Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Coronaklausur, Tag 23

Ein Kommentar

Finnland hat 2605 bestätigte Coronafälle.

Die erste Etappe Ausnahmezustand ist geschafft.

Schule läuft, Arbeit läuft, so wenig wie möglich unter Menschen und nicht mehr als einmal in der Woche einkaufen gehen läuft auch. Wir haben noch keinen Lagerkoller und haben uns alle noch gegenseitig lieb.

Mit dem Puzzle geht’s auch voran.

Bisher haben wir es als Abenteuer genommen. (Und das werden wir auch weiterhin tun!) Aber manchmal tut es jetzt doch ein bisschen weh.

Heute wäre ich eher aus dem Hort gegangen, der Ähämann und die Kinder hätten mich abgeholt, dann wären wir nach Helsinki gefahren und hätten eine Fähre nach Tallinn bestiegen. Wir wollten über die Osterfeiertage nach Tartu, da waren wir noch nie. (Käse, Bier, Rhabarberlimo und Britakuchen sind auch alle. Und überhaupt.)

Auch unsere Sommerferienpläne sind, womit wir sowieso schon länger gerechnet hatten, hinfällig.

Wie immer wollten wir gleich nach der Zeugnisausgabe losfahren, um rechtzeitig zum Musiklager wieder dazusein. Dieses Jahr ist ja nicht nur das Fräulein Maus dort angemeldet, sondern auch der kleine Herr Maus. Ausserdem wollten diesmal die Grosseltern anreisen, um bei den vielen tollen Konzerten dabeizusein. Es steht noch völlig in den Sternen, ob das Musiklager überhaupt stattfinden kann – und auf jeden Fall wird es ohne Oma und Opa stattfinden, denn deren Flüge wurden diese Woche schon gecancelt.

Unsere Sommerreise wäre diesmal (zum Glück!) eher unspektakulär gewesen: wir wollten zwei Wochen in die Lieblingsheimatstadt fahren und anschliessend noch ein paar Tage in die Nähe von Dresden, den Kindern endlich mal die Frauenkirche und das Grüne Gewölbe und das Hygienemuseum zeigen, und natürlich ein paar Stiegen in der Sächsischen Schweiz beklettern. Die Grenzvorschriften in Finnland wurden gerade diese Woche so verschärft, dass uns vor Juni – gebucht hatten wir für den 30. Mai – keine Fähre nach Stockholm bringen würde; heute erhielt ich ausserdem eine Mail, dass unsere Fährüberfahrt von Trelleborg nach Rostock ersatzlos gestrichen ist. Und selbst wenn wir hinkämen – ich glaube nicht, dass wir in irgendein Freibad, ins Planetarium, mit dem Zug nach Halle in den Zoo, in die Lieblingsstudentenkneipe, die Dresdner Museen und was sonst noch alles schon auf unserem Plan gestanden hatte, könnten. Vielleicht können wir alles noch auf Ende der Sommerferien verschieben, aber vermutlich wird diese Reise dieses Jahr ganz ausfallen.

Wahrscheinlich können wir froh sein, wenn wir wenigstens unsere Herbstferien wieder in Estland verbringen können. Eigentlich wollten wir unsere ersten neun- statt viertägigen Herbstferien in diesem Jahr mit einer Zugreise nach Venedig feiern, aber wir wollen mal nicht übermütig werden. 2021 dann. Seufz.

Es gibt aber nicht nur schlechte Nachrichten. Zum Beispiel erhielt ich heute morgen einen Bescheid von meiner Arbeitslosenkasse, mit dem ich frühestens in zwei, drei Wochen gerechnet hatte. Seit ich im Hort arbeite, aus auf der Hand liegenden Gründen nur 80%, bekomme ich von meiner Arbeitslosenkasse eine Art Ausgleichszahlung dafür, dass ich keinen Vollzeitjob habe. Diese 200 € im Monat sind für uns unheimlich wichtig – jahrelang gingen sie zum Beispiel direkt für das Training des Fräulein Maus drauf. Letzte Woche las ich, dass die Arbeitslosenkassen wegen der vielen Beurlaubungen zur Zeit nicht mehr hinterherkommen mit der Bearbeitung der Anträge und dass sich die Zahlungen bis zum Jahresende hin verzögern können. Offensichtlich ist es aber a) von Vorteil, bei einer eher kleinen und speziellen Arbeitslosenkasse zu sein, und b) so, dass ebendiese sofort reagiert hat und entweder zusätzliche Mitarbeiter angestellt hat oder ihre Mitarbeiter mehr arbeiten lässt – jedenfalls bekomme ich mein Geld diesen Monat schon am 14., obwohl es unter normalen Umständen nie vor dem 24. ausgezahlt wird, wenn ich es sofort beantrage, wenn ich meinen aktuellen Lohnzettel erhalten habe.

Apropos Beurlaubungen. Die liebste Freundin hat vorgestern schon geschrieben, wie das mit dem Schulessen in ihrer Stadt gerade abläuft. Das kostenlose Schulessen ist in Finnland eine Institution, und gerade jetzt, wo viele Familien finanziell schlechter gestellt sind als normalerweise, ist es besonders wichtig. Deswegen gibt es trotz Fernunterricht weiterhin Schulessen für alle Schüler, die das möchten, natürlich den Umständen angepasst: An manchen Orten bekommen die Schüler ihr Essen als aufwärmbares Take-away. In manchen Orten bekommen Schüler, deren Schulweg länger als 10 km ist, das Essen sogar nach Hause geliefert. Manche Gemeinden geben ihren Schülern Lebensmittelgutscheine, zahlen einen Essenszuschuss oder verteilen, wie bei der liebsten Freundin, Lebensmitteltaschen an die Schüler.

Ach so, fast hätte ich’s vergessen: die Fertigstellung von Olkiluoto 3 wird sich wegen Corona auch verzögern. Das fällt 11 Jahre nach geplanter Inbetriebnahme jetzt natürlich so richtig ins Gewicht!

Ein Kommentar zu “Coronaklausur, Tag 23

  1. Liebe Karen,
    ich kann deine Worte gut verstehen – man hätte so gerne Planungssicherheit und würde so gerne die Ferien verbringen wie geplant. Wir warten hier alle gespannt was es nächste Woche für neue Informationen von der Regierung gibt.
    Genießt die Ostertage 🐰 – ganz liebe Grüße in den Norden.
    Petra

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