Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Grossküchenstreik 2019

Die Grossküchen streiken wieder.

Da es aber letztes Jahr offenbar unzumutbar war, dass die Eltern ihren Kindern mal zwei Tage lang etwas zu essen mit in die Schule geben, gibt es dieses Jahr Notproviant für alle.

Als ich gestern auf Arbeit ankam, war gerade Mittagessenzeit für die Oberschüler, und auf den Tischen im Schulspeisesaal standen kistenweise Vesperkekse, Knäckebrot, Äpfel und Pillimehu.

Ein Küchenmitarbeiter wird pro Tag vom Streik befreit, um die Proviantausgabe zu überwachen – darf aber selbst nichts machen. Unsere Küchenchefin sass ein bisschen unglücklich zwischen all den Kisten, hatte uns schon unser Vesper – Cornflakes, Heidelbeersuppe, Piroggen, Pillimehu und das dazugehörige Wegwerfgeschirr – auf unseren Essenswagen geladen, versprach auch, uns die Piroggen später noch warm zu machen und fragte, ob sie uns auch noch die restliche Milch aus dem Kühlschrank reichen soll. „Ich kann doch hier nicht nur rumsitzen und zugucken, wie doof ist das denn!“, beklagte sie sich, und ich glaube tatsächlich, dass es für sie schwerer ist, nichts zu tun, als für uns, uns eben unseren Kram selbst aus dem Kühlschrank zu nehmen und hinterher wieder hineinzustellen.

Und dann ging sie nochmal los und holte mir auf meine Bitte hin unser Geschirr vom Trockenregal und zwei 15-Liter-Plastikeimer, in denen einst Preiselbeeren angeliefert worden waren, und ich gab ihr dafür die Pappteller und Plastelöffel zurück.

(Und den Pillimehu auch, denn wenn wir sonst nur Wasser und Milch trinken, warum sollten wir das jetzt nicht auch tun?!)

Ich hätte den Abwasch notfalls auch allein gemacht, aber so schnell konnte ich gar nicht gucken, wie alles gespült, getrocknet, sortiert und gestapelt war. ♥


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Und am Sonntag…

… gingen wir endlich anbaden.

„Ihr seid aber gewachsen…!“, wurden die Kinder begrüsst, und das ist nicht nur so eine Floskel, denn sie wachsen tatsächlich hauptsächlich im Sommer.

Und mir wurde so richtig bewusst, wie lange wir schon mit ihnen da hingehen, als ich den Neunjährigen da so sitzen sah auf der obersten Saunabank zwischen Ritva und Silja, die 70 Jahre älter sind als er und immer ein freundliches Wort für die Kinder haben und schon dabeiwaren, als er als Zweijähriger nach der Sauna zum ersten Mal seine Zehenspitzen ins gefrorene Meer tunkte.


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Halloween 2019

Man kann dazu ja geteilter Meinung sein, aber ich stelle von Jahr zu Jahr mehr fest, wie toll ich es finde, dass es vor Weihnachten schon mal ein Fest in der dunklen Jahreszeit gibt. Ein Fest, bei dem es sowieso dunkel sein muss und bei dem man sich mit Kerzen und sonstigen schummrigen Beleuchtungen austoben darf.

Wir feierten den ganzen Donnerstagnachmittag im Hort, mit Verkleiden und gruseligem Essen und gruseligen Spielen und Licht nur von den flackernden Gespenstern, und dann raste ich heim, um das Fräulein Maus bei den letzten Vorbereitungen für ihre Halloween-Party mit dem Flohzirkus zu unterstützen, für die sie fast alles allein gebastelt und zubereitet und geplant hatte: es gab Spaghettikraken und Olivenskorpione und Keksspinnen zu essen, blutige Kerzen, drei von ihr selbst allertollst geschminkte Mäusekinder, gruselige Musik, aus den Büschen vor dem Haus lugende leuchtende Augen und eine Gruselgasse durchs Bad, an deren Ende der grosse Herr Maus aus der Sauna gesprungen kam und alle wirklich ganz echt erschraken und dann sehr lachen mussten.

Und dann hatte der kleine Herr Maus, der früh als Spinne in die Schule gegangen war, endlich Zeit, mir zu berichten, dass er in seiner Klasse den Preis für das beste Kostüm gewonnen hatte: eine Woche hausaufgabenfrei!

