Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Coronaklausur, Tag 2

3 Kommentare

Geburtstag.

Wann sie denn eigentlich ihre Geschenke auspacken solle, hatte das Fräulein Maus schon seit Wochen überlegt. Denn, das ist mal klar, dabei muss die ganze Familie dabeisein. Und vorher singen. Nun würde ihr Tag aber kurz nach sechs anfangen, wenn die Brüder noch tief und fest schlafen, und statt zu erwarten, dass sie an ihrem Geburtstag mit ihr aufstehen, erwog sie sogar, bis zum Abend mit ihren Geschenken zu warten. (Schliesslich ist sie sowieso erst abends geboren!) Aber wenn sie dann nach dem Harfenkonzert im Nachbarort frühestens um acht abends heimkäme, das wäre schon sehr spät… Es beschäftigte sie sehr.

Tja, hatte sich alles erledigt. Wir schliefen alle bis um acht, zündeten vierzehn Kerzen an und gingen dann singend in ihr Zimmer, um sie aufzuwecken, wo sie allerdings schon lange vor Aufregung aufgewacht war, und dann konnte sie in aller Ruhe vor einem halbwegs selbstgewählten Schulbeginn ihre Geschenke auspacken und mit uns allen Geburtstagstorte essen.

***

Schule.

Obwohl die Schulen gerade mal den zweiten Tag geschlossen sind und wir gerade mal den vierten Tag ernsthaft Schule zu Hause machen, kommt es mir vor, als wären die Kinder vor einer Ewigkeit das letzte Mal zur Schule gegangen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass das richtig gut läuft mit dem Fernunterricht; dass der sehr nahe an den echten Unterricht herankommt und sehr weit entfernt ist von blossem Aufgabenabarbeiten.

Der Stundenplan gilt weiterhin. Das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus haben regelmässig richtigen Unterricht per Videoschaltung. Ausserdem bekommen sie Aufgaben, die sie während der entsprechenden Unterrichtsstunde bearbeiten und zurückschicken müssen. Wenn ihnen etwas unklar ist, können sie mit ihren Klassenkameraden chatten oder der Lehrerin eine Nachricht schicken. Der kleine Herr Maus rief heute früh kurzerhand bei seiner Lehrerin an, weil er ein Problem hatte, und bekam freundlich Hilfe.

Jedes Mal denke ich wieder, wie einfach das hier ist, wo es Wilma gibt und digitale Lernmittel schon längst gang und gäbe sind. Der Übergang hätte für Schüler und Lehrer gleichermassen nicht komplikationsloser sein können, weil alle die benötigten Techniken schon beherrschten. Die Grossen haben natürlich einen Extravorteile durch ihre eigenen Schultablets und -laptops, auf denen alle benötigten Programme auch schon längst installiert sind, aber die Lehrer finden auch kreative Lösungen: der kleine Herr Maus, der seit der ersten Klasse entweder mit einem der klasseneigenen iPads oder seinem eigenen Telefon SeeSaw benutzt, um zum Beispiel seine Werkarbeiten oder zum Schulstoff erstellte Videoclips mit uns zu teilen, lädt jetzt dort seine abfotografierten fertiggestellten Aufgaben hoch und bekommt sie mit direkt ins Foto gemalten Korrekturen dorthin zurückgeschickt.

Nur mir wird langsam schwindlig von den vormittags im Fünf-Minuten- und nachmittags mindestens im Stundentakt eintrudelnden Benachrichtigungen über neue Mitteilungen, neue geteilte Elemente und neue Wilma-Einträge: es gibt sogar weiterhin stundenbezogene Einträge wie „aktive Mitarbeit“ oder „Hausaufgaben vergessen“!

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Arbeit.

Mittags radelte ich auf Arbeit. Die beste Chefin und ich hatten gestern noch gemeinsam beschlossen, auch die Nachmittagsbetreuung als Fernhort weiterzuführen. Wir stellen jetzt jeden Tag irgendeine kleine Beschäftigung – Bastelanleitungen, Sportübungen, Wissenschaftsdienstagsexperimente, Linktipps – auf unsere Webseite. Gestern fingen wir mit einer kindgerechten Linksammlung zu Beiträgen von „Maus“ und „logo!“ zum Thema Coronavirus an. Ausserdem haben wir beschlossen, auch unser Vorleseprojekt – wir lesen jeden Tag vor dem Vesper ein bisschen vor, das gleiche Buch immer abschnittsweise abwechselnd erst auf Deutsch und dann auf Finnisch – weiter für die Kinder anzubieten. Also nahmen wir heute zweieinhalb Stunden lang kapitelweise das Buch, das wir gerade angefangen hatten zu lesen, nochmal von vorn und dann bis zum Ende auf. Uff. Ich wollte dann den Rest des Tages nicht mehr reden.

Wie es ansonsten weitergeht mit dem Hort, wissen wir gerade auch kein bisschen. Vielleicht bleiben die Schulen gleich bis zum Sommerferienbeginn zu, vielleicht wird im Mai wieder in den Schulen unterrichtet, dafür der Ferienbeginn auf bis nach Juhannus verschoben… Wenn das tatsächlich alles so lange dauert – was ich aus Biologensicht nur befürworten kann! – kann es leider gut sein, dass wir demnächst beurlaubt werden. Wir werden sehen.

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Auslüften.

Als ich wieder zu Hause ankam, war es höchste Zeit, die zu Hause arbeitende und lernende Familie zu lüften. Wir packten Kaffee und Kuchen ein und radelten zum nahegelegenen See.

Der Parkplatz dort war so voll wie sonst nur an Wochenenden während der Schlittschuhsaison. Überhaupt sieht man den ganzen Tag über auffallend viele Leute draussen spazierengehen oder fahrradfahren: Mütter oder Väter mit Kindern, junge Paare, alte Leute. Sonst sieht man ja nur Jogger oder Leute mit Hunden. Wir trafen auch zufällig einen Bekannten, der mit voller Vogelguckerausrüstung am See unterwegs war, und unterhielten uns über mindestens vier Meter Sicherheitsabstand über Vorlesungen per Videokonferenz, Hybridgänse und Möglichkeiten für gemeinsame Pfadfinderunternehmungen ohne physisches Zusammensein. Das finde ich gerade wirklich sehr schön.

3 Kommentare zu “Coronaklausur, Tag 2

  1. Das mit den vielen Leuten draußen in der Natur ist mir auch schon aufgefallen…vor allem vermehrt Eltern mit Kindern, die am See spazieren gehen, radfahren oder auf skates unterwegs sind. Fast könnte einen das traurig stimmen, denn wo sind die denn ohne Corona-Zeiten zu finden?
    Nur der Sicherheitsabstand, der wird leider viel zu oft noch ignoriert!
    Viele Grüße auf jeden Fall nach Finnland und bleibt gesund,
    Friederike

  2. Glückwunsch an Fräulein Maus.
    Übrigens grüßen die Spaziergänger hier neuerdings, das ist putzig.
    Viele Grüße
    Ilka

  3. Das klingt alles gut. Sehr gut. Und es ist natürlich von Vorteil, wenn die Schulen Digital nicht erst leren müssen, wie es hier teilweise ist.
    Und ich wohne ja direkt am großen Park in der Stadt. Der ist angenehm leer. Natürlich gehen viele Leute spazieren, halten aber respektvollen Abstand. Was den Park ruhig macht, sind die fehlenden Parties

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