Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Ressourcenschonendes Umschichten

14 Kommentare

Unsere Kinder bekommen heute zum Vesper, was die Hortkinder in den letzten Wochen zum Vesper nicht wollten.

(Plus ein paar Heidelbeeren aus dem Wald hinterm Haus, die sich noch vom letzten Sommer in einem deutschen Joghurtglas im Tiefkühlfach fanden. Plus nichtfettfreie Milch. Abgefüllt in estnische ehemalige Bananensaftflaschen. Wenn schon Weiter- und Wiederverwertung, dann richtig!)

Es ist nämlich so: was uns die Schulküche einmal auf unseren Essenswagen geladen hat, darf sie nicht wieder zurücknehmen. (Abgesehen von Margarinebechern und geschlossenen Milchpackungen.) Und was die Kinder auch im Laufe des restlichen Nachmittags nicht aufgegessen haben, müssen wir wegschmeissen.

Oder selber essen. Und so buckele ich auf dem Fahrrad tütenweise Brot nach Hause oder 32 strohige Mandarinen oder kiloweise braungefleckte Bananen, und alles davon, was irgendwie eingefroren werden darf, landet erstmal im Tiefkühlschrank und später in irgendeiner Form bei uns auf dem Tisch.

Meine Mutter, die in den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren als kleines Kind noch echten Mangel und Hunger erlebt hat, schmeisst nie ein Fitzelchen noch essbares Essen weg. Und ich finde, auch in unserer heutigen Überflussgesellschaft muss man weder mit Essen noch mit Gegenständen so sorg- und gedankenlos umgehen. Aber mit Essen schon gar nicht.

„Nicht schon wieder Arkea-Brot!“, stöhnen die Kinder manchmal beim Abendbrot. Oder „Oh, hast du wieder die leckeren Arkea-Äpfel mitgebracht?“, stürzen sie sich auf den Obstkorb.

So oder so, Essen wird nicht weggeschmissen. Punkt.

14 Kommentare zu “Ressourcenschonendes Umschichten

  1. Gibt es in Finnland auch Foodsharing, also öffentliche Kühlschränke, in denen man übrige Lebensmittel deponieren kann, wenn man für eine Party falsch geplant hat oder noch Reste hat vor man wegfährt?

    • Es gibt allerlei solche Dinge, z.B. Restaurants, die per App billig Take-away-Portionen verkaufen, die sie am selben Tag sonst nicht mehr loswerden würden. Oder Restaurants, die aus Lebensmitteln kochen, die kurz vorm Verfallsdatum sind und deshalb von Supermärkten aussortiert werden müssen. Privat gibt es sowas eher nicht – bis auf die Kisten mit Äpfeln, die im Herbst hier immer zur Selbstbedienung vor den Häusern stehen – was aber, glaube ich, auch an den sehr strengen Hygienevorschriften in Finnland liegt…

  2. Mein Tiefkühlschrank ist mittlerweile mein bester Freund geworden. Gerade zu dieser Jahreszeit ist er meist bis zum Anschlag gefüllt, um uns mit Selbstgeerntetem gut durch den Winter zu bringen.
    Aber wenn ich im Kiga schaue, wie viel Essen im Müll landet, kommt mir das Graußen. Leider sind unsere Richtlinien sehr streng, dass wir nichtmal Reste mitnehmen dürfen, weil wir uns ja daran bereichern könnten. Bzw es wohl mal eine Kollegin gab, die die Kinder kurz gehalten hat um sich selbst das Einkaufen und Kochen zu sparen.
    Aber toll, dass es anderswo besser läuft!
    Lg Carmen

    • Wie doof – also sowohl, dass jemand sowas ausnutzt wie auch, dass die Reste nun grundsätzlich weggeschmissen werden müssen.

      Unser Küchenpersonal ist sich der Problematik zum Glück bewusst. Wenn sie sehen, dass viel zurückgeht, fragen sie z.B., ob viele Kinder gefehlt haben oder ob es einfach nicht geschmeckt hat, und in dem Fall verringern sie die Portionsgrösse beim nächsten Mal. (Oder die Sache wird gar nicht mehr angeboten, aber das dauert immer ein bisschen, weil das nicht eine einzelne Schulküche selbst entscheiden darf, weil es für alle den gleichen Speiseplan gibt.) Und einmal am Anfang, als ich sehr viel Käse zurückbrachte, der aber eben offen in einer Dose lag, fragte ich, ob sie den denn eigentlich wieder zurück in den Kühlschrank tun oder wegschmeissen würden, und dann erklärten sie mir, dass sie den wegschmeissen müssten, und als ich sagte, dann würde ich ihn vielleicht mitnehmen, drängelten sie ihn mir regelrecht auf.

  3. Ach schön – der Born-Senf und das Köstritzer Bier im Kühlschrank :-)
    Viele Grüße von einer regelmäßigen Leserin aus Thüringen

    • :-)

      (Das Bier neben dem Vesper für die Kinder geht ja eigentlich gar nicht. ;-) Hierzulande wird nämlich Alkohol vor den Kindern versteckt und auch nur heimlich getrunken. Und dann wundern sie sich, wieso keiner ein normales Verhältnis zu Alkohol hat. Aber das ist ein anderes Thema…)

  4. Auch ich gehöre zu dieser Generation, die wie Ihre Mutter, in der Kriegs- und Nachkriegszeit gehungert haben haben und deshalb keine Nahrungsmittel wegwerfen kann. Leider bin ich da im Umfeld allein auf weiter Flur. Um so mehr freue ich mich, dass Sie, wie einige andere auch, ebenso sorgsam mit unseren Lebensmitteln umgehen.
    Darüberhinaus möchte ich mich als langjähriger stiller Mitleser bei Ihnen für Ihre so interessanten und informativen Beiträge bedanken, ich warte immer ungeduldig auf die nächste Ausgabe. Bitte immer weiter so!
    Ganz herzliche Grüße aus Ihrer Heimat, dem Tor zum Erzgebirge

  5. Stimmt so, Essen wird nicht weggeschmissen. Und ich finde es auch richtig!
    In Deutschland kann sowas aber leider als Diebstahl deklariert werden.
    LG Ilka

  6. Das ist echt super. Ich arbeite im Kindergarten, aber wir dürfen die reste nicht mit nach Hause nehmen….LG Tanja

  7. Liebe Karen,da stimme ich dir voll und ganz zu !

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