Es ist nicht der Untergang des Abendlandes, wenn die Kinder Spass am Verkleiden und Gruseln haben. Sie wissen, wer Martin Luther war und was es mit der Reformation auf sich hatte. Und wenn es sein muss, können sie ohne Probleme von jetzt auf gleich umschalten von Halloween auf Allerheiligen.


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Am Montag stand für den grossen Herrn Maus bei den Pfadfindern ein Karton mit 80 Adventskalendern bereit, den er ja schlecht auf dem Fahrrad heimbuckeln konnte, weswegen ich ihn mit dem Auto hinfuhr und abholte und währenddessen einkaufen ging.

Auf dem Hinweg fiel mir die grosse Leuchttanzeige an der Tankstelle auf, da stand 1,449 €, und ich beschloss spontan, dass das so billig ist, dass ich auch gleich noch tanken könnte. Als ich eine halbe Stunde später nach dem Einkaufen wieder da vorbei kam, stand da 1,429 €, und ich freute mich sehr.

„Schön billig grade!“, brummte es von der anderen Seite des Tankautomaten, als ich gerade nach dem Zapfhahn griff, und dann lugte ein älterer Herr um den Tankautomaten herum. „Hmm“, sagte ich, „und vor einer halben Stunde hat es noch zwei Cent mehr gekostet.“ „Und morgen früh ist es wieder teuer“, erklärte der ältere Herr weiter, „aber morgen Abend gibt’s dann das billigste Benzin der Woche.“ „Echt? Wieso?“, wunderte ich mich. „Weil es Dienstagabend immer am billigsten ist!“

Das war mir neu. (Und überhaupt sage noch mal einer, Finnen hielten keinen Smalltalk…!)

Dann war ich fertig mit Tanken, fuhr davon, und gleich an der Kreuzung hinter der Tankstelle kam eine 359 gefahren.

Das mit dem Dienstagabend stimmte aber nicht. Als ich Dienstagabend die Musikschulrunde fuhr, war das Benzin wieder 10 cent teuer als am Vorabend.

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kolmesataaviisikymmentäkahdeksan

Der Mittwochmorgen vor einer Woche begann ein bisschen kafkaesk.

Eigentlich wollte ich nur schnell Adventskalenderüberweisungen checken, aber meine Bankapp, die ich seit Monaten nutze, teilte mir mit, sie wolle neu eingerichtet (hä?!) werden, wozu ich mich identifizieren musste: wahlweise über meine Bank – was ja nicht ging, weil die Bankapp nicht einsatzfähig war – oder über meinen Mobilfunkanbieter – wofür ich mich dort aber erst hätte anmelden müssen, was nur geht, wenn ich mich über meine Bank identifiziere, was ja nicht geht, weil die Bankapp…

Statt in letzter Minute direkt auf Arbeit zu fahren, stattete ich also meiner Bank einen Besuch ab.

Als ich hinterher auf Arbeit radelte, hätte ich gern mehrmals angehalten und den Autofahrern erklärt, dass es für uns beide einfacher wäre, wenn sie als Rechtsabbieger oder vorm Zebrastreifen einfach mal rechtzeitig langsamer würden, so dass wir nicht am Ende beide eine Vollbremsung* einlegen müssen und es dreimal so lange dauert, bis sie weiterfahren können, weil ich aus dem Stand wieder anfahren muss statt einfach weiterzurollen. Wahlweise würde ich auch gern einfach mal „Paragraph 1!“ rufen, aber das ist hierzulande erst Paragraph 3, und gegenseitige Rücksichtnahme ist etwas, was in Finnland ein wirklich grosses Ding ist, aber nicht im Strassenverkehr.

Als ich dann abends von Arbeit heimfuhr, fuhr auf Höhe der seit vier Jahren immergrünen Ampel endlich die finnische Vorwahl an mir vorbei – seit langem mal wieder ein Pakettiauto – und ich holte das an den nächsten zwei Ampeln dann jeweils nochmal ein.


*Immerhin halten sie mittlerweile doch grossteils an, sowohl die Rechtsabbieger als auch vorm Zebrastreifen. Muss ja auch mal gesagt werden.

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