruhig. Gelobt seien die finnischen Ladenöffnungszeiten! (Alkoholhaltige Getränke standen ja nicht auf dem Einkaufszettel.)

Ich musste heute trotzdem nochmal in den Lidl, wegen Sachen, die es nur dort gibt. Unter anderem die einzigen Brötchen, die in Finnland diesen Namen verdient haben. Wir schaufeln die am Backstand immer in unsere wiederverwendbaren Gemüsetüten, frieren sie zu Hause ein und tauen sie dann nach und nach zum Frühstück auf. Am Backstand gibt es derzeit aber nur fertig in Papiertüten gepackte zwei oder vier Brötchen. Ob ich ein paar mehr haben könnte, gleich in meinen eigenen Beutel, fragte ich einen, der gerade einräumte. Wenn ich 20 Minuten Zeit hätte, könne er mir 18 Stück aufbacken, sagte er. Fand ich nett. Ich packte den Einkaufswagen voll mit Dingen für mindestens die nächsten sieben Tage, dann bekam ich zwei meiner Stoffbeutel gereicht mit den Worten: „Vorsicht! Die sind noch ganz heiss!“

Das Fräulein Maus hat mir vorm Einkaufen übrigens schnell noch was genäht, aus einer ehemaligen Wickelunterlage und einem ehemaligen Lieblingsschlafanzug des kleinen Herrn Maus (der so geliebt war, dass er am Ende keine Knie und keine Ellenbogen mehr hatte).

Ich stehe übrigens mit meiner finnischen Blauäugigkeit einigermassen fassungslos vor den deutschen Grabenkämpfen ums Masketragen und dass in so einer Situation tatsächlich dann auch noch Abmahnanwälte aus ihren Löchern gekrochen kommen, weil jemand einen nicht erlaubten Begriff für so ein selbstgenähtes Ding benutzt.

Ähnlich fassungslos machen mich Blogs – keine, die ich – Gott bewahre! – regelmässig lese, aber ich habe in den letzten Wochen öfter hier und da rumgelesen, weil ich es schön finde, persönliche Erfahrungen zu lesen, wie das anderswo mit der Schule und den Ausgangsbeschränkungen derzeit so läuft – in denen jetzt Coronatagebücher geschrieben und hinter den Einträgen virtuelle Hüte / Kaffeekassen / Spendendosen aufgestellt werden. Noch dazu, wo diese Einträge sowieso schon mit gesponserten Links gespickt sind und aus ihnen hervorgeht, dass keiner dieser Leute zur Zeit irgendwelche umständebedingten finanziellen Einbussen hat. Was mich dabei am meisten verwundert: dass diesen Spendenaufrufen offensichtlich tatsächlich Leute nachkommen. Nur so als Anregung, wo in diesen Zeiten Spenden dringend gebraucht würden: für die Menschen in Moria, für die Kinder in Kriegs- und Krisengebieten, für die vergessenen Völker in Afrika, die alle viel mehr unter Corona leiden werden als wir, die wir keine grösseren Sorgen haben als wo wir Toilettenpapier und Hefe herbekommen in diesen Zeiten und ob der Lehrplan unserer Kinder eingehalten werden wird.

Ansonsten war das ein sehr schöner fauler Tag. Der Ähämann hat uns leckere Steaks zubereitet, die wir bei 5°C – Aber Sonne! Und Windstille! – im Garten gegrillt haben. „Das riecht wie auf dem Weihnachtsmarkt!“, rief das Fräulein Maus begeistert. Und geschmeckt hat es fast noch besser. Offensichtlich hatte der Ähämann grosses Glück beim Fleischkauf, denn aus finnischem Fleisch ist ja normalerweise nicht viel Geschmack rauszuholen. Und Grillkäse und Mäusespeck gab’s auch noch. Dabei ist ja erst Karsamstag. Aber morgen soll’s regnen.

5 Kommentare zu “Coronaklausur, Tag 25

  1. Ja, meine Heldin dieser Tage ist Josephine Cochrane, die Erfinderin der Spülmaschine! Ohne sie wäre derzeit alles anstrengender.

  2. Hallo, das mit den Abmahnanwälten ist gelinde gesagt ein Fake. Da hat jemand etwas völlig falsch verstanden und sich darüber aufgeregt. Leider kommt sowas unkommentiert in die Presse. Wie so vieles sollte man nicht den Medien nicht alles glauben.
    LG Ursula

    • Na dann ist ja gut!

      (Aber allein die Tatsache, dass es solche Gerüchte und Ängste gibt, und dass z.B. eine deutsche Textilfirma dicht sitzende Schals mit FFP3-Filter als „Schutz gegen Feinstaub und Pollen“ vermarktet, spricht ja wohl Bände.)

  3. Was die Blogs mit Kaffeekasse angeht… das geht mir auch so. Zumal man oft den Eindruck hat, dass irgendwas nur erwähnt wird, um einen Link platzieren zu können. Also etwas überspitzt „nach dem Aufstehen dusche ich mit meinem Lieblingsduschgel [Amazon-Partner-Link] und verwende das tolle abc-Deo von [Amazon-Partner-Link]. Zum Frühstück gibt es Toast aus dem Toaster [Amazon-Partner-Link] und Müsli [Amazon-Partner-Link]…“

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