Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Schwerter zu Pflugscharen

3 Kommentare

Spiess umgedreht: „Zivilgelände. Zutritt für Militaristen verboten!“

So wie andere Kinder die Strassen ihres Stadtviertels kennen, kennt der kleine Herr Maus alle Wege und Hundepfade durch den Wald, der zwischen unserem und dem Nachbarstadtteil liegt.

Letzte Woche war er mal wieder dort mit einem Schulfreund unterwegs, mit den Fahrrädern, und machte dabei eine Entdeckung, die ihn vor Freude tagelang hüpfen liess.

Es ist nämlich so: da, wo im Sommer der neue Kreisverkehr angelegt wurde, samt einer etwas überdimensionierten Brücke über den kleinen Bach, soll ein neues Wohngebiet entstehen. Und wie das hier so ist – obwohl noch kein einziges Haus dort gebaut wurde, ist nicht nur die Zufahrtsstrasse dahin fertig, sondern sind überhaupt schon alle Strassen, Fuss- und Radwege angelegt und asphaltiert und Strassenlaternen aufgestellt. Gleich, als der Kreisverkehr und die Brücke eröffnet waren, bogen wir auf dem Rückweg von der Musikschule mal dahin ab, aus lauter Neugier, aber es gab nicht viel zu sehen, ausser ein paar extra beleuchteten vermoosten Bunkereingängen, die hinter den noch zu fällenden Bäumen auf den Baugrundstücken hervorleuchteten.

Früher war nämlich genau dort, wo jetzt das Wohngebiet entstehen soll, ein weiträumig abgesperrtes Militärgelände.

Umso wunderbarer finde ich die Entdeckung des kleinen Herrn Maus: ausser Strassen, Wegen und Beleuchtung ist dort nämlich auch schon ein toller grosser Spielplatz angelegt worden; ein bisschen verloren allerdings noch so im Wald und ganz sicher von fast niemandem besucht.

Nachdem der kleine Herr Maus drei Tage mit Husten und Halsweh zu Hause herumgelegen hatte und heute in schönster Zur-Strafe-für-euch-geh-ich-wieder-ins-Bett-Stimmung war – frei nach einem bei uns oft zitierten Gedicht aus einem mehr als hundert Jahre alten Buch aus der Kinderzeit meiner Urgrossmutter (!), in dem es um ein Kind geht, das wohl mit dem sprichwörtlichen linken Bein aufgestanden ist, und das mit den Zeilen „Ihr seid heute alle gar nicht nett! Und zur Strafe für euch geh‘ ich wieder ins Bett!!!“ endet – durfte er heute, in der Hoffnung auf Stimmungsbesserung, den grossen Herrn Maus und mich durch den Wald zum neuentdeckten Spielplatz führen.

Und dann guckten wir uns auch gleich noch ein bisschen die Umgebung an.

Ich sag‘ mal so: ich finde die Idee sehr sympathisch, dass jetzt Künstler in den ehemaligen Militärgebäuden ihre Ateliers haben und bald Familien da wohnen und Kinder da spielen werden, wo früher Kasernen und Munitionslager standen. Aber es lag sicher nicht nur an der Tristesse eines verregneten Februartages, dass ich da ganz sicher nicht hinziehen wollte.

(Aber auf den Spielplatz gehen wir sicher noch öfter.)

Wo die Schienen der Ende der 1960er Jahre abgebauten Turkuer Strassenbahn hingeraten sind, wissen wir dann jetzt auch.

3 Kommentare zu “Schwerter zu Pflugscharen

  1. Hach ja, ich beneide euch.

    Bei uns um die Ecke haben sie auf einem Spielplatz 2016 (oder Anfang 2017?) sämtliche Spielgeräte abgebaut, weil die nicht mehr in Ordnung waren. Geld für neue war jedoch nicht eingeplant. Nicht 2017, nicht 2018 und auch nicht 2019. Der Spielplatz besteht also inzwischen aus einem winzigen Stück Wiese und verdrecktem Sand, an einem Rand steht eine steinere Tischtennisplatte … und das wars dann auch.

    Im vergangenen Jahr reichte das Geld für die Neugestaltung genau eines Spielplatzes hier in der Kleinstadt und wenn es in dem Tempo weiter geht, haben vielleicht meine Enkel eines Tages einen neu gebauten Spielplatz (aber sicher wäre ich da nicht). Auch auf ein paar anderen Spielplätzen wurden Spielgeräte abgebaut und keine neuen aufgestellt. Und dort, wo man neu baut, wird zwar viel Geld ausgegeben, aber wirklich schön wird es meist nicht.

    • Hier werden auch dauernd Spielgeräte abgebaut – aus Sicherheitsgründen! *augenroll*

      Gerade sind von dem Spielplatz, auf den wir immer mit den Hortkindern gehen, das Klettergerüst und die Wippe verschwunden. Man darf gespannt sein, ob da irgendein Ersatz – und was für einer – kommen wird…

      • Was ich da ganz nebenbei noch traurig finde, ist, dass bei der Neugestaltung oft zwar viel Geld ausgegeben wird, aber letztlich nichts wirklich Originelles entsteht. Ein relativ großer Spielplatz hier wurde vor ein paar Jahren neu gestaltet – nun gibt es ein etwas avangardistisches (und sehr teures!) Klettergerüst, eine Mini-Rutsche für die Kleinen und eine Schaukel.

        Vor der Neugestaltung gab es auch ein Spielhaus, eine „Wippe“, die auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl befahrbar war, eine Wasser-Matsch-Ecke mit Holzrinnen usw. Inzwischen gibts nichts mehr davon. Spielhäuser werden nicht mehr aufgebaut, weil sie als Pinkelecken benutzt werden (stimmt leider oft) und der Rest löste auf meine Nachfrage nur ein Schulterzucken aus. Inklusion? Was ist das? Wer nicht klettern (und womöglich nicht mal laufen) kann (oder will) braucht auch keinen Spielplatz, scheint hier die Einstellung zu sein.

        Beim Spielplatz, der voriges Jahr neu entstanden ist, hat man Klettergeräte aus großen Betonringen gebaut – nun ja. Ein dabei entstandener Turm mit Leiter ist für zahlreiche Kinder nicht erreichbar, weil die oberste Leitersprosse viel zu weit unten ist. Kann man sicher machen, aber wenn dann oben weinende Kinder sitzen, weil sie es mit Ach und Krach hoch geschafft haben, nun aber nicht wieder runter kommen, finde ich das schon seltsam.

        Aber wo ich das so schreibe, fällt mir auf, ich habe dieses Jahr noch gar keine Mail an die Spielplatzbeauftragte der Stadt geschrieben und gefragt, wann wir wieder einen Spielplatz bekommen. Muss ich wohl mal machen. ;)

